Titus Flavius Vespasianus

Titus Flavius Vespasianus

Male 0039 - 0081  (41 years)    Has 9 ancestors and one descendant in this family tree.

Personal Information    |    Media    |    Notes    |    All

  • Name Titus Flavius Vespasianus  
    Relationshipwith Francis Fox
    Born 30 Dec 0039  Rom Find all individuals with events at this location 
    Gender Male 
    Died 13 Sep 0081  Aquae Cutiliae Find all individuals with events at this location 
    Person ID I666962  Geneagraphie
    Last Modified 7 Nov 2009 

    Father Titus Flavius Vespasianus,   b. 17 Nov 0009, Falacrinae Find all individuals with events at this location,   d. 23 Jun 0079, Aquae Cutiliae Find all individuals with events at this location  (Age 69 years) 
    Mother Flavia Domitilla maior,   d. Bef 0069 
    Married Abt 0038 
    Siblings 2 siblings 
    Family ID F293057  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 1 Arrecina Tertulla,   d. 0064-0065 
    Married 0064 
    Children 
     1. Iulia Flavia,   b. 17 Sep 0064, Rom Find all individuals with events at this location,   d. 0091  (Age 26 years)
    Last Modified 25 Oct 2009 
    Family ID F293061  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 2 Marcia Furnilla,   b. Abt 0045,   d. After 0065  (Age ~ 21 years) 
    Divorced Yes, date unknown 
    Last Modified 25 Oct 2009 
    Family ID F293186  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 3 Berenike von Judäa,   b. 0028,   d. After 0079  (Age ~ 51 years) 
    Last Modified 25 Oct 2009 
    Family ID F293056  Group Sheet  |  Family Chart

  • Photos
    Titus Flavius Vespasianus
    Titus Flavius Vespasianus

  • Notes 
    • zweite römische Kaiser der flavischen Dynastie. Er regierte vom 24. Juni 79 bis zu seinem Tod im Jahr 81. Sein vollständiger Geburtsname war - wie der seines Vaters - Titus Flavius Vespasianus; als Kaiser führte er den Namen Imperator Titus Caesar divi Vespasiani filius Vespasianus Augustus.
      Nach dem Herrschaftsantritt seines Vaters beendete Titus als militärischer Oberbefehlshaber den Jüdischen Krieg , bei dem Jerusalem und sein weltberühmter Tempel zerstört wurden. Für seinen Sieg wurde er mit einem Triumphzug und dem Titusbogen geehrt. Aus der Kriegsbeute finanzierten die Flavier ihre kostspielige Baupolitik in Rom, Titus selbst vollendete das Kolosseum . Obwohl er während seiner zweijährigen Regierungszeit keine eigenständige Politik entfalten konnte, wurde Titus von der antiken Geschichtsschreibung als idealer Herrscher gerühmt. Nachdem im Jahr 79 der Vesuv ausgebrochen war, leitete er die Hilfsmaßnahmen ein, ebenso im darauf folgenden Jahr nach einem Brand in der Stadt Rom. Die moderne Forschung diskutiert insbesondere seine Rolle bei der Zerstörung des Jerusalemer Tempels.
      Titus wurde am 30. Dezember 39 in Rom als ältester Sohn des Vespasian und der Flavia Domitilla geboren. Titus hatte mit Flavia Domitilla noch eine Schwester und einen jüngeren Bruder, Domitian , seinen späteren Nachfolger als Kaiser. Die Familie seines Vaters stammte aus dem Sabinerland und war zunächst wenig bedeutend. Dies änderte sich unter Kaiser Claudius , der neben Freigelassenen auch den Ritterstand begünstigte. Unter ihm durchlief Vespasian in schneller Folge die Ämter des Cursus honorum und legte so den Grundstein für den späteren Aufstieg der Flavier zur Kaiserdynastie . Titus Flavius Sabinus , sein älterer Bruder, erreichte bald das Amt des Stadtpräfekten von Rom und sollte in dieser Funktion später in der Hauptstadt gemeinsam mit dem jungen Domitian die Machtübernahme Vespasians vorbereiten. Als Triebfeder des sozialen Aufstiegs der Flavier gilt Vespasia Polla , die Großmutter des Titus, die ihre Söhne Sabinus und Vespasian drängte, die senatorische Ämterlaufbahn einzuschlagen.
      Vespasians Aufstieg ermöglichte Titus eine Erziehung am Hof des Kaisers Claudius gemeinsam mit dessen eigenem Sohn Britannicus , die beide von Sosibius unterrichtet wurden. Mit Britannicus war Titus freundschaftlich verbunden, bis dieser 55 überraschend auf einem Gelage verstarb, möglicherweise hatte der neue Kaiser Nero die Vergiftung des potenziellen Thronrivalen anordnen lassen. Titus selbst schadete der Tod des Britannicus keineswegs; auch dank seiner fundierten Kenntnis griechischer und römischer Autoren, seiner Redebegabung und nicht zuletzt der hohen Stellung seines Vaters, der mittlerweile ein Suffektkonsulat bekleidet hatte, durfte Titus vielmehr auf eine glänzende politische Laufbahn hoffen.

      Nach ersten politischen Tätigkeiten in niedrigeren Ämtern, von denen nichts Genaues bekannt ist, diente Titus von 61 an als Militärtribun in Obergermanien und Britannien . In diesen Provinzen hatte sein Vater zwanzig Jahre zuvor als Legat römische Truppen kommandiert. Titus selbst wurde dort laut Sueton durch zahlreiche Statuen geehrt. In Britannien teilte er ein Quartier mit dem Plinius . Während dieser Zeit soll Titus Vespasian einmal das Leben gerettet haben. Dies berichtet zumindest Cassius Dio . Diese Nachricht scheint jedoch nicht auf Fakten, sondern auf der bei späteren Autoren immer deutlicher hervortretenden Tendenz zur Idealisierung des Titus zu beruhen.
      Titus kehrte 64 aus Britannien nach Rom zurück. Dort arbeitete er als Anwalt und übernahm die üblichen Ämter eines jungen Senators . Noch in diesem Jahr, in das auch der mit den ersten Christen in Verbindung gebrachte Brand Roms fiel, heiratete er Arrecina Tertulla. Über die Herkunft und die Familie seiner ersten Gattin ist nur wenig bekannt. Tertulla starb bereits wenige Monate nach der Hochzeit, vielleicht nach der Geburt der Tochter Julia. Julia könnte jedoch auch die Tochter der zweiten Ehefrau des Titus sein, der Marcia Furnilla, die aus der reichen Familie eines früheren Prokonsuls von Africa stammte. Doch Marcia war die Nichte des Quintus Marcius Barea Soranus , der als Mitglied der senatorischen Opposition gegen Nero in den Tod getrieben wurde. Vermutlich fürchtete Titus aufgrund dieser Verwandtschaft um sein eigenes Leben oder zumindest um seine Karriere, die Ehe wurde bald darauf geschieden.

      In der römischen Provinz Judäa führten verschiedene Faktoren im Jahr 66 zum Ausbruch eines Aufstands der dort ansässigen Juden: Die Steuern waren erdrückend, und die römischen Statthalter nutzten ihre Amtsgewalt aus, um die Provinzialen zu erpressen. Auch die verschiedenen Provokationen gegenüber der jüdischen Religion, die in ihrem Monotheismus mit der römischen Staatsreligion unvereinbar war, führten zur Eskalation. Als römische Reaktion wurde im Herbst 66 der syrische Legat Gaius Cestius Gallus mit 12.000 Legionären und zahlreichen Hilfstruppen nach Jerusalem geschickt. Gallus musste sich jedoch schon bald darauf unter starken Verlusten zurückziehen; aus dem lokalen Aufstand war der Jüdische Krieg geworden. Mit der Führung dieses Krieges beauftragte der in Griechenland weilende Kaiser Nero Vespasian, obwohl dieser zeitweise bei ihm in Ungnade gefallen war. Als Gründe für seine Berufung nennt Sueton Vespasians Tüchtigkeit und Erfahrung und vor allem, dass er wegen seiner einfachen Herkunft in den Augen Neros keine Gefahr darstellte. Der sechsundzwanzigjährige Titus begleitete seinen Vater.
      Vespasians Heer war erheblich größer als das des Cestius. Es bestand neben drei Legionen noch aus 23 Auxiliarkohorten , Reiterabteilungen sowie 15.000 Mann Hilfstruppen der befreundeten orientalischen Fürsten. Insgesamt verfügte Vespasian inklusive Hilfstruppen über ein Heer von etwa 60.000 Mann. [12] Die Größe des Heeres und die wichtige Position des noch recht unerfahrenen Titus, der bisher noch nicht einmal Prätor gewesen war, zeigen das Vertrauen, das der Kaiser immer noch in die beiden Flavier setzte. Titus befehligte als Legat die legio XV Apollinaris . Er belagerte 67 Iotapata und eroberte Iapha , außerdem war er an den Kampfhandlungen um Gischala , Tiberias , Tarichea und Gamala beteiligt. Während der Belagerung von Iotapata wurde der jüdische General Iosephus gefangengenommen. In seiner Gefangenschaft prophezeite er Vespasian das Kaiseramt und wurde nach Ausrufung Vespasians zum Kaiser freigelassen. Bei der späteren Eroberung Jerusalems durch Titus nahm er auf römischer Seite teil und verfasste sein Werk Bellum Iudaicum.

      Nach Ausbruch des jüdischen Krieges stürzte das römische Reich in seine schwerste Krise seit der Begründung des Prinzipats . Diese Krise und der Sturz Neros sind hauptsächlich auf die katastrophale Lage der römischen Finanzen zurückzuführen. Nach dem großen Brand Roms und infolge seiner Verschwendungssucht war es Nero nicht mehr gelungen, seine Truppen zu bezahlen. Überall im Reich brachen zu dieser Zeit Unzufriedenheit und Aufruhr aus. Als Sulpicius Galba , der Statthalter der größten Provinz Tarraconensis , am 4. April 68 in Carthago Nova seinen Abfall von Nero erklärte und Neros erzwungener Suizid wenig später das Ende der julisch-claudischen Dynastie herbeiführte, war ein Präzedenzfall im Römischen Reich geschaffen: Fortan konnte das Heer den Kaiser „machen". Als er von der Ermordung des Kaisers erfuhr, brach Titus seine Reise zu Galba ab, dem er die Loyalitätserklärung der in Judäa stationierten Truppen übergeben wollte. Während der kurzen Prinzipate Othos (15. Januar bis 16. April 69) und des Vitellius (2. Januar bis 20. Dezember 69) hielt Titus sich im Hintergrund. Durch Verhandlungen mit dem syrischen Präfekten Gaius Licinius Mucianus über eine Revolte gegen Vitellius unterstützte er seinen Vater, den bereits im Juli 69 die Legionen Syriens, Ägyptens und Judäas zum Kaiser ausgerufen hatten. Im Herbst sprachen sich auch die Truppen an der Donau für Vespasian aus, der nun in Italien einfallen konnte und Vitellius in der Schlacht von Bedriacum am 24. Oktober 69 besiegte. Am 21. Dezember, einen Tag nach der Hinrichtung des Kurzzeitkaisers Vitellius, legte der römische Senat alle Macht in die Hände Vespasians. Titus war damit vom Sohn eines wenig bedeutenden Italikers zum Thronfolger des römischen Kaisers aufgestiegen.

      Während sein Vater Vespasian von Rom aus das Reich nach den Wirren des Vierkaiserjahres wieder ordnete, blieb Titus im Osten. Von seinem Vater bekam er den Auftrag, den Jüdischen Krieg zu Ende zu führen (ad reliqua Iudaici belli perpetranda), was konkret die Eroberung Jerusalems bedeutete, das sich bis zu diesem Zeitpunkt allen Eroberungsversuchen widersetzt hatte. Ob außer der Eroberung auch die völlige Zerstörung der Stadt und des Tempels geplant war, geht aus den antiken Quellen nicht eindeutig hervor. Mit vier Legionen unter seinem Kommando begann Titus anlässlich des Passahfestes im Frühling die Belagerung Jerusalems, als sich fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung Iudaeas dort versammelt hatte, um das wichtigste jüdische Fest zu feiern, weshalb sich die Bevölkerung Jerusalems für ein paar Tage um das Zehnfache vermehrt hatte. Gleich zu Beginn der Belagerung soll Titus die Fliehenden vor den Augen der Belagerten gemartert und gekreuzigt haben. Auf diese Weise sollen jeden Tag 500 Juden hingerichtet worden sein. Nach der Bestürmung und der Zerstörung der zweiten Ringmauer ließ er die ganze Stadt durch eine Mauer umschließen, die den Belagerten jede Möglichkeit zur Flucht nahm. Dadurch sollen nach wenigen Wochen über 600.000 Juden verhungert sein. Die innere Stadt und der Tempel hielten bis Anfang August der Belagerung stand. Nachdem Titus' Soldaten den äußeren Hof des Tempels erreicht hatten, brannten sie das Bauwerk selbst nieder und töteten alle, die nicht schon vorher aus Nahrungsmangel oder durch Selbstmord ihr Leben beendet hatten.
      Der jüdische Tempel wurde dabei zerstört, ob mit Absicht oder aus Zufall ist aufgrund der Überlieferungssituation nicht zu entscheiden. Lediglich die von Herodes errichtete Grundmauer des Tempels, die heutige Klagemauer , blieb bestehen. Bei der Belagerung von Jerusalem sollen etwa 1.100.000 Menschen gestorben sein und 97.000 Menschen überlebt haben. Der Tempelschatz, zu dem unter anderem die Menora zählte, wurde nach Rom transportiert. Die Überlebenden wurden in die Sklaverei verkauft oder in Zirkusspielen umgebracht, das jüdische Land und seine Einkünfte zugunsten der kaiserlichen Kasse konfisziert. Die Juden wurden gezwungen, die Kopfsteuer, die sie jährlich an den Tempel von Jerusalem entrichtet hatten, zukünftig an den kapitolinischen Jupiter zu zahlen (fiscus Judaicus). Durch die Zerstörung des Tempels änderte sich der Charakter der jüdischen Religionsausübung grundlegend, für die vormals der Besuch des Tempels zentral war und die nunmehr wesentlich in der Auslegung der religiösen Schriften bestand.

      Durch die Gladiatorenspiele und die Hinrichtung der überlebenden Gefangenen im Winter 70/71 zeigte Titus öffentliche Präsenz und stützte die Macht des flavischen Kaisertums im Osten. Im Juni 71 kehrte er nach Rom zurück. Ein knappes Jahr nach Titus' Rückkehr in die Hauptstadt bewilligte der Senat sowohl Vespasian als auch ihm einen Triumph , der den Krieg trotz der anhaltenden Kämpfe um Masada staats- und sakralrechtlich für beendet erklärte.
      Vespasian begann, Titus systematisch als seinen Nachfolger aufzubauen. Während der folgenden Jahre teilte er fast jede Ehrung mit seinem Sohn, der bereits vor seinem Herrschaftsantritt so oft zum Konsul gewählt worden war wie vor ihm nur Augustus und der Heeresreformer Marius . Zudem trug er schon seit 69 den Titel Caesar . In der Zeit zwischen 70 bis 79 war Titus siebenmal Konsul. Neben seinem Vater war er im Jahr 73 Zensor und kommandierte ab 71 als Prätorianerpräfekt dessen 4.500 Mann umfassende Leibgarde, was ihm die unmittelbare militärische Gewalt in Rom einbrachte. Diese Personalie war ein kluger Schachzug Vespasians, da die Prätorianerpräfekten seit Sejan , der dieses Amt unter Tiberius innehatte, immer wieder versucht hatten, gegen den Kaiser Politik zu machen oder diesen sogar zu stürzen.
      Vespasian setzte Titus auch bei der Aburteilung von Verbrechern und Aufrührern ein, wobei er offenbar so erbarmungslos vorging, dass er den Ruf eines „Schlächters" erwarb. Sueton berichtet, dass er nicht nur selbst Prozesse führte, sondern diese auch durch Volkes Stimme im Theater entscheiden ließ. Wegen angeblichen Hochverrats ließ er einige hochangesehene Senatoren hinrichten. Allerdings zeigte sich Titus auch als fähiger Verwalter, der Senatssitzungen beiwohnte, den Rat erfahrener Politiker schätzte und mit den meisten wichtigen Fraktionen und Gruppierungen gut auskam. Einige betrachteten ihn sogar als Mitregenten seines Vaters. Beim Tod Vespasians am 23. Juni 79 konnte er die Macht ohne große Probleme übernehmen.
      Während seiner Herrschaft vermehrte Vespasian durch verschiedene Maßnahmen die Einkünfte des Fiskus. Er erhöhte überall die Gebühren und die Steuern, verdoppelte gar die Abgaben einiger Provinzen. Vespasian scheute keine Mittel zur Geldbeschaffung. Als ihm sein Sohn Titus vorwarf, eine Gebühr auf die Latrinen eingeführt zu haben, soll er geantwortet haben: Pecunia non olet („Geld stinkt nicht"). Die Maßnahmen waren wirksam: Als Titus die Herrschaft übernahm, waren die Finanzen des römischen Staates wieder gesund und die Kassen voll.

      Da Titus als Prätorianerpräfekt rücksichtslos seine politischen Gegner hatte ermorden oder misshandeln lassen und weil Gerüchte über sexuelle Ausschweifungen nicht nur mit der judäischen Prinzessin Berenike kursierten, soll man in ihm sogar einen zweiten Nero erwartet haben. Doch der nunmehr Titus Caesar Vespasianus Augustus genannte neue Kaiser soll sein Verhalten wesentlich verändert haben: Willkürlichkeiten werden ebenso wenig überliefert wie Majestätsprozesse . Titus gab sich betont milde und großmütig . Ebenso wie sein Vater war er um ein gutes Verhältnis zum Senat und zum römischen Volk bemüht. Völlig unerwartet schwor er, niemals einen Senator zu töten, womit er den Senat für sich gewann.
      Titus setzte sich damit öffentlichkeitswirksam von denjenigen Kaisern des 1. Jahrhunderts n. Chr. ab, unter denen Senatoren in Hochverratsprozessen exekutiert wurden. Noch in der hohen Kaiserzeit wiederholten einzelne Kaiser den für Titus erstmals überlieferten Eid zu Beginn ihrer Amtszeit. Somit folgt die antike Historiographie in der Zweiteilung der Charakterzeichnung nicht nur einem typischen Erzählmuster, sondern verstand die für den Senat unverfängliche Person des Titus auch als Gegenbild zu seinen Vorgängern und Nachfolgern sowie als Spiegel der Gegenwartskaiser.

      In seiner kurzen Regierungszeit führte Titus die Politik seines Vaters fort. Außer in den von beiden errichteten Großbauten zeigt sich diese Kontinuität in den Maßnahmen zur Verstärkung und Sicherung der Reichsgrenzen und der Fortführung der Offensive in Britannien. Domitian brach diese Offensive später ab und bündelte die römischen Kräfte in Germanien. Ob er dabei auf Pläne seines Vorgängers zurückgreifen konnte, bleibt unklar. Die Quellenlage, die bei beiden Brüdern durch persönliche Wertungen der antiken Autoren beeinträchtigt ist, lässt hier kein Urteil zu.
      Titus' knapp zweijährige Regierungszeit wurde von drei Katastrophen überschattet. Wenige Monate nach seinem Regierungsantritt ereignete sich am 24. August 79 n. Chr. der Ausbruch des Vesuv , der Herculaneum , Pompeji und Stabiae unter Asche und Schlamm begrub und für weite Teile Kampaniens bitterste Not brachte. Noch im selben Jahr wurde Rom von einer Seuche bisher unbekanntem Ausmaß heimgesucht. Genaueres über die Epidemie ist aus den Quellen nicht bekannt. Im nächsten Jahr verheerte ein dreitägiges Großfeuer Rom. Nach Cassius Dio wurden dabei sämtliche Gebäude zwischen dem Pantheon und dem Kapitol beschädigt oder zerstört. Titus leitete bei allen Katastrophen umgehend die Hilfsmaßnahmen ein, was einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.
      Als Kaiser umgab sich Titus wie schon in Judäa mit fähigen Beratern und konnte sich mit deren Hilfe in der Öffentlichkeit noch deutlicher als weiser, auf sozialen Ausgleich bedachter Herrscher zeigen. Seine Gesetzgebung beschränkt sich so auch weitgehend auf populäre soziale Wohltaten, von denen neben der Armee auch die ärmeren Römer und Provinzbewohner profitierten. So regelte Titus Landbesitz, Hochzeit und Testamentsfreiheit in ihrem Sinne neu. In den Provinzen, die er nach seinem Amtsantritt nicht mehr besuchen konnte, manifestierte sich seine Politik vor allem im verstärkten Straßenbau und der Grenzsicherung entlang von Donau und Euphrat. Möglicherweise hängt die relative Ruhe, die in den nächsten Jahren an diesen Grenzen herrschte, auch mit diesen Maßnahmen des Titus zusammen.

      Wie für seinen Vater Vespasian bestand für Titus noch das Problem, dass die von Augustus dynastisch geregelte Nachfolgefrage erstmals von einer neuen Dynastie übernommen worden war. Außerdem mussten die Flavier das Manko fehlender Ahnenbilder ausgleichen. Der Erfolg im Jüdischen Krieg war von grundlegender Bedeutung für die neue Dynastie. Nur im Jüdischen Krieg waren sowohl Vespasian als auch Titus als Feldherrn tätig gewesen. Ihren sichtbarsten Ausdruck fand die Eroberung Jerusalems in den Siegesmünzen, die im gesamten Römischen Reich verbreitet wurden. Die Legenden der Münzen lauten in den meisten Fällen IVDAEA CAPTA (S C), IVD CAP (S C) oder IVDEA CAPTA, andere Legenden heißen IVDEA DEVICTA, DEVICTA IVDAEA S C, DE IVDAEIS oder nur IVDAE. Die Formel IVDEA CAPTA wurde als außenpolitisch-militärischer Erfolg der Flavier propagiert. Durch die capta-Legende, die die Übernahme eines Gebietes in die römische Befehlsgewalt verdeutlicht, propagierten Titus und Vespasian, als erste dieses Gebiet unterworfen und unter römische Herrschaft gebracht zu haben. De jure war Judäa allerdings bereits seit 63 v. Chr. unter römischer Oberhoheit und hatte seit 6 n. Chr. den Status einer prokuratorischen Provinz.
      Analog zu den Münzen, welche die Eroberung einer neuen Provinz suggerieren, ist auch der von Vespasian und Titus abgehaltene Triumphzug über Judäa zu verstehen. Der kultisch gebundene und durch Rituale geprägte Triumph wurde nur für einen Sieg in einem gerechten Krieg, einem bellum iustum , gewährt. Die Niederschlagung des jüdischen Aufstandes berechtigte nach römischer Tradition nicht zu einem Triumph. Den Triumph nutzten die Flavier, um ihre Sieghaftigkeit zu inszenieren. Dieser wurde jedoch nicht nur als vergangener Sieg über Feinde gefeiert, sondern darüber hinaus als „Ende der Bürgerkriegswirren und als Anfang der Hoffnungen auf eine glückliche Zukunft". [24] Für römische Eroberer war es ehrenvoll, wenn ihnen bei einem Triumph auch einen Beinamen wie Africanus, Germanicus oder Balearicus verliehen wurde. Doch einen Titel Iudaicus lehnte Titus ab, da ein solcher Titel missverständlich als Annahme jüdischer Bräuche und Religion hätte aufgefasst werden können.
      Die Legitimität des flavischen Herrscherhauses versuchte Titus durch die Anknüpfung an das julisch-claudische zu untermauern. Unter anderem prägte er Gedenkmünzen für beliebte Vorgänger im Kaiseramt wie Augustus und Claudius , die zur julisch-claudischen Dynastie gehörten. Während sich die Flavier in der zeitgenössischen Wahrnehmung einerseits entschieden von ihrem letzten legitimen Vorgänger Nero abgrenzten, versuchten sie andererseits die Pläne des ersten Princeps Augustus zu realisieren sowie dessen Handlungen zu imitieren. Nach Sueton plante schon Augustus, das Amphitheater zu errichten..
      Daneben pflegte Titus aber auch den Herrscherkult für seinen verstorbenen Vater Vespasian, dem er einen Tempel errichten ließ. Nach dem Tod des Titus wurde dieser Familientempel von Domitian vollendet. Zur Legitimitätspolitik der Flavier gehörten auch wirtschaftliche Maßnahmen, für die Titus auf den von Vespasian stark vergrößerten Staatsschatz zurückgreifen konnte. Insbesondere finanzierte er zahlreiche Baumaßnahmen.

      Titus vollendete das von seinem Vater begonnene Flavische Amphitheater, das wegen einer ursprünglich dort stehenden Kolossalstatue Neros als Kolosseum bezeichnet wird. Eingeweiht wurde es mit vom Kaiser bezahlten hunderttägigen Spielen. Neben Gladiatorenkämpfen , Tierhetzen und nachgestellten Infanteriegefechten wurden auch Seeschlachten gezeigt. Eigens dafür konnte die Arena des Kolosseums mit Wasser geflutet werden. Erst in jüngerer Zeit konnte Géza Alföldy durch eine Lesung der sogenannten Dübellochfunde im Amphitheater eine Bauinschrift nachweisen, die zeigt, dass Vespasian und Titus das Amphitheater aus der Kriegsbeute finanziert hatten. Sie hatte den Text: I[mp(erator)] Vespasi[anus Aug(ustus]/ amphitheatru[m novum?]/ [ex] manubis (vac.)[fieri iussit(?)].
      („Kaiser Vespasian Augustus ließ das neue Amphitheater aus der Beute [des jüdischen Krieges] errichten"). Zuvor war dies lediglich vermutet worden.
      Ähnlich wie sein Vater betrieb Titus eine explizite Politik des Gemeinnutzes. Titus verbesserte die stadtrömische Wasserversorgung durch den Ausbau der Aquädukte Aqua Marcia , Curtia und Caerulea . Um sich von ihrem verhassten Vorgänger zu distanzieren, wurde Neros Domus Aurea teilweise abgerissen und durch das Amphitheater und die sogenannten Titusthermen überbaut. Die Errichtung solcher Bäder gehörte in der Folgezeit zum Pflichtprogramm eines römischen Kaisers.
      Daneben verbesserte Titus wie Vespasian die Infrastruktur in Italien und den Provinzen . Vor allem forcierte er den Straßenbau . Große Summen flossen aber auch in den Wiederaufbau der vom Ausbruch des Vesuvs am 24. August 79 zerstörten Städte in Kampanien sowie den Maßnahmen nach dem Großfeuer und anschließender Seuche in Rom. Neben anderen betont Cassius Dio die finanzielle Großzügigkeit des Kaisers.

      Seit Ende der 60er Jahre war Berenike , die Schwester Herodes Agrippas II. und Urenkelin Herodes des Großen , die Frau an Titus' Seite. Reich, mächtig und mit der politischen Lage im Osten des Reiches vertraut, wäre die einige Jahre ältere Berenike eine vorzügliche Ehefrau für Titus gewesen. Auch der immer nach neuen Geldquellen suchende Vespasian, den sie während des Vierkaiserjahres großzügig finanziell unterstützt hatte, hätte sie wohl gerne zur Schwiegertochter gehabt. Berenike setzte sich erfolgreich für ihre nach dem von ihrem Lebensgefährten und dessen Vater geführten Jüdischen Krieg darniederliegende Heimat ein. Einen Senator, der Berenike verführen wollte, ließ Titus noch vor seinem Regierungsantritt hinrichten. Quintilian , zu dieser Zeit ein bedeutender Anwalt, der erste vom Kaiser bezahlte Rhetorikprofessor und später Prinzenerzieher unter Domitian, berichtet von einem Verfahren vor dem Kronrat (consilium principis) Vespasians, dessen Gegenstand Berenike betraf. Quintilian zufolge gehörte sie dem Gremium an und war so selbst an der Entscheidung beteiligt, während er als Anwalt vor diesem plädierte. Aus seinem Bericht in der Ausbildung des Redners geht nicht hervor, worum es in diesem Verfahren ging. Der Historiker Helmut Castritius geht davon aus, dass eine Vermögensangelegenheit verhandelt wurde, da Berenike sehr reich war und in Palästina wertvolle Ländereien besaß, wo die Römer nach dem Jüdischen Aufstand in großem Umfang Grundbesitzer enteignet hatten. Berenike hatte nach 75 eine ähnlich einflussreiche Stellung erreicht wie die kaiserlichen Frauen unter Caligula und Claudius . Doch eine Ehe zwischen einer jüdischen Prinzessin und einem römischen Feldherrn bedrohte in den Augen der Römer die politische Stabilität und war deshalb unmöglich für einen Kaisersohn wie Titus. Nach dem Herrschaftsantritt des Titus im Juni 79 kam es zu einem Bruch in der engen Beziehung der beiden. Titus war aufgrund der enormen öffentlichen Kritik gezwungen, sie gegen seinen und ihren Willen (invito, invitam) zu verlassen.
      Die Gründe für die Zurückweisung Berenikes sind nach heutiger Sicht nicht vollständig geklärt. Einige Forscher meinen, dass Vespasian sie noch kurz vor seinem Tod vom Hof entfernen ließ, andere machen einen Richtungsstreit in der flavischen Klientel dafür verantwortlich. Auch die allgemein feindselige Stimmung gegenüber orientalischen Königinnen, die eine Heirat der beiden verhindert haben soll, wurde als Grund in Betracht gezogen. Rechtliche Hindernisse für eine eheliche Verbindung gab es jedenfalls keine, Berenike war von Geburt an römische Bürgerin, da Gaius Iulius Caesar ihrer Familie in den 40er Jahren des 1. Jahrhunderts v. Chr. für ihre Verdienste im Bürgerkrieg das römische Bürgerrecht verliehen hatte. Möglicherweise wurde sie jedoch dadurch verhindert, dass sie Jüdin war und damit etwaige Kinder ebenfalls Juden gewesen wären. Damit konnten sich Senat und Volk von Rom offenbar so kurz nach dem Jüdischen Aufstand und dem Stadtbrand des Jahres 64, der mit den Christen, nach römischer Auffassung einer jüdischen Sekte, in Verbindung gebracht wurde, nicht anfreunden. Die plebs urbana zeigte, von zwei kynischen Philosophen im Theater aufgehetzt, offen ihre Ablehnung und beeinflusste so nicht zum ersten Mal die Entscheidungen im Kaiserhaus. Wegen der öffentlichen Proteste und aus Gründen der Staatsräson unterließ es Titus, seine Verbindung mit Berenike zu legalisieren, und entfernte sie zudem aus seinem persönlichen Umfeld. Berenike blieb allerdings in Italien. Sie kam offenbar kurz vor dem frühen Tod des Titus im Jahr 81 noch einmal nach Rom und verließ danach Italien, um in ihre Heimat zurückzukehren.

      Nachdem er hunderttägige Spiele in Rom gegeben hatte, zog sich Titus im Sommer 81 weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, möglicherweise litt er an Depressionen. Er starb nach nur 26 Monaten der Herrschaft am 13. September jenes Jahres. Sueton zufolge erkrankte er auf dem Weg ins Sabinerland , die Heimat seiner Vorfahren, an einem Fieber und starb in derselben Villa wie sein Vater Vespasian zwei Jahre zuvor. Nach Plutarch hatte Titus gegen den Rat der Ärzte trotz einer schweren Erkrankung die Thermen besucht und starb an der dadurch verschlimmerten Krankheit. Andere Autoren berichten von Gerüchten, wonach Domitian den Tod seines Bruders herbeigeführt habe, indem er den erkrankten Kaiser Unterkühlungen ausgesetzt haben soll. Ungeklärte Todesfälle von Herrschern zogen oft unbestätigte Mordgerüchte nach sich.
      Domitian übernahm ohne Schwierigkeiten die Macht und wurde noch am 13. September von den Prätorianern als Imperator akklamiert. Einen Tag später übertrug ihm der Senat die tribunicia potestas und den Augustusnamen . Domitian stützte seine eigene Legitimation auf das Andenken des von allen gesellschaftlichen Schichten geliebten Bruders. Er hielt nicht nur die Trauerrede auf Titus, sondern ließ ihn auch umgehend vergöttlichen ( divinisieren ). Zudem baute er eine Reihe von Monumenten, die Titus ehren sollten, und vollendete den von Titus begonnenen Familientempel. Er änderte dessen Namen in Tempel des Vespasian und des Titus und errichtete dort eine Kultstatue seines Bruders. Er prägte auch Gedenkmünzen für Titus und andere verstorbene Familienmitglieder.

      Für seinen militärischen Erfolg über Judäa wurde Titus nach seinem Tod im Jahr 81 auf dem höchsten Punkt der Via Sacra am östlichen Rand des Forum Romanum ein Triumphbogen errichtet, der als Titusbogen bezeichnet wird. Die Inschrift des Bogens lautet: Senatus / populusque romanus / divo Tito divi Vespasiani f(ilio) / Vespasiano Augusto („Der Senat und das römische Volk dem vergöttlichten Titus, dem Sohn des vergöttlichten Vespasian, Kaiser Vespasian"). Noch heute erinnert an der Innenseite des errichteten Titus-Bogens ein Relief an die Belagerung und Zerstörung Jerusalems.

      Die antiken Schriftsteller Tacitus, Cassius Dio und Sueton verfassten ihre Werke erst nach dem Tod des letzten Flaviers. Alle drei waren Senatoren oder Ritter . Die antiken Historiker konzentrierten sich in ihrer Darstellung auf die Konflikte zwischen dem Senat und dem Princeps und vertraten in ihrer Beurteilung gewöhnlich die Position des Senats. Da Titus angeblich in völliger Harmonie mit dem Senat lebte, prägte dies auch das Urteil der antiken Geschichtsschreibung. Insbesondere galt Titus als Gegenbild zu seinem Bruder und verhassten Nachfolger Domitian, der ermordet wurde und dessen Erinnerung auf Anordnung des Senats ausgelöscht werden sollte.
      Folglich gilt Titus nach der Überlieferung als ein regelrechtes Universalgenie, sowohl körperlich als auch geistig außergewöhnlich begabt und zumindest als junger Mann auch allseits beliebt. Zudem soll er in allen Sportarten erfolgreich und als Redner ebenso wie als Dichter und Sänger fähig gewesen sein. Bewundert wurde auch, dass er aus dem Stegreif dichten, fremde Handschriften täuschend echt nachahmen und außergewöhnlich schnell stenografieren konnte. Plinius der Ältere , der beim Ausbruch des Vesuv starb, widmete seinem Freund Titus gar seine Naturgeschichte . Als Beweis für Titus' humanes Wesen diente der antiken Überlieferung der ihm zugeschriebene Ausspruch, er habe einen Tag verloren, weil er niemanden Gutes getan habe.
      Der römische Historiograf Sueton feierte Titus als „Liebling des Menschengeschlechts" (amor ac deliciae generis humani). Hingegen hielt er die Zerstörung des Jerusalemer Tempels nicht einmal für erwähnenswert. Im Angesicht des Amphitheaters betonte Martial , dass Titus Rom sich selbst wiedergegeben habe und das Volk unter ihm jetzt genießen könne, was zuvor allein der Tyrann genoss - war das Amphitheater doch da entstanden, wo Neros Goldenes Haus , seine künstlichen Teiche und protzigen Gärten lagen. [36] Aber auch an nüchternen Stimmen fehlte es schon in der Antike nicht. Im vierten Jahrhundert bezeichnete Ausonius Titus als „glücklich durch die Kürze seines Regiments" (felix brevitate regendi).
      Der römisch-jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus , der den Jüdischen Krieg persönlich miterlebt hatte, beabsichtigte in seinem Werk Bellum Iudaicum die jüdischen Splittergruppen für die Erhebung gegen Rom verantwortlich zu machen und die flavischen Herrscher zu verherrlichen. Er betonte mit Nachdruck, dass die Juden an ihrem Untergang selbst schuld seien. Nur die Belagerung Jerusalems durch Titus habe ihrem mörderischen und unverständlichen Treiben ein Ende setzen können. Immer wieder versuchte Josephus, seinen Helden Titus zu glorifizieren, nicht zuletzt wohl deshalb, weil dieser maßgeblich an der Rettung seines Lebens beteiligt gewesen war. Der römische Feldherr erscheint bei Josephus als Wohltäter und Retter des jüdischen Volkes, selbst die Zerstörung des Tempels habe er angeblich zu verhindern versucht.
      Jedoch folgten nicht alle antiken Geschichtsschreiber dem Bericht des jüdischen Gelehrten. Im ausgehenden 4. Jahrhundert schrieb Sulpicius Severus , Titus habe in Wirklichkeit die Mitglieder seines Stabs unterstützt, die für die Zerstörung des Tempels plädierten. Die christliche Überlieferung rühmte die Zerstörung der Stadt als ein Vergeltungswerk an den Juden dafür, da sie Christus umgebracht hatten. Hingegen betrachteten die Verfasser des Talmuds den frühen Tod des Titus als gerechte Strafe des Himmels. Titus habe nicht nur Jerusalem eingenommen, sondern sich auch seinen jüdischen Gefangenen gegenüber äußerst grausam gezeigt.

      Insbesondere Titus' Eroberung des Tempels von Jerusalem, die Liebesbeziehung zu Berenike und die ihm zugewiesene Milde haben bildende Künstler zu Werken angeregt. Schon im frühen 7. Jahrhundert nutzte die Eroberung Jerusalems ein angelsächsischer Runenmeister als Motiv. Auf dem Runenkästchen von Auzon - vermutlich ein königliches Schatzkästchen - soll diese Darstellung in Verbindung mit der runischen Inschrift das Kampfesglück und somit den Ruhm des anglischen Kriegerkönigs sichern.
      Nicolas Poussin schuf 1625 in Rom zu diesem Thema ein repräsentatives Gemälde für Kardinal Francesco Barberini , das seinen Ruf als Historienmaler bestärkte. Er stellt Titus beritten mit einer an die Reiterstatue Mark Aurels auf dem Kapitol erinnernden Geste dar, mit der er die Plünderung des Tempels durch seine Soldaten noch verhindern will.
      Das Monumentalgemälde Zerstörung Jerusalems durch Titus hingegen, das Wilhelm von Kaulbach 1841-1846 im Auftrag König Ludwigs I. von Bayern schuf, erhöht Titus, der in ähnlicher Pose zu Pferd dargestellt ist, zum göttlichen Werkzeug, indem Propheten und Engel die Zerstörung des Tempels als göttliches Strafgericht erscheinen lassen. Das Werk, das in seiner Anlage und in vielen Details zahlreiche antisemitische Klischees der abendländischen Kunst vereint, gehört heute zur Sammlung der Neuen Pinakothek in München. Weitere Gemälde über die Zerstörung des Jerusalemer Tempels schufen die Maler David Roberts (1850) und Francesco Hayez (1867). Der Triumphzug über Judää inspirierte die Maler Giulio Romano (1540) und Lawrence Alma-Tadema (1885).
      Titus taucht schon früh als Figur der Oper auf: Antonio Cestis Oper Il Tito nach einem Libretto von Nicolò Beregan wurde 1666 in Venedig uraufgeführt. Die Oper spielt zur Zeit der Eroberung Jerusalems.
      Aber auch seine Milde (clementia) wurde in Kunst und Kultur oft behandelt. Pietro Metastasios Opernlibretto La clemenza di Tito (1734) wurde von mehr als 40 Opernkomponisten des Barocks und der Klassik vertont. Am bekanntesten ist bis heute die Vertonung von Wolfgang Amadeus Mozart , La clemenza di Tito . Auch andere bekannte Komponisten wie Antonio Caldara , Baldassare Galuppi , Johann Adolph Hasse , Niccolò Jommelli , Ignaz Holzbauer und Christoph Willibald von Gluck komponierten Opern zu diesem Text. Titus wird von Metastasio als tugendhafter, der Milde verpflichteter Herrscher dargestellt, der den Fürsten des Absolutismus zum Vorbild dienen sollte. Mit dem historischen Titus hat Metastasios Darstellung allerdings wenig zu tun, vielmehr ist sein Libretto von Pierre Corneilles Drama Cinna beeinflusst, das die Milde des Kaisers Augustus gegenüber dem Verschwörer Gnaeus Cornelius Cinna Magnus darstellte.
      Die Liebesbeziehung zwischen Berenike und Titus inspirierte die französischen Klassiker Jean Racine und Pierre Corneille 1670 zu ihren Werken Bérénice und Tite et Bérénice


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