Tiberius Sempronius Gracchus

Tiberius Sempronius Gracchus

Male 162 V.C. - 133 V.C.    Has 29 ancestors but no descendants in this family tree.

Personal Information    |    Notes    |    All

  • Name Tiberius Sempronius Gracchus  
    Relationshipwith Adam
    Born 162 V.C. 
    Gender Male 
    Died 133 V.C. 
    Person ID I667086  Geneagraphie
    Last Modified 1 Nov 2009 

    Father Tiberius Sempronius Gracchus,   d. 154 V.C. 
    Mother Cornelia Africana,   d. Yes, date unknown 
    Siblings 2 siblings 
    Family ID F293120  Group Sheet  |  Family Chart

    Family Claudia Pulchra,   b. Abt 155 V.C.,   d. Yes, date unknown 
    Married 143 V.C. 
    Last Modified 1 Nov 2009 
    Family ID F293127  Group Sheet  |  Family Chart

  • Notes 
    • Volkstribun im Jahr 133 v. Chr.; versuchte verfassungswidrig 132 v. Chr wieder Volkstribun zu werden;
      junge Tiberius Gracchus begleitete im Alter von f├╝nfzehn Jahren den damaligen Konsul Publius Cornelius Scipio Aemilianus Africanus in den Dritten Punischen Krieg (147 v. Chr.) und ging im Jahre 137 v. Chr. mit dem Konsul Gaius Hostilius Mancinus als Quaestor in die Provinz Hispania citerior . Seit die R├Âmer nach ihrem Sieg im 2. Punischen Krieg gro├če Teile der iberischen Halbinsel als Provinz von Karthago erbeutet hatten, sahen sich die r├Âmischen Truppen mit dem hartn├Ąckigen Widerstand der iberischen St├Ąmme konfrontiert, der zu einem jahrzehntelangen Krieg f├╝hrte. Gracchus erlebte dort die Kapitulation des r├Âmischen Heeres vor Numantia , eine der bis dahin schwersten Niederlagen einer r├Âmischen Armee.
      Seine Erlebnisse in Spanien und die Reaktion des r├Âmischen Senats , der die f├╝r die Niederlage vor Numantia verantwortlichen Offiziere opfern wollte, brachten ihn zum ersten Mal in einen Konflikt mit dem Senat und dessen Politik. Nach seiner R├╝ckkehr aus Spanien durchreiste er Etrurien und erkannte dort die Missst├Ąnde, welche die Sklavenwirtschaft und die Belastung der b├Ąuerlichen Bev├Âlkerung durch den Kriegsdienst verursacht hatten. In ihm reifte Plutarch zufolge ein erster Plan zur Reformierung des r├Âmischen Staates.

      Wieder nach Rom zur├╝ckgekehrt, schloss sich Tiberius Gracchus dem gleichgesinnten Reformkreis um den princeps senatus Appius Claudius Pulcher an, welcher auch sein Schwiegervater wurde. Trotz seiner jungen Jahre wurde Tiberius schon bald zu deren aktivstem Mitglied. Dem Kreis geh├Ârten angesehene Mitglieder der r├Âmischen Nobilit├Ąt an, so etwa Publius Mucius Scaevola und Publius Licinius Crassus Dives Mucianus . Die Reformer hatten sich vor allem zum Ziel gesetzt, den ager publicus , den im Eigentum des r├Âmischen Staates befindlichen Landbesitz, gerecht zu verteilen und den r├Âmischen B├╝rgern so ein selbst├Ąndiges Auskommen zu erm├Âglichen.

      Der ager publicus war durch die Kriege Roms in Italien enorm gewachsen, denn die R├Âmer annektierten bis zu einem Drittel der Fl├Ąche der von ihnen besiegten italischen St├Ąmme und verleibten diesen Boden ihrem Staatsgebiet ein. Wurden diese B├Âden zu Beginn der italischen Expansion noch in einzelnen Bauernstellen an die eigenen B├╝rger als Kolonisten abgegeben, setzte sich bald die Praxis der Okkupation dieser L├Ąndereien durch. Dies bedeutete, dass der ager publicus - gegen Erstattung einer festgesetzten, einmalig zahlbaren Grundgeb├╝hr - von jedermann zur Bewirtschaftung in Besitz genommen werden konnte. Hiervon profitierten vor allem die verm├Âgenden Klassen der r├Âmischen Bev├Âlkerung, also die Senatoren und Ritter und die oberen Census-Klassen . Dem einfachen Volk war eine Okkupation meist schon aus Mangel an den n├Âtigen finanziellen und sachlichen Mitteln unm├Âglich. Zwar war eine Obergrenze f├╝r die Landinbesitznahme gesetzt worden, diese war aber ├╝beraus gro├čz├╝gig bemessen und f├╝hrte eher dazu, dass allen Mitgliedern der herrschenden und verm├Âgenden Klassen ein Teil des ager publicus bereit stand, als dass hierdurch die unteren Klassen zum Zuge kam. Die derart vergebenen ├Âffentlichen L├Ąndereien gingen somit praktisch in Privateigentum ├╝ber und alsbald verfestigte sich dieser Zustand derart, dass der ager occupatorius vererbt, beliehen und verschenkt wurde wie privates Eigentum.
      Eine neue und faire Aufteilung des ager publicus sollte nach dem Willen der Reformer zweierlei erreichen: Zum Einen weite Teile der r├Âmischen Bev├Âlkerung aus Armut und Besitzlosigkeit befreien, die sie zu Abh├Ąngigen von staatlichen Kornlieferungen machte und sie in die ├╝berv├Âlkerten Armenviertel der Stadt zog, zum Anderem sollte so der existenzbedrohende Mangel an wehrf├Ąhigen M├Ąnnern behoben werden. Seit dem Ende des 3. Punischen Krieges war die Zahl der im Census erfassten B├╝rger von 337.000 auf unter 318.000 gesunken, mit der Folge, dass nicht mehr ausreichend Soldaten f├╝r die Legionen zur Verf├╝gung standen, um die kr├Ąftezehrenden und zerm├╝rbenden Kriege gegen die Aufst├Ąnde in den Provinzen (vor allem in Spanien) zu f├╝hren. Da nach der damaligen Wehrverfassung nur solche B├╝rger zum Dienste in der Legion eingezogen wurden, die ├╝ber ausreichend Verm├Âgen verf├╝gten, um ihre Ausr├╝stung und Bewaffnung selbst zu stellen, konnte man hierzu auch nicht auf die besitzlosen B├╝rger ( capite censi ) zur├╝ckgreifen, welche sich in Massen in die Stadt fl├╝chteten, um der Armut auf dem Lande zu entkommen. Eine entsprechende ├änderung der Wehrverfassung sollte erst gut drei├čig Jahre sp├Ąter durch die Heeresreform des homo novus Marius eingef├╝hrt werden.

      Den Reformern gelang es, f├╝r das Jahr 133 v. Chr. einige ihrer Mitglieder in einflussreiche ├ämter w├Ąhlen zu lassen. Tiberius Gracchus wurde f├╝r dieses Jahr zum Volkstribun gew├Ąhlt, Publius Mucius Scaevola gar zum Konsul . Man kam ├╝berein, dass die erfolgversprechendste Vorgehensweise bei der Durchsetzung der Reform der Weg ├╝ber die Volksversammlung (concilium plebis) sei, da dort der Einfluss der verm├Âgenden Schichten gering war. Sofort begann Gracchus mit der Umsetzung seiner Agrarreform, welche wohl ein Gesetz aus fr├╝heren Zeiten aufgriff (lex Licinia).

      Urspr├╝nglich sah das zur Umsetzung der Reformen ausgearbeitete Gesetz lex Sempronia agraria vor, dass der ager publicus neu zu vergeben sei. Die derzeitigen Besitzer des ager publicus sollten nur 500 iugera Land f├╝r sich behalten d├╝rfen, der Rest sollte zur Einziehung und Neuverteilung an die besitzlosen B├╝rger herangezogen werden. Die zu vergebenden neuen Bauernstellen sollten je 30 iugera umfassen und gegen eine an den Staat zu zahlende Geb├╝hr vergeben werden. Die Ver├Ąu├čerung des Landes war den Neubauern untersagt, hiermit sollte gew├Ąhrleistet werden, dass das Land nicht binnen kurzer Zeit von Gro├čgrundbesitzern zur├╝ckgekauft wurde.
      Zur Umsetzung dieser Vorgaben sollte eine Dreim├Ąnnerkommission eingesetzt werden, welche die Reformer aus ihren Reihen zu besetzen gedachten. Da die Arbeit der Kommission eine betr├Ąchtliche Menge an Geldmitteln erfordern w├╝rde, nutzten sie die Gelegenheit der Stunde, welche sich durch den Tod des K├Ânigs Attalos von Pergamon bot. Dieser hatte sein Reich dem r├Âmischen Staate vermacht, das Erbe sollte nun zur Finanzierung der Arbeit der Kommission dienen.
      Das Gesetzeswerk ist noch w├Ąhrend des Verfahrens ver├Ąndert worden, um den Bedenken und Einwendungen der betroffenen Landbesitzer zu begegnen und gr├Â├čere Ungerechtigkeiten zu vermeiden. So wurde den Okkupatoren wohl gestattet, bis zu 1000 iugera Land (500 iugera f├╝r den pater familias und bis zu 250 iugera f├╝r die ersten beiden S├Âhne) als privates Eigentum behalten zu d├╝rfen. Aufwendungen oder Investitionen, welche sie in das zur├╝ckzugebende Land get├Ątigt h├Ątten, sollten dem Werte nach ersetzt werden.

      Das Ackergesetz, welches Tiberius Gracchus der Volksversammlung ( concilium plebis ) zur Beratung und Verabschiedung vorlegte, verteidigte und begr├╝ndete er mit gro├čer Beredsamkeit und Verve. Plutarch l├Ąsst ihn in seinen Doppelbiographien wie folgt zu Worte kommen:
      Die wilden Tiere, die Italien bev├Âlkern, haben ihre H├Âhlen, und f├╝r jedes von ihnen gibt es eine Lagerst├Ątte, einen Schlupfwinkel. Die M├Ąnner aber, die f├╝r Italien k├Ąmpfen und sterben, haben nichts als Luft und Licht; unstet, ohne Haus und Heim ziehen sie mit Kindern und Frauen im Land umher. Die Feldherren l├╝gen, wenn sie in der Schlacht ihre Soldaten aufrufen, Gr├Ąber und Heiligt├╝mer gegen die Feinde zu verteidigen: Keiner dieser armen R├Âmern hat ja einen v├Ąterlichen Altar, keiner ein Grab seiner Ahnen. F├╝r Wohlleben und Reichtum anderer k├Ąmpfen und sterben sie. Herren der Welt werden sie genannt - in Wirklichkeit geh├Ârt ihnen aber kein Kr├╝mel Erde.
      Das Gesetz traf auf den erbitterten Widerstand der Gro├čgrundbesitzer und weiter Kreise des Senats. Ein Kollege des Tiberius Gracchus im Amt des Volkstribuns, Marcus Octavius , verhinderte die Verabschiedung des Reformgesetzes durch die Volksversammlung im Fr├╝hjahr 133 v. Chr. durch Einlegung seines Vetos ( Interzession ).
      Tiberius Gracchus und seine Anh├Ąnger lie├čen sich nun zu dem nach damaligen Rechtsverst├Ąndnis einmaligen und verfassungswidrigen Schritt hinrei├čen, den Volkstribun Octavius durch Plebiszit (Beschluss des concilium plebis) abzusetzen. Ein Volkstribun, der seine ihm durch das Volk und zum Wohle des Volkes verliehene Macht, gegen den erkl├Ąrten Willen des Volkes einsetze, m├╝sse auch durch die Volksversammlung abgesetzt werden k├Ânnen, argumentierte Gracchus. Nachdem das Plebiszit erfolgreich war, konnten die Reformer ihr Ackergesetz (lex Sempronia agraria) durchsetzen und die zu bestellende Ackerkommission wurde zun├Ąchst mit Tiberius Gracchus, dem princeps senatus Appius Claudius Pulcher und einem dritten Reformer besetzt. Sp├Ąter r├╝ckte der j├╝ngere Bruder des Tiberius nach, Gaius Sempronius Gracchus .'

      Auf der Wahlversammlung Mitte des Jahres 133 v. Chr. stellte sich Tiberius Gracchus schlie├člich f├╝r eine zweite Amtszeit als Volkstribun zur Wahl, da er bef├╝rchtete, ohne dieses Amt werde die Arbeit der Ackerkommission durch deren Gegner unm├Âglich gemacht. Dies stellte nach Ansicht der Senatsmehrheit einen zweiten schweren Rechtsbruch dar, da zwischen zwei ├ämtern oder Amtszeiten ├╝blicherweise immer eine ├Ąmterlose Zeit zu liegen hatte. Die Reformgegner im Senat beschlossen, unter F├╝hrung seines Cousins Publius Cornelius Scipio Nasica Serapio dem Treiben des Volkstribun gewaltsam ein Ende zu setzen, da ├╝ber die eigentliche Reform hinaus eine dauerhafte Verlagerung der Macht vom Senat auf die Volksversammlung bzw. den Volkstribun bef├╝rchtet wurde.
      Die bei Volksversammlungen nicht un├╝blichen handgreiflichen und tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Parteien und Gruppen wurden durch das gezielt verbreitete Ger├╝cht, Tiberius Gracchus strebe nach der K├Ânigskrone, derart gesteigert, dass es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den Anh├Ąngern der Senatsmehrheit und denen der Reformer kam. In deren Verlauf wurden Tiberius Gracchus und ca. 300 seiner Anh├Ąnger erschlagen. Die Leiche des Tiberius Gracchus wurde in den Tiber geworfen. Die Reformgegner hatten gesiegt. ├ťberlebende Anh├Ąnger des Tiberius Gracchus wurden sp├Ąter durch ein Sondergericht belangt.
      Damit waren die Reformen des Tiberius Gracchus zum Scheitern verurteilt. Zwar wurde der Gro├čteil seiner Gesetze nicht sofort r├╝ckg├Ąngig gemacht, sie wurden aber nicht mehr in seinem Sinne vorangetrieben. In den folgenden Jahren wurde die Parzellierung von ager publicus beendet, die daf├╝r eingesetzte Ackerkommission verlor ihre Zust├Ąndigkeit und wurde schlie├člich 111 v. Chr. durch eine weitere lex agraria aufgel├Âst. Im ├ťbrigen enthielt der Plan des Tiberius einen gewichtigen Fehler, der sich im Verlauf der Verwirklichung des Gesetzes offenbarte: Tiberius hatte stets darauf gedrungen, die Parzellen nur an r├Âmische B├╝rger zu verteilen. Dies sch├╝rte einen Konflikt zwischen Rom und den Provinzen.
      Tiberius' Bruder Gaius griff die Reformbestrebungen des Ermordeten im Jahr 123 v. Chr. wieder auf, wurde aber 121 v. Chr. gewaltsam aus Rom vertrieben und lie├č sich in aussichtsloser Lage auf der Flucht durch einen Sklaven t├Âten. Zehn Jahre nach dem Tod seines Bruders waren die von den beiden errungenen Teilerfolge damit g├Ąnzlich zunichte gemacht.

      Das kurze politische Wirken des Tiberius Gracchus, welches stets im Gesamtzusammenhang mit der Politik seines Bruders Gaius bewertet werden muss, ist von enormer Bedeutung f├╝r die weitere Entwicklung der r├Âmischen Republik, f├╝hrte es doch, wie Cicero bemerkte, zur Spaltung der r├Âmischen Gesellschaft. Die erstmals in diesem Zusammenhang auftauchenden Begriffe Optimaten und Popularen , als Bezeichnung f├╝r die Anh├Ąnger und Vertreter einer Politik der Senatsmehrheit bzw. einer Politik durch Plebiszite der concilia plebis, sollten in den n├Ąchsten Jahrzehnten das bestimmende Gegensatzpaar in der innerr├Âmischen Politik bilden. Im Ged├Ąchtnis der r├Âmischen Bev├Âlkerung kam den Gracchen, dem charismatischen Tiberius mehr noch als seinem j├╝ngeren Bruder, ein ehrendes Andenken zu. Hierzu trug auch die nach dem Tod der S├Âhne vorbildliche Haltung und Lebensf├╝hrung der Cornelia bei, welche alsbald als Musterbild einer Matrona verehrt wurde. Auch gelang es zeitweise einem Hochstapler, der sich als Sohn des Tiberius Gracchus ausgab, den Ruf der Gracchen zu ben├╝tzen, um politischen Einfluss bei der Plebs zu gewinnen und Unruhe zu sch├╝ren (Volkstribun im Jahre 99 v. Chr.).
      Die ├Ąltere Altertumswissenschaft (so etwa Theodor Mommsen ) hat das Jahr 133 v. Chr., in dem Tiberius Gracchus das Volkstribunat bekleidete, als Epochenjahr bewertet und mit ihm den Beginn der R├Âmischen Revolution datiert. In der neueren Forschung (so etwa Karl Christ ) wird diese Auffassung wegen ihrer Begrifflichkeit (Revolution) und scheinbaren Au├čerachtlassung der gesellschaftlichen und sozialen Vorbedingungen abgelehnt. Die gescheiterten Reformen der Gracchen bilden aber unbestritten den ersten offenen Ausbruch der Krise (so Christ ), welche oft als Zeitalter der r├Âmischen B├╝rgerkriege bezeichnet wird und die ├╝ber die Diktatur des Sulla , die gro├čen au├čerordentlichen Kommandos ( Imperien ) des Pompeius , des Caesar und des Crassus zum offenen Kampf und dem Ende der Republik und ├ťbergang ins Prinzipat des Augustus f├╝hrte.


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