Lucius Cornelius Sulla Felix

Lucius Cornelius Sulla Felix

Male Abt 138 V.C. - 0078 V.C.    Has one ancestor and more than 250 descendants in this family tree.

Personal Information    |    Notes    |    All

  • Name Lucius Cornelius Sulla Felix  
    Relationshipwith Adam
    Born Abt 138 V.C. 
    Gender Male 
    Died 0078 V.C. 
    Person ID I616392  Geneagraphie | Voorouders HW
    Last Modified 19 Mar 2010 

    Father Lucius Cornelius Sulla,   d. Yes, date unknown 
    Siblings 1 sibling 
    Family ID F268505  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 1 Ilia,   d. Yes, date unknown 
    Children 
     1. Cornelia Sulla,   d. Yes, date unknown
    Last Modified 22 Oct 2009 
    Family ID F293098  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 2 Aelia,   d. Yes, date unknown 
    Last Modified 22 Oct 2009 
    Family ID F293099  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 3 Cloelia,   d. Yes, date unknown 
    Last Modified 22 Oct 2009 
    Family ID F293097  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 4 Caecilia Metella Dalmatica,   b. Abt 120 V.C.,   d. 0081 V.C. 
    Children 
     1. Faustus Cornelius Sulla,   b. 0086 V.C.,   d. 0046 V.C.
     2. Cornelia Fausta,   b. 0086 V.C.,   d. Yes, date unknown
    Last Modified 19 Mar 2010 
    Family ID F268499  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 5 Valeria,   d. Yes, date unknown 
    Last Modified 22 Oct 2009 
    Family ID F293096  Group Sheet  |  Family Chart

  • Notes 
    • ein r√∂mischer Politiker, Feldherr und Diktator in der Sp√§tphase der R√∂mischen Republik .
      Korruption sowie Konflikte um die Landverteilung und das B√ľrgerrecht hatten Rom in einen Zustand innerer Gewalt gef√ľhrt. In dieser Lage tat sich Sulla besonders milit√§risch hervor. Als Qu√§stor des Feldherrn Marius beendete er den Jugurthinischen Krieg und wurde nach seinen Erfolgen im Bundesgenossenkrieg zum Konsul des Jahres 88 v. Chr. gew√§hlt. In den folgenden Jahren dr√§ngte er Mithridates VI. von Pontus zur√ľck. Als f√ľhrender Vertreter der konservativen Adelspartei (Optimaten ) marschierte er in den Jahren 88 und 83 v. Chr. auf Rom , um seine popularen Gegenspieler zu beseitigen.
      Nach dem Sieg im B√ľrgerkrieg lie√ü Sulla sich 82 v. Chr. zum Diktator ernennen. Auf der Grundlage seiner zeitlich unbeschr√§nkten Kompetenz legibus scribundis et rei publicae constituendae (‚ÄěGesetze zu geben und den Staat zu ordnen") f√ľhrte er die ersten Proskriptionen der r√∂mischen Geschichte durch und lie√ü tausende r√∂mische Adlige t√∂ten. Seine Verfassungsreformen zielten auf systematische Restauration der Senatsherrschaft und die Schw√§chung demokratischer Institutionen, wie des Volkstribunats . Im Jahre 79 v. Chr. legte Sulla die Diktatur nieder und zog sich in das Privatleben zur√ľck. Seine Schreckensherrschaft konnte den B√ľrgerkrieg und den Untergang der alten Republik indes nur kurzzeitig aufhalten. Sullas Name steht bis zur Gegenwart f√ľr Grausamkeit und Terror.
      Sulla entstammte dem patrizischen Geschlecht der Cornelier. Im Gegensatz zu den erfolgreichen Zweigen der Scipionen und Lentuli war seit der Bekleidung des zweiten Konsulats durch Publius Cornelius Rufinus im Jahre 277 v. Chr. niemand mehr aus dem Zweig der Familie der Cornelier, dem Sulla angeh√∂rte, zum h√∂chsten Staatsamt aufgestiegen. Rufinus' Sohn, der als erster das Cognomen Sulla gef√ľhrt haben soll, war flamen Dialis (Priester des Jupiter), was eine politische und milit√§rische Karriere ausschloss. Sullas Gro√üvater bekleidete die Pr√§tur im Jahre 186 v. Chr., w√§hrend es strittig ist, ob auch sein Vater, Lucius Cornelius, Pr√§tor war.

      Sulla wuchs mit seinem Bruder Servius Cornelius und einer Schwester auf. Da seine Mutter schon fr√ľh starb, stand Sulla √ľberwiegend unter der Obhut einer Amme. Sein Vater ging eine weitere Ehe mit einer wohlhabenden Frau ein. Von ihm ist nur bekannt, dass er Sulla so wenig hinterlie√ü, dass dieser als junger Mann in einem Mietshaus mit freigelassenen Sklaven lebte. Als F√ľnfzehnj√§hriger erhielt Sulla die toga virilis.

      Als Kind und junger Mann wurde Sulla Zeitzeuge der Gracchischen Reformversuche, die seine sp√§teren politischen Ziele entscheidend pr√§gen sollten. Anlass der Reformen waren die Ver√§nderungen, die sich mit der b√§uerlichen Wirtschaftsweise und der Aneignung des Staatslandes \endash des sogenannten ager publicus \endash vollzogen hatten. Der ager publicus war durch die gro√üen Eroberungen entstanden. Jeder r√∂mische B√ľrger war befugt, Land in Besitz zu nehmen, wenn er eine kleine Nutzungsgeb√ľhr bezahlte. Die kleinen Bauern wurden daher von den Gro√ügrundbesitzern, die sich mehr Land aneignen konnten, verdr√§ngt. Die beiden Gracchen, Tiberius und Gaius, versuchten eine Agrarreform gegen den Senat durchzuf√ľhren, um den Kleinbauern wieder mehr Land zu verschaffen. Eine Familie sollte nicht mehr als 1.000 Joch Land besitzen. Ein Gesetz dazu legte der Volkstribun Tiberius Gracchus dem Senat gar nicht erst vor, sondern wandte sich sofort an die Volksversammlung. Es kam zum Verfassungsbruch, indem Tiberius einen Volkstribunen, der gegen das Gesetz interzedierte, absetzen lie√ü. Um Geld f√ľr neue Siedler zu beschaffen, beschlagnahmte Tiberius das den R√∂mern vermachte Erbe des K√∂nigs Attalos von Pergamon, was einen weiteren Verfassungsbruch und einen Eingriff in die Finanzhoheit des Senates darstellte. Als Tiberius sich entgegen der r√∂mischen Tradition auch im n√§chsten Jahr f√ľr das Volkstribunat bewerben wollte, kam es am Wahltag zu Tumulten. Tiberius Gracchus und seine Anh√§nger wurden erschlagen, die Leichen in den Tiber geworfen.

      Als Gaius Gracchus einige Jahre sp√§ter das Reformvorhaben seines Bruders wieder aufnahm, erkl√§rte der Senat den Staatsnotstand. Erstmals wurde Milit√§r gegen die eigene B√ľrgerschaft eingesetzt. Gaius floh und lie√ü sich in auswegloser Lage von einem Sklaven t√∂ten.

      Es bildeten sich parteianaloge Gruppierungen, die Optimaten, die sich f√ľr die Interessen der konservativen nobilitas, meist des patrizischen Adels, einsetzten und vor allem eine St√§rkung des Senats im Kr√§ftespiel der r√∂mischen Institutionen betrieben, und die Popularen, die die Interessen des Volkes vertraten. Mit den Ereignissen in den Jahren 133/132 v. Chr. begann das Zeitalter der B√ľrgerkriege, das etwa einhundert Jahre sp√§ter durch die Transformation der Republik in das Kaiserreich beendet werden sollte.

      Seine Jugendjahre verbrachte Sulla abseits dieser politischen Auseinandersetzungen. Im Umfeld des Theaterwesens und im Umgang mit Gauklern und Schauspielern pflegte er einen freiz√ľgigen Lebenswandel. Neben der Ehe mit einer Ilia, die fr√ľh verstarb, und einer Aelia, von der nur der Name bekannt ist, hatte Sulla ein Verh√§ltnis mit der Prostituierten Nikopolis, die ihn sogar als Erben einsetzte. Aber erst als er das Verm√∂gen seiner Stiefmutter erbte, verf√ľgte Sulla √ľber die Mittel, um eine standesgem√§√üe Laufbahn einschlagen zu k√∂nnen.

      Nach einem intensiven Wahlkampf wurde Sulla 107 v. Chr. zum Qu√§stor gew√§hlt. Er wurde dem Heer des Gaius Marius zugeteilt, das in Nordafrika operierte und den Krieg gegen die Numidier, der durch die Bestechlichkeit der Senatoren √ľberschattet wurde, zu einem erfolgreichen Ende bringen sollte.

      Der Konflikt mit Numidien, einem r√∂mischen Vasallenk√∂nigreich, begann nach dem Tod des K√∂nigs Micipsa im Jahr 118 v. Chr., als zwischen den beiden leiblichen S√∂hnen Adherbal und Hiempsal I. Thronstreitigkeiten ausbrachen. Jugurtha, der als unehelicher Sohn in der Thronfolge die geringsten Anspr√ľche hatte, suchte diesen Streit zu nutzen und die ganze Macht in Numidien an sich zu rei√üen. Als Jugurtha gegen Adherbal Krieg f√ľhrte und diesen bei Cirta schlug, wurde er zum Feind Roms, da auch eine gr√∂√üere Anzahl R√∂mer und Italiker beim Angriff get√∂tet worden waren. Bald darauf folgende Vertragsverhandlungen in Rom scheiterten. Im nunmehr beschlossenen Krieg gegen Jugurtha konnte Quintus Caecilius Metellus zwar einige Erfolge, doch keine endg√ľltige Entscheidung herbeif√ľhren, da sich Jugurthas schnelle Kavallerie immer wieder dem Kampf mit den R√∂mern entzog. Auch war es Jugurtha gelungen, Bocchus von Mauretanien auf seine Seite zu ziehen.

      In dieser Situation konnte sich Sulla bei den ersten ihm zufallenden milit√§rischen Kommandos bew√§hren. Er f√ľhrte der sehr schwachen und unterlegenen r√∂mischen Reiterei Verst√§rkung von den Bundesgenossen und aus Latium zu und √ľbergab sie dem Feldherrn Marius. Nachdem schlie√ülich Cirta von r√∂mischen Truppen erobert worden war, f√ľrchtete Bocchus um seine Herrschaft und nahm Verhandlungen mit den R√∂mern auf. Diese Friedensverhandlungen f√ľhrte auf r√∂mischer Seite Sulla, der bereits fr√ľher das Vertrauen des Bocchus gewinnen konnte, als er eine mauretanische Gesandtschaft w√§hrend ihrer Romreise beriet und gro√üz√ľgig unterst√ľtzte. Dank dieses Vertrauens konnte mittels einer inszenierten Verhandlung der ahnungs- und waffenlose Jugurtha in einen Hinterhalt gelockt und gefangen genommen und somit der Krieg beendet werden. Indem Sulla offen durch die Anfertigung eines Siegelringes und die Pr√§gung von M√ľnzen die Beendigung des Jugurthinischen Krieges f√ľr sich beanspruchte, erlangte er einige Ber√ľhmtheit, die sowohl seine gesellschaftliche Stellung in Rom als auch seine weitere Laufbahn sicherte. Allerdings verschlechterte er durch dieses Verhalten seine Beziehungen zu Marius, dem eigentlichen Feldherrn des Krieges, nachhaltig.

      Gleichwohl wurde Marius in Rom als Sieger angesehen und es wurde ihm ein Triumph gew√§hrt, in dem er Jugurtha mitf√ľhren lie√ü. Der Sieg bef√§higte Marius in den Augen des Senats, die drohende Germaneninvasion aufzuhalten, und er wurde deshalb f√ľr das Jahr 104 v. Chr. und die folgenden vier Jahre zum Konsul gew√§hlt. Die bereits im Jugurthinischen Krieg in Ans√§tzen eingeleitete Heeresreform des Quintus Caecilius Metellus f√ľhrte Marius zum Abschluss, indem er das r√∂mische Milit√§r in ein Berufsheer umwandelte. Bereits seit den Kriegen gegen Karthago war es aus dem Krieg heimkehrenden italischen Bauern immer seltener m√∂glich, auf den inzwischen ver√∂deten Familienbesitzungen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die gleichzeitig an Gr√∂√üe zunehmenden Latifundien wurden hingegen meist von Sklaven bewirtschaftet. Nach einer mittlerweile zwanzigj√§hrigen Dienstzeit war die Altersversorgung der Veteranen folglich nur gew√§hrleistet, wenn ihr Feldherr sie mit Land versorgte. Als Folge war die Loyalit√§t der Soldaten permanent an den Feldherrn und nicht an die Res Publica gebunden. Die daraus folgende Konzentration von Macht war ein wichtiger Faktor in der Genese des B√ľrgerkrieges.

      Der Konflikt mit den germanischen V√∂lkerschaften war schon w√§hrend des numidischen Krieges ausgebrochen. Als Folge verheerender Fluten suchte eine Reihe von St√§mmen, die in J√ľtland und in den norddeutschen Tiefebenen ans√§ssig waren, neue Siedlungsr√§ume. Zu diesen St√§mmen geh√∂rten die Kimbern, die Teutonen, die Ambronen und die Haruden. Gegen die machtvollen germanischen Wanderst√§mme, die durch ganz Gallien und selbst Teile Spaniens zogen, musste das r√∂mische Heer zahlreiche Niederlagen hinnehmen, so verloren bei einer Schlacht am 6. Oktober 105 v. Chr. 80.000 R√∂mer ihr Leben.

      Im Germanenkrieg des Jahres 104 v. Chr. konnte Sulla, der als Legat und Milit√§rtribun unter Marius diente, Copillus, den Anf√ľhrer der Tectosagen, gefangen nehmen und die r√∂mische Vormacht sichern. Als Milit√§rtribun zog er 103 v. Chr. durch Verhandlungen den Stamm der Marser auf die Seite der R√∂mer. Aufgrund der immer schlechter werdenden Beziehungen zu Marius lie√ü sich Sulla zu den zwei Legionen des Quintus Lutatius Catulus nach Norditalien versetzen. Doch w√§hrend Marius im Sommer 102 v. Chr. die Ambronen und die Teutonen vernichtend schlug, konnte das Heer des Catulus und Sulla seine Stellung nicht halten und musste sich bis hinter den Po zur√ľckziehen. Die Jahreszeit war zu weit fortgeschritten, als dass r√∂mische Truppen ihre Gegner in Oberitalien noch h√§tten schlagen k√∂nnen.

      F√ľr das Jahr 101 v. Chr. sammelte Marius alle verf√ľgbaren Truppen und stie√ü im Sommer des Jahres mit 55.000 Mann gegen die Kimbern vor, die auf den Raudischen Feldern bei Vercellae vernichtend geschlagen wurden. Durch den Germanenkrieg und seinen Dienst unter Catulus st√§rkte Sulla die Verbindung zu den Optimaten.

      Die Fortf√ľhrung der politischen Laufbahn gestaltete sich f√ľr Sulla zun√§chst schwierig. Die Qu√§stur hatte er zum fr√ľhstm√∂glichen Zeitpunkt erreicht. Das Amt des √Ądils strebte er nicht an, da hierzu Verwaltungsaufgaben und Jurisdiktion geh√∂rten, die angesichts der innenpolitischen Lage den Amtsinhaber schnell zwischen die Fronten geraten lie√üen. Er bewarb sich somit 98 v. Chr., zum fr√ľhstm√∂glichen Zeitpunkt, um die Pr√§tur, blieb jedoch ohne Erfolg. Im Folgejahr bewarb er sich erneut um das Amt. Diesmal konnte er durch Stimmenkauf und Versprechungen an das Volk, als k√ľnftiger Pr√§tor Spiele abzuhalten, die Wahl zum praetor urbanus f√ľr sich entscheiden. Gro√üz√ľgig lie√ü er nun die ludi Apollinares \endash Spiele zu Ehren des von Sulla stets bevorzugten Gottes Apollo \endash abhalten.

      Als Pr√§tor erhielt er Einblick in Rechtsprechung und Administration. Als mit dem Amt verbundene Statthalterschaft wurde ihm im folgenden Jahr Kilikien √ľbertragen, ob als Propr√§tor oder als Legat mit prokonsularischer Amtsgewalt, bleibt strittig. Sullas Aufgabenbereich dort kreuzte sich mit dem Interessenfeld des pontischen K√∂nigs Mithridates VI., der damals seinen Einfluss in jenem Gebiet erweitern wollte. Nach dem Untergang der kappadokischen K√∂nigsdynastie der Ariarathiden hatte Mithridates Ariobarzanes I. von Kappadokien vertrieben und seinen Vertrauensmann Gordius als Machthaber installiert. Ariobarzanes floh nach Rom und bat den Senat um Beistand.

      Im Sommer des Jahres 96 v. Chr. stellte Sulla ein Heer auf, das die R√ľckf√ľhrung des kappadokischen K√∂nigs erzwingen sollte. In Kappadokien traf er auf das aus kappadokischen und armenischen Einheiten bestehende Heer von Mithridates VI., das er noch im selben Jahr bis zum Euphrat zur√ľckdr√§ngte. Dort erreichte ihn Orobazos, ein Gesandter des Partherk√∂nigs Mithridates II., der mit Sulla eine grundlegende Regelung zwischen beiden Staaten auf friedlicher Basis herbeif√ľhren wollte. Es war die erste Kontaktaufnahme zwischen den beiden Gro√üreichen. Sulla konnte sich hierbei geschickt in Szene setzen, indem er bei den Verhandlungen in der Mitte Platz nahm, so dass f√ľr Ariobarzanes und den parthischen Gesandten nur die beiden seitlichen Pl√§tze √ľbrig blieben. W√§hrend dieser Ereignisse soll ihm ein chald√§ischer Seher eine gro√üe Zukunft vorhergesagt haben.

      Als Promagistrat in Kappadokien hatte Sulla erhebliche Geldsummen eingezogen und sah sich dem Verdacht der widerrechtlichen pers√∂nlichen Bereicherung ausgesetzt. Nach seiner R√ľckkehr nach Rom erhob wohl im Jahr 92 v. Chr. ein gewisser Censorinus formell Anklage gegen ihn. Eine gerichtliche Verfolgung blieb allerdings erfolglos, vermutlich weil eine Senatsmehrheit Sulla als Gegenspieler zu Marius aufbauen wollte.

      Dennoch hatte das Verfahren Sullas Chancen auf ein Konsulat drastisch gemindert, so dass er zun√§chst auf eine Bewerbung verzichtete. Auf Bitten Sullas und wohl nach Einwilligung des Senates stellte Sullas Vertrauter im Jugurthinischen Krieg, Bocchus I., im Jahr 91 v. Chr. ein aufw√§ndiges Monument als Weihegeschenk auf dem Kapitolsh√ľgel auf, das Sulla als Sieger im Numidischen Krieg darstellte. Obwohl Marius Sulla vorwarf, jener schm√ľcke sich zu Unrecht mit dem Ruhm des Sieges, blieb eine ernsthafte Auseinandersetzung aufgrund des sich ank√ľndigenden Bundesgenossenkrieges zun√§chst aus.

      Marcus Livius Drusus hatte sich 91 v. Chr. zum Volkstribunen w√§hlen lassen, um sich der Probleme der so vielfach benachteiligten Italiker anzunehmen und ihnen das B√ľrgerrecht zu verschaffen. Ferner sollten die Geschworenengerichte wieder formell dem Senat zugeordnet und mit 300 Rittern aufgef√ľllt werden. Daneben wollte er alte populare Forderungen durchsetzen, wie die Verbilligung der Getreideverteilungen an r√∂mische B√ľrger, neue Ansiedlungen und die Gr√ľndung von Kolonien. Der Senat und die Anh√§nger der Nobilit√§t widersetzten sich diesem Vorhaben auf das Sch√§rfste. Schlie√ülich erkl√§rte der Konsul Lucius Marcius Philippus die Gesetze f√ľr rechtswidrig. Wenig sp√§ter wurde Drusus ermordet.

      Der Tod des Drusus f√ľhrte zum Ausbruch des Bundesgenossenkrieges. Sulla trat als Legat im Heer des Lucius Iulius Caesar an, wobei er den Kampf gegen die Samniten, die eine der Hauptrollen in diesem Konflikt spielten, wie seine Vorfahren zu seiner pers√∂nlichen Sache machte. Roms Feldherrn erlitten zahlreiche Misserfolge. So gelang es Marcus Claudius Marcellus nicht, die Stadt Venafrum daran zu hindern, von Rom abzufallen. Auch Sulla war nicht vor Fehlschl√§gen gefeit, als er von den Samniten und ihren Verb√ľndeten √ľberrascht wurde und sich mit seinem Heer zur√ľckziehen musste. Die r√∂mischen Misserfolge bewegten abgesehen von Nuceria und Accerae zahlreiche St√§dte zum Abfall von Rom. Angesichts der sich zuspitzenden Lage brachte Lucius Iulius Caesar, der im Sp√§therbst 90 v. Chr. nach Rom zur√ľckgekehrt war, die lex Iulia de civitate sociis danda ein, mit der allen bislang treu gebliebenen Bundesgenossen das r√∂mische B√ľrgerrecht zugesprochen wurde.

      Um die Aufst√§ndischen f√ľr die r√∂mische Sache zu gewinnen, brachten die Volkstribunen Marcus Plautius Silvanus und Gaius Papirus Carbo bald nach ihrem Amtsantritt im Jahre 89 v. Chr. die lex Plautia Papiria ein, durch die alle Aufst√§ndischen, die sich binnen 60 Tagen meldeten, das B√ľrgerrecht erhielten. Im selben Jahr ordnete sich die milit√§rische F√ľhrung neu. Sulla √ľbernahm das milit√§rische Kommando von Lucius Iulius Caesar, der zum Censor gew√§hlt wurde, w√§hrend Marius aufgrund seines Alters und seiner geringen Entschlussfreudigkeit bei der Kriegsf√ľhrung durch Lucius Porcius Cato ersetzt wurde. Durch Sullas Eroberungen der Orte Stabiae und Herculaneum war er in die Lage versetzt, die stark befestigte Stadt Pompeji anzugreifen. Der Befehlshaber des Bundesheeres Gaius Papius Mutilus schickte ein Entsatzheer unter der Leitung von Lucius Cluentius gegen die Truppen Sullas. In der folgenden Schlacht wurde Cluentius vernichtend geschlagen. F√ľr seine milit√§rischen Erfolge verlieh das Heer Sulla den Graskranz. Pompeji, das nun keine Hilfe von au√üen zu erwarten hatte, ergab sich im Herbst des Jahres 89 v. Chr. Schlie√ülich nahm Sulla Bovianum, die Hauptstadt der Samniten, ein.

      Seine milit√§rischen Erfolge im B√ľrgerkrieg und seine gute Kenntnis Kilikiens bef√§higten Sulla f√ľr den Krieg gegen Mithridates VI. von Pontos, und er wurde daher problemlos im Jahre 88 v. Chr. zum Konsul gew√§hlt, zusammen mit Quintus Pompeius Rufus, dessen gleichnamiger Sohn Sullas Tochter aus erster Ehe geheiratet hatte. Nach seiner Wahl verband Sulla sich mit der m√§chtigen Familie der Meteller, indem er sich von seiner dritten Frau Cloelia wegen Unfruchtbarkeit trennte und in vierter Ehe Caecilia Metella Dalmatica heiratete, die Witwe des Marcus Aemilius Scaurus, der zu den f√ľhrenden K√∂pfen der Republik z√§hlte. Aus Sicht der Meteller war eine Verbindung mit Sulla interessant, da er dank seiner milit√§rischen F√§higkeiten ein Gegengewicht zu Marius und den Popularen bildete. Durch das Konsulat erhielt Sulla per Los die Provinz Asia und damit den Oberbefehl im Krieg gegen Mithridates.

      F√ľr seine Kriegspl√§ne ben√∂tigte Sulla Finanzmittel. Daneben war der Bundesgenossenkrieg noch nicht vollst√§ndig erloschen und Sulla sah sich gezwungen, erneut die Belagerung von Nola aufzunehmen, in deren Verlauf er auch das samnitische Lager eroberte. Doch die Neub√ľrgerfrage zwang Sulla dazu, nach Rom zur√ľckzukehren.

      Publius Sulpicius Rufus nahm sich der Interessen der Bundesgenossen an und wollte die Neub√ľrger sowie Freigelassenen, die auf r√∂mischer Seite gek√§mpft hatten, in die bereits bestehenden 35 Tribus eingliedern. Der Senat hingegen wollte die Neub√ľrger eigenen Tribus mit ungleichem Stimmrecht zuweisen. Weiterhin forderte Sulpicius nicht nur die Ausschlie√üung √ľberschuldeter Senatsmitglieder, sondern auch, Sulla das Kommando im Mithridatischen Krieg zu entziehen und dem mittlerweile als Privatmann lebenden Popularen Marius zu √ľbertragen.

      Die Konsuln Sulla und Pompeius Rufus versuchten vergeblich, durch einen religi√∂s begr√ľndeten Gesch√§ftsstillstand die Abhaltung einer Volksversammlung, in der √ľber die Gesetze des Sulpicius abgestimmt werden sollte, zu verhindern. Es kam zu Tumulten. Beide Konsuln mussten fliehen. Sulla suchte Schutz im Haus des Marius und musste unter Gewaltandrohung den sulpicischen Gesetzen zustimmen. Er zog sich daraufhin zu seinem Heer, das schon im Bundesgenossenkrieg unter seinem Kommando stand, nach Nola zur√ľck. Unterdessen hatte Marius durch Sulpicius' Initiative den Oberbefehl √ľber dieses Heer f√ľr den Krieg gegen Mithridates erhalten. Als zwei Milit√§rtribunen Sullas Heer bei Nola gem√§√ü dem Beschluss der Volksversammlung √ľbernehmen wollten, wurden sie von Sullas Soldaten gesteinigt. Sulla soll zuvor seine Soldaten in einer Rede daran erinnert haben, dass Marius mit einem anderen Heer in den Krieg ziehen und ihnen selbst, die im Bundesgenossenkrieg treu gedient h√§tten, die reiche Beute im Osten vorenthalten k√∂nne. Nach dem Tod der Milit√§rtribunen appellierten seine Soldaten an Sulla, gegen Rom zu marschieren, woraufhin abgesehen von einem Qu√§stor alle Offiziere die Gefolgschaft versagten. Sulla f√ľhrte somit als erster R√∂mer (seit dem sagenhaften Coriolanus) ein Heer gegen die Hauptstadt.

      Die Stadt Rom mit ihren weitgehend veralteten Verteidigungsanlagen konnte einem so gro√üen Heer, das Sulla in mehrere Gruppen zum Angriff gegliedert hatte, kaum Widerstand leisten. Die Einnahme Roms stellte Sulla als Rettung des Staates dar. Er befahl dem Senat, zw√∂lf Personen der politischen und milit√§rischen F√ľhrung der Popularen zu Staatsfeinden zu erkl√§ren und zur Fahndung und Hinrichtung auszurufen, obgleich er, ohne das Volk zu fragen und Geschworene einzusetzen, nicht dazu befugt war. Auch das Provokationsrecht wurde den Verfolgten verwehrt. S√§mtliche Gesetze und Anordnungen des Sulpicius wurden annulliert. Dieser selbst wurde ergriffen und get√∂tet, w√§hrend es Marius gelang, in die Provinz Africa zu entkommen.

      Sulla brachte nun einige Gesetze zur Verabschiedung, um den Senat als letzte Entscheidungsinstanz zu installieren und den Einfluss des Volkstribunats zu beschneiden. So musste der Senat seine Zustimmung zu Gesetzesvorlagen der Volkstribune geben, Entscheidungsfindungen wurde von den Tributkomitien zu den Centuriatskomitien verlagert. Damit wurde nicht nur der Einfluss der Ritter und Senatsangeh√∂rigen bei Wahlen und Abstimmungen ma√ügeblich erh√∂ht, sondern auch ein nach heftigen Auseinandersetzungen im Jahr 241 v. Chr. verabschiedetes Abstimmungsverfahren kurzerhand zur√ľckgenommen. Der Senat wurde zudem um 300 optimatische Mitglieder erweitert. Neben diesen drei von Appian erw√§hnten Gesetzen wird noch ein Gesetz √ľber die Anlage von Kolonien und ein Schuldengesetz genannt.

      Sullas weiteres Vorgehen war wohl provisorischer Natur, da ein sofortiges Handeln gegen Mithridates unbedingt erforderlich war, um die Glaubw√ľrdigkeit Roms im Osten zu wahren. Allerdings erkannte er, dass die politischen Strukturen einer zeitintensiven Neuordnung bedurften. Auch auf Druck seiner Anh√§nger lie√ü Sulla Konsulwahlen f√ľr das Jahr 87 v. Chr. durchf√ľhren, die allerdings seine sinkende Popularit√§t beim r√∂mischen Volk und bei seinen Anh√§ngern zeigten. Denn neben dem von Sulla favorisierten Gnaeus Octavius setzte sich mit Lucius Cornelius Cinna ein erkl√§rter Anh√§nger des Sulpicius durch. Im Scheitern des Versuchs, das Heer des Prokonsuls Gnaeus Pompeius Strabo an seinen Amtskollegen Quintus Pompeius Rufus √ľbergeben zu lassen, spiegelte sich gleicherma√üen Sullas sinkender R√ľckhalt, da Pompeius Rufus wenige Tage nach √úbernahme der Befehlsgewalt von den Soldaten get√∂tet wurde. Im Konflikt mit Cinna begn√ľgte sich Sulla mit dessen Eid, keine feindseligen Handlungen zu begehen, und setzte als Prokonsul mit seinem Heer von Brundisium nach Epirus √ľber.

      Cinna brach seinen Eid und holte die Gesetzesinitiative des Sulpicius √ľber die Zuweisung der Neub√ľrger in die Tribus wieder hervor. Sein Mitkonsul Octavius mobilisierte das Volk gegen die Pl√§ne Cinnas. In Stra√üenschlachten unterlagen die Anh√§nger Cinnas denen des Octavius, und Cinna wurde zum hostis, zum Staatsfeind, erkl√§rt. Er floh √ľber Praeneste nach Nola, wo er durch hohe Bestechungssummen die Truppen und die Neub√ľrger f√ľr seine Sache gewinnen konnte und den greisen Marius aus dem nordafrikanischen Exil zur√ľckrief.

      Gegen Ende des Jahres 87 v. Chr. nahmen Cinna und Marius Rom ein. Dem sich anschließenden Terror fiel eine ganze Reihe von Aristokraten zum Opfer, so wurde Octavius ebenso wie Marcus Antonius ermordet, während Quintus Lutatius Catulus der Rachsucht des Marius durch Selbstmord entging. Sullas Frau Caecilia Metella konnte sich mit Aemilia Scaura, ihrer Tochter aus erster Ehe, und den neugeborenen Zwillingen Cornelia Fausta und Faustus Cornelius Sulla nach Griechenland in das Feldlager ihres Gatten absetzen. Sullas Haus wurde zerstört, sein Besitz eingezogen und er selbst geächtet. Das Siegesmonument auf dem Kapitol wurde dem Erdboden gleichgemacht.

      Im Jahr 86 v. Chr. wurden Cinna und Marius zu Konsuln gew√§hlt. Marius konnte sein siebtes Konsulat noch antreten, bevor er wenige Tage sp√§ter einer Lungenentz√ľndung erlag und durch Lucius Valerius Flaccus ersetzt wurde. Cinna wurde f√ľr die n√§chsten drei Jahre zur m√§chtigsten Pers√∂nlichkeit in Rom: Gesetze wurden nicht mehr durch Einberufung der Volksversammlung, sondern durch Cinnas Entscheidung erlassen. Seine Mitkonsuln ernannte Cinna direkt. Er selbst bekleidete das Konsulat ununterbrochen von 87 bis 84 v. Chr. Aber Cinna wusste, dass seine Zukunft vom Ergebnis der K√§mpfe Sullas im Osten abhing. Er lie√ü ein zwei Legionen starkes Heer aufstellen und unter dem Befehl des Valerius Flaccus im Sommer 86 v. Chr. nach Griechenland schicken. Nachdem Flaccus von seinen Truppen ermordet worden war, setzte dessen Nachfolger Gaius Flavius Fimbria seine Operationen gegen Mithridates unabh√§ngig von Sulla fort. Cinna selbst wurde 84 v. Chr. von meuternden Verb√§nden in Ancona erschlagen.

      Mithridates VI., K√∂nig von Pontos, setzte die Expansionspolitik seines Vaters zielstrebig und in noch gr√∂√üeren Rahmen fort. Da die Bewohner der Provinz Asia von der r√∂mischen Verwaltung ausgebeutet wurden und der Bundesgenossenkrieg sowie der B√ľrgerkrieg die r√∂mische Schlagkraft l√§hmten, sah Mithridates den Zeitpunkt gekommen, seine Gro√üoffensive zu beginnen. Zur Rechtfertigung ernannte er sich zum Befreier der Griechen vom r√∂mischen Joch. Um seine Kriegskassen zu f√ľllen, befahl Mithridates per Erlass die Ermordung aller Italiker und R√∂mer. 80.000 Italiker und R√∂mer verloren durch diesen Blutbefehl von Ephesos ihr Leben. Der Bruch mit Rom war damit endg√ľltig. Mithridates VI. bot zu Anfang des Jahres 88 v. Chr. ein Heer von 250.000 Infanteristen, 40.000 Reitern und 130 Sichelwagen auf. Es bestand aus unkoordinierten, ethnisch nicht homogenen Verb√§nden.

      Im Fr√ľhjahr des Jahres 87 v. Chr. setzte Sulla mit f√ľnf Legionen und einer kleinen Zahl an Reitern nach Epirus √ľber. Sulla zog langsam durch √Ątolien nach Thessalien, um die abgefallenen griechischen St√§dte durch die Pr√§senz eines gro√üen Heeres zur Aufgabe zu bewegen. Noch vor dem Sommer 87 v. Chr. hatte Sulla weite Teile Griechenlands wieder unter Kontrolle und zwang die Kommandeure des Mithridates, Aristion und Archelaos, dazu, sich nach Athen und Peiraieus zur√ľckzuziehen. Ein erster Angriff Sullas auf die pontische Basis Peiraieus scheiterte jedoch. Um die Stadt einnehmen zu k√∂nnen, lie√ü Sulla einen Belagerungsring um den Peiraieus ziehen. Auf weniger Widerstand traf Sulla in Athen, wo er erfuhr, dass ein Mauerabschnitt nicht mehr ausreichend besetzt war. Durch diese Bresche konnten die Truppen Sullas im M√§rz 86 v. Chr. ungehindert in die Stadt eindringen. Aristion gelang die Flucht. Erst als einigen r√∂mischen Senatoren das Morden und Pl√ľndern der Stadt zu weit ging, gebot Sulla seinen Soldaten Einhalt.

      In der Zwischenzeit drang das populare Heer unter Fimbria weiter nach Kleinasien vor, unterwarf einzelne Verb√§nde des Mithridates von Pontos und pl√ľnderte Ilion. Es gelang Fimbria sogar, Mithridates selbst bei Pitane einzuschlie√üen, doch auf Anweisung Sullas lie√ü der Flottenkommandant Lucullus ihn zur See entkommen.

      Nachdem Athen eingenommen war, gelang Sulla schlie√ülich mit einer gr√∂√üeren Truppenanzahl unter erheblichen r√∂mischen Verlusten auch die Eroberung des Peiraieus. Damit konnte er die Operationsbasis der pontischen Truppen auf dem griechischen Festland unter seine Kontrolle bringen. Im Fr√ľhjahr und im Herbst des Jahres 86 v. Chr. trat Sulla den pontischen Truppen bei Chaironeia und Orchomenos entgegen. In beiden Schlachten lie√ü er breite Gr√§ben ziehen, welche die pontische Kavallerie und die Kampfwagen behindern sollten. Dank seiner gro√üen milit√§rischen Erfahrung und der Disziplin in seinem Heer konnte Sulla den zahlenm√§√üig √ľberlegenen Feind in erbitterten K√§mpfen schlagen.


      Mit der Schlacht von Orchomenos war die r√∂mische Herrschaft √ľber die griechischen Stadtstaaten verteidigt. Die Reste des pontischen Heeres befanden sich in Eub√∂a und Chalkis. Da Sulla jedoch √ľber keine Flotte verf√ľgte, war es ihm nicht m√∂glich, Eub√∂a einzunehmen. Unter diesen Umst√§nden h√§tte eine Fortf√ľhrung des Krieges gegen Mithridates in Kleinasien und besonders in dessen pontischer Basis Jahre dauern k√∂nnen und Sulla somit aus Rom ferngehalten. Andererseits bildete sich in vielen kleinasiatischen St√§dten eine entschiedene Opposition gegen Mithridates, die Rom f√ľr sich nutzen konnte. In dieser Pattsituation wurde der Krieg durch den Friedensvertrag von Dardanos im Jahr 85 v. Chr. beendet. Sulla gew√§hrte dem pontischen Herrscher einen g√ľnstigen Frieden: Er hatte seine Eroberungen aufzugeben, 2.000 Talente zu zahlen und 70 voll ausger√ľstete Kriegsschiffe zu √ľbergeben. Mithridates wurde dabei sogar durch Umarmung und Kuss als r√∂mischer Bundesgenosse geehrt, w√§hrend Sulla von den St√§dten in Asia, die sich jenem angeschlossen hatten, 20.000 Talente forderte.

      Besonders hart wurde Ephesos bestraft, das Mithridates zu bereitwillig gefolgt war. Die Stadt verlor Teile ihres Territoriums, die Anf√ľhrer der antir√∂mischen Partei wurden hingerichtet und die Stadt gebrandschatzt. Klazomenai, Milet und Phokaia verloren ihre Freiheit, und auch Pergamon, die Residenz des pontischen K√∂nigs, hatte schwer unter Sulla zu leiden. Neben den Gewaltma√ünahmen Sullas wurden die St√§dte auch finanziell stark belastet. Zun√§chst quartierte Sulla sein Heer in den St√§dten ein und verpflichtete diese, f√ľr den Unterhalt der Soldaten zu sorgen. Der gew√∂hnliche Soldat kostete die B√ľrger pro Tag 16 Drachmen, ein Centurio erhielt eine L√∂hnung von 50 Drachmen pro Tag. Weiterhin mussten die St√§dte zun√§chst binnen eines Jahres die r√ľckst√§ndigen Steuern f√ľr die Jahre 88\endash 84 v. Chr. zahlen. Dar√ľber hinaus mussten die kleinasiatischen St√§dte die Kosten f√ľr den Krieg und die Reorganisation der Provinz √ľbernehmen, die mit 20.000 Talenten veranschlagt wurden. So massiv Sulla die griechischen St√§dte strafte, die am Krieg gegen Rom teilgenommen hatten, so gro√üz√ľgig wurden die loyalen St√§dte belohnt. Ilion, Chios und Gemeinden in Lykien sowie Rhodos wurden mit erheblichen Privilegien bedacht.

      Nach der Neuordnung Kleinasiens zog Sulla gegen Fimbria und traf ihn bei Thyateira. Sulla forderte ihn auf, ihm sein Heer zu √ľbergeben, da er sein Kommando nicht rechtm√§√üig innehabe. Als Fimbria im Gegenzug die Legalit√§t der Befehlsgewalt Sullas in Zweifel zog, lie√ü Sulla die Belagerung von Thyateira vorbereiten. Die Gr√∂√üe seines Heeres und sein Ansehen veranlassten die Soldaten Fimbrias, in Sullas Lager √ľberzulaufen. Fimbria, der seine Soldaten nicht mehr zur Treue anhalten konnte und dessen Mordversuch an Sulla scheiterte, floh nach Pergamon, wo er Selbstmord beging.

      Nach dem Friedensschluss von Dardanos und seinem Sieg √ľber das populare Heer des Fimbria, aber auch dank des Besitzes gro√üer Geldsummen und Ressourcen, welche die Loyalit√§t des Heeres zum Feldherrn sicherten, war es Sulla nunmehr m√∂glich, sich mit dem innenpolitischen Gegner auseinanderzusetzen.

      Laut Appian hatte das Heer, mit dem Sulla sich Anfang 83 v. Chr. auf angeblich 1.600 Kriegsschiffen nach Brundisium einschiffen lie√ü, eine St√§rke von 40.000 Mann. Die gegnerischen Befehlshaber, der Prokonsul Papirius Carbo sowie die amtierenden Konsuln des Jahres 83 v. Chr., Gaius Norbanus und Lucius Cornelius Scipio Asiagenus, leisteten mit ihren Streitkr√§ften mit 100.000 Soldaten bei der Landung Sullas keinen Widerstand. Damit vergaben sie die M√∂glichkeit, den Invasoren schon in Kalabrien, Apulien und Lukanien entgegenzutreten und noch w√§hrend deren Formierung in Sullas Angriffsverb√§nde hineinzusto√üen. Viele Soldaten liefen zu Sullas Heer √ľber. Einen Heeresverband aus Africa bot Marcus Licinius Crassus auf, der sp√§tere Triumvir und reichste Mann Roms, und auch Gaius Verres, Gnaeus Pompeius Magnus sowie Lucius Sergius Catilina schlossen sich der Sache Sullas an. Selbst ehemalige Gegner suchten ihr Heil im √úberlaufen, so Publius Cornelius Cethegus, der Konsular Lucius Marcius Philippus und der Ritter Quintus Lucretius Ofella.

      In Rom organisierten die Konsuln des Jahres 84 v. Chr., Lucius Cornelius Scipio Asiagenes und Gaius Norbanus, den Abwehrkampf gegen Sulla. Zum ersten gr√∂√üeren Gefecht kam es im Fr√ľhjahr 83 v. Chr. beim Berg Tifata n√∂rdlich von Capua. In der folgenden Schlacht unterlag Norbanus und musste sich mit den Resten seines Heeres nach Capua zur√ľckziehen. Auch von anderen Fronten wurden Sulla g√ľnstige Nachrichten gemeldet. Pompeius hatte in Picenum seine Truppen verst√§rken und in mehreren Schlachten populare Heere schlagen k√∂nnen, darunter das Heer des Carbo bei Ariminum, das eine zentrale Stellung in der Gallia cisalpina besetzt hatte. Indes verlor Scipio sein Heer durch Desertation, und Crassus konnte im Stammesgebiet der Marser Rekrutierungen f√ľr Sullas Heer durchf√ľhren. Neben dem Mangel an Soldaten stand die populare F√ľhrung vor finanziellen Problemen, da die lange Kriegsperiode die Staatskassen geleert hatte und nunmehr die Tempelsch√§tze zur Finanzierung des Krieges herangezogen werden mussten.

      Im Jahr 82 v. Chr. wurden Carbo und Gaius Marius der J√ľngere zu Konsuln gew√§hlt, da man sich von ihnen neue Akzente in den K√§mpfen gegen Sulla erhoffte. Der j√ľngere Marius trat Sulla bei Sacriportus gegen√ľber und wurde in der folgenden Schlacht in der N√§he von Signia geschlagen und nach Praeneste zur√ľckgedr√§ngt. Mit der Blockade der Stadt wurde Quintus Lucretius Ofella beauftragt, die K√§mpfe breiteten sich vor allem in Etrurien bis nach Gallien aus. In zahlreichen weiteren Gefechten konnten sich die sullanischen Befehlshaber Crassus, Metellus und Pompeius durchsetzen. Durch die erlittenen Niederlagen gaben Carbo und Norbanus auf und flohen, Carbo nach Africa und Norbanos nach Rhodos. Die f√ľhrerlos gewordenen Verb√§nde l√∂sten sich auf oder wurden von Pompeius vernichtet.

      Die Samniten und Lukaner, Verb√ľndete der Popularen, erkannten, dass sie nun ernsthaft gef√§hrdet waren. Sie marschierten von ihrer Stellung in Praeneste aus nach Rom und bezogen in der N√§he der Porta Collina ein Lager. Sulla, der die feindlichen Bewegungen beobachte, zog nach Rom und trat ihnen an der Porta Collina gegen√ľber. In erbitterten K√§mpfen brach der linke Fl√ľgel unter der F√ľhrung Sullas ein, und es blieb Sullas einziger Erfolg, die demoralisierten Truppen im Lager zu sammeln. Hingegen konnte der rechte Fl√ľgel unter Crassus einen vollst√§ndigen Sieg erringen und die Samniten und Lukanier bis nach Antemnae zur√ľckwerfen.

      Aufgrund von Sullas milit√§rischer √úberlegenheit kamen die versammelten Senatoren nicht umhin, ihn in seinem prokonsularischen Amt zu best√§tigen. Zugleich wurden alle Beschl√ľsse Sullas im Osten und alle seine Ma√ünahmen gegen innenpolitische Gegner gebilligt. Am 3. November wurden auf dem Marsfeld in Rom mehrere Tausend Samniten eingeschlossen und durch Speerw√ľrfe get√∂tet. Die Abschlachtung der Gegner auf dem sakralen Grund des Marsfeldes k√∂nnte religi√∂s motiviert und somit als Menschenopfer gedacht gewesen sein, das erst wenige Jahre zuvor offiziell verboten worden war.Wenige Jahre zuvor hatte Marius innenpolitische Gegner rituell t√∂ten lassen, sp√§ter sollten Caesar und Augustus dies in B√ľrgerkriegssituationen wiederholen. Nach dem Sieg Sullas an der Porta Collina war Praeneste als letzte Basis der Popularen unter dem Befehl des j√ľngeren Marius nicht mehr zu halten. Marius selbst w√§hlte nach einem gescheiterten Fluchtversuch den Freitod. Die Eingeschlossenen in Praeneste, die schlie√ülich kapitulierten, wurden meist umgebracht, die Stadt gepl√ľndert.

      Durch den Tod der beiden Konsuln Gaius Marius des J√ľngeren und Gnaeus Papirius Carbo im Jahr 82 v. Chr. war der Staat seiner F√ľhrung beraubt. Als ordnendes Organ gab es f√ľr diesen Fall das Amt des Interrex (‚ÄěZwischenk√∂nig"), in dessen Verantwortung es lag, schnellstm√∂glich Konsulatswahlen durchzuf√ľhren. F√ľr Sulla war es entscheidend, dass der gew√§hlte Interrex seine Interessen vollst√§ndig bedienen w√ľrde. In der Senatssitzung vom 5. November verhalf Sulla aus diesem Grund Lucius Valerius Flaccus zum Amt des Interrex. In einem Brief, der einzig von Appian √ľberliefert ist, teilte Sulla dem Interrex Flaccus mit, dass derjenige, der gew√§hlt werden w√ľrde, solange im Amt bleiben d√ľrfe, bis die Verh√§ltnisse in Rom und Italien neu geordnet seien. Zum Ende des Briefes erkl√§rte Sulla sich bereit, dieses wichtige Amt zu √ľbernehmen.

      W√§hrend dieser Vorg√§nge hielt Sulla sich au√üerhalb Roms auf, um den Schein aufrechtzuerhalten, das Volk w√§hle die Diktatur freiwillig. Der Interrex war schon aufgrund des vor√ľbergehenden Charakters seines Amtes nicht dazu bef√§higt, eine politische Ausnahmegewalt ohne zeitliche Begrenzung zu schaffen. Deshalb brachte der Interrex vor der Volksversammlung mit der lex Valeria ein Gesetz zur Einrichtung der Diktatur ein. Nach der Annahme des Gesetzes durch die Volksversammlung wurde Sulla von dem Interrex Lucius Valerius Flaccus zum dictator ernannt. Die lex Valeria regelte Kompetenz und Dauer des Amtes. Hinsichtlich der Kompetenz √ľberliefert Appian das, was im Lateinischen als legibus scribundis et rei publicae constituendae (‚ÄěGesetze zu geben und den Staat zu ordnen") bekannt ist, hinsichtlich der Dauer der Diktatur, dass sie zeitlich unbeschr√§nkt war.

      Kritik an dieser nicht mit altem r√∂mischen Recht zu vereinbarenden Amtsbefugnis strafte Sulla selbst in der eigenen Familie hart. So zwang er 82 v. Chr. seine jungverheiratete und schwangere Stieftochter Aemilia Scaura zur Scheidung, weil ihr Ehemann Manius Acilius Glabrio sich kritisch √ľber seine Politik ge√§u√üert hatte, und verheiratete sie mit seinem Proteg√© Pompeius.

      Sulla hat sein zuk√ľnftiges Handeln vor und w√§hrend seiner Diktatur durch unvergleichliche Ehrungen zu legitimieren versucht. Dazu z√§hlt die Verleihung des Cognomens Felix an Sulla. Umstritten ist die genaue Datierung der Verleihung: Appian √ľberliefert, Sulla habe den Beinamen noch vor seiner Ernennung zum Diktator erhalten; nach Plutarch dagegen soll sich Sulla diesen Beinamen als Diktator per Edikt zugelegt haben. Mit dem Cognomen Felix wollte Sulla seine Diktatur mehr als die logische Konsequenz g√∂ttlichen Willens verstanden wissen und weniger als das Resultat eines planm√§√üig darauf gerichteten Handelns. Da ihm von den G√∂ttern die felicitas gegeben wurde, sollte er imstande sein, das Gemeinwesen zu retten und den Staat zu festigen. Weiterhin konnte er durch diesen Beinamen nicht nur auf zur√ľckliegende milit√§rische, sondern auch auf noch zu erbringende innenpolitische Leistungen anspielen, die infolge seines ‚ÄěGl√ľcks" absehbar wurden. Als Schutzg√∂ttin Roms wurde Felicitas wegen ihrer Verantwortung f√ľr die Gr√∂√üe und Sicherheit der res publica seit der K√∂nigszeit verehrt. Diese Selbsteinsch√§tzung als G√ľnstling des g√∂ttlichen Gl√ľcks hatte sich auch in der Namensgebung seiner vor 86 v. Chr. geborenen Zwillinge aus vierter Ehe niedergeschlagen, deren Beinamen Fausta und Faustus ebenfalls ‚Äěgl√ľcklich" bedeuten.

      Als weitere Ehrung lie√ü Sulla eine goldene Reiterstatue auf dem Forum aufstellen; diese Auszeichnung wurde auch auf M√ľnzbildern verbreitet. Jene Statue wurde in der N√§he der Standbilder des Diktators Marcus Furius Camillus und des Samnitensiegers im 4. Jahrhundert v. Chr., Quintus Marcius Tremulus, errichtet. Formal wurde diese Ehrung mit dem Sieg √ľber die Samniten vor der Porta Collina begr√ľndet, wobei Material, Gestus und der traditionsreiche Standort der Statue Sullas F√ľhrungsanspruch unterstreichen sollten.

      Ende Januar des Jahres 81 v. Chr. feierte Sulla einen Triumphzug √ľber Mithridates VI., der zugleich als Triumph √ľber die im B√ľrgerkrieg besiegten Gegner verstanden werden konnte \endash ein bis dahin einmaliger Vorgang, wurde der kultisch gebundene und durch Rituale gepr√§gte Triumph doch nur f√ľr einen Sieg in einem gerechten Krieg, einem bellum iustum, gew√§hrt. Der Triumph war ebenso wie die anderen Ehrungen Teil von Sullas propagandistischem Konzept, da Mithridates in der Schlacht weder √ľberwunden noch im Triumph mitgef√ľhrt wurde. Mit dem Triumph wurde dem r√∂mischen Volk allerdings suggeriert, dass das Abkommen mit dem pontischen Herrscher einem Sieg gleichzusetzen war.Durch den Triumph wurde Sulla vom Volk als ‚ÄěRetter und Vater" gepriesen.

      Auch lenkte der Triumph von den laufenden Proskriptionen ab und pr√§sentierte der Bev√∂lkerung die reiche Beute des Krieges. Trotz aller Ehrungen wusste Sulla allerdings, dass das r√∂mische Volk, die plebs urbana, wankelm√ľtig war und keineswegs hinter seiner Politik stehen w√ľrde. Er erinnerte sich, welchen Nutzen er in fr√ľherer Zeit aus der Durchf√ľhrung der ludi Apollinares gezogen hatte. Damals hatte Sulla gro√üz√ľgig die Spiele gefeiert, um Pr√§tor zu werden. So setzte er auch jetzt die Spiele f√ľr seine Zwecke ein und lie√ü die ludi victoriae Sullanae abhalten, die, was ein Novum war, nicht nur einmal, sondern in Zukunft j√§hrlich in der Zeit vom 26. Oktober bis zum 1. November gefeiert werden sollten. Um das r√∂mische Volk zu begeistern, wurden diese Spiele besonders aufw√§ndig zelebriert und Sulla soll sich au√üerordentlich spendabel gezeigt haben. Er lie√ü Speisen und Getr√§nke im √úberfluss heranschaffen, so dass man sp√§ter die √úberreste in den Tiber werfen musste.. Sulla wollte mit diesen Spielen gleicherma√üen an seine Siege √ľber die Italiker und Mithridates VI. erinnern.

      Der sp√§tere Diktator Caesar war als Verwandter des Marius von den Proskriptionen betroffen und wurde erst durch die Vermittlung der Vestalinnen und der Freunde Sullas begnadigt. Sp√§ter distanzierte er sich mit seiner Politik der clementia deutlich von der Politik Sullas.Bereits vor seiner Ernennung zum Diktator hatte Sulla die Proskriptionen eingeleitet. Die rechtliche Grundlage der Proskriptionen wurde mit der lex Valeria, die auch die Ernennung Sullas zum Diktator regelte, nachtr√§glich geschaffen. Sie enthielt sowohl die Billigung der bereits erfolgten Proskriptionen als auch die Erm√§chtigung zur Weiterf√ľhrung der Massent√∂tung politischer Gegner.

      Als eine seiner ersten Amtshandlungen als Diktator brachte Sulla Ende Dezember ein Gesetz ein, das die Rechtsfolgen der Proskriptionen im Einzelnen regeln sollte. Inhaltlich bestimmte das Gesetz, dass die Proskribierten von jedermann getötet werden durften. Auf den Kopf eines Proskribierten wurde eine Belohnung von 12.000 Denaren ausgesetzt. Die Hilfeleistung an einen Proskribierten stand unter Todesstrafe.

      Die Proskriptionen endeten am 1. Juni 81 v. Chr. Die Zahl der Get√∂teten beziffert die √úberlieferung auf 4.700 r√∂mische B√ľrger. Die listenm√§√üige Erfassung bot keine Rechtssicherheit, da die Listen nicht kontrolliert und somit beliebig erg√§nzt wurden. Auch Personen, die einem Raubmord zum Opfer gefallen waren, wurden nachtr√§glich auf die Liste gesetzt.

      Den verstorbenen Marius sah Sulla als Hauptverantwortlichen f√ľr die ihm widerfahrene Dem√ľtigung an. Das Grab des Marius wurde gesch√§ndet und seine sterblichen √úberreste in den Anio geworfen. Die Siegesmonumente des Marius lie√ü Sulla abrei√üen. Auch der sp√§tere Diktator Caesar wurde von Sulla verfolgt und erst durch die Vermittlungsversuche der Vestalinnen und der Freunde Sullas begnadigt. Die Verfolgung der politischen Gegner beschr√§nkte sich indes nicht nur auf ihre physische Vernichtung, vielmehr machte Sullas Rache auch nicht vor den Kindern und Enkeln der Ge√§chteten halt, welche die politischen Privilegien ihres Standes verloren; die gesamte Familie sollte aus dem politischen Leben ausgel√∂scht werden.

      Die Proskriptionen Sullas ver√§nderten auch die Eigentumsverh√§ltnisse. Die G√ľter der get√∂teten Proskribierten und Feinde Sullas wurden verkauft. Bei den Versteigerungen kam so viel Land unter den Hammer, dass die Preise ins Bodenlose fielen. Dadurch konnten Sullas Anh√§nger gro√üe Verm√∂genswerte und riesigen Landbesitz anh√§ufen. Einer der erfolgreichsten war Licinius Crassus, der durch die Proskriptionen zum reichsten R√∂mer aufstieg. Auch Chrysogonos, ein Freigelassener Sullas, bereicherte sich erheblich. Er konnte etwa die G√ľter des Sextus Roscius um den dreitausendsten Teil ihres Wertes erwerben. Wie aus der Verteidigungsrede des jungen Redners Marcus Tullius Cicero f√ľr Sextus Roscius hervorgeht, war auch in diesem Fall allein die Geldgier des Chrysogonos f√ľr Mord und Enteignung verantwortlich. Plutarch urteilte: ‚Äěund die aus Ha√ü und Feindschaft umgebracht wurden, waren nur eine verschwindende Minderzahl, verglichen mit denen, die wegen Geldes ermordet wurden; ja, die M√∂rder unterstanden sich, zu sagen, dem einen habe sein gro√ües Haus den Tod bereitet, dem sein Garten, einem anderen seine hei√üen B√§der." Insgesamt gelangten durch die Versteigerungen 350 Millionen Sesterzen in die Staatskasse.

      Sulla √ľbergab die Gerichtsh√∂fe f√ľr Straftatbest√§nde den Senatoren und schuf sieben neue quaestiones, die als st√§ndige Gerichtsh√∂fe tagen sollten. Er wandte sich strikt gegen jede Form der von Gaius Gracchus eingeleiteten Politisierung des Ritterstandes, die das Ziel verfolgt hatte, einen mit dem Senat rivalisierenden Stand aufzubauen. Vielmehr wollte Sulla loyale Angeh√∂rige des Ritterstandes in die F√ľhrungsschicht integrieren, indem er diese relativ gro√üz√ľgig in den Senat aufnahm.

      Die Schw√§chung des Senats infolge der im B√ľrgerkrieg und durch die Proskriptionen erlittenen Verluste, die im Widerspruch zu der tragenden Rolle stand, die dem Senat in Sullas Verfassungsentwurf zugedacht war, versuchte er durch eine Erh√∂hung der Anzahl der Senatoren von 300 auf 600 auszugleichen. Die Vergr√∂√üerung des Senates war auch notwendig, um gen√ľgend Senatoren f√ľr die Besetzung der Gerichtsh√∂fe verf√ľgbar zu haben. Nach der personellen Vergr√∂√üerung des Senates bestand das Gremium zu fast drei Vierteln aus politischen Neulingen, deren Familien nicht traditionell zu den f√ľhrenden der Republik geh√∂rten. Die √Ąnderungen Sullas waren eine epochale Umw√§lzung in der personalen Struktur des Senats, die bisher nicht vorgekommen war.

      Sulla ver√§nderte auch die Modalit√§ten der Aufnahme in den Senat. Bisher hatten die Zensoren anhand des Lebenswandels und der Verm√∂genslage √ľber die Aufnahme in den Senat entschieden und konnten dank der nota censoria (‚ÄěR√ľge der Zensoren") auch jemanden wieder aus dem Gremium entfernen. Da dieses Verfahren jedoch ein √§u√üerst subjektives Vorgehen war, bestimmte Sulla, dass der Zugang zum Senat automatisch erlaubt werden sollte, wenn der Kandidat die Qu√§stur bekleidete. Gleichzeitig erh√∂hte er die Zahl der Qu√§storen von etwa 10 auf 20. Da die Zensoren damit fast aller Kompetenzen beraubt waren, wurden in der Zeit von 86 bis 70 v. Chr. keine Amtstr√§ger mehr ernannt.

      Sulla ma√ü dem Konsulat eine wichtige Rolle zu. In seinem Verfassungswerk legte er die √Ąmterlaufbahn Qu√§stur \endash Pr√§tur \endash Konsulat verbindlich fest. Denn die Kandidaten hatten h√§ufig versucht, die Pr√§tur zu √ľberspringen, um das Konsulat schnellstm√∂glich zu erreichen und der unbeliebten Pr√§tur aus dem Weg zu gehen, f√ľr die eine Vielzahl von Spruchformeln und Gesetzen zu beherrschen war. Ein √úberspringen der Pr√§tur war nun nicht mehr m√∂glich. Daf√ľr wurde die Anzahl der j√§hrlichen Amtsinhaber der Qu√§stur und Pr√§tur erh√∂ht. Ferner legte Sulla das Mindestalter f√ľr die √Ąmter verbindlich fest. Die Qu√§stur als Eingangsamt konnte ab dem 30. Lebensjahr besetzt werden, die Pr√§tur ab dem 40. Lebensjahr und das Konsulat ab dem 43. Lebensjahr. Eine Wiederbewerbung um das Amt des Konsuls (Iteration) war erst nach 10 Jahren m√∂glich. Das erste Opfer dieser neuen Regelung war Quintus Ofella. Dieser hatte sich milit√§risch bei der Belagerung von Praeneste verdient gemacht und bewarb sich f√ľr das Konsulat, obwohl er weder die Qu√§stur noch die Pr√§tur bekleidet hatte. Als Ofella Sullas Veto nicht akzeptieren wollte, lie√ü der Diktator ihn t√∂ten.

      In der Provinzialverwaltung legte Sulla verbindlich fest, dass die beiden Konsuln und die nun auf acht Stellen vermehrten Pr√§toren ihren einj√§hrigen Dienst in der Hauptstadt versahen und im Anschluss als Prokonsuln bzw. Propr√§toren eine Statthalterschaft √ľbernahmen. Die Propr√§toren wurden dabei f√ľr ein Jahr mit der Statthalterschaft einer der kleineren Provinzen beauftragt. Sulla wollte einen Machtmissbrauch der Statthalter verhindern. Der Senat regelte daher die Verteilung der Provinzen. Die Statthalter mussten binnen 30 Tagen nach Eintreffen des Nachfolgers die Provinz verlassen. Ein √úberschreiten der Provinzgrenzen und damit eine nicht vom Senat gebilligte Kriegsf√ľhrung war ihnen ebenso verboten wie ein irregul√§res Verlassen des Aufgabenbereiches.

      Mit der St√§rkung des Senats schr√§nkte Sulla zugleich die Kompetenzen des Volkstribunats stark ein. Ab sofort verhinderte die √úbernahme der Position des Volkstribuns einen weiteren Aufstieg im System der Magistraturen, und die Volkstribunen mussten jeden Gesetzesantrag, den sie der Volksversammlung vorlegen wollten, vom Senat best√§tigen lassen. Auch konnten die Volkstribunen nicht mehr gegen jede staatliche Ma√ünahme ihr Veto einlegen, sondern nur noch dann, wenn ein B√ľrger Unterst√ľtzung gegen die Anordnung eines Magistraten brauchte. Durch diese Ma√ünahmen wurde das Volkstribunat wieder auf die Basis der direkten Hilfeleistung f√ľr die Mitb√ľrger beschr√§nkt, wie es zu Beginn der St√§ndek√§mpfe im 5. Jahrhundert v. Chr. der Fall war. Die Regelung sollte verhindern, dass politisch ehrgeizige und talentierte Bewerber das Volkstribunat als Plattform ihrer Politik missbrauchten. Nur sein \endash stark von einer optimatischen Einstellung gepr√§gter \endash Respekt vor den Institutionen der res publica und seine Angst vor Ausschreitungen der stadtr√∂mischen Bev√∂lkerung hinderten Sulla wohl an einer kompletten Abschaffung des Amtes

      Obwohl Sulla als Diktator legibus scribundis angetreten war, also √ľber Gesetzgebungskompetenz verf√ľgte, lie√ü er entsprechend der r√∂mischen Verfassung die Comitia Centuriata √ľber alle seine Leges Corneliae abstimmen

      Sulla traf zahlreiche Maßnahmen, um sein Reformwerk abzusichern. Er brachte viele politische Freunde in einflussreiche Positionen. Vor allem durch eine gezielte Heiratspolitik beabsichtigte Sulla, ganze Familien und ihre Macht an seine eigene Person zu binden. Diese Personen wurden wegen ihrer engen Bindung zum Diktator auch Sullani genannt.

      Die milit√§rische und soziale Absicherung sollte durch Veteranensiedlungen erfolgen. Nach Appian wurden 23 Legionen mit Land versorgt. Durch die Veteranensiedlungen wurden Sullas Soldaten f√ľr ihre Taten belohnt. Sulla verzichtete dabei weitgehend auf Koloniegr√ľndungen, da er seine Soldaten in jenen italischen St√§dten ansiedelte, die ihn bei seinem Eroberungszug bek√§mpft hatten. Die Soldaten wurden mit dem Land und den H√§usern der Gegner Sullas versorgt, die vertrieben, enteignet oder get√∂tet worden waren.Das Land wurde den Veteranen wohl nicht als Privateigentum (ager privatus optimo iure) √ľbergeben, sondern es besa√ü vermutlich den Rechtsstatus des ager publicus und unterlag somit einem Verkaufsverbot.

      Um das System weiter zu st√ľtzen, verlieh Sulla √ľber 10.000 jungen Sklaven der Proskribierten das B√ľrgerrecht. Sie trugen fortan seinen Namen und waren als Cornelii bekannt. Damit verf√ľgte Sulla √ľber zahlreiche Gefolgsleute unter der freien Bev√∂lkerung.

      Am Anfang des Jahres 79 v. Chr. legte Sulla vor der r√∂mischen Volksversammlung die Diktatur nieder. Er teilte seinen Entschluss dem versammelten Volk mit und erkl√§rte sich bereit, Rechenschaft abzulegen. √úber die konkreten Gr√ľnde der √Ąmterniederlegung gibt es in der Forschung nur Vermutungen: Karl Christ vermutete, dass Sulla die Personalquerelen unter seinen Anh√§ngern leid gewesen sei und diese zu einer innerlichen Machtverdrossenheit gef√ľhrt h√§tten. Laut Plutarch soll ihm einst ein Chald√§er vorausgesagt haben, er m√ľsse nach einem ruhmvollen Leben auf dem Gipfel des Gl√ľcks sterben, woraus Sulla nach Hans Volkmann die Mahnung herausgeh√∂rt habe, sein Werk so rasch wie m√∂glich zu beenden, wenn er noch Tage der Ruhe haben wolle.

      Nach der Abdankung verlie√ü Sulla gemeinsam mit seiner f√ľnften Ehefrau Valeria Rom, um auf seinem Besitz am Posillipo bei Puteoli noch einmal zu der freiz√ľgigen Lebensweise der Anfangsjahre zur√ľckzukehren. Neben der Jagd und dem Fischfang verfasste er dort in 22 B√ľchern seine Memoiren. Daneben beendete er die Auseinandersetzungen in Puteoli zwischen den Altb√ľrgern und den dort angesiedelten Veteranen, indem er der Stadt eine neue Verfassung gab. Im Jahr 78 v. Chr. starb Sulla an der Folge eines Blutsturzes. Auf Initiative des Konsuls Quintus Lutatius Catulus und des Pompeius wurde vom Senat das erste Staatsbegr√§bnis der sp√§ten R√∂mischen Republik beschlossen.

      Bereits acht Jahre nach seinem Tod wurden wichtige Gesetze Sullas wieder zur√ľckgenommen. So wurde die Gesetzesinitiative der Volkstribune in vollem Umfang wiederhergestellt. Das Volkstribunat, das seit den Gracchen vielfach Ausl√∂ser sozial motivierter Gewalt gewesen war und sich seitdem zu einem Machtinstrument popularer Politiker entwickelt hatte, stellte somit wieder eine Opposition zum Senat dar. Die ausschlie√üliche Bestellung der Gerichtsh√∂fe mit Senatoren wurde aufgehoben. Ebenfalls wurde die Zensur wiederhergestellt, wodurch Umstrukturierungen der Senatorenschicht erm√∂glicht wurden. Das dr√§ngende innenpolitische Problem der Veteranenversorgung l√∂ste Sulla zwar zu seinen Gunsten, schuf allerdings keine dauerhafte Regelung; denn das eingebrachte Verkaufsverbot, das den Zweck verfolgte, die Nutznie√üer der sullanischen Ordnung auf Dauer abzusichern, schlug fehl. Viele Veteranen gerieten in Schulden und fanden Mittel und Wege, das zugewiesene Land wieder zu ver√§u√üern.

      Sullas Reform der senatorischen √Ąmterlaufbahn hatte in gr√∂√üeren Teilen Bestand. Die Qu√§stur blieb als Eintritt zum Senat ebenso verbindlich wie die an die beiden h√∂chsten √Ąmter gekoppelte Statthalterschaft. Augustus nahm nur wenige Ver√§nderungen an der von Sulla √ľberkommenen Senatsordnung vor, und er reduzierte die Anzahl der Senatoren wieder auf 600, nachdem Caesar sie kurzfristig auf 900 erh√∂ht hatte. Sullas systematische Ordnung der Strafrechtspflege und einzelne seiner Gesetze wirkten bis weit in die Kaiserzeit.

      Das Bild Sullas in der Antike wurde durch seine Memoiren geprägt, die mit ihrer Selbstdarstellung und Rechtfertigung bis in das 2. Jahrhundert n. Chr. hinein wirkten. Allerdings verstärkte die von Caesar initiierte neue Aktivierung der Marianer alte antisullanischen Tendenzen. Diese gegensätzlichen Positionen spiegeln sich in den antiken Quellen insofern, als bis zu Sullas Sieg an der Porta Collina positive Elemente und Leistungen durchaus anerkannt werden, danach aber der Diktator als die klassische Verkörperung der crudelitas (Grausamkeit) eines Tyrannen diskreditiert wurde.

      Die lateinisch schreibenden Historiker bieten kein umfassendes und geschlossenes Sullabild. Die beiden Hauptquellen √ľber die sullanische Epoche sind die griechischsprachigen Werke von Appian und Plutarch. Sulla wird bei Plutarch in den Parallelbiographien, in der die moralischen und sittlichen Kriterien klassischer und griechischer Philosophie √ľberwiegen, vielfach als typischer griechischer Tyrann angesehen, wobei seine Tapferkeit und Kriegskunst positiv gew√ľrdigt werden. Durchweg g√ľnstig ist hingegen die Darstellung Sullas bei Appian, der sich aus √úberzeugung mit Prinzipat und Imperium identifizierte.

      In der Forschung ist Ciceros Verh√§ltnis zu Sulla h√§ufig diskutiert worden. Eine Gruppe sah ihn als Parteig√§nger, w√§hrend andere ihn als neutralen Beobachter erkannten. Cicero lehnte einerseits die absolute Machtstellung eines Einzelnen entschieden ab, da sie zwangsl√§ufig zu ihrem Missbrauch f√ľhren m√ľsse, andererseits anerkannte er, dass Sullas Diktatur als Mittel zur Neuordnung und Rettung der res publica unvermeidlich war. Als 49 v. Chr. der neue B√ľrgerkrieg ausbrach, war die Erinnerung an Sulla wieder pr√§sent. Der Konsul Lucius Cornelius Lentulus Crus r√ľhmte sich, ein anderer Sulla zu werden, die Wortbildung sullatuire \endash ‚Äěden Sulla nachahmen" \endash wurde ein √ľblicher Ausdruck.

      Caesar distanzierte sich von der Politik Sullas. So bezeichnete er Sulla wegen der Niederlegung der Diktatur als politischen Analphabeten. Er stellte auch dessen Politik seine Milde, die sprichw√∂rtliche clementia Caesaris, gegen√ľber, mit der er sich von der Grausamkeit Sullas distanzierte. Doch Caesars Politik der Milde bew√§hrte sich nicht. Die Triumvirn Marcus Aemilius Lepidus, Marcus Antonius und Octavian griffen mit den Proskriptionen erneut auf Sullas Methoden zur√ľck und begr√ľndeten ihr Vorgehen mit den Folgen von Caesars gro√üz√ľgiger Politik der clementia. Im sp√§teren Prinzipat des Augustus wurde die Feindschaft zwischen Optimaten und Popularen aufgel√∂st.

      Strabon, der drei Generationen sp√§ter durch die Landschaften Samniums wanderte, hielt fest, was der sullanische Kreuzzug diesem Land angetan hatte: ‚ÄěSulla ruhte nicht eher, bis er alle, die den Namen Samniten f√ľhrten, ermordet oder aus Italien vertrieben hatte; denen aber, die einen so weit getriebenen Zorn tadelten, sagte er, er habe sich durch die Erfahrung √ľberzeugt, dass auch nicht ein R√∂mer jemals Frieden haben werde, solange die Samniten als ein selbst√§ndiges Volk weiterbest√ľnden". F√ľr Strabon war dieses Ziel so konsequent erreicht worden, dass er keiner einzigen der noch verbliebenen Ortschaften Samniums den Namen ‚ÄěStadt" zubilligen wollte. Der Philosoph Seneca zog Sulla in seinen Abhandlungen √ľber die Milde des Herrschers als abschreckendes Beispiel heran und bezeichnete ihn wegen seiner Massent√∂tungen als Tyrann. Plutarch warf Sulla vor, sich selbst zum Diktator ernannt und somit einen Verfassungsbruch begangen zu haben.

      Unter Octavian, Galba, Vitellius, Vespasian, Septimius Severus, und besonders in der Zeit der Soldatenkaiser und in der Sp√§tantike kam es zu neuen M√§rschen auf Rom. Offen bekannte sich jedoch nur Septimius Severus im Jahre 197 n. Chr. zu Sullas Politik der H√§rte und Gewalt. Sein Sohn Caracalla, der diese √úberzeugung teilte, lie√ü Sullas Grabmal erneuern. Im 5. Jahrhundert rechtfertigte Augustinus von Hippo den milit√§rischen Untergang des christianisierten Reiches und wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Proskriptionen Sullas das gegenw√§rtige Morden der Gallier und Goten √ľbertroffen h√§tten.

      In der Forschung wurden zwar eine Vielzahl von Spezialstudien vorgelegt, jedoch nur wenige zusammenfassende Biographien. Eine Bewertung Sullas fand daher in erster Linie in den allgemeinen Darstellungen der römischen Geschichