Titus Flavius Vespasianus

Titus Flavius Vespasianus

Male 0039 - 0081  (41 years)    Has 9 ancestors and one descendant in this family tree.

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  • Name Titus Flavius Vespasianus  
    Relationshipwith Adam
    Born 30 Dec 0039  Rom Find all individuals with events at this location 
    Gender Male 
    Died 13 Sep 0081  Aquae Cutiliae Find all individuals with events at this location 
    Person ID I666962  Geneagraphie
    Last Modified 7 Nov 2009 

    Father Titus Flavius Vespasianus,   b. 17 Nov 0009, Falacrinae Find all individuals with events at this location,   d. 23 Jun 0079, Aquae Cutiliae Find all individuals with events at this location  (Age 69 years) 
    Mother Flavia Domitilla maior,   d. Bef 0069 
    Married Abt 0038 
    Siblings 2 siblings 
    Family ID F293057  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 1 Arrecina Tertulla,   d. 0064-0065 
    Married 0064 
    Children 
     1. Iulia Flavia,   b. 17 Sep 0064, Rom Find all individuals with events at this location,   d. 0091  (Age 26 years)
    Last Modified 25 Oct 2009 
    Family ID F293061  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 2 Marcia Furnilla,   b. Abt 0045,   d. After 0065  (Age ~ 21 years) 
    Divorced Yes, date unknown 
    Last Modified 25 Oct 2009 
    Family ID F293186  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 3 Berenike von Jud├Ąa,   b. 0028,   d. After 0079  (Age ~ 51 years) 
    Last Modified 25 Oct 2009 
    Family ID F293056  Group Sheet  |  Family Chart

  • Photos
    Titus Flavius Vespasianus
    Titus Flavius Vespasianus

  • Notes 
    • zweite r├Âmische Kaiser der flavischen Dynastie. Er regierte vom 24. Juni 79 bis zu seinem Tod im Jahr 81. Sein vollst├Ąndiger Geburtsname war - wie der seines Vaters - Titus Flavius Vespasianus; als Kaiser f├╝hrte er den Namen Imperator Titus Caesar divi Vespasiani filius Vespasianus Augustus.
      Nach dem Herrschaftsantritt seines Vaters beendete Titus als milit├Ąrischer Oberbefehlshaber den J├╝dischen Krieg , bei dem Jerusalem und sein weltber├╝hmter Tempel zerst├Ârt wurden. F├╝r seinen Sieg wurde er mit einem Triumphzug und dem Titusbogen geehrt. Aus der Kriegsbeute finanzierten die Flavier ihre kostspielige Baupolitik in Rom, Titus selbst vollendete das Kolosseum . Obwohl er w├Ąhrend seiner zweij├Ąhrigen Regierungszeit keine eigenst├Ąndige Politik entfalten konnte, wurde Titus von der antiken Geschichtsschreibung als idealer Herrscher ger├╝hmt. Nachdem im Jahr 79 der Vesuv ausgebrochen war, leitete er die Hilfsma├čnahmen ein, ebenso im darauf folgenden Jahr nach einem Brand in der Stadt Rom. Die moderne Forschung diskutiert insbesondere seine Rolle bei der Zerst├Ârung des Jerusalemer Tempels.
      Titus wurde am 30. Dezember 39 in Rom als ├Ąltester Sohn des Vespasian und der Flavia Domitilla geboren. Titus hatte mit Flavia Domitilla noch eine Schwester und einen j├╝ngeren Bruder, Domitian , seinen sp├Ąteren Nachfolger als Kaiser. Die Familie seines Vaters stammte aus dem Sabinerland und war zun├Ąchst wenig bedeutend. Dies ├Ąnderte sich unter Kaiser Claudius , der neben Freigelassenen auch den Ritterstand beg├╝nstigte. Unter ihm durchlief Vespasian in schneller Folge die ├ämter des Cursus honorum und legte so den Grundstein f├╝r den sp├Ąteren Aufstieg der Flavier zur Kaiserdynastie . Titus Flavius Sabinus , sein ├Ąlterer Bruder, erreichte bald das Amt des Stadtpr├Ąfekten von Rom und sollte in dieser Funktion sp├Ąter in der Hauptstadt gemeinsam mit dem jungen Domitian die Macht├╝bernahme Vespasians vorbereiten. Als Triebfeder des sozialen Aufstiegs der Flavier gilt Vespasia Polla , die Gro├čmutter des Titus, die ihre S├Âhne Sabinus und Vespasian dr├Ąngte, die senatorische ├ämterlaufbahn einzuschlagen.
      Vespasians Aufstieg erm├Âglichte Titus eine Erziehung am Hof des Kaisers Claudius gemeinsam mit dessen eigenem Sohn Britannicus , die beide von Sosibius unterrichtet wurden. Mit Britannicus war Titus freundschaftlich verbunden, bis dieser 55 ├╝berraschend auf einem Gelage verstarb, m├Âglicherweise hatte der neue Kaiser Nero die Vergiftung des potenziellen Thronrivalen anordnen lassen. Titus selbst schadete der Tod des Britannicus keineswegs; auch dank seiner fundierten Kenntnis griechischer und r├Âmischer Autoren, seiner Redebegabung und nicht zuletzt der hohen Stellung seines Vaters, der mittlerweile ein Suffektkonsulat bekleidet hatte, durfte Titus vielmehr auf eine gl├Ąnzende politische Laufbahn hoffen.

