Friedrich Arnold Brockhaus

Friedrich Arnold Brockhaus

Male 1772 - 1823  (51 years)    Has 25 ancestors and 3 descendants in this family tree.

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  • Name Friedrich Arnold Brockhaus 
    Relationshipwith Adam
    Born 4 May 1772  Dortmund, NRh.-Wf., DE Find all individuals with events at this location 
    Gender Male 
    Died 20 Aug 1823  Leipzig, Sachsen, D Find all individuals with events at this location 
    Person ID I618114  Geneagraphie
    Last Modified 5 Jun 2008 

    Father Johann Adolf Heinrich Brockhaus,   b. 21 May 1739, Meyerich Find all individuals with events at this location,   d. 26 Mar 1811  (Age 71 years) 
    Mother Katharina Elisabeth Davidis,   b. 22 Mar 1736,   d. 15 Aug 1789  (Age 53 years) 
    Married 1766  Dortmund, NRh.-Wf., DE Find all individuals with events at this location 
    Siblings 1 sibling 
     1. Gottlieb Brockhaus,   b. 4 Sep 1768,   d. 30 May 1828  (Age 59 years)
     
    Family ID F269156  Group Sheet  |  Family Chart

    Family Sophie Wilhelmine Arnoldine Beurhaus,   d. 8 Dec 1809 
    Married 1799  Dortmund, NRh.-Wf., DE Find all individuals with events at this location 
    • 7 Kinder
    Children 
     1. Friedrich Brockhaus,   b. 1800,   d. 1865  (Age 65 years)
     2. Heinrich Brockhaus,   b. 1804,   d. 1874  (Age 70 years)
     3. Hermann Brockhaus,   b. 28 Jan 1806, Amsterdam, NH, NL Find all individuals with events at this location,   d. 5 Jan 1877, Leipzig, Sachsen, D Find all individuals with events at this location  (Age 70 years)
    Last Modified 5 Jun 2008 
    Family ID F269155  Group Sheet  |  Family Chart

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    Link to Google MapsBorn - 4 May 1772 - Dortmund, NRh.-Wf., DE Link to Google Earth
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  • Notes 
    • hatte in Amsterdam 1805 den berĂŒhmten Verlagsbuchhandel gegrĂŒndet. 1810 starb die Mutter und der Verlag wurde in Altenburg/Sachsen neu gegrĂŒndet. 1817 ĂŒbersiedelte das VerlagsgeschĂ€ft, das einen großen Aufschwung genommen hatte, nach Leipzig, der Metropole des deutschen Buchhandels

      Er hatte nach einer Lehre in Hamm einen Detailhandel fĂŒr „Ellen- und Spezereiwaren" in Dortmund gegrĂŒndet
      Sollte den kaufmĂ€nnischen Beruf ergreifen. Deshalb beendete er den Besuch des Dortmunder Gymnasiums auf Wunsch seines Vaters im Alter von sechzehn Jahren vorzeitig und begann eine kaufmĂ€nnische Lehre in DĂŒsseldorf . Diese TĂ€tigkeit fĂŒllte ihn jedoch nicht aus, denn seit frĂŒhester Jugend war Brockhaus sehr lesebegeistert - in einer bei Heinrich Eduard Brockhaus abgedruckten biografischen Schrift spricht er selbst von einer „wahren BĂŒcherwuth" - und hatte schon fĂŒr AushilfstĂ€tigkeiten im vĂ€terlichen Unternehmen nur wenig Interesse aufgebracht. Nach einem Streit mit seinem Prinzipal brach Brockhaus, der Zeit seines Lebens fĂŒr sein aufbrausendes Temperament bekannt war, die Lehre in DĂŒsseldorf ab und kehrte 1793 nach Dortmund zurĂŒck.
      Studienaufenthalt in Leipzig und Beginn der unternehmerischen TĂ€tigkeit
      Nach seiner RĂŒckkehr in die Heimat setzte er sich schließlich gegenĂŒber seinem Vater durch und begann einen anderthalbjĂ€hrigen Studienaufenthalt in Leipzig . Ohne UniversitĂ€tsreife nahm er als Gasthörer an Vorlesungen teil und hörte unter anderem bei Ernst Platner Philosophie, bei Carl Friedrich Hindenburg Physik und Mathematik und bei Christian Gotthold Eschenbach Chemie. Daneben lernte er auch das rege buchhĂ€ndlerische und literarische Leben der Messestadt Leipzig kennen. Ende 1794 kehrte er nach Dortmund zurĂŒck und grĂŒndete am 15. September 1796 zusammen mit zwei GeschĂ€ftspartnern ein eigenes, auf den Handel mit englischen Manufakturwaren - insbesondere groben Wollstoffen - spezialisiertes Unternehmen mit dem Namen „Brockhaus, Mallinckrodt und Hiltrop". Knapp drei Jahre spĂ€ter stand das GeschĂ€ft auf so sicherer finanzieller Grundlage, dass er Sophie Wilhelmine Arnoldine Beurhaus, die Tochter des hochangesehenen Dortmunder Senators und Professors Johann Friedrich Beurhaus, heiraten konnte. Im selben Jahr trennten sich Brockhaus und Mallinckrodt von Hiltrop, zahlten ihm seinen Anteil aus und benannten sich in „Brockhaus und Mallinckrodt" um. Da die beiden GeschĂ€ftspartner ihre Einfuhren der zu jener Zeit besonders gefragten Uniformstoffe ĂŒber die Batavische Republik abwickelten, grĂŒndeten sie ein zweites Handelshaus im niederlĂ€ndischen Arnheim , dessen Leitung Mallinckrodt ĂŒbernahm.
      Streit mit Hiltrop und Weggang aus Dortmund
      Nach einem ZerwĂŒrfnis mit seinem ehemaligen Dortmunder GeschĂ€ftspartner Hiltrop ging Brockhaus im SpĂ€therbst 1801 in die Niederlande. Die Ursache fĂŒr diese Auseinandersetzung lag in dem Zusammenbruch des Londoner Bankhauses Bethmann im Oktober 1799, mit dem sowohl Brockhaus & Mallinckrodt, als auch Hiltrop WechselgeschĂ€fte betrieben hatten. Der Streit um gegenseitige Verbindlichkeiten gipfelte schließlich in der Beschlagnahmung des Dortmunder Warenlagers von Brockhaus & Mallinckrodt auf Veranlassung von Hiltrop, der erst durch die Vermittlung von Hiltrops Frau, einer Schwester von Brockhaus' Frau, zum Einlenken bewegt werden konnte. Als der Streit im Sommer 1801 wieder aufflammte und Brockhaus auf Hiltrops Veranlassung hin kurzzeitig sogar verhaftet wurde, verließ er Dortmund fluchtartig und zog nach Arnheim .
      Amsterdam
      Neuanfang in Amsterdam; Krise von 1804
      In Arnheim blieb Brockhaus allerdings nicht lange. Die große Handelsmetropole Amsterdam war neben Hamburg das Einfallstor fĂŒr englische Waren nach Europa und bot Brockhaus damit weitaus grĂ¶ĂŸere unternehmerische Gestaltungsmöglichkeiten. So trennte er sich von Mallinckrodt und zog im Winter 1801/1802 an die AmstelmĂŒndung. Der dortige Neuanfang gestaltete sich zunĂ€chst schwierig, da seine KreditwĂŒrdigkeit durch den Prozess gegen Hiltrop stark gelitten hatte. Aber mit UnterstĂŒtzung seines Bruders Gottlieb und durch das Kapital mehrerer französischer Emigranten gelang es Brockhaus, erneut in den Engros-Handel mit englischen Manufakturwaren einzusteigen.
      Doch offensichtlich hatte er sich dabei verspekuliert, denn am 30. September 1804 schrieb er in einem Bittbrief an den Bruder:
      Ich habe unglĂŒcklicherweise noch immer nicht die goldene Kunst erlernt, die Segel einzuziehen, wenn der Wind am vortheilhaftesten hineinweht. Durch das gĂŒnstige GeschĂ€ft in diesem Jahre verfĂŒhrt, habe ich mich unglĂŒcklicherweise wieder zu tief hineingesteckt, und es ist mir deshalb etwas ĂŒber dem Kopf zusammengeschlagen. [...] Die Lehre, die ich jetzt erhalten, war scharf: meine Existenz stand auf einer Nadelspitze - die habe ich erhalten -, aber mein Credit hat tief gelitten und das ersetzt sich schwerer, ob ich gleich hier auf dem Platze keines besondern Credits bedarf. Ich habe es nĂ€mlich mir selbst, meinem theuren Weibe, meinen geliebten Kindern heilig gelobt: von jetzt an nur noch ein kleines GeschĂ€ft, das nur halb so groß ist als mein jetziges, haben zu wollen.
      In dieser Situation entschloss er sich zur Aufgabe seiner ausgedehnten GeschĂ€fte mit englischen Waren und zur GrĂŒndung einer Buchhandlung.
      GrĂŒndung der Buchhandlung „Rohloff & Co."
      Im Sommer 1805 nahmen seine PlĂ€ne langsam Gestalt an und am 15. Oktober 1805 verschickte Brockhaus sein erstes GeschĂ€ftsrundschreiben , in dem er die GrĂŒndung seiner Amsterdamer Buchhandlung anzeigte. Dieses Datum gilt heute als GrĂŒndungstag des Verlagshauses „F. A. Brockhaus" (heute: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus ). Da Brockhaus als einem AuslĂ€nder die Mitgliedschaft in der Amsterdamer BuchhĂ€ndlergilde verwehrt war, fĂŒhrte er das GeschĂ€ft auf den Namen des Buchdruckers J. G. Rohloff als „Rohloff und Compagnie", wofĂŒr Rohloff eine kleine EntschĂ€digung erhielt. Bereits zwei Jahre spĂ€ter ließ Brockhaus den Namen Rohloff ganz verschwinden und nannte sein Unternehmen in „Kunst- und Industrie-Comtoir" um, laut eigener Aussage, „um nicht den Schatten von Besorglichkeit in der Seele des guten Mannes aufkommen zu lassen, die er doch haben musste, da sein Name gebraucht wurde". Welche genaue Position Brockhaus in der FrĂŒhphase des Unternehmens einnahm, lĂ€sst sich heute nicht mehr eindeutig feststellen. Auf der einen Seite schrieb er in einem Brief an den Bruder vom 26. August 1805 „Wir haben einen Hauptdirector und ich bin Nebendirector", auf der anderen Seite behauptet er in einem spĂ€teren Schreiben an Gottlieb vom 25. August 1807, er sei der „alleinige EigenthĂŒmer" der Firma Rohloff & Co. gewesen. Sicher ist, dass seine TĂ€tigkeit als BuchhĂ€ndler und Verleger mit den Jahren mehr Raum einnahm als sein sonstiges kaufmĂ€nnisches GeschĂ€ft. Die Erschwernisse, die dem europĂ€ischen Handel seit 1806 durch die napoleonische Kontinentalsperre auferlegt wurden, werden hierbei einen nicht unerheblichen Anteil gehabt haben.
      Erste verlegerische TĂ€tigkeit
      Im Jahr 1806 wurde die Batavische Republik in das Königreich Holland umgewandelt. Unter der Regentschaft von Napoleons Bruder Louis standen die Niederlande fortan unter einer stĂ€rkeren Kontrolle der Französischen Republik, was sich auch in einer VerschĂ€rfung der Zensur widerspiegelte. Zeitgenössische KĂŒnstler wie der EnglĂ€nder James Gillray verarbeiteten dieses Ereignis auf ironische Weise. Die wohl bekannteste Karikatur aus dem Jahr 1806 mit dem Titel Tiddy Doll, der große französische PfefferkuchenbĂ€cker, zieht einen Schub frischgebackener Könige aus dem Ofen zeigt Napoleon, wie er gemeinsam mit seinem Außenminister Talleyrand an der Herstellung weiterer Marionettenkönige arbeitet.
      Neben seiner Arbeit als SortimentsbuchhĂ€ndler widmete Brockhaus sich von Anfang an auch dem VerlagsgeschĂ€ft. Kurz nacheinander grĂŒndete er die in niederlĂ€ndischer Sprache erscheinende politisch-literarische Zeitung De Ster (dt. „Der Stern"), die deutsche zeitgeschichtliche Monatsschrift IndividualitĂ€ten aus und ĂŒber Paris, fĂŒr die er mit dem aus der französischen Hauptstadt berichtenden Carl Friedrich Cramer seinen ersten Autor von Rang gewinnen konnte, sowie die französische belletristische Vierteljahrsschrift Le Conservateur. Allen drei Projekten war kein großer Erfolg beschieden. De Ster fiel im August 1806 nach der Errichtung des Königreichs Holland der Zensur zum Opfer, die IndividualitĂ€ten mussten nach Cramers Tod im Jahr 1807 eingestellt werden und der Conservateur erschien nur anderthalb Jahre von Anfang 1807 bis 1808.
      Die weitere VerlagstĂ€tigkeit umfasste die Herausgabe literarischer Werke wie etwa Cramers Übersetzungen der Schottin Joanna Baillie , des EnglĂ€nders John Pinkerton und des Franzosen Louis-SĂ©bastien Mercier oder die Gedichte des DĂ€nen Jens Immanuel Baggesen , naturwissenschaftliche Werke wie die Historia rei herbariae und die Institutiones medicae von dem deutschen Arzt und Botaniker Kurt Sprengel oder die Entozoorum sive vermium intestinalium historia naturalis von Karl Asmund Rudolphi . Daneben verlegte er 1807 noch den von Heinrich August Raabe verfassten ItinĂ©raire de l'Allemagne und dehnte das Verlagsprogramm damit auch auf den Bereich der Reiseliteratur aus. Mit dem Historisch-militĂ€risches Handbuch fĂŒr die Kriegsgeschichte der Jahre 1792 bis 1808 des Freiherrn Albrecht David Gabriel von Groß begrĂŒndete er 1808 die Verlagstradition der Militaria.
      Kauf des Löbelschen Conversations-Lexikons
      Den wohl folgenreichsten Schritt in seiner verlegerischen Karriere tat er im Herbst 1808 beim Besuch der Leipziger BuchhĂ€ndlermesse: Er erwarb fĂŒr die - nach damaligen VerhĂ€ltnissen bescheidene - Summe von 1.800 Reichstalern die Rechte an dem 1796 von Renatus Gotthelf Löbel unter dem Titel Conversationslexikon mit vorzĂŒglicher RĂŒcksicht auf die gegenwĂ€rtigen Zeiten begonnene und zunĂ€chst von Friedrich August Leupold in Leipzig verlegte Werk, das er bis zu seinem Tode im Jahr 1823 kontinuierlich erweiterte und das die Grundlage fĂŒr die Brockhaus EnzyklopĂ€die darstellt.
      Der Leipziger Marktplatz zur Messezeit, Kupferstich um 1800
      Der BegrĂŒnder des Werks, ĂŒber dessen LebensumstĂ€nde heute wenig bekannt ist, bezeichnete sich selbst in seiner Vorrede zum Conversations-Lexicon als Nachfolger Johann HĂŒbners , unter dessen Namen das 1704 erstmalig erschienene Reale Staats- und Zeitungs-Lexicon bekannt geworden war. Löbels Ziel bestand in der Schaffung eines „dem gegenwĂ€rtigen Umfange der Conversation angemessenen Wörterbuches", das dem „allgemeinen Streben nach Geistesbildung, wenigstens nach dem Scheine derselben" gerecht werden sollte, wie er in seiner Vorrede zum ersten Band ausfĂŒhrte. Zwischen 1796 und 1800 erschienen die ersten vier BĂ€nde, doch nach Löbels frĂŒhem Tod im Jahr 1799 sah zunĂ€chst alles so aus, als wĂŒrde es unvollendet bleiben. Dann erschienen 1806 aber ein fĂŒnfter Band bei Johann Karl Werther in Leipzig und 1808 Teile des sechsten Bandes bei Johann Friedrich Herzog in Leipzig. Am 25. Oktober 1808 schließlich kaufte Brockhaus das Lexikon dem Leipziger Buchdrucker und Zeitungsverleger Friedrich Richter ab, der das Werk vermutlich in Herzogs Auftrag gedruckt hatte und es bei dessen Insolvenz in Zahlung genommen hatte.
      Brockhaus war also keinesfalls der Erfinder des „Konversationslexikons", seine Leistung bestand vielmehr darin, die Chancen des unvollendeten Löbelschen Lexikons erkannt zu haben und durch seine Arbeit daran den Grundstein dazu gelegt zu haben, dass es sich spĂ€ter zum „Standardwerk des deutschen BildungsbĂŒrgertums" entwickelte.
      Altenburg
      RĂŒckkehr nach Deutschland
      Kurz nachdem sie am 24. November von ihrem siebten Kind entbunden worden war, starb Sophie Brockhaus am 8. Dezember 1809 an den Folgen einer ErkĂ€ltung. Zu diesem Schicksalsschlag gesellte sich Anfang 1810 die Wiederaufnahme des Prozesses mit seinem frĂŒheren GeschĂ€ftspartner Hiltrop, die Brockhaus schwer zu schaffen machte. Der eigentliche Auslöser fĂŒr seinen Entschluss, nach Deutschland zurĂŒckzukehren, wird aber wohl eher in der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Europa gelegen haben. Die Eingliederung des Königreichs Holland in das französische Kaiserreich - schon allein um die letzten LĂŒcken in der napoleonischen Kontinentalsperre zu schließen - war spĂ€testens Ende 1809 endgĂŒltig beschlossen. Mit den politischen VerĂ€nderungen ging auch eine VerschĂ€rfung der Handelsbestimmungen einher, die Brockhaus zwangen, fĂŒr jedes seiner in Deutschland gedruckten BĂŒcher zunĂ€chst in Paris um eine Einfuhrerlaubnis zu bitten. Doch dies war nicht allein ausschlaggebend, denn ab November 1809 geriet das Unternehmen aus Mangel an Kapital an den Rand des Konkurses. Brockhaus selbst stellte die Situation des Unternehmens in einem Brief an den Bankier Friedrich Christian Richter vom 21. April 1811 rĂŒckblickend wie folgt dar:
      Meine Handlung war [
] seit November grĂ¶ĂŸtentheils in Stockung gerathen und unterbrochen worden; dagegen waren die Unkosten fortgegangen; schwere Abgaben waren zu leisten gewesen, drĂŒckende Einquartierungen hatten stattgehabt; mein und der Handlung Credit war infolge aller Störungen zernichtet; mehrere GlĂ€ubiger auch dort hatten alle disponiblen KrĂ€fte durch ihren Druck ausgesogen.
      In dieser Situation verließ Brockhaus Amsterdam im Mai 1810 und siedelte - nach einem kurzen Aufenthalt in Leipzig - im September 1810 ins thĂŒringische Altenburg ĂŒber. Seine Kinder hatte er zuvor in Dortmund untergebracht.
      Die Beziehung zur HofrÀtin Spazier
      WĂ€hrend seines viermonatigen Aufenthaltes in Leipzig hatte sich zwischen Brockhaus und Johanna Karoline Wilhelmine Spazier, der Witwe des 1805 verstorbenen Leipziger Hofrats und Herausgebers der Zeitung fĂŒr die elegante Welt Karl Spazier, SchwĂ€gerin des Dichters Jean Paul und Herausgeberin des von Brockhaus verlegten Jahreskalenders Urania ein engeres VerhĂ€ltnis entwickelt. SpĂ€testens seit Anfang August trug Brockhaus sich offensichtlich mit konkreten HeiratsplĂ€nen. Nach seiner Ankunft in Altenburg im Monat darauf reifte der Plan heran, sein Amsterdamer Unternehmen an seine zukĂŒnftige Braut zu verkaufen, um seine Schulden in den Niederlanden bezahlen zu können. WĂ€hrend es ihm nĂ€mlich bei einem Teil seiner GlĂ€ubiger gelungen war, einen Zahlungsaufschub zu erreichen, verzichteten die Übrigen nur gegen eine Teilzahlung in bar auf den Rest ihrer Forderungen. So war Brockhaus schließlich gezwungen, sein SortimentsgeschĂ€ft in einem fingierten GeschĂ€ft zu verkaufen, um es nach einer Aufhebung des Vertrags zehn Tage spĂ€ter unter dem Namen „Typographisch-litterarisches Institut in Amsterdam und Leipzig" weiterzufĂŒhren.
      Doch sein Verlöbnis war nur von kurzer Dauer, denn Ende 1810 erkrankte Wilhelmine Spazier schwer. Aus einer zunĂ€chst fĂŒr harmlos erachteten fiebrigen Erkrankung geriet sie in einen Zustand der geistigen Verwirrung, der sich in wiederholten AnfĂ€llen Ă€ußerte. Als sie Brockhaus im Glauben ihres nahenden Todes alle ihre bisherigen VerhĂ€ltnisse beichtete, löste dieser die Verlobung auf. In einem Brief an Friedrich BorntrĂ€ger, zu jener Zeit sein Angestellter und Vertrauter, vom 21. November 1810 schrieb er: „Diese AufschlĂŒsse machen es mir unmöglich - ihr je meine Hand zu geben. O Gott, aus welchem Himmel bin ich gestĂŒrzt." und weiter: „Diese AufschlĂŒsse kann ich Ihnen vielleicht - und nur Ihnen - einst mittheilen, wenn, wie ich wĂŒnschen muß, Minna sterben sollte!" Bis Ende Dezember 1810 hatte sich der Gesundheitszustand der HofrĂ€tin soweit gebessert, dass Brockhaus am 29. an BorntrĂ€ger schrieb: „Krank ist sie nicht mehr, aber ihr ganzes Wesen ist zerbrochen". Anfang 1811 brachte Brockhaus sie schließlich in das Haus ihrer Eltern nach Berlin zurĂŒck. Die nach diesem Zeitpunkt zwischen Wilhelmine Spazier und Friedrich Arnold Brockhaus gewechselte Korrespondenz ist nicht ĂŒberliefert. Schon bald nach der Trennung von der HofrĂ€tin heiratete Brockhaus 1812 Jeanette von Zschock, mit der er weitere vier Kinder zeugte. Aufgrund von Spannungen zwischen Jeanette und Brockhaus' Kindern aus erster Ehe gestaltete sich die Beziehung aber von Anfang an schwierig und so wurde die Ehe schon 1821 wieder geschieden.
      Verlegerische TĂ€tigkeit in Altenburg
      Nach der Trennung von der HofrĂ€tin Spazier ĂŒbernahm Brockhaus selber die Herausgabe der Urania, die in seiner Altenburger Zeit einen der drei Schwerpunkte seines Verlagsprogramms bildete und schon allein aufgrund ihres hochwertigen Drucks und der sorgfĂ€ltigen Bebilderung mit Kupferstichen namhafter KĂŒnstler glĂ€nzte. Dabei handelte es sich um eines zu jener Zeit Ă€ußerst beliebten „TaschenbĂŒcher fĂŒr Damen", die aus einer Sammlung zeitgenössischer ProsastĂŒcke und Gedichte bestanden und fĂŒr die Brockhaus Autoren wie Jean Paul , Theodor Körner , Friedrich de la Motte FouquĂ© , Gustav Schwab , Willibald Alexis , Ludwig Tieck und Joseph von Eichendorff gewinnen konnte. Der 1812 unternommene Versuch, Goethe fĂŒr das Projekt zu begeistern, scheiterte allerdings. Brockhaus selbst trat im Jahrgang 1822 unter dem Pseudonym „Guntram" mit der ErzĂ€hlung Die Nebenbuhlerin ihrer selbst als Schriftsteller auf, war damit aber wenig erfolgreich. Die Urania wurde im Zuge der MĂ€rzrevolution von 1848 und damit erst fĂŒnfundzwanzig Jahre nach seinem Tod eingestellt.
      Neben der Publikation zeitgenössischer deutscher Literatur engagierte Brockhaus sich stark auf politischem Gebiet. Mit den Deutschen BlĂ€ttern verlegte er zwischen 1813 und 1816 das offizielle Nachrichtenorgan der Alliierten in den Befreiungskriegen . In eigenen BeitrĂ€gen fungierte er sowohl als Berichterstatter - etwa von der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 - wie auch als kritischer Kommentator der politischen ZeitumstĂ€nde. Mit seinen Äußerungen geriet er jedoch zunehmend in das Blickfeld der Zensur und gab das Unternehmen aufgrund nachlassender Verkaufszahlen schließlich 1816 wieder auf. Aber auch andere Verlagspublikationen der Altenburger Jahre griffen die turbulenten politischen Ereignisse der Zeit kritisch auf. Zwischen 1812 und 1817 erschien eine Reihe von kriegsgeschichtlichen, hĂ€ufig gegen Napoleon gerichteten BroschĂŒren, wobei sich hinter den darin anonym veröffentlichten Äußerungen nicht selten namhafte Verfasser wie Carl von Clausewitz oder Karl von MĂŒffling verbargen. Aufsehen erregte auch eine anonyme Arbeit des Österreichers Josef von Hormayrs ĂŒber den Tiroler Volkshelden Andreas Hofer , die 1811 erstmalig in Altenburg erschien.
      Aus finanzieller Sicht am erfolgreichsten gestaltete sich die Publikation des zweibĂ€ndigen Handbuchs der Deutschen Literatur seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bis auf die heutige Zeit von Johann Samuel Ersch . Die Initiative zum Verfassen dieses Werkes ging auf Brockhaus selbst zurĂŒck; Ersch begrĂŒndete damit die deutsche wissenschaftliche Bibliografie. FĂŒr den Verlag stellte das verkaufsstarke Handbuch neben dem Conversations-Lexikon das zweite wirtschaftliche Standbein in der Altenburger Zeit dar.
      Die zweite Auflage des Conversations-Lexikons hatte Brockhaus 1812 begonnen. Bis dahin hatte das Lexikon bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Renatus Gotthelf Löbel hatte das Werk begrĂŒndet und zu seiner Herausgabe gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Christian Wilhelm Franke im Februar 1796 eigens einen Verlag in Leipzig gegrĂŒndet. Nach Löbels frĂŒhem Tod und der Übernahme des Lexikons durch Brockhaus hatte Franke sich diesem gegenĂŒber noch zur Vollendung des nur in Teilen erschienenen sechsten Bandes verpflichtet. Brockhaus veröffentlichte das Gesamtwerk 1809 in Amsterdam und ließ in den folgenden Jahren zwei BĂ€nde mit NachtrĂ€gen folgen, da das Lexikon infolge seiner langen Entstehungszeit zahlreiche LĂŒcken aufwies. Die Redaktion der 1811 in Altenburg begonnenen zweiten Auflage des Lexikons nahm Friedrich Arnold Brockhaus alleine in die Hand, seit Beginn 1812 durch eine wachsende Zahl ausgewĂ€hlter Mitarbeiter unterstĂŒtzt. Die erste Umarbeitung des Lexikons war 1818 abgeschlossen und bis zum Ende desselben Jahres waren alle zehn BĂ€nde dieser zweiten Auflage erschienen (der zehnte und letzte Band erschien Ende 1818 mit der Jahreszahl 1819). Parallel zu dieser zweiten Auflage hatte Brockhaus auch die dritte und vierte vorbereitet, so dass zum Zeitpunkt des offiziellen Umzugs nach Leipzig auch schon Teile dieser Auflagen mit neuen und ĂŒberarbeiteten Texten vorlagen.
      Leipzig
      A. Brockhaus" Leipzig
      Bereits seit der Ostermesse 1817 hielt sich Brockhaus dauerhaft in Leipzig auf. Er hatte seit geraumer Zeit mit dem Gedanken gespielt, neben seinem bereits 1814 in „F. A. Brockhaus" umbenannten Verlag eine eigene Druckerei zur Herstellung seines Conversations-Lexikons aufzubauen und hatte eigens zu diesem Zweck seinen Ă€ltesten Sohn Friedrich in eine Buchdruckerlehre nach Braunschweig geschickt. Neben dem Umstand, dass es in Altenburg bereits eine von seinem Freund Johann Friedrich Pierer gefĂŒhrte Druckerei gab, waren es zum einen die Enge seines dortigen Bekanntenkreises, vor allem aber die Tatsache, dass Leipzig das Zentrum des damaligen Buchhandels war, die Brockhaus zum Umzug dorthin bewogen. Am 21. Januar 1818 erhielt er in Leipzig das BĂŒrgerrecht und im April bezog er gemeinsam mit seiner Familie eine Wohnung am Leipziger Markt. Schon fĂŒnf Tage spĂ€ter eröffnete er seine Druckerei und ab 1819 erschienen alle BĂŒcher seines Hauses ausschließlich unter dem neuen Verlagsort Leipzig. Das Conversations-Lexikon stellte auch weiterhin den Mittelpunkt seiner verlegerischen TĂ€tigkeit dar, daneben widmete er sich jedoch erneut unterschiedlichen politisch-literarischen Zeitschriftenprojekten.
      Zeit- und literaturkritische Journalistik
      Die von dem Naturforscher Lorenz Oken herausgegebene Isis oder EncyclopĂ€dische Zeitung von Oken war eine direkte FortfĂŒhrung der Deutschen BlĂ€tter und sollte - im Gegensatz zu diesen - keine politischen Themen behandeln, sondern sich allein auf Abhandlungen aus dem Gebiet der Naturwissenschaften, Kunst, Geschichte und Literatur beschrĂ€nken. Da Oken sich jedoch nicht an seine eigene AnkĂŒndigung hielt und auch politische BeitrĂ€ge aufnahm, geriet die Isis mehrfach an den Rand eines Verbots durch die Zensur. Oken selbst stand 1819 vor der Entscheidung, entweder die Herausgabe der Isis einzustellen, oder seine Professur niederzulegen. Er entschied sich schließlich fĂŒr letzteres und setzte seine Arbeit an der Zeitschrift unverĂ€ndert fort. Erst 1824, ein Jahr nach Brockhaus' Tod, beschrĂ€nkte er die aufzunehmenden Artikel allein auf wissenschaftliche Themen.
      Genau wie die Isis war auch die Reihe Zeitgenossen. Biographien und Charakteristiken bereits im Jahr 1816 gegrĂŒndet worden. Seit 1818 wurde die Reihe von Brockhaus selbst herausgegeben und bildete den Hauptteil seiner journalistischen VerlagstĂ€tigkeit in Leipzig. Das Werk stellte die Biografien von damals noch lebenden oder bereits verstorbenen Personen der Zeitgeschichte vor und ĂŒbernahm damit ein Konzept, das sich zuvor bereits in England bewĂ€hrt hatte. Die in den Zeitgenossen veröffentlichten BeitrĂ€ge wurden unter anderem von Autoren wie Karl August Varnhagen von Ense , Karl Friedrich Reinhard und August Wilhelm von Schlegel verfasst, wobei die Urheber von Biografien noch lebender Personen nicht namhaft kenntlich gemacht wurden. Nach Brockhaus' Tod wurden die Zeitgenossen noch bis ins Jahr 1841 fortgesetzt und erschienen damit insgesamt 25 Jahre lang ohne Unterbrechung.
      Neben dem schon frĂŒh wieder eingestellten Leipziger Kunstblatt fĂŒr gebildete Kunstfreunde erweiterten die beiden literarisch-kritischen Journale Hermes oder kritisches Jahrbuch der Literatur und Literarisches Wochenblatt das Verlagsprogramm. Die Entstehung des Hermes ging auf die Aufhebung der Kontinentalsperre nach dem Sturz Napoleons zurĂŒck, durch die nicht nur englische Manufakturwaren und außereuropĂ€ische GĂŒter aus den englischen Kolonien sondern auch englische Literatur wieder in grĂ¶ĂŸerer Menge auf dem Kontinent verfĂŒgbar wurde. So war der Hermes ursprĂŒnglich von Brockhaus als ein Journal konzipiert worden, „welches das binnen sieben Jahren in der Kenntniß der englischen Angelegenheiten VersĂ€umte nachholen" sollte. In den Jahren zwischen ihrem ersten Erscheinen 1819 und ihrer Einstellung 1831 entwickelte sich die Zeitschrift zu einem Rezensionsorgan literarischer Neuerscheinungen, zu dessen Mitarbeitern eine Reihe renommierter deutscher Professoren - unter anderem Wilhelm Grimm , Johann Friedrich Herbart und Friedrich von Raumer - gehörten. Im Gegensatz zum Hermes war das Literarische Wochenblatt auf Unterhaltung ausgelegt und sprach damit ein breiteres Publikum an. Die Zeitschrift war ursprĂŒnglich 1818 von August von Kotzebue gegrĂŒndet worden und wurde nach dessen Ermordung 1819 von Brockhaus gekauft und ein Jahr spĂ€ter unter eigener Regie herausgegeben. Mit seiner Konzeption war das Blatt so erfolgreich, dass es - unter wechselnden Titeln - bis 1898 im Verlagsprogramm blieb.
      Das ĂŒbrige Verlagsprogramm
      Auf dem Gebiet der Monografien lag der Schwerpunkt des Verlags auf Werken der Geschichte, Politik und auf den - nicht selten als Nebenprodukt des Conversations-Lexikons oder Reihen wie den Zeitgenossen entstandenen - Biografien. Eine heftige Reaktion rief das im Jahr 1821 veröffentlichte Werk Aus den Memoiren des Venetianers Jacob Casanova de Seingalt, oder sein Leben, wie er es zu Dux in Böhmen niederschrieb in der Bearbeitung von Wilhelm von SchĂŒtz hervor, das nach seinem Erscheinen hart angegriffen wurde. Im Bereich der Geschichtswissenschaft sind Raumers Vorlesungen ĂŒber die alte Geschichte (1821) sowie dessen sechsbĂ€ndige Geschichte der Hohen Staufen und ihrer Zeit (1823-1825) hervorzuheben. Auf dem Gebiet der Philosophie verlegte Brockhaus 1818 mit Die Welt als Wille und Vorstellung das Hauptwerk des damals noch nahezu unbekannten Arthur Schopenhauer .
      Kampf gegen den Macklot'schen Nachdruck
      Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 wurde das Urheberrecht in den verschiedenen deutschen Territorien unterschiedlich gehandhabt. Diesen Umstand nutzte Karl Erhard, Inhaber der Buchdruckerei Macklot in Stuttgart , zum Nachdruck des Brockhaus'schen Conversations-Lexikons. In WĂŒrttemberg waren Nachdrucke fĂŒr nicht im Lande erscheinende Druckwerke erlaubt und so kĂŒndigte der Verlag Macklot 1816 eine preiswertere Ausgabe des Lexikons fĂŒr den sĂŒddeutschen Raum an, die „mit Königl. wĂŒrttembergischer allergnĂ€digster Genehmigung" gedruckt wurde und die „auch unbemittelten Lesern den Erwerb des Werkes erleichtern sollte". Brockhaus reiste nach Stuttgart und erlangte seinerseits ein königliches Privileg fĂŒr die zwischen 1817 und 1819 veranstaltete vierte Auflage seines Lexikons, den gegen Macklot gefĂŒhrten Prozess verlor er aber in allen drei Instanzen.
      Neben dem Streit vor Gericht fĂŒhrte Brockhaus den Kampf zum Schutz seiner Interessen auch auf anderer Ebene mit großer Vehemenz. Anfang Juli 1818 veröffentlichte er ein Flugblatt an das Publikum, in dem er den Nachdruck durch Macklot als Diebstahl anprangerte und legte diese Streitschrift nicht nur in alle Zeitschriften seines Verlags und alle BĂ€nde des Conversations-Lexikons ein, sondern verschickte sie darĂŒber hinaus an alle Abgeordnete des Bundestages und an die Presse. WĂ€hrend sein Vorstoß beim Bundestag spĂ€ter im Sande verlief, fĂŒhrte der groß angelegte Feldzug gegen Macklot letztendlich aber doch zum Erfolg. Die öffentliche Meinung stellte sich hinter Brockhaus und der Absatz seines Lexikons stieg beachtlich an. Gleichzeitig musste die zweite Auflage des Macklot'schen Nachdrucks zum grĂ¶ĂŸten Teil makuliert werden, woraufhin Erhard sich enttĂ€uscht aus dem Buchhandel zurĂŒckzog.
      Letzte Jahre
      Im April 1820 war die fĂŒnfte Auflage des Conversations-Lexikons vollendet worden. Das Werk verkaufte sich so gut, dass Brockhaus schon im September desselben Jahres den zweiten Neudruck beendete. Da er durch die von ihm geleiteten Journale sehr in Anspruch genommen wurde und einige KĂ€ufer des Lexikons sich bereits ĂŒber das schnelle Veralten ihrer Ausgabe beschwert hatten, hatte er in einem seiner GeschĂ€ftsrundschreiben aus dem MĂ€rz des Jahres 1819 angekĂŒndigt, vorerst keine weitere Überarbeitung in Form einer sechsten Auflage folgen zu lassen. Im Sommer 1821 erschien ein dritter, weitgehend unverĂ€nderter Neudruck der fĂŒnften Auflage, dessen AktualitĂ€t durch einen fĂŒr die nĂ€chsten Jahre geplanten Supplementband hergestellt werden sollte. Diese Erweiterung wurde auch ab 1822 unter dem Titel Conversations-Lexikon ĂŒber die neueste Zeit und Literatur ausgeliefert, doch nachdem der dritte Neudruck der fĂŒnften Auflage des Conversations-Lexikons bereits im Sommer 1822 vergriffen war, entschloss Brockhaus sich schließlich doch zu einer neuen Überarbeitung. Diese sechste Auflage wurde zwischen dem Sommer 1822 und dem Sommer 1823 hergestellt und war damit gleichzeitig die letzte Ausgabe, die unter der Leitung des VerlagsgrĂŒnders selbst entstand, deren Erscheinen im Jahr 1824 Brockhaus aber nicht mehr erlebte.
      Zwei Jahre vor seinem Tod hatte Brockhaus noch einen lange gehegten Plan umgesetzt und im Mai 1821 ein großes GrundstĂŒck am Ostrand Leipzigs gekauft, das ihm zugleich als neuer Wohnsitz wie auch als Standort fĂŒr sein expandierendes Unternehmen diente. SpĂ€ter siedelten sich in der NĂ€he weitere BuchhĂ€ndler und verwandte GeschĂ€ftszweige an, so dass nach Brockhaus' Tod ein neues BuchhĂ€ndlerviertel entstand.
      Seine Söhne hatten ihn schon seit Ostern 1819 im Unternehmen unterstĂŒtzt. Friedrich hatte nach einem einjĂ€hrigen Auslandsaufenthalt in Paris und London im Oktober 1820 die Leitung der Buchdruckerei ĂŒbernommen und war auch - nachdem der immer noch nicht abgeschlossene Prozess gegen seinen ehemaligen GeschĂ€ftspartner Hiltrop im August 1819 in seine letzte Phase eingegangen war - als Besitzer des neuen GrundstĂŒcks eingetragen worden. Sein zweiter Sohn Heinrich war bereits als FĂŒnfzehnjĂ€hriger in das Unternehmen eingetreten und sollte wie sein Ă€lterer Bruder ein Jahr ins Ausland gehen, als Friedrich Arnold Brockhaus Ende 1822 schwer erkrankte und die Reise auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.
      Schon im Herbst 1822 hatte Brockhaus sich krank und angegriffen gefĂŒhlt. Auf Anraten seines Arztes wollte er eine Erholungsreise nach Paris unternehmen, doch dazu kam es nicht. Von der letzten Novemberwoche an verschlechterte sich sein Zustand rapide und am 3. Dezember setzte er sein Testament auf. Nachdem sein Tod schon fĂ€lschlicherweise in den Zeitungen gemeldet wurde, erholte er sich wieder. Die Falschmeldung hatte in der Zwischenzeit unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. WĂ€hrend die meisten Stimmen tiefes Bedauern ĂŒber den vermeintlichen Verlust Ă€ußerten, musste Brockhaus auch von vereinzelten Freudenbekundungen erfahren. Auf die Nachricht von seiner Genesung hin drĂ€ngten viele seiner Freunde ihn zur EinschrĂ€nkung seiner bisherigen TĂ€tigkeit, was Brockhaus sich auch fest vornahm. Doch die Vorhersage der Dichterin Helmina von ChĂ©zy , die ihm geschrieben hatte „Hier in Berlin sind Sie allgemein und bestimmt todtgesagt worden, welches ein langes Leben bedeutet" sollte sich nicht erfĂŒllen. Im Mai 1823 besuchte Brockhaus ein letztes Mal die Leipziger Ostermesse und schon Ende Juli verschlechterte sich sein Gesundheitszustand erneut. Wenige Wochen spĂ€ter, am 20. August 1823, starb er im Alter von 51 Jahren. Gleichsam als Vorgriff auf die Zukunft schrieb sein Sohn Heinrich kurz nach dem Tode des Vaters in sein Tagebuch: „Was er geschaffen hat, soll fortleben!"
      Friedrich Arnold Brockhaus im Urteil seiner Biografen
      Schon zu Lebzeiten lagen die EinschĂ€tzungen Friedrich Arnold Brockhaus' zum Teil weit auseinander. Diese Kontroverse in der Beurteilung seiner Person und seiner Leistung setzte sich nach seinem Tod unvermindert fort. WĂ€hrend ihn sein enger Freund und langjĂ€hriger Mitarbeiter am Conversations-Lexikon, der Dresdner Professor Friedrich Christian August Hasse mit den Worten beschrieb: „Als Mensch brav und gutmĂŒtig, gleichwohl oft verkannt und bitter angefeindet; als GeschĂ€ftsmann geistvoll und freisinnig, gleichwohl im Missgeschick falsch beurteilt und nach spĂ€t errungenen gĂŒnstigen Erfolge viel beneidet, teilte Brockhaus das Schicksal der meisten MĂ€nner von Talent, denen die MittelmĂ€ĂŸigkeit kleine Fehler nie verzeihen kann.", fĂ€llte sein Enkel Heinrich Eduard Brockhaus ein weitaus ausgewogeneres Urteil: „Brockhaus' sanguinisch-cholerisches Temperament, der lebhafte Widerwille, den er gegen jede Ungerechtigkeit oder Unbilligkeit empfand [
] endlich auch das Selbstbewußtsein, das sich immer stĂ€rker bei ihm ausbildete, seit er in harten KĂ€mpfen und wesentlich durch eigene Kraft Geltung, Namen und Erfolge errungen hatte: diese verschiedenartigen Momente wirkten zusammen, um ihn, wie mit Collegen und Behörden, auch mit Schriftstellern leicht in Streitigkeiten geraten zu lassen". Dabei war Heinrich Eduard Brockhaus ein Autodidakt, der die dreibĂ€ndige Biografie ĂŒber seinen Großvater in seiner Freizeit schrieb und dazu hunderte GeschĂ€fts- und Privatbriefe auswertete. Seine Arbeit stellt allein deshalb bis heute die Grundlage fĂŒr jede weitere Untersuchung zu Brockhaus dar, weil viele der in seiner zwischen 1872 und 1881 erschienenen Biografie im Wortlaut abgedruckten Dokumente heute infolge von Kriegsverlusten nicht mehr im Original zur VerfĂŒgung stehen. Die im Oktober 1905 zur Hundertjahrfeier des Verlages erschienene Festschrift aus seiner Hand enthĂ€lt lediglich ein ĂŒberarbeitetes Konzentrat dieser drei BĂ€nde und fördert keine neuen Erkenntnisse zu Tage.
      Unter den jĂŒngeren Darstellungen ist der glĂ€nzend geschriebene und von großer Klarsichtigkeit geprĂ€gte Lebensabriss von Gertrud Milkereit aus dem Jahr 1983 hervorzuheben. Milkereit stellt Brockhaus als liberalen Demokraten vor, dessen KrĂ€fte am Ende seines Lebens durch sein politisches Engagement aufgezehrt wurden. Die Darstellung seiner Person ist ausgewogen gestaltet und verheimlicht weder Brockhaus' cholerische Neigung noch spielt sie seine ausgesprochene Prozessfreudigkeit herunter. Verlegerische Fehlurteile werden als solche benannt, ohne dabei jedoch insgesamt die Leistung Brockhaus' fĂŒr das deutsche Verlagswesen aus dem Auge zu verlieren. Eine Auswahl der zwischen 1805 und 1823 von Brockhaus verlegten Werke rundet den Beitrag ab. Im Gegensatz dazu beleuchtet die dreizehnseitige biografische Skizze von Anja zum Hingst die Person Friedrich Arnold Brockhaus nur wenig kritisch. Das mehrmalige unternehmerische Scheitern wird als alleinige Folge ungĂŒnstiger ZeitumstĂ€nde dargestellt, denen Brockhaus immer wieder mit „GespĂŒr fĂŒr den Zeitgeist", „kaufmĂ€nnischer Erfahrung", „strenger GeschĂ€ftsfĂŒhrung" und „GenialitĂ€t" entgegentrat. Mit der allein in der Auswahl der prĂ€sentierten ereignisgeschichtlichen Fakten durchschimmernden wohlwollenden Sichtweise fĂ€llt die Lebensskizze hinter frĂŒhere Darstellungen zurĂŒck


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