Freiherr Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein

Freiherr Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein

Male 1757 - 1831  (73 years)    Has 2 ancestors and 51 descendants in this family tree.

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  • Name Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein 
    Prefix Freiherr 
    Relationshipwith Adam
    Born 25 Oct 1757  Nassau an der Lahn Find all individuals with events at this location 
    Gender Male 
    Died 29 Jun 1831  Cappenberg Find all individuals with events at this location 
    Person ID I78884  Geneagraphie
    Last Modified 24 Aug 2008 

    Father Karl Philipp Reichsfreiherr vom und zum Stein,   d. Yes, date unknown 
    Mother Henriette Karoline Langwerth von Simmern,   d. 1783 
    Siblings 3 siblings 
    Family ID F273430  Group Sheet  |  Family Chart

    Family Christiane Mathilde Wilhelmine Friederike von Wallmoden-Gimborn,   b. 22 Jun 1772, Wien, Österreich Find all individuals with events at this location,   d. 1819  (Age 46 years) 
    Married 1793 
    Children 
     1. Henriette vom und zum Stein,   b. 1796,   d. Yes, date unknown
    +2. Baroness Therese vom und zum Stein,   b. 3 May 1803,   d. 1 Jan 1863  (Age 59 years)
    Last Modified 24 Aug 2008 
    Family ID F32657  Group Sheet  |  Family Chart

  • Photos
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  • Notes 
    • Stein wuchs im Stein'schen Schloss in der Ortsmitte von Nassau auf.

      Stein war das zweitjĂŒngste Kind von insgesamt neun Geschwistern. Von diesen erreichten aber nur sechs das Erwachsenenalter.

      Die Familie war seit dem 17. Jahrhundert reichsunmittelbar. Steins Familie besaß entlang des Rheins und der Lahn mehrere kleine GĂŒter. Insgesamt machte der Besitz etwa 2400 nassauische Morgen aus. Als Reichsritter war sie durch Reichsgesetze geschĂŒtzt und konnte sich bei Streitigkeiten direkt an Reichsgerichte wenden. Sie hatte die hohe Gerichtsbarkeit und eine herrschaftliche Stellung in einigen Dörfern wie FrĂŒcht oder Schweighausen inne. Das Einkommen aus diesen Besitzungen reichte nicht fĂŒr ein standesgemĂ€ĂŸes Leben aus. Daher traten auch die OberhĂ€upter des Hauses seit Jahrhunderten in die Dienste grĂ¶ĂŸerer FĂŒrsten und Landesherren. Karl Philipp war trotz seiner evangelischen Konfession kurmainzischer Kammerherr und Geheimer Rat.

      Durch die hĂ€ufige dienstliche Abwesenheit des Vaters lag die frĂŒhe Erziehung Steins ĂŒberwiegend in den HĂ€nden der Mutter. Die Mutter war gebildet und stand im Kontakt mit dem Gelehrten Johann Kaspar Lavater. Im Zentrum stand fĂŒr sie die sittlich-religiöse Erziehung. Karl vom Stein war der Lieblingssohn der Mutter. Um den Familienbesitz zusammenzuhalten, hat Karl Philipp einen Fideikomiss gegrĂŒndet. Einige Zeit spĂ€ter wurde gegen den Protest der Ă€lteren BrĂŒder Karl vom Stein der alleinige Erbe. Seit dem Tod der Mutter 1783 war er fĂŒr die Verwaltung der Reichsritterschaft verantwortlich, da sich der Vater aus gesundheitlichen GrĂŒnden ebenfalls zurĂŒckgezogen hatte. Wegen seiner preußischen Beamtenlaufbahn ĂŒbertrug Stein die tatsĂ€chliche Leitung der GĂŒterverwaltung seiner Schwester, der unverheirateten Stiftsdame Marianne.

      Nach der französischen Eroberung verkaufte Stein seine linksrheinischen GĂŒter und erwarb dafĂŒr 1802 die Herrschaft Birnbaum in der spĂ€teren preußischen Provinz Posen.

      Ausbildung und erste berufliche TĂ€tigkeiten
      Minister Friedrich Anton von Heynitz war Förderer Steins zu Beginn von dessen beruflicher TĂ€tigkeit im preußischen StaatsdienstIm Alter von sechzehn Jahren nahm Stein 1773 ein Studium der Jura, Geschichte und Kameralwissenschaften (VorlĂ€ufer der Wirtschaftswissenschaft) in der damals fortschrittlichsten deutschen UniversitĂ€t in Göttingen auf. Erheblichen geistigen Einfluss auf ihn ĂŒbte August Ludwig Schlözer aus, der versuchte, zwischen modernem Verfassungsdenken und konservativen Vorstellungen von altdeutscher LibertĂ€t zu vermitteln. Daneben studierte Stein auch bei Johann Stephan PĂŒtter, einem der besten Kenner der Verfassung und Struktur des Heiligen Römischen Reiches. Wie damals fĂŒr Studenten adeligen Standes ĂŒblich, verließ er die UniversitĂ€t 1777 ohne Abschluss.

      Da sein Studium vor allem auf den Reichsdienst ausgerichtet war, absolvierte Stein anschließend einige Monate ein Praktikum beim Reichskammergericht in Wetzlar. Dort trat er auch der Freimaurerloge Joseph zum Reichsadler bei. Auf verschiedenen Kavaliersreisen 1778/78 lernte er Regensburg als Sitz des Reichstages, die Höfe und Regierungen verschiedener Territorien des Reiches wie Mainz, Mannheim, Darmstadt, MĂŒnchen sowie in Wien die Residenz des Kaisers kennen. Außerdem reiste Stein in die Steiermark und nach Ungarn. Dabei interessierte er sich auch fĂŒr das Bergwerkswesen.

      Auf BemĂŒhen seiner Mutter trat Stein 1780 in den preußischen Staatsdienst ein. Er selbst begrĂŒndete diesen Schritt mit seiner Bewunderung fĂŒr Friedrich II. und die LiberalitĂ€t des preußischen Staates, der keine Vorbehalte gegen Außenseiter kannte und ihnen gute Aufstiegsmöglichkeiten bot. Als Referendar wurde er in Berlin beim Bergwerks- und HĂŒttendepartment des Generaldirektoriums angestellt, wo ihn Minister Friedrich Anton von Heynitz förderte. Stein absolvierte eine entsprechende Fachausbildung, teilweise an der sĂ€chsischen Bergakademie in Freiberg. Ausgedehnte Dienstreisen mit dem Minister vervollstĂ€ndigten seine Kenntnisse.

      Eine eigenverantwortliche Stellung nahm er 1784 im Bereich des Bergbaus des westfĂ€lischen Teils der preußischen Staaten ein. Als Direktor der BergĂ€mter Wetter an der Ruhr und IbbenbĂŒren war Stein fĂŒr den Wegebau, den Ruhrkanal und die Organisation des unter staatlicher Aufsicht betriebenen Bergbaus zustĂ€ndig. Dabei intensivierte er die staatliche Aufsicht ĂŒber die Gruben. Er verbesserte dabei auch die Verbindung der Steinkohlegruben im spĂ€teren Ruhrgebiet mit den Gewerberegionen im Sauerland, Siegerland und Bergischen Land.

      Verschiedene Male wurden ihm diplomatische Posten angeboten, die er bis auf eine Gesandtschaftsreise 1785 nach Mainz, mit dem Ziel, den KurfĂŒrsten zum Anschluss an den FĂŒrstenbund zu bewegen, ausschlug.

      Im Jahr 1786 machte er eine Reise nach England, um den dortigen Bergbau, Kanalbau und insgesamt die AnfĂ€nge der industriellen Revolution zu studieren. Die so gewonnenen Erkenntnisse konnte er nach seiner RĂŒckkehr teilweise im Ruhrbergbau umsetzen. Auch gelang es ihm, einen Liefervertrag fĂŒr eine Dampfmaschine von Boulton & Watt abzuschließen.

      Verwaltung der westlichen Provinzen
      Im Jahr 1787 wurde Stein Leiter der mĂ€rkischen Kriegs- und DomĂ€nenkammern in Hamm. In dieser Zeit war er fĂŒr die Schiffbarmachung der Ruhr verantwortlich, ließ als einer der ersten in Deutschland einige Meilen befestigter Chausseen anlegen und verzichtete dabei auf die sonst ĂŒbliche Fronarbeit. Außerdem sorgte er fĂŒr eine BeschrĂ€nkung der Steuern und eine Liberalisierung der Verkehrs- und Gewerbebestimmungen. Im Jahr 1792 wurde Stein Landtagskommissar, d.h. staatlicher Aufsichtsbeamter fĂŒr die LandstĂ€nde der Grafschaft Mark.

      Seit 1793 war er zusÀtzlich PrÀsident der Kammer des Herzogtums Kleve mit Sitz in Kleve. Seinen Wohnsitz nahm er im Klever Herzogsschloss.

      Im selben Jahr heiratete er die vierzehn Jahre jĂŒngere GrĂ€fin Wilhelmine von Wallmoden. Sie war Tochter von Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn, einem hannoverschen General, der einer LiebesaffĂ€re des englischen Königs Georg II. entstammte.

      Als leitender Beamter war Stein in seinen Provinzen in der Grafschaft Mark fĂŒr eine umfassende Steuerreform zustĂ€ndig, die fĂŒr die Einwohner einer Verringerung der Abgaben bedeutete. Den durch die kriegsbedingte Teuerung hervorgerufenen Unruhen in der Grafschaft Mark begegnete Stein, indem er gegen den Widerstand des MilitĂ€rs Getreide aus den Speichern der Armee zu gĂŒnstigen Preisen an die Bevölkerung abgeben ließ. Gegen die Versuche der preußischen Zentralverwaltung schĂŒtzte Stein die Reste der StĂ€ndeverfassung und der kommunalen Selbstverwaltung.

      WĂ€hrend des ersten Koalitionskrieges war Stein im Hauptquartier des Königs fĂŒr die Verpflegung der Armee zustĂ€ndig. Unter anderem war er Zeuge der Belagerung und des Falls von Mainz, der Hauptstadt der Mainzer Republik. Dabei war er auch an der Festnahme und körperlichen Misshandlung des RevolutionĂ€rs Friedrich Georg Pape beteiligt.

      Im Jahr 1796 wurde Stein zum OberkammerprĂ€sidenten aller westlichen preußischen Territorien mit Amtssitz in Minden ernannt. Im Auftrag Berlins sorgte er fĂŒr eine Förderung der Wirtschaft durch Abbau von Vorschriften, Zöllen und Ă€hnlichen ökonomischen Hemmnissen. Zwischen Bielefeld und OsnabrĂŒck ließ er eine befestigte Straße erbauen und sorgte fĂŒr die Verbesserung des Schiffsverkehrs auf der Weser. Außerdem leitete er fĂŒr Minden und Ravensberg Agrarreformen ein. Dazu gehörte die Verringerung der Hand- und Spanndienste. Hinzu kamen Reformen der Verwaltung in seinem Amtsbereich.

      Politisch war Stein in dieser Zeit ein AnhĂ€nger des englischen Verfassungssystems, allerdings stand er Anfangs auch der französischen Revolution nicht ohne Sympathie gegenĂŒber. Beide EinflĂŒsse fĂŒhrten dazu, dass er dem preußischen, auf die BĂŒrokratie gestĂŒtzten Absolutismus zunehmend kritisch gegenĂŒber stand. Allerdings wandelte sich Steins Bild von der französischen Revolution rasch. Dazu trug nicht zuletzt der Kontakt zu hochrangigen französischen Emigranten bei, die in Hamm Zuflucht gefunden hatten. Zu diesen gehörte der nach der Hinrichtung Ludwig XVI. selbsternannte Regent Frankreichs, der Graf de Provence, der spĂ€tere Ludwig XVIII, sowie Karl von Anjou, der nachmalige Karl X. Nachhaltig beeindruckt hat Stein in dieser Zeit Edmund Burkes Schrift „Reflection on the Revolution in France."

      Die Schriften von Edmund Burke ĂŒbten zeitweise erheblichen Einfluss auf Stein ausObwohl Stein Reichspatriot und nicht nur preußischer Beamter war, billigte er die von Napoleon diktierten territorialen VerĂ€nderungen im Westen des Reiches und insbesondere die SĂ€kularisation der geistlichen Territorien. Von der preußischen Zentralregierung beauftragt, trieb er diese Entwicklung in Westfalen noch vor dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 voran. Zwischen 1802 und 1804 leitete er von MĂŒnster aus die Eingliederung der geistlichen Herrschaften in den preußischen Staat. An Preußen fiel der östliche Teil des Hochstifts MĂŒnster, das Hochstift Paderborn sowie die Abteien Essen, Werden und das Stift Herford. Insbesondere in MĂŒnster stieß dies auf Kritik. Dauerhaft waren die Erwerbungen nicht, da nach dem Frieden von Tilsit Preußen seine westfĂ€lischen Besitzungen verlor.

      Im Jahr 1804 war Stein persönlich von den VerĂ€nderungen im Reich unmittelbar betroffen, als der nassauische Staatsminister Ernst Franz Ludwig Marschall von Bieberstein die Besitzungen der Familie vom Stein besetzen ließ und damit im Kleinen nichts anderes tat, als Stein mit den westfĂ€lischen BistĂŒmern im Großen. Dennoch protestierte Stein nachdrĂŒcklich, und auch auf Druck von Kaiser Franz II. musste die Besetzung zunĂ€chst aufgehoben werden. Diese Episode fĂŒhrte zu einer lang anhaltenden Gegnerschaft Steins gegenĂŒber Nassau und Marschall von Bieberstein. Letztlich wurden auch die Besitzungen derer Stein mediatisiert. Stein verlor zwar seine Herrschaftsrechte, nicht aber den Besitz seiner GĂŒter und LĂ€ndereien.

      In seiner westfĂ€lischen Zeit prĂ€sentierte sich Stein als ĂŒberdurchschnittlich tĂŒchtiger Verwaltungsbeamter insbesondere in Wirtschaftsfragen. Dadurch empfahl er sich fĂŒr Aufgaben in der Berliner Zentrale.

      Minister in Berlin und Sturz
      Im Donnerschen Palais (heute Palais am Festungsgraben) hatte Stein in seiner Zeit als Finanzminister seine Dienstwohnung, nach 1808 wurde das GebĂ€ude Sitz des Finanzministeriums1804 wurde Stein als königlicher Finanz- und Wirtschaftsminister ins Generaldirektorium nach Berlin berufen, wo er fĂŒr das Akzise-, Zoll-, Fabrik- und Kommerzialwesen zustĂ€ndig war. Hinter der Ernennung steckte vor allem der Kabinettsrat Carl Friedrich von Beyme, der in dem neuen Minister einen AnhĂ€nger einer umfassenden Reformpolitik sah. Bereits bei der Übernahme dieser Aufgabe machte Freiherr vom und zum Stein deutlich, dass er ĂŒber Preußen hinaus das gesamte Deutschland im Blick hatte. „Wenn man ĂŒberzeugt ist, dass Deutschlands Veredelung und Kultur fest und unzertrennlich am das GlĂŒck der preußischen Monarchie gekettet ist, so kann man gewiss nicht einen Augenblick zwischen Pflicht und Persönlichkeit schwanken, sondern man ist zu jeder Aufopferung der letzteren bereit."

      Stein, verantwortlich fĂŒr den Staatshaushalt, versuchte angesichts des drohenden Krieges die Staatseinnahmen zu erhöhen, bemĂŒhte sich aber auch um die Angleichung der regional sehr unterschiedlichen Steuern und Abgaben. So wurde im Bereich des staatlichen Salzmonopols einheitliche Preise eingefĂŒhrt, diese aber insgesamt erhöht, so dass sich daraus erhebliche Mehreinnahmen ergaben. In begrenztem Umfang wurden Binnenzölle zwischen einigen Teilgebieten der Monarchie abgeschafft. Außerdem grĂŒndete er das statistische Bureau. SpĂ€ter gehörten zudem die Königliche Hauptbank sowie die Seehandlung zu seinem ZustĂ€ndigkeitsbereich.

      Stein gehörte 1805 zur Kriegspartei um Königin Luise, die dafĂŒr stand, Napoleon entgegen zu treten. Gemeinsam mit Louis Ferdinand Prinz von Preußen und General Ernst von RĂŒchel versuchten sie, König Friedrich Wilhelm III. davon zu ĂŒberzeugen. Am 10. Mai 1805 ĂŒbergab Stein eine entsprechende Denkschrift. Durch seine extrem schroffe Art in der Schrift - den Außenminister Haugwitz nannte er beispielsweise einen „Mann ohne Wahrhaftigkeit, einen abgestumpften WollĂŒstling, schwelgend in GenĂŒssen aller Art" - trug er dazu bei, die Ablehnung gegen seine Vorstellungen noch zu verstĂ€rken. Der König lehnte vorerst ab und sah in der Gruppe um Louis Ferdinand und Stein nicht zu Unrecht eine gegen seine Politik gerichtete Fronde. Schließlich gab er jedoch nach und befahl die Mobilmachung. Dies fĂŒhrte zum Krieg von 1806.

      Der fĂŒr Preußen katastrophal verlaufende Feldzug fĂŒhrte zur Flucht des Hofes und der maßgeblichen Politiker nach Königsberg. Dabei sorgte Stein fĂŒr die Rettung der Staatskassen. Infolge der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt und der durch sie offenkundig gewordenen Verkrustungen in Verwaltung und MilitĂ€r war der preußische Staat zu VerĂ€nderungen gezwungen. Stein empfahl in Königsberg, den Krieg gegen Napoleon mit allen KrĂ€ften fortzusetzen. Außerdem kritisierte er scharf die wĂ€hrend des Krieges deutlich gewordenen SchwĂ€chen der zivilen und militĂ€rischen FĂŒhrung und machte auch vor dem monarchischen Regierungsstil nicht halt. Stattdessen forderte er grundlegende Reformen in der Struktur des Staates, um einen stabilen Unterbau fĂŒr die Kriegsanstrengungen zu gewinnen. Dazu zĂ€hlte insbesondere seine bereits vor Kriegsausbruch einsetzende Kritik am bisherigen absolutistischen Kabinettsystem; stattdessen plĂ€dierte er fĂŒr ein Staatsministerium aus verantwortlichen Ministern, die mit dem Monarchen zusammenarbeiten.

      Der Einzug Napoleons am 27. Oktober 1806 in Berlin war Sinnbild fĂŒr die Niederlage Preußens Die Aufforderung, das Außenministerium anzunehmen, um den Frieden zu erreichen, lehnte Stein schroff ab. Dies und seine scharfe Kritik an der bisherigen Politik fĂŒhrten zu seiner Entlassung am 3. Januar 1807 durch Friedrich Wilhelm III. dass ich mich leider nicht anfĂ€nglich in Ihnen geirrt habe, sondern dass Sie vielmehr als ein widerspenstiger, trotziger, hartnĂ€ckiger und ungehorsamer Staatsdiener anzusehen sind, der, auf sein Genie und seine Talente pochend, weit entfernt, das Beste des Staats vor Augen zu haben, nur durch Kapricen geleitet, aus Leidenschaft und aus persönlichem Hass und Erbitterung handelt 
 . Da Sie indessen vorgeben, ein wahrheitsliebender Mann zu sein, habe ich Ihnen auf gut deutsch meine Meinung gesagt, indem ich noch hinzufĂŒgen muss, dass wenn Sie nicht Ihr respektwidriges und unanstĂ€ndiges Benehmen zu Ă€ndern willens sind, der Staat keine große Rechnung auf Ihre ferneren Dienste machen kann.

      Die Niederlage von 1806 stĂŒrzte den preußischen Staat in eine der schwersten Krisen seiner Geschichte. Im Frieden von Tilsit vom 7. Juli 1807 verlor Preußen alle Territorien westlich der Elbe sowie einen Großteil der in den polnischen Teilungen gewonnenen Gebiete. Damit bĂŒĂŸte der Staat etwa die HĂ€lfte seiner Einwohner ein. Dem Königreich wurden hohe Kontributionen auferlegt. Außerdem durfte Preußen nur noch eine Armee von 40 000 Mann unterhalten und musste die französische Besatzung in wichtigen Festungen dulden. Insgesamt 150 000 Mann standen im Land und mussten von Preußen unterhalten werden.

      Staatsminister und preußische Reformen

      Stein zog sich nach der Entlassung auf seine Besitzungen in Nassau zurĂŒck. Noch im Jahr 1807 verfasste Stein die Nassauer Denkschrift als Reformprogramm fĂŒr den preußischen Staat. Im Zentrum stand die Reform der Verwaltung. Dazu gehörte die Forderung nach Selbstverwaltung fĂŒr Provinzen, Kreise und Gemeinden. Dabei griff Stein weniger auf die damals moderne Staats- und Verfassungstheorie, sondern auf das Vorbild der Ă€lteren stĂ€ndischen Verfassung zurĂŒck, wie er sie in Westfalen kennengelernt hatte. FĂŒr Stein spielten in dieser Frage nicht nur funktionelle ErwĂ€gungen, sondern in erster Linie politisch-pĂ€dagogische Ziele eine Rolle. In der Denkschrift formulierte er als Reformziel: „Belebung des Gemeingeistes und des BĂŒrgersinns, die Benutzung der schlafenden und falsch geleiteten KrĂ€fte und zerstreut liegenden Kenntnisse, der Einklang zwischen dem Geist der Nation, ihren Ansichten und BedĂŒrfnissen und denen der Staatsbehörden, die Wiederbelebung der GefĂŒhle fĂŒr Vaterland, SelbstĂ€ndigkeit und Nationalehre." Diese Schrift war, wie die von einem Kreis um Karl August von Hardenberg erarbeitete Rigaer Denkschrift aus demselben Jahr, eine Basis fĂŒr die Preußischen Reformen.

      Bei dem Reichsritter Stein spielen in der Denkschrift und danach in der von ihm vertretenen Politik der RĂŒckbezug auf die altstĂ€ndischen ZustĂ€nde und ganz allgemein der RĂŒckgriff auf die Einrichtungen des alten Reiches eine Rolle. Stein war Antiabsolutist und Antietatist. Zentralen Behörden und der BĂŒrokratie insgesamt stand er skeptisch gegenĂŒber. Stattdessen setzte er auf Dezentralisation und kollegiale FĂŒhrung.

      Nicht zuletzt auf DrĂ€ngen Napoleons, der in Stein fĂ€lschlich einen UnterstĂŒtzer Frankreichs sah, und der Reformpartei um Hardenberg wurde Stein am 10. Juli 1807 zum Staatsminister berufen. Die Annahme machte Stein von einigen Vorbedingungen abhĂ€ngig. Dazu gehörte das Ende des Kabinettssystems. Stattdessen sollten die Minister unmittelbares Vortragsrecht beim König erhalten. Nachdem die ErfĂŒllung dieser zentralen Forderung zugesagt worden war, trat Stein das Amt an. Direkt zustĂ€ndig war er fĂŒr die Zivilverwaltung, ĂŒber die anderen Ressorts ĂŒbte er Kontrollfunktionen aus. In den nĂ€chsten vierzehn Monaten wurden die wichtigsten Reformgesetze erlassen oder vorbereitet. Steins persönlicher Anteil an den einzelnen Reformen war dabei unterschiedlich. Mit Detailfragen hat er sich kaum beschĂ€ftigt. Viele Gesetze wurden im Kern von guten Mitarbeitern wie Heinrich Theodor von Schön entworfen. Aber Stein war verantwortlich fĂŒr ihre Durchsetzung gegenĂŒber dem König und verschiedenen widerstrebenden gesellschaftlichen KrĂ€ften.

      Diese Politik wurde vollzogen vor dem Hintergrund einer schwerwiegenden Finanzkrise, hervorgerufen von den Forderungen Napoleons. Dies zwang Stein zu einer radikalen Sparpolitik. Außerdem wurde staatlicher Besitz verpfĂ€ndet. Hinzu kamen BĂŒrgschaften.

      Der Erfolg der von Stein initiierten Reformen hatte einen Hintergrund in einer bereits lĂ€nger andauernden Reformdiskussion in der hohen BĂŒrokratie. Einige Aspekte waren keine Ideen Steins, sondern kamen von Mitarbeitern. Das Oktoberedikt zur Bauernbefreiung, dass eines der zentralen Reformgesetze war, wurde etwa nur fĂŒnf Tage nach der Ernennung Steins unterzeichnet und beruhte auf einem Entwurf von Theodor von Schön. Mit ihm wurden die Leibeigenschaft und ErbuntertĂ€nigkeit aufgehoben sowie die Freiheit der Berufswahl eingefĂŒhrt. Besonders deutlich war Steins Handschrift in der neuen StĂ€dteordnung vom 19. November 1808. Die dort stark ausgeprĂ€gte Selbstverwaltungsidee spiegelte Steins aus altstĂ€ndischen Wurzeln stammende Ablehnung des zentralisierten und bĂŒrokratischen Staates wider. Gescheitert war er mit dem Versuch, die Selbstverwaltung auch auf das „platte Land" auszudehnen. Im Bereich der staatlichen Verwaltung ließ Stein das bisherige Generaldirektorium auflösen. Am 24. November 1808 trat an dessen Stelle ein Staatsministerium mit fĂŒnf Fachministern fĂŒr Inneres, Finanzen, AuswĂ€rtiges, Krieg und Justiz. Außerdem wurden zahlreiche, oft auch gegeneinander arbeitende Sonder- und Nebenbehörden aufgelöst. Im Bereich der Zentralverwaltung orientierte sich Stein an der französischen Verfassung von 1791. Als beratendes Gremium war zusĂ€tzlich ein Staatsrat vorgesehen. FĂŒr die Ebene unterhalb der Berliner Zentrale konzipierte Stein die OberprĂ€sidenten und die RegierungsprĂ€sidien. Diese ersetzten die Kriegs- und DomĂ€nenkammern. Nach dem erzwungenen Ausscheiden Steins konnte Hardenberg, nach einer kurzen Zwischenphase unter Karl vom Stein zum Altenstein, einen laufenden Reformprozess ĂŒbernehmen. Hardenberg war stĂ€rker als der stĂ€ndisch denkende Stein etatistisch ausgerichtet und orientierte sich an modernen Vorbildern. Allerdings gelang es ihm wegen der wachsenden restaurativen Tendenzen nicht mehr, eine NationalreprĂ€sentation umzusetzen.

      Obwohl Stein von Hardenberg protegiert worden war, unterschieden sich nicht nur ihre politischen Auffassungen, sondern auch der persönliche Lebenswandel deutlich. WĂ€hrend Stein ein skandalloses privates Leben fĂŒhrte und kompromisslos seine Ziele verfolgte, war Hardenberg diplomatischen und außerehelichen AffĂ€ren nicht abgeneigt. Beides bestimmte das Urteil von Stein ĂŒber seinen Nachfolger. Er fĂŒhrte Hardenbergs angeblichen Mangel an Tatkraft auf dessen unglĂŒckliche Hand bei Ernennungen und seinen vertrauten Umgang mit nichtswĂŒrdigen Weibern zurĂŒck.

      Anfangs setzte Stein auf eine ErfĂŒllungs- und Koexistenzpolitik gegenĂŒber Napoleon. Insbesondere die Verhandlungen ĂŒber die Höhe der Kriegskontributionen und die immer wieder von französischer Seite vorgebrachten neuen Forderungen ließen bei ihm im Laufe seiner Amtszeit den Gedanken an Widerstand wachsen. Dazu trug auch der beginnende Aufstand gegen Napoleon in Spanien bei. Stein setzte auf einen allgemeinen Volksaufstand im nördlichen Deutschland und ein BĂŒndnis mit Österreich. Wie fĂŒr August Neidhardt von Gneisenau und Gerhard von Scharnhorst war das Hauptziel der Politik Preußens, sich auf einen kĂŒnftigen Krieg vorzubereiten. Die oppositionelle Haltung Steins gegenĂŒber den Besatzern kam in einem abgefangenen Brief zum Ausdruck, der in der französischen Regierungszeitung Le Moniteur abgedruckt wurde. Napoleon nutzte den Brief dazu, Preußen unter Druck zu setzen und zur Annahme der Kriegskontributionen zu zwingen. Von Spanien aus gab Napoleon selbst einen Heeresbefehl, in dem er Stein zu einem Feind Frankreichs erklĂ€rte. Napoleon befahl, die Besitzungen Steins zu beschlagnahmen und Stein erschießen zu lassen. Friedrich Wilhelm III., der keinen Bruch mit Frankreich riskieren wollte, entließ Stein am 24. November 1808 mit Dank fĂŒr die geleisteten Dienste und der Fortzahlung seines Ministergehalts fĂŒr ein Jahr. Noch am Tag der offiziellen Entlassung ĂŒbersandte Stein den Mitgliedern des Königshauses sowie des Staatsrates eine im Wesentlichen durch von Schön verfasste Schrift, die spĂ€ter unter dem Namen „politisches Testament" bekannt wurde. Sie zog einerseits ein ResĂŒmee der bisherigen Reformpolitik und sprach andererseits die nach Steins Meinung nötigen weiteren VerĂ€nderungen an. Zu letzteren gehörte etwa die Gemeinheitsteilung und die Aufhebung der Fronarbeit, die EinfĂŒhrung einer StaatsreprĂ€sentation, aber auch die Erziehung der Jugend zu Religion und Vaterlandsliebe sowie eine StĂ€rkung des Adels.

      Hinter der Entlassung stand trotz der Reformen aber auch das politische Scheitern Steins als leitender Minister. Dabei war die Zerstörung seiner Machtbasis vielfach auf ihn selbst zurĂŒckzufĂŒhren: So hatte er sich in vielen Bereichen gleichzeitig Gegner gemacht, deren StĂ€rke er unterschĂ€tzte. Dazu gehörte insbesondere die WiderstandsfĂ€higkeit von Adel und Krone. Beim König spielte auch der Unwillen ĂŒber die Selbstherrlichkeit Steins eine Rolle. Nicht zuletzt die Schroffheit seines Wesens und die EruptivitĂ€t seines Temperaments verringerten zunehmend seinen Einfluss. Dies waren auch zentrale GrĂŒnde, weshalb er auch spĂ€ter keine wirkliche FĂŒhrungsrolle mehr einnehmen konnte.

      Im Jahr 1811 mietete Stein das Schloss Troja bei Prag als Sommerresidenz an
      Stein, der inzwischen vom Befehl Napoleons erfahren hatte, flĂŒchtete nach Böhmen und hielt sich in BrĂŒnn, Troppau und Prag auf. In der österreichischen Monarchie lebte Stein mehr als drei Jahre. In dieser Zeit hoffte er vergeblich auf einen Aufstand vor allem in den napoleonischen Staaten Königreich Westphalen und Großherzogtum Berg. Mit großer Sympathie beobachtete er den Aufstand der Tiroler um Andreas Hofer. Von dem Maler Joseph Anton Koch ließ er spĂ€ter ein monumentales, heroisierendes GemĂ€lde schaffen. Im Exil entwarf er verschiedene Verfassungskonzepte fĂŒr eine deutsche Verfassung, dabei spielte auch die Wiederherstellung des alten Reiches eine Rolle. Scharfe Kritik ĂŒbte er an der WillfĂ€hrigkeit der RheinbundfĂŒrsten gegenĂŒber den Franzosen. Mehrfach versuchte Stein eine Begnadigung oder Milderung von Napoleon zu erreichen. Noch im Jahr 1811 sah dieser in Stein, teilweise zu Recht, den Kopf eines möglichen Widerstands in den deutschen Staaten, verzichtete aber darauf, Österreich auf eine Auslieferung zu drĂ€ngen. Die Ächtung Steins entgegen aller zwischenstaatlichen Gepflogenheiten hatte ihr Ziel letztlich nicht erreicht, da dieser zu einem Symbol und einer fĂŒhrenden Persönlichkeit des antinapoleonischen Widerstandes geworden war.

      Befreiungskriege und Wiener Kongress
      Stein war seit 1812 Berater des Zaren Alexander I.Im Zusammenhang mit dem drohenden Krieg mit Frankreich begann Zar Alexander I., Gegner Napoleons an seinen Hof zu ziehen. Zu diesen gehörte auch Stein, der zu einem Berater des Zaren wurde, ohne jedoch in ein offizielles DienstverhĂ€ltnis zu treten. Er begann nunmehr offensiv fĂŒr den antinapoleonischen Widerstand zu werben. So schlug er zur Koordination und Vorbereitung eines Volksaufstandes ein „Deutsches Komitee" vor. Stein unterstĂŒtzte Justus von Gruner, der von Prag aus den Aufbau eines Spionage- und Agentennetzes betrieb. Er selbst entwickelte in seiner Petersburger Denkschrift vom 17./18. September 1812 einen Plan fĂŒr einen erfolgreichen Krieg in Deutschland und legte auch seine Ideen fĂŒr eine zukĂŒnftige politischen Gestaltung Deutschlands vor. Hierbei schwankte er dazwischen, an eine idealisierte Form des mittelalterlichen Kaisterums anzuknĂŒpfen, und einer realistischeren EinschĂ€tzung, aus der eine föderative Aufteilung Deutschlands zwischen Österreich und Preußen folgen wĂŒrde.

      Nach dem RĂŒckzug der Großen Armee zog Stein mit dem Hauptquartier des Zaren in Richtung der preußischen Grenze. Auf ostpreußischem Gebiet ließ Stein im Auftrag des Zaren sofort Landwehreinheiten bilden, obwohl Preußen noch immer mit Frankreich verbĂŒndet war. Auch die LandstĂ€nde ließ er einberufen. Nachdem der preußische General Ludwig Yorck von Wartenburg in der Konvention von Tauroggen zu den alliierten Gegnern Napoleons ĂŒbergelaufen war, drĂ€ngte Stein den noch immer zaudernden Friedrich Wilhelm III. zum Seitenwechsel. Im MĂ€rz 1813 schloss dieser dann, vermittelt durch Stein, ein BĂŒndnis mit Russland, und der Befreiungskrieg wurde proklamiert. In dieser Zeit prĂ€zisierte Stein seine Verfassungsvorstellungen vom vorangegangenen Jahr. Danach sollten nicht nur der Rheinbund zerschlagen werden, sondern auch die SouverĂ€nitĂ€tsrechte der ĂŒbrigen Staaten, wie die Entscheidung ĂŒber Krieg und Frieden, zu Gunsten eines deutschen Kaisers und eines Reichstages begrenzt werden. Eine starke zentrale Exekutivgewalt sollte hinzu treten. Um das Übergewicht Österreichs nicht zu groß werden zu lassen, forderte Stein auch eine StĂ€rkung Preußens.

      Stein hatte die Einrichtung einer alliierten Zentralverwaltungsbehörde als Besatzungsbehörde und als Beschaffungsstelle fĂŒr Geld, Waffen und Soldaten vorgeschlagen. Dahinter steckte aber vor allem die Absicht, eine Basis fĂŒr die Wiederherstellung eines deutschen Reiches zu errichten. Diesem Konzept folgten die Regierungen Preußens und Russlands nicht. Die Aufgaben blieben rein administrativer Natur. Stein wurde Chef dieser Behörde. Dies brachte ihm den spöttischen Beinamen „Kaiser von Deutschland" ein. Zu den zu verwaltenden Gebieten gehörten neben Teilen der ehemaligen napoleonischen Modellstaaten wie Westphalen, Berg und Frankfurt auch das Königreich Sachsen, dessen König Friedrich August I. wegen seiner Treue zu Napoleon verhaftet worden war. Vergeblich plĂ€dierte Stein auch dafĂŒr, die sĂŒddeutschen Rheinbundstaaten zu besetzen. Der Verwaltungsrat wurde am 21. Oktober 1813 faktisch aufgelöst. An seine Stelle trat das Departement Central d'Administration, das auch fĂŒr die linksrheinischen Gebiete und die von den Koalitionstruppen besetzten französischen Gebiete zustĂ€ndig wurde. Stein hatte auch darin die Leitung inne. Er erhielt seine Weisungen von einem Diplomatenrat der Alliierten.

      WĂ€hrend des Krieges und nach dem Sieg der Alliierten legte Stein zahlreiche Vorstellungen zur Neuordnung Deutschlands und Europas vor. Sowohl seine Kritik am russischen Plan, in Polen einen abhĂ€ngigen Staat (Kongresspolen) zu errichten, wie seine Forderung nach einer Verschiebung der französischen Grenze nach Westen wurden abgelehnt. Steins EntwĂŒrfe fĂŒr die Gestaltung Deutschlands waren von idealisierten Vorstellungen vom deutschen Kaisertum im Mittelalter bestimmt. Er plĂ€dierte fĂŒr die Erneuerung des Kaisertums. Freilich wollte er kein ZurĂŒck zum Zustand des Reiches im 18. Jahrhundert, sondern schlug einen preußisch-österreichisch dominierten Föderationsstaat vor. Insgesamt fanden Steins Vorstellungen bei den maßgeblichen FĂŒrsten und Politikern keinen RĂŒckhalt. Zwar war er als russischer Gesandter auf dem Wiener Kongress, doch war sein Einfluss gering. Zudem waren seine Positionen widersprĂŒchlich. Als ehemaliger Reichsunmittelbarer unterstĂŒtzte er die Forderung der mediatisierten ReichsstĂ€nde nach Restauration ihrer Stellungen, andererseits sprach er sich fĂŒr eine starke Kompetenz des Deutschen Bundes und die EinschrĂ€nkung der SouverĂ€nitĂ€t der Einzelstaaten aus. Ohne Erfolg reiste Stein noch vor Verabschiedung der Bundesakte ab.

      Verfassung fĂŒr Nassau und Privatleben
      Im Jahr 1814 erhielt Stein die wĂ€hrend der napoleonischen Ära beschlagnahmten GĂŒter in Nassau mit einer betrĂ€chtlichen EntschĂ€digung zurĂŒck. Die Verwaltung legte er, wie frĂŒher schon, in die HĂ€nde seiner Schwester Marianne. Im Sommer verbrachte er selbst dort meist einige Monate. Sein Versuch, zumindest Teile seiner frĂŒheren Herrschaftsrechte zurĂŒck zu bekommen, scheiterte. Gleichwohl beteiligte sich Stein an der Ausarbeitung einer Verfassung fĂŒr Nassau. Dadurch war das Land 1814 Vorreiter im deutschen Bund. Stein erhielt eine Virilstimme im Landtag, bĂŒĂŸte den Sitz aber wieder ein, als er sich 1818 weigerte, den Untertaneneid abzulegen. Bereits im Jahr 1816 hatte Stein seine Herrschaft in der Provinz Posen gegen die GĂŒter und das GebĂ€ude des ehemaligen Klosters Cappenberg in Westfalen getauscht. ZusĂ€tzlich erwarb er 1823 das ehemalige Kloster Scheda. Zusammen mit Cappenberg wurden die Besitzungen Steins 1826 zu einer Standesherrschaft erhoben. Dieser Titel war dabei an seine Person gebunden und nicht erblich. Gelebt hat Stein mit seiner Familie zunĂ€chst ĂŒberwiegend in Frankfurt. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1819 machte er mit seinen Töchtern ausgedehnte Reisen in die Schweiz und nach Italien. Seinen Frankfurter Wohnsitz gab er 1824/25 auf und hielt sich seither entweder in Nassau oder auf Cappenberg auf.

      Die Position eines Bundestagsgesandten, die ihm sowohl von Österreich wie auch von Preußen angetragen wurde, lehnte Stein ab. Er war aber durch eine umfangreiche Korrespondenz, die Besuche zahlreicher GĂ€ste auf Cappenberg und seine LektĂŒre ĂŒber das Zeitgeschehen gut informiert.

      Stein unterstĂŒtzte als reichsritterlicher Reichspatriot die nationale Bewegung. In einem Brief an Ernst von MĂŒnster schrieb er „Es tut mir leid, dass Euer Exzellenz in mir den Preußen vermuten 
 Ich habe nur ein Vaterland, das heißt Deutschland, und da ich nach alter Verfassung nur ihm und keinem besonderen Teil desselben angehörte, so bin ich auch nur ihm und nicht einem Teil desselben von ganzer Seele ergeben."[25] DarĂŒber hinaus kritisierte die Karlsbader BeschlĂŒsse und die Demagogenverfolgung und begrĂŒĂŸte den Übergang der sĂŒddeutschen Staaten zum Konstitutionalismus. Die Zentraluntersuchungsbehörde verdĂ€chtigte ihn, die oppositionelle Bewegung im Deutschen Bund zu schĂŒtzen und zu fördern. Er unterstĂŒtzte teilweise mit erheblichen GeldbetrĂ€gen die Freiheitsbewegung in Griechenland und stand vergleichbaren nationalen Bewegungen, etwa in Polen oder in SĂŒd- und Mittelamerika, positiv gegenĂŒber. Allerdings lehnte Stein die frĂŒhliberale Bewegung und die Bildung von politischen Parteien ab, da sie nicht seinen altstĂ€ndischen GrundsĂ€tzen entsprachen. Scharf kritisierte er die belgische Revolution, da er in dem neuen Staat eine „Pöbelherrschaft" befĂŒrchtete.

      Die Monumenta Germaniae Historica
      Von nachhaltiger Bedeutung Steins fĂŒr die Geschichtswissenschaft war seine Initiative zur GrĂŒndung der Monumenta Germaniae Historica als bedeutendstes Quellenwerk zur mittelalterlichen deutschen Geschichte. Neben allgemeinem historischen Interesse spielten fĂŒr Stein dabei auch nationalpĂ€dagogische GrĂŒnde und die Überwindung des einzelstaatlichen Partikularismus eine Rolle. Bereits seit 1814 bemĂŒhte sich Stein in Kontakt mit Politikern und FĂŒrsten um UnterstĂŒtzung fĂŒr die EditionsplĂ€ne. Konkretisiert wurden diese von Wissenschaftlern und Politiker wie Friedrich Carl von Savigny, Barthold Georg Niebuhr oder Johann Albrecht Friedrich von Eichhorn und fĂŒhrten am 20. Januar 1819 zur GrĂŒndung der „Gesellschaft fĂŒr Ă€ltere deutsche Geschichtskunde" in Steins Wohnung in Frankfurt. PrĂ€sident der Gesellschaft zur Herausgabe der Monumenta wurde Stein. Bis 1824 leitete er die Arbeiten persönlich und ĂŒbertrug sie danach an den Historiker Georg Heinrich Pertz. Stein selbst kĂŒmmerte sich weiter um die Organisation des Projekts. Der erste Band mit Quellen zur Karolingerzeit erschien 1826. Eine Motivation Steins fĂŒr die Monumenta war das Ziel, die Legitimation des Adels und Steins stĂ€ndisches Denken aus der mittelalterlichen Geschichte herzuleiten. Dem entsprach die anfĂ€ngliche Finanzierung des Projekts. Ausschließlich der deutsche Adel sollte die Kosten ĂŒbernehmen, bĂŒrgerliche und auslĂ€ndische UnterstĂŒtzer wurden abgewiesen. Auf lĂ€ngere Sicht konnte dies nicht aufrechterhalten werden, und vor allem nach Steins Tod erhielt das Projekt staatliche UnterstĂŒtzung.

      Verteidiger adelig-stÀndischer Interessen
      Wie sehr Steins politische stĂ€ndische Ziele von denen der Liberalen entfernt waren, zeigte sich im Vorfeld der Einrichtung der Provinziallandtage. Er beteiligte sich dabei an Diskussionen und Forderungen des westfĂ€lischen Adels. An einer Petition im Jahr 1818 war er maßgeblich beteiligt. Zwar sollten die Bauern nicht von den Gremien ausgeschlossen werden, aber Stein verlangte, dass ihre Deputierten aus der Bauernschaft selbst und nicht aus den lĂ€ndlichen Unterschichten oder aus der Schicht der Intellektuellen kommen sollten. DarĂŒber hinaus kĂ€mpfte er fĂŒr besondere Adelsrechte, wie eine erbliche Mitgliedschaft in den Landtagen, einen Vorzug bei der öffentlichen Stellenbesetzung, einen privilegierten Gerichtsstand und Ă€hnliches. Diese Vorstellungen gingen zumindest teilweise in die Organisation der ProvinzialstĂ€nde ein. FĂŒr die Provinz Westfalen wurde die Provinzialordnung per Gesetz am 27. MĂ€rz 1824 erlassen. Der Provinziallandtag war in vier StĂ€nde eingeteilt. Stein gehörte als Standesherr automatisch zur Mitgliedschaft und bildete zusammen mit zehn weiteren Personen den ersten Stand. Hinzu kamen die StĂ€nde der Besitzer landtagsfĂ€higer RittergĂŒter, der StĂ€dte und der Landgemeinden.

      Der erste westfĂ€lische Provinziallandtag trat am 29. Oktober 1826 in MĂŒnster zusammen und tagte etwa zwei Monate. Stein wurde zum Landtagsmarschall und damit zum Vorsitzenden ernannt. In seiner Eröffnungsrede begrĂŒĂŸt er die WiedereinfĂŒhrung der stĂ€ndischen Verfassung und grenzt diese von der „alles umformenden Verfassung" zur Zeit der französischen Vorherrschaft ab. Auch die folgenden Tagungen der Versammlung standen unter seinem Vorsitz. Auf dem ersten Provinziallandtag kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Adelsvertretern mit Stein an der Spitze auf der einen Seite und den Abgeordneten der StĂ€dte und Landgemeinden auf der anderen Seite.[30] Auch in zahlreichen anderen Punkten, etwa der Erfassung auch des adeligen Besitzer durch staatliche Kataster als Basis einer Grundsteuer, oder in der Frage, ob Landbesitz frei verkĂ€uflich sein sollte, zeigte er sich als Gegner wirtschaftsliberaler Reformen und Verteidiger adelig-stĂ€ndischer Vorherrschaft. Wie weit er sich von seinen Positionen der Reformzeit entfernt hatte, wurde nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Revision der StĂ€dteordnung von 1808 deutlich. WĂ€hrend er den Entwurf einer solchen Ordnung 1831 positiv bewertete, lehnten ihn die Vertreter der StĂ€dte wegen der vorgesehenen stĂ€rkeren staatlichen Kontrolle und EinschrĂ€nkung der Selbstverwaltung ab. Allerdings hielt Stein an seinen Vorstellungen eines gesamtstaatlichen Konstitutionalismus fest, wie sich wĂ€hrend des Provinziallandtages von 1830/31 zeigte. Dabei gingen die Vorstellungen insbesondere des BĂŒrgertums inzwischen deutlich weiter als die Steins. WĂ€hrend das BĂŒrgertum unter Eindruck der revolutionĂ€ren Ereignisse von 1830 einen direkten Antrag auf die Einberufung eines gesamtstaatlichen Parlaments forderte, hielt Stein diese offene Kampfansage fĂŒr ungebĂŒhrlich. Ihm gelang es nur mit MĂŒhe, einen Kompromiss durchzusetzen und die Forderungen an der Prinzen Wilhelm zu richten.

      Tod
      In seinen letzten Lebensjahren litt Stein unter einem Lungenleiden und Herzkrankheiten. Am 29. Juni 1831 starb er in Cappenberg. Begraben liegt Stein in der Familiengruft in FrĂŒcht bei Bad Ems, die er selber bauen ließ. Seine Ă€lteste Tochter, GrĂ€fin Giech, veranlasste nach kĂŒnstlerischer Beratung durch Sulpiz BoisserĂ©e 1836-1843 den Bau einer neugotischen Kapelle darĂŒber, die der MĂŒnchner Architekt Joseph Daniel OhlmĂŒller entwarf. Das Marmorrelief auf Steins Grabdenkmal schuf 1837-1840 Ludwig Schwanthaler.

      Der Grabstein in der Familiengruft in FrĂŒcht trĂ€gt folgende Inschrift:

      Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein
      geboren den 25sten Oktober 1757,
      gestorben den 29sten Juni 1831, ruhet hier;
      der Letzte seines ĂŒber sieben Jahrhunderte
      an der Lahn blĂŒhenden Rittergeschlechtes;
      demĂŒtig vor Gott, hochherzig gegen Menschen,
      der LĂŒge und des Unrechtes Feind,
      hochbetagt in Pflicht und Treue,
      unerschĂŒtterlich in Acht und Bann,
      des gebeugten Vaterlandes ungebeugter Sohn,
      in Kampf und Sieg Deutschlands Mitbefreier.
      Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christo zu seyn.


      Nachleben und Forschung [Bearbeiten]Noch zu Lebzeiten erhielt Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom und zum Stein die EhrenbĂŒrgerschaft unter anderem der StĂ€dte Frankfurt am Main und Bremen (beide 1816).

      Nach seinem Tod wurde Stein nicht nur Gegenstand historischer Darstellungen, sondern seine Person und sein Wirken wurde von unterschiedlichen Seiten politisch vereinnahmt. Ernst Moritz Arndt begrĂŒndete dabei 1858 eine Tradition der kritiklosen Stein-Verehrung.[32] Eine erste sechsbĂ€ndige Steinbiographie verfasste Georg Heinrich Pertz nach 1849. Hinter einer quellengesĂ€ttigten Darstellung verbarg sich dabei der Versuch, das Bild eines sowohl antirevolutionĂ€ren wie antirestaurativen, national gesinnten Liberalen zu zeichnen. In den 1870er Jahren versuchten sowohl Liberale wie auch Konservative, sich auf Stein zu berufen. Aber auch der Staat und die Monarchie begannen, Stein fĂŒr sich zu reklamieren. Als 1872 ein Denkmal fĂŒr ihn auf der Stammburg der Steins in Nassau eingeweiht wurde, waren neben Otto von Bismarck auch Kaiser Wilhelm I. anwesend. Drei Jahre spĂ€ter wurde ein Denkmal auf dem Dönhoffplatz in Berlin eingeweiht, fĂŒr das vor allem Liberale, unterstĂŒtzt vom Staat, Gelder spendeten.


      Denkmal fĂŒr vom Stein von Hermann Schievelbein eingeweiht 1875. Das Denkmal stand ursprĂŒnglich auf dem Dönhoffplatz und steht heute vor dem Berliner AbgeordnetenhausWĂ€hrend des Kaiserreichs entstanden auch die ersten anspruchsvollen wissenschaftlichen Biographien. Der englische Historiker John Robert Seeley deutete Stein als Liberalen und entschiedenen Gegner Napoleons. Bei einer Forschungskontroverse, vor allem zwischen Ernst von Meier und Max Lehmann, der eine wichtige Biographie ĂŒber Stein vorlegte, ging es um die Frage, ob Stein von den Ideen der französischen Revolution beeinflusst worden war. Lehmann betonte dabei eine Nachahmung der französischen Entwicklung.

      Hugo Preuß und auch die Sozialdemokraten versuchten, Stein fĂŒr die Republik in Anspruch zu nehmen. FĂŒr Preuß war Stein „Deutschlands grĂ¶ĂŸter innerer Staatsmann", dessen Ziel letztlich der „demokratisch selbst regierende Staat" gewesen sei.[33] Der Marxist Franz Mehring lobte Steins Patriotismus und seine DurchsetzungsfĂ€higkeit gegenĂŒber einem zaudernden König. Vor diesem Hintergrund wurde der hundertste Todestag Steins als VorlĂ€ufer der Republik gefeiert. Zahlreiche Schulen wurden zu dieser Zeit nach Stein benannt. Aber daneben erschien mit Gerhard Ritters Stein-Biographie auch eine bedeutende neue Interpretation. Dieser betonte die altstĂ€ndischen Wurzeln Steins in der Tradition des Heiligen römischen Reiches. Er stilisierte ihn zwar zu einem Nationalhelden, sah aber innenpolitisch Bismarck als wichtigere Person an. Franz Schnabel wiederum versuchte, Stein als konstitutionellen Liberalen zu deuten. Auch Nationalsozialisten wie Adolf Hitler und Alfred Rosenberg versuchten Stein fĂŒr sich zu reklamieren. Die neue nationalsozialistische Gemeindeordnung berief sich ausdrĂŒcklich auf Stein. Erich Botzenhart, Herausgeber der ersten Gesamtausgabe der Schriften Steins, sah in ihm gar einen VorlĂ€ufer des Nationalsozialismus.


      Statue am Rathaus von Wetter an der RuhrNach dem Zweiten Weltkrieg versuchten auch die beiden deutschen Staaten Stein fĂŒr sich zu vereinnahmen. In Rheinland-Pfalz wird alle drei Jahre die Freiherr-vom-Stein-Plakette fĂŒr langjĂ€hrige kommunalpolitische TĂ€tigkeit verliehen. Im Jahr 1952 wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft gegrĂŒndet mit dem Ziel, die Ideen und Gedanken Steins wissenschaftlich zu betrachten und der Öffentlichkeit zugĂ€nglich zu erhalten. Die Gesellschaft gab verschiedene Schriften zu Einzelaspekten aus dem Leben und dem Wirken Steins heraus. Wissenschaftlich bedeutsam war die Neuausgabe der Schriften Steins durch Walther Hubatsch. Dieser war 1957 an der Ausrichtung des zweihundertsten Geburtstages Steins fĂŒhrend beteiligt. Die DDR versuchte Steins Revolutionsgesinnung etwa aus seinen Äußerungen von 1813 abzuleiten. Gordon A. Craig wies auf die bemerkenswerte Tatsache hin, dass der Freiherr vom Stein lĂ€ngere Zeit hindurch sowohl in der west- wie in der ostdeutschen Forschung Ă€hnlich positiv beurteilt wurde. Eine frĂŒhere Ausgabe des Handbuchs der deutschen Geschichte bezeichnete ihn als den „besten Staatsmann, ĂŒber den Deutschland damals verfĂŒgte". Das Pendant aus der DDR, die Deutsche Geschichte in drei BĂ€nden, bezeichnete ihn als den „bedeutendsten deutschen Staatsmann der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts".[34]


      BĂŒste in Marburg vor der Alten UniversitĂ€tInsbesondere seit den spĂ€ten 1960er Jahren wurde das Wirken Steins in Teilen der bundesdeutschen Forschung eher kritisch gesehen. Hans-Ulrich Wehler urteilte im ersten Band seiner Gesellschaftsgeschichte: „Die Bedeutung Steins ist bisher maßlos ĂŒberschĂ€tzt worden. Mit diesem zeitweilig frĂŒhliberal gefĂ€rbten, vorwiegend jedoch altstĂ€ndisch-romantisierend denkenden, reformkonservativen Beamten konnte sich (...) die große Mehrheit einer Ă€lteren Historikergeneration bis hin zu einem wahren Steinkult identifizieren." Nach Meinung Wehlers setzte sich die Forschung sowohl ĂŒber Steins nur kurzzeitige politische Spitzenstellung wie auch seine teilweise „abstrus-reaktionĂ€ren Anschauungen" hinweg.[35] Ganz Ă€hnlich Ă€ußerte sich auch Barbara Vogel. Sie sprach davon, dass Stein von der deutschen Geschichtsschreibung stets mit einer Hochachtung behandelt worden ist, die im umgekehrten VerhĂ€ltnis zu seinen greifbaren Leistungen als Reformer steht.[36]

      In jĂŒngster Zeit begann eine Relativierung dieser scharfen Kritik etwa durch Paul Nolte oder durch die jĂŒngste Biographie Steins von Heinz Duchhardt. Dieser verzichtet weitgehend auf eine Etikettierung und versucht stattdessen, die KomplexitĂ€t von Steins Handeln und Person darzustellen. Thomas Nipperdey zeichnet ebenfalls ein nicht eindeutiges Bild. Stein war danach ein konservativer Reformer, insofern als er an Traditionen, StĂ€nde und korporative Strukturen anzuknĂŒpfen versuchte und einem ungebremsten Wirtschaftsliberalismus ablehnte. Aber er war ebenfalls modern, da er auf die Teilnahme der BĂŒrger an den öffentlichen Angelegenheiten drĂ€ngte. Dabei ging es ihm in erster Linie um den Staats- und erst in zweiter Linie um den WirtschaftsbĂŒrger. Außerdem ist, laut Nipperdey, Stein Moralist gewesen, der die Ideen der SelbststĂ€ndigkeit, der Bildung und der Nation auch in seinen praktischen Maßnahmen zu verwirklichen suchte


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