      Nach ersten politischen T├Ątigkeiten in niedrigeren ├ämtern, von denen nichts Genaues bekannt ist, diente Titus von 61 an als Milit├Ąrtribun in Obergermanien und Britannien . In diesen Provinzen hatte sein Vater zwanzig Jahre zuvor als Legat r├Âmische Truppen kommandiert. Titus selbst wurde dort laut Sueton durch zahlreiche Statuen geehrt. In Britannien teilte er ein Quartier mit dem Plinius . W├Ąhrend dieser Zeit soll Titus Vespasian einmal das Leben gerettet haben. Dies berichtet zumindest Cassius Dio . Diese Nachricht scheint jedoch nicht auf Fakten, sondern auf der bei sp├Ąteren Autoren immer deutlicher hervortretenden Tendenz zur Idealisierung des Titus zu beruhen.
      Titus kehrte 64 aus Britannien nach Rom zur├╝ck. Dort arbeitete er als Anwalt und ├╝bernahm die ├╝blichen ├ämter eines jungen Senators . Noch in diesem Jahr, in das auch der mit den ersten Christen in Verbindung gebrachte Brand Roms fiel, heiratete er Arrecina Tertulla. ├ťber die Herkunft und die Familie seiner ersten Gattin ist nur wenig bekannt. Tertulla starb bereits wenige Monate nach der Hochzeit, vielleicht nach der Geburt der Tochter Julia. Julia k├Ânnte jedoch auch die Tochter der zweiten Ehefrau des Titus sein, der Marcia Furnilla, die aus der reichen Familie eines fr├╝heren Prokonsuls von Africa stammte. Doch Marcia war die Nichte des Quintus Marcius Barea Soranus , der als Mitglied der senatorischen Opposition gegen Nero in den Tod getrieben wurde. Vermutlich f├╝rchtete Titus aufgrund dieser Verwandtschaft um sein eigenes Leben oder zumindest um seine Karriere, die Ehe wurde bald darauf geschieden.

      In der r├Âmischen Provinz Jud├Ąa f├╝hrten verschiedene Faktoren im Jahr 66 zum Ausbruch eines Aufstands der dort ans├Ąssigen Juden: Die Steuern waren erdr├╝ckend, und die r├Âmischen Statthalter nutzten ihre Amtsgewalt aus, um die Provinzialen zu erpressen. Auch die verschiedenen Provokationen gegen├╝ber der j├╝dischen Religion, die in ihrem Monotheismus mit der r├Âmischen Staatsreligion unvereinbar war, f├╝hrten zur Eskalation. Als r├Âmische Reaktion wurde im Herbst 66 der syrische Legat Gaius Cestius Gallus mit 12.000 Legion├Ąren und zahlreichen Hilfstruppen nach Jerusalem geschickt. Gallus musste sich jedoch schon bald darauf unter starken Verlusten zur├╝ckziehen; aus dem lokalen Aufstand war der J├╝dische Krieg geworden. Mit der F├╝hrung dieses Krieges beauftragte der in Griechenland weilende Kaiser Nero Vespasian, obwohl dieser zeitweise bei ihm in Ungnade gefallen war. Als Gr├╝nde f├╝r seine Berufung nennt Sueton Vespasians T├╝chtigkeit und Erfahrung und vor allem, dass er wegen seiner einfachen Herkunft in den Augen Neros keine Gefahr darstellte. Der sechsundzwanzigj├Ąhrige Titus begleitete seinen Vater.
      Vespasians Heer war erheblich gr├Â├čer als das des Cestius. Es bestand neben drei Legionen noch aus 23 Auxiliarkohorten , Reiterabteilungen sowie 15.000 Mann Hilfstruppen der befreundeten orientalischen F├╝rsten. Insgesamt verf├╝gte Vespasian inklusive Hilfstruppen ├╝ber ein Heer von etwa 60.000 Mann. [12] Die Gr├Â├če des Heeres und die wichtige Position des noch recht unerfahrenen Titus, der bisher noch nicht einmal Pr├Ątor gewesen war, zeigen das Vertrauen, das der Kaiser immer noch in die beiden Flavier setzte. Titus befehligte als Legat die legio XV Apollinaris . Er belagerte 67 Iotapata und eroberte Iapha , au├čerdem war er an den Kampfhandlungen um Gischala , Tiberias , Tarichea und Gamala beteiligt. W├Ąhrend der Belagerung von Iotapata wurde der j├╝dische General Iosephus gefangengenommen. In seiner Gefangenschaft prophezeite er Vespasian das Kaiseramt und wurde nach Ausrufung Vespasians zum Kaiser freigelassen. Bei der sp├Ąteren Eroberung Jerusalems durch Titus nahm er auf r├Âmischer Seite teil und verfasste sein Werk Bellum Iudaicum.

      Nach Ausbruch des j├╝dischen Krieges st├╝rzte das r├Âmische Reich in seine schwerste Krise seit der Begr├╝ndung des Prinzipats . Diese Krise und der Sturz Neros sind haupts├Ąchlich auf die katastrophale Lage der r├Âmischen Finanzen zur├╝ckzuf├╝hren. Nach dem gro├čen Brand Roms und infolge seiner Verschwendungssucht war es Nero nicht mehr gelungen, seine Truppen zu bezahlen. ├ťberall im Reich brachen zu dieser Zeit Unzufriedenheit und Aufruhr aus. Als Sulpicius Galba , der Statthalter der gr├Â├čten Provinz Tarraconensis , am 4. April 68 in Carthago Nova seinen Abfall von Nero erkl├Ąrte und Neros erzwungener Suizid wenig sp├Ąter das Ende der julisch-claudischen Dynastie herbeif├╝hrte, war ein Pr├Ązedenzfall im R├Âmischen Reich geschaffen: Fortan konnte das Heer den Kaiser ÔÇ×machen". Als er von der Ermordung des Kaisers erfuhr, brach Titus seine Reise zu Galba ab, dem er die Loyalit├Ątserkl├Ąrung der in Jud├Ąa stationierten Truppen ├╝bergeben wollte. W├Ąhrend der kurzen Prinzipate Othos (15. Januar bis 16. April 69) und des Vitellius (2. Januar bis 20. Dezember 69) hielt Titus sich im Hintergrund. Durch Verhandlungen mit dem syrischen Pr├Ąfekten Gaius Licinius Mucianus ├╝ber eine Revolte gegen Vitellius unterst├╝tzte er seinen Vater, den bereits im Juli 69 die Legionen Syriens, ├ägyptens und Jud├Ąas zum Kaiser ausgerufen hatten. Im Herbst sprachen sich auch die Truppen an der Donau f├╝r Vespasian aus, der nun in Italien einfallen konnte und Vitellius in der Schlacht von Bedriacum am 24. Oktober 69 besiegte. Am 21. Dezember, einen Tag nach der Hinrichtung des Kurzzeitkaisers Vitellius, legte der r├Âmische Senat alle Macht in die H├Ąnde Vespasians. Titus war damit vom Sohn eines wenig bedeutenden Italikers zum Thronfolger des r├Âmischen Kaisers aufgestiegen.

      W├Ąhrend sein Vater Vespasian von Rom aus das Reich nach den Wirren des Vierkaiserjahres wieder ordnete, blieb Titus im Osten. Von seinem Vater bekam er den Auftrag, den J├╝dischen Krieg zu Ende zu f├╝hren (ad reliqua Iudaici belli perpetranda), was konkret die Eroberung Jerusalems bedeutete, das sich bis zu diesem Zeitpunkt allen Eroberungsversuchen widersetzt hatte. Ob au├čer der Eroberung auch die v├Âllige Zerst├Ârung der Stadt und des Tempels geplant war, geht aus den antiken Quellen nicht eindeutig hervor. Mit vier Legionen unter seinem Kommando begann Titus anl├Ąsslich des Passahfestes im Fr├╝hling die Belagerung Jerusalems, als sich fast ein Drittel der Gesamtbev├Âlkerung Iudaeas dort versammelt hatte, um das wichtigste j├╝dische Fest zu feiern, weshalb sich die Bev├Âlkerung Jerusalems f├╝r ein paar Tage um das Zehnfache vermehrt hatte. Gleich zu Beginn der Belagerung soll Titus die Fliehenden vor den Augen der Belagerten gemartert und gekreuzigt haben. Auf diese Weise sollen jeden Tag 500 Juden hingerichtet worden sein. Nach der Best├╝rmung und der Zerst├Ârung der zweiten Ringmauer lie├č er die ganze Stadt durch eine Mauer umschlie├čen, die den Belagerten jede M├Âglichkeit zur Flucht nahm. Dadurch sollen nach wenigen Wochen ├╝ber 600.000 Juden verhungert sein. Die innere Stadt und der Tempel hielten bis Anfang August der Belagerung stand. Nachdem Titus' Soldaten den ├Ąu├čeren Hof des Tempels erreicht hatten, brannten sie das Bauwerk selbst nieder und t├Âteten alle, die nicht schon vorher aus Nahrungsmangel oder durch Selbstmord ihr Leben beendet hatten.
      Der j├╝dische Tempel wurde dabei zerst├Ârt, ob mit Absicht oder aus Zufall ist aufgrund der ├ťberlieferungssituation nicht zu entscheiden. Lediglich die von Herodes errichtete Grundmauer des Tempels, die heutige Klagemauer , blieb bestehen. Bei der Belagerung von Jerusalem sollen etwa 1.100.000 Menschen gestorben sein und 97.000 Menschen ├╝berlebt haben. Der Tempelschatz, zu dem unter anderem die Menora z├Ąhlte, wurde nach Rom transportiert. Die ├ťberlebenden wurden in die Sklaverei verkauft oder in Zirkusspielen umgebracht, das j├╝dische Land und seine Eink├╝nfte zugunsten der kaiserlichen Kasse konfisziert. Die Juden wurden gezwungen, die Kopfsteuer, die sie j├Ąhrlich an den Tempel von Jerusalem entrichtet hatten, zuk├╝nftig an den kapitolinischen Jupiter zu zahlen (fiscus Judaicus). Durch die Zerst├Ârung des Tempels ├Ąnderte sich der Charakter der j├╝dischen Religionsaus├╝bung grundlegend, f├╝r die vormals der Besuch des Tempels zentral war und die nunmehr wesentlich in der Auslegung der religi├Âsen Schriften bestand.

      Durch die Gladiatorenspiele und die Hinrichtung der ├╝berlebenden Gefangenen im Winter 70/71 zeigte Titus ├Âffentliche Pr├Ąsenz und st├╝tzte die Macht des flavischen Kaisertums im Osten. Im Juni 71 kehrte er nach Rom zur├╝ck. Ein knappes Jahr nach Titus' R├╝ckkehr in die Hauptstadt bewilligte der Senat sowohl Vespasian als auch ihm einen Triumph , der den Krieg trotz der anhaltenden K├Ąmpfe um Masada staats- und sakralrechtlich f├╝r beendet erkl├Ąrte.
      Vespasian begann, Titus systematisch als seinen Nachfolger aufzubauen. W├Ąhrend der folgenden Jahre teilte er fast jede Ehrung mit seinem Sohn, der bereits vor seinem Herrschaftsantritt so oft zum Konsul gew├Ąhlt worden war wie vor ihm nur Augustus und der Heeresreformer Marius . Zudem trug er schon seit 69 den Titel Caesar . In der Zeit zwischen 70 bis 79 war Titus siebenmal Konsul. Neben seinem Vater war er im Jahr 73 Zensor und kommandierte ab 71 als Pr├Ątorianerpr├Ąfekt dessen 4.500 Mann umfassende Leibgarde, was ihm die unmittelbare milit├Ąrische Gewalt in Rom einbrachte. Diese Personalie war ein kluger Schachzug Vespasians, da die Pr├Ątorianerpr├Ąfekten seit Sejan , der dieses Amt unter Tiberius innehatte, immer wieder versucht hatten, gegen den Kaiser Politik zu machen oder diesen sogar zu st├╝rzen.
      Vespasian setzte Titus auch bei der Aburteilung von Verbrechern und Aufr├╝hrern ein, wobei er offenbar so erbarmungslos vorging, dass er den Ruf eines ÔÇ×Schl├Ąchters" erwarb. Sueton berichtet, dass er nicht nur selbst Prozesse f├╝hrte, sondern diese auch durch Volkes Stimme im Theater entscheiden lie├č. Wegen angeblichen Hochverrats lie├č er einige hochangesehene Senatoren hinrichten. Allerdings zeigte sich Titus auch als f├Ąhiger Verwalter, der Senatssitzungen beiwohnte, den Rat erfahrener Politiker sch├Ątzte und mit den meisten wichtigen Fraktionen und Gruppierungen gut auskam. Einige betrachteten ihn sogar als Mitregenten seines Vaters. Beim Tod Vespasians am 23. Juni 79 konnte er die Macht ohne gro├če Probleme ├╝bernehmen.
      W├Ąhrend seiner Herrschaft vermehrte Vespasian durch verschiedene Ma├čnahmen die Eink├╝nfte des Fiskus. Er erh├Âhte ├╝berall die Geb├╝hren und die Steuern, verdoppelte gar die Abgaben einiger Provinzen. Vespasian scheute keine Mittel zur Geldbeschaffung. Als ihm sein Sohn Titus vorwarf, eine Geb├╝hr auf die Latrinen eingef├╝hrt zu haben, soll er geantwortet haben: Pecunia non olet (ÔÇ×Geld stinkt nicht"). Die Ma├čnahmen waren wirksam: Als Titus die Herrschaft ├╝bernahm, waren die Finanzen des r├Âmischen Staates wieder gesund und die Kassen voll.

      Da Titus als Pr├Ątorianerpr├Ąfekt r├╝cksichtslos seine politischen Gegner hatte ermorden oder misshandeln lassen und weil Ger├╝chte ├╝ber sexuelle Ausschweifungen nicht nur mit der jud├Ąischen Prinzessin Berenike kursierten, soll man in ihm sogar einen zweiten Nero erwartet haben. Doch der nunmehr Titus Caesar Vespasianus Augustus genannte neue Kaiser soll sein Verhalten wesentlich ver├Ąndert haben: Willk├╝rlichkeiten werden ebenso wenig ├╝berliefert wie Majest├Ątsprozesse . Titus gab sich betont milde und gro├čm├╝tig . Ebenso wie sein Vater war er um ein gutes Verh├Ąltnis zum Senat und zum r├Âmischen Volk bem├╝ht. V├Âllig unerwartet schwor er, niemals einen Senator zu t├Âten, womit er den Senat f├╝r sich gewann.
      Titus setzte sich damit ├Âffentlichkeitswirksam von denjenigen Kaisern des 1. Jahrhunderts n. Chr. ab, unter denen Senatoren in Hochverratsprozessen exekutiert wurden. Noch in der hohen Kaiserzeit wiederholten einzelne Kaiser den f├╝r Titus erstmals ├╝berlieferten Eid zu Beginn ihrer Amtszeit. Somit folgt die antike Historiographie in der Zweiteilung der Charakterzeichnung nicht nur einem typischen Erz├Ąhlmuster, sondern verstand die f├╝r den Senat unverf├Ąngliche Person des Titus auch als Gegenbild zu seinen Vorg├Ąngern und Nachfolgern sowie als Spiegel der Gegenwartskaiser.

      In seiner kurzen Regierungszeit f├╝hrte Titus die Politik seines Vaters fort. Au├čer in den von beiden errichteten Gro├čbauten zeigt sich diese Kontinuit├Ąt in den Ma├čnahmen zur Verst├Ąrkung und Sicherung der Reichsgrenzen und der Fortf├╝hrung der Offensive in Britannien. Domitian brach diese Offensive sp├Ąter ab und b├╝ndelte die r├Âmischen Kr├Ąfte in Germanien. Ob er dabei auf Pl├Ąne seines Vorg├Ąngers zur├╝ckgreifen konnte, bleibt unklar. Die Quellenlage, die bei beiden Br├╝dern durch pers├Ânliche Wertungen der antiken Autoren beeintr├Ąchtigt ist, l├Ąsst hier kein Urteil zu.
      Titus' knapp zweij├Ąhrige Regierungszeit wurde von drei Katastrophen ├╝berschattet. Wenige Monate nach seinem Regierungsantritt ereignete sich am 24. August 79 n. Chr. der Ausbruch des Vesuv , der Herculaneum , Pompeji und Stabiae unter Asche und Schlamm begrub und f├╝r weite Teile Kampaniens bitterste Not brachte. Noch im selben Jahr wurde Rom von einer Seuche bisher unbekanntem Ausma├č heimgesucht. Genaueres ├╝ber die Epidemie ist aus den Quellen nicht bekannt. Im n├Ąchsten Jahr verheerte ein dreit├Ągiges Gro├čfeuer Rom. Nach Cassius Dio wurden dabei s├Ąmtliche Geb├Ąude zwischen dem Pantheon und dem Kapitol besch├Ądigt oder zerst├Ârt. Titus leitete bei allen Katastrophen umgehend die Hilfsma├čnahmen ein, was einen nachhaltigen Eindruck hinterlie├č.
      Als Kaiser umgab sich Titus wie schon in Jud├Ąa mit f├Ąhigen Beratern und konnte sich mit deren Hilfe in der ├ľffentlichkeit noch deutlicher als weiser, auf sozialen Ausgleich bedachter Herrscher zeigen. Seine Gesetzgebung beschr├Ąnkt sich so auch weitgehend auf popul├Ąre soziale Wohltaten, von denen neben der Armee auch die ├Ąrmeren R├Âmer und Provinzbewohner profitierten. So regelte Titus Landbesitz, Hochzeit und Testamentsfreiheit in ihrem Sinne neu. In den Provinzen, die er nach seinem Amtsantritt nicht mehr besuchen konnte, manifestierte sich seine Politik vor allem im verst├Ąrkten Stra├čenbau und der Grenzsicherung entlang von Donau und Euphrat. M├Âglicherweise h├Ąngt die relative Ruhe, die in den n├Ąchsten Jahren an diesen Grenzen herrschte, auch mit diesen Ma├čnahmen des Titus zusammen.

      Wie f├╝r seinen Vater Vespasian bestand f├╝r Titus noch das Problem, dass die von Augustus dynastisch geregelte Nachfolgefrage erstmals von einer neuen Dynastie ├╝bernommen worden war. Au├čerdem mussten die Flavier das Manko fehlender Ahnenbilder ausgleichen. Der Erfolg im J├╝dischen Krieg war von grundlegender Bedeutung f├╝r die neue Dynastie. Nur im J├╝dischen Krieg waren sowohl Vespasian als auch Titus als Feldherrn t├Ątig gewesen. Ihren sichtbarsten Ausdruck fand die Eroberung Jerusalems in den Siegesm├╝nzen, die im gesamten R├Âmischen Reich verbreitet wurden. Die Legenden der M├╝nzen lauten in den meisten F├Ąllen IVDAEA CAPTA (S C), IVD CAP (S C) oder IVDEA CAPTA, andere Legenden hei├čen IVDEA DEVICTA, DEVICTA IVDAEA S C, DE IVDAEIS oder nur IVDAE. Die Formel IVDEA CAPTA wurde als au├čenpolitisch-milit├Ąrischer Erfolg der Flavier propagiert. Durch die capta-Legende, die die ├ťbernahme eines Gebietes in die r├Âmische Befehlsgewalt verdeutlicht, propagierten Titus und Vespasian, als erste dieses Gebiet unterworfen und unter r├Âmische Herrschaft gebracht zu haben. De jure war Jud├Ąa allerdings bereits seit 63 v. Chr. unter r├Âmischer Oberhoheit und hatte seit 6 n. Chr. den Status einer prokuratorischen Provinz.
      Analog zu den M├╝nzen, welche die Eroberung einer neuen Provinz suggerieren, ist auch der von Vespasian und Titus abgehaltene Triumphzug ├╝ber Jud├Ąa zu verstehen. Der kultisch gebundene und durch Rituale gepr├Ągte Triumph wurde nur f├╝r einen Sieg in einem gerechten Krieg, einem bellum iustum , gew├Ąhrt. Die Niederschlagung des j├╝dischen Aufstandes berechtigte nach r├Âmischer Tradition nicht zu einem Triumph. Den Triumph nutzten die Flavier, um ihre Sieghaftigkeit zu inszenieren. Dieser wurde jedoch nicht nur als vergangener Sieg ├╝ber Feinde gefeiert, sondern dar├╝ber hinaus als ÔÇ×Ende der B├╝rgerkriegswirren und als Anfang der Hoffnungen auf eine gl├╝ckliche Zukunft". [24] F├╝r r├Âmische Eroberer war es ehrenvoll, wenn ihnen bei einem Triumph auch einen Beinamen wie Africanus, Germanicus oder Balearicus verliehen wurde. Doch einen Titel Iudaicus lehnte Titus ab, da ein solcher Titel missverst├Ąndlich als Annahme j├╝discher Br├Ąuche und Religion h├Ątte aufgefasst werden k├Ânnen.
      Die Legitimit├Ąt des flavischen Herrscherhauses versuchte Titus durch die Ankn├╝pfung an das julisch-claudische zu untermauern. Unter anderem pr├Ągte er Gedenkm├╝nzen f├╝r beliebte Vorg├Ąnger im Kaiseramt wie Augustus und Claudius , die zur julisch-claudischen Dynastie geh├Ârten. W├Ąhrend sich die Flavier in der zeitgen├Âssischen Wahrnehmung einerseits entschieden von ihrem letzten legitimen Vorg├Ąnger Nero abgrenzten, versuchten sie andererseits die Pl├Ąne des ersten Princeps Augustus zu realisieren sowie dessen Handlungen zu imitieren. Nach Sueton plante schon Augustus, das Amphitheater zu errichten..
      Daneben pflegte Titus aber auch den Herrscherkult f├╝r seinen verstorbenen Vater Vespasian, dem er einen Tempel errichten lie├č. Nach dem Tod des Titus wurde dieser Familientempel von Domitian vollendet. Zur Legitimit├Ątspolitik der Flavier geh├Ârten auch wirtschaftliche Ma├čnahmen, f├╝r die Titus auf den von Vespasian stark vergr├Â├čerten Staatsschatz zur├╝ckgreifen konnte. Insbesondere finanzierte er zahlreiche Bauma├čnahmen.

      Titus vollendete das von seinem Vater begonnene Flavische Amphitheater, das wegen einer urspr├╝nglich dort stehenden Kolossalstatue Neros als Kolosseum bezeichnet wird. Eingeweiht wurde es mit vom Kaiser bezahlten hundertt├Ągigen Spielen. Neben Gladiatorenk├Ąmpfen , Tierhetzen und nachgestellten Infanteriegefechten wurden auch Seeschlachten gezeigt. Eigens daf├╝r konnte die Arena des Kolosseums mit Wasser geflutet werden. Erst in j├╝ngerer Zeit konnte G├ęza Alf├Âldy durch eine Lesung der sogenannten D├╝bellochfunde im Amphitheater eine Bauinschrift nachweisen, die zeigt, dass Vespasian und Titus das Amphitheater aus der Kriegsbeute finanziert hatten. Sie hatte den Text: I[mp(erator)] Vespasi[anus Aug(ustus]/ amphitheatru[m novum?]/ [ex] manubis (vac.)[fieri iussit(?)].
      (ÔÇ×Kaiser Vespasian Augustus lie├č das neue Amphitheater aus der Beute [des j├╝dischen Krieges] errichten"). Zuvor war dies lediglich vermutet worden.
      ├ähnlich wie sein Vater betrieb Titus eine explizite Politik des Gemeinnutzes. Titus verbesserte die stadtr├Âmische Wasserversorgung durch den Ausbau der Aqu├Ądukte Aqua Marcia , Curtia und Caerulea . Um sich von ihrem verhassten Vorg├Ąnger zu distanzieren, wurde Neros Domus Aurea teilweise abgerissen und durch das Amphitheater und die sogenannten Titusthermen ├╝berbaut. Die Errichtung solcher B├Ąder geh├Ârte in der Folgezeit zum Pflichtprogramm eines r├Âmischen Kaisers.
      Daneben verbesserte Titus wie Vespasian die Infrastruktur in Italien und den Provinzen . Vor allem forcierte er den Stra├čenbau . Gro├če Summen flossen aber auch in den Wiederaufbau der vom Ausbruch des Vesuvs am 24. August 79 zerst├Ârten St├Ądte in Kampanien sowie den Ma├čnahmen nach dem Gro├čfeuer und anschlie├čender Seuche in Rom. Neben anderen betont Cassius Dio die finanzielle Gro├čz├╝gigkeit des Kaisers.

      Seit Ende der 60er Jahre war Berenike , die Schwester Herodes Agrippas II. und Urenkelin Herodes des Gro├čen , die Frau an Titus' Seite. Reich, m├Ąchtig und mit der politischen Lage im Osten des Reiches vertraut, w├Ąre die einige Jahre ├Ąltere Berenike eine vorz├╝gliche Ehefrau f├╝r Titus gewesen. Auch der immer nach neuen Geldquellen suchende Vespasian, den sie w├Ąhrend des Vierkaiserjahres gro├čz├╝gig finanziell unterst├╝tzt hatte, h├Ątte sie wohl gerne zur Schwiegertochter gehabt. Berenike setzte sich erfolgreich f├╝r ihre nach dem von ihrem Lebensgef├Ąhrten und dessen Vater gef├╝hrten J├╝dischen Krieg darniederliegende Heimat ein. Einen Senator, der Berenike verf├╝hren wollte, lie├č Titus noch vor seinem Regierungsantritt hinrichten. Quintilian , zu dieser Zeit ein bedeutender Anwalt, der erste vom Kaiser bezahlte Rhetorikprofessor und sp├Ąter Prinzenerzieher unter Domitian, berichtet von einem Verfahren vor dem Kronrat (consilium principis) Vespasians, dessen Gegenstand Berenike betraf. Quintilian zufolge geh├Ârte sie dem Gremium an und war so selbst an der Entscheidung beteiligt, w├Ąhrend er als Anwalt vor diesem pl├Ądierte. Aus seinem Bericht in der Ausbildung des Redners geht nicht hervor, worum es in diesem Verfahren ging. Der Historiker Helmut Castritius geht davon aus, dass eine Verm├Âgensangelegenheit verhandelt wurde, da Berenike sehr reich war und in Pal├Ąstina wertvolle L├Ąndereien besa├č, wo die R├Âmer nach dem J├╝dischen Aufstand in gro├čem Umfang Grundbesitzer enteignet hatten. Berenike hatte nach 75 eine ├Ąhnlich einflussreiche Stellung erreicht wie die kaiserlichen Frauen unter Caligula und Claudius . Doch eine Ehe zwischen einer j├╝dischen Prinzessin und einem r├Âmischen Feldherrn bedrohte in den Augen der R├Âmer die politische Stabilit├Ąt und war deshalb unm├Âglich f├╝r einen Kaisersohn wie Titus. Nach dem Herrschaftsantritt des Titus im Juni 79 kam es zu einem Bruch in der engen Beziehung der beiden. Titus war aufgrund der enormen ├Âffentlichen Kritik gezwungen, sie gegen seinen und ihren Willen (invito, invitam) zu verlassen.
      Die Gr├╝nde f├╝r die Zur├╝ckweisung Berenikes sind nach heutiger Sicht nicht vollst├Ąndig gekl├Ąrt. Einige Forscher meinen, dass Vespasian sie noch kurz vor seinem Tod vom Hof entfernen lie├č, andere machen einen Richtungsstreit in der flavischen Klientel daf├╝r verantwortlich. Auch die allgemein feindselige Stimmung gegen├╝ber orientalischen K├Âniginnen, die eine Heirat der beiden verhindert haben soll, wurde als Grund in Betracht gezogen. Rechtliche Hindernisse f├╝r eine eheliche Verbindung gab es jedenfalls keine, Berenike war von Geburt an r├Âmische B├╝rgerin, da Gaius Iulius Caesar ihrer Familie in den 40er Jahren des 1. Jahrhunderts v. Chr. f├╝r ihre Verdienste im B├╝rgerkrieg das r├Âmische B├╝rgerrecht verliehen hatte. M├Âglicherweise wurde sie jedoch dadurch verhindert, dass sie J├╝din war und damit etwaige Kinder ebenfalls Juden gewesen w├Ąren. Damit konnten sich Senat und Volk von Rom offenbar so kurz nach dem J├╝dischen Aufstand und dem Stadtbrand des Jahres 64, der mit den Christen, nach r├Âmischer Auffassung einer j├╝dischen Sekte, in Verbindung gebracht wurde, nicht anfreunden. Die plebs urbana zeigte, von zwei kynischen Philosophen im Theater aufgehetzt, offen ihre Ablehnung und beeinflusste so nicht zum ersten Mal die Entscheidungen im Kaiserhaus. Wegen der ├Âffentlichen Proteste und aus Gr├╝nden der Staatsr├Ąson unterlie├č es Titus, seine Verbindung mit Berenike zu legalisieren, und entfernte sie zudem aus seinem pers├Ânlichen Umfeld. Berenike blieb allerdings in Italien. Sie kam offenbar kurz vor dem fr├╝hen Tod des Titus im Jahr 81 noch einmal nach Rom und verlie├č danach Italien, um in ihre Heimat zur├╝ckzukehren.

      Nachdem er hundertt├Ągige Spiele in Rom gegeben hatte, zog sich Titus im Sommer 81 weitgehend aus der ├ľffentlichkeit zur├╝ck, m├Âglicherweise litt er an Depressionen. Er starb nach nur 26 Monaten der Herrschaft am 13. September jenes Jahres. Sueton zufolge erkrankte er auf dem Weg ins Sabinerland , die Heimat seiner Vorfahren, an einem Fieber und starb in derselben Villa wie sein Vater Vespasian zwei Jahre zuvor. Nach Plutarch hatte Titus gegen den Rat der ├ärzte trotz einer schweren Erkrankung die Thermen besucht und starb an der dadurch verschlimmerten Krankheit. Andere Autoren berichten von Ger├╝chten, wonach Domitian den Tod seines Bruders herbeigef├╝hrt habe, indem er den erkrankten Kaiser Unterk├╝hlungen ausgesetzt haben soll. Ungekl├Ąrte Todesf├Ąlle von Herrschern zogen oft unbest├Ątigte Mordger├╝chte nach sich.
      Domitian ├╝bernahm ohne Schwierigkeiten die Macht und wurde noch am 13. September von den Pr├Ątorianern als Imperator akklamiert. Einen Tag sp├Ąter ├╝bertrug ihm der Senat die tribunicia potestas und den Augustusnamen . Domitian st├╝tzte seine eigene Legitimation auf das Andenken des von allen gesellschaftlichen Schichten geliebten Bruders. Er hielt nicht nur die Trauerrede auf Titus, sondern lie├č ihn auch umgehend verg├Âttlichen ( divinisieren ). Zudem baute er eine Reihe von Monumenten, die Titus ehren sollten, und vollendete den von Titus begonnenen Familientempel. Er ├Ąnderte dessen Namen in Tempel des Vespasian und des Titus und errichtete dort eine Kultstatue seines Bruders. Er pr├Ągte auch Gedenkm├╝nzen f├╝r Titus und andere verstorbene Familienmitglieder.

      F├╝r seinen milit├Ąrischen Erfolg ├╝ber Jud├Ąa wurde Titus nach seinem Tod im Jahr 81 auf dem h├Âchsten Punkt der Via Sacra am ├Âstlichen Rand des Forum Romanum ein Triumphbogen errichtet, der als Titusbogen bezeichnet wird. Die Inschrift des Bogens lautet: Senatus / populusque romanus / divo Tito divi Vespasiani f(ilio) / Vespasiano Augusto (ÔÇ×Der Senat und das r├Âmische Volk dem verg├Âttlichten Titus, dem Sohn des verg├Âttlichten Vespasian, Kaiser Vespasian"). Noch heute erinnert an der Innenseite des errichteten Titus-Bogens ein Relief an die Belagerung und Zerst├Ârung Jerusalems.

      Die antiken Schriftsteller Tacitus, Cassius Dio und Sueton verfassten ihre Werke erst nach dem Tod des letzten Flaviers. Alle drei waren Senatoren oder Ritter . Die antiken Historiker konzentrierten sich in ihrer Darstellung auf die Konflikte zwischen dem Senat und dem Princeps und vertraten in ihrer Beurteilung gew├Âhnlich die Position des Senats. Da Titus angeblich in v├Âlliger Harmonie mit dem Senat lebte, pr├Ągte dies auch das Urteil der antiken Geschichtsschreibung. Insbesondere galt Titus als Gegenbild zu seinem Bruder und verhassten Nachfolger Domitian, der ermordet wurde und dessen Erinnerung auf Anordnung des Senats ausgel├Âscht werden sollte.
      Folglich gilt Titus nach der ├ťberlieferung als ein regelrechtes Universalgenie, sowohl k├Ârperlich als auch geistig au├čergew├Âhnlich begabt und zumindest als junger Mann auch allseits beliebt. Zudem soll er in allen Sportarten erfolgreich und als Redner ebenso wie als Dichter und S├Ąnger f├Ąhig gewesen sein. Bewundert wurde auch, dass er aus dem Stegreif dichten, fremde Handschriften t├Ąuschend echt nachahmen und au├čergew├Âhnlich schnell stenografieren konnte. Plinius der ├ältere , der beim Ausbruch des Vesuv starb, widmete seinem Freund Titus gar seine Naturgeschichte . Als Beweis f├╝r Titus' humanes Wesen diente der antiken ├ťberlieferung der ihm zugeschriebene Ausspruch, er habe einen Tag verloren, weil er niemanden Gutes getan habe.
      Der r├Âmische Historiograf Sueton feierte Titus als ÔÇ×Liebling des Menschengeschlechts" (amor ac deliciae generis humani). Hingegen hielt er die Zerst├Ârung des Jerusalemer Tempels nicht einmal f├╝r erw├Ąhnenswert. Im Angesicht des Amphitheaters betonte Martial , dass Titus Rom sich selbst wiedergegeben habe und das Volk unter ihm jetzt genie├čen k├Ânne, was zuvor allein der Tyrann genoss - war das Amphitheater doch da entstanden, wo Neros Goldenes Haus , seine k├╝nstlichen Teiche und protzigen G├Ąrten lagen. [36] Aber auch an n├╝chternen Stimmen fehlte es schon in der Antike nicht. Im vierten Jahrhundert bezeichnete Ausonius Titus als ÔÇ×gl├╝cklich durch die K├╝rze seines Regiments" (felix brevitate regendi).
      Der r├Âmisch-j├╝dische Geschichtsschreiber Flavius Josephus , der den J├╝dischen Krieg pers├Ânlich miterlebt hatte, beabsichtigte in seinem Werk Bellum Iudaicum die j├╝dischen Splittergruppen f├╝r die Erhebung gegen Rom verantwortlich zu machen und die flavischen Herrscher zu verherrlichen. Er betonte mit Nachdruck, dass die Juden an ihrem Untergang selbst schuld seien. Nur die Belagerung Jerusalems durch Titus habe ihrem m├Ârderischen und unverst├Ąndlichen Treiben ein Ende setzen k├Ânnen. Immer wieder versuchte Josephus, seinen Helden Titus zu glorifizieren, nicht zuletzt wohl deshalb, weil dieser ma├čgeblich an der Rettung seines Lebens beteiligt gewesen war. Der r├Âmische Feldherr erscheint bei Josephus als Wohlt├Ąter und Retter des j├╝dischen Volkes, selbst die Zerst├Ârung des Tempels habe er angeblich zu verhindern versucht.
      Jedoch folgten nicht alle antiken Geschichtsschreiber dem Bericht des j├╝dischen Gelehrten. Im ausgehenden 4. Jahrhundert schrieb Sulpicius Severus , Titus habe in Wirklichkeit die Mitglieder seines Stabs unterst├╝tzt, die f├╝r die Zerst├Ârung des Tempels pl├Ądierten. Die christliche ├ťberlieferung r├╝hmte die Zerst├Ârung der Stadt als ein Vergeltungswerk an den Juden daf├╝r, da sie Christus umgebracht hatten. Hingegen betrachteten die Verfasser des Talmuds den fr├╝hen Tod des Titus als gerechte Strafe des Himmels. Titus habe nicht nur Jerusalem eingenommen, sondern sich auch seinen j├╝dischen Gefangenen gegen├╝ber ├Ąu├čerst grausam gezeigt.

      Insbesondere Titus' Eroberung des Tempels von Jerusalem, die Liebesbeziehung zu Berenike und die ihm zugewiesene Milde haben bildende K├╝nstler zu Werken angeregt. Schon im fr├╝hen 7. Jahrhundert nutzte die Eroberung Jerusalems ein angels├Ąchsischer Runenmeister als Motiv. Auf dem Runenk├Ąstchen von Auzon - vermutlich ein k├Ânigliches Schatzk├Ąstchen - soll diese Darstellung in Verbindung mit der runischen Inschrift das Kampfesgl├╝ck und somit den Ruhm des anglischen Kriegerk├Ânigs sichern.
      Nicolas Poussin schuf 1625 in Rom zu diesem Thema ein repr├Ąsentatives Gem├Ąlde f├╝r Kardinal Francesco Barberini , das seinen Ruf als Historienmaler best├Ąrkte. Er stellt Titus beritten mit einer an die Reiterstatue Mark Aurels auf dem Kapitol erinnernden Geste dar, mit der er die Pl├╝nderung des Tempels durch seine Soldaten noch verhindern will.
      Das Monumentalgem├Ąlde Zerst├Ârung Jerusalems durch Titus hingegen, das Wilhelm von Kaulbach 1841-1846 im Auftrag K├Ânig Ludwigs I. von Bayern schuf, erh├Âht Titus, der in ├Ąhnlicher Pose zu Pferd dargestellt ist, zum g├Âttlichen Werkzeug, indem Propheten und Engel die Zerst├Ârung des Tempels als g├Âttliches Strafgericht erscheinen lassen. Das Werk, das in seiner Anlage und in vielen Details zahlreiche antisemitische Klischees der abendl├Ąndischen Kunst vereint, geh├Ârt heute zur Sammlung der Neuen Pinakothek in M├╝nchen. Weitere Gem├Ąlde ├╝ber die Zerst├Ârung des Jerusalemer Tempels schufen die Maler David Roberts (1850) und Francesco Hayez (1867). Der Triumphzug ├╝ber Jud├Ą├Ą inspirierte die Maler Giulio Romano (1540) und Lawrence Alma-Tadema (1885).
      Titus taucht schon fr├╝h als Figur der Oper auf: Antonio Cestis Oper Il Tito nach einem Libretto von Nicol├▓ Beregan wurde 1666 in Venedig uraufgef├╝hrt. Die Oper spielt zur Zeit der Eroberung Jerusalems.
      Aber auch seine Milde (clementia) wurde in Kunst und Kultur oft behandelt. Pietro Metastasios Opernlibretto La clemenza di Tito (1734) wurde von mehr als 40 Opernkomponisten des Barocks und der Klassik vertont. Am bekanntesten ist bis heute die Vertonung von Wolfgang Amadeus Mozart , La clemenza di Tito . Auch andere bekannte Komponisten wie Antonio Caldara , Baldassare Galuppi , Johann Adolph Hasse , Niccol├▓ Jommelli , Ignaz Holzbauer und Christoph Willibald von Gluck komponierten Opern zu diesem Text. Titus wird von Metastasio als tugendhafter, der Milde verpflichteter Herrscher dargestellt, der den F├╝rsten des Absolutismus zum Vorbild dienen sollte. Mit dem historischen Titus hat Metastasios Darstellung allerdings wenig zu tun, vielmehr ist sein Libretto von Pierre Corneilles Drama Cinna beeinflusst, das die Milde des Kaisers Augustus gegen├╝ber dem Verschw├Ârer Gnaeus Cornelius Cinna Magnus darstellte.
      Die Liebesbeziehung zwischen Berenike und Titus inspirierte die franz├Âsischen Klassiker Jean Racine und Pierre Corneille 1670 zu ihren Werken B├ęr├ęnice und Tite et B├ęr├ęnice


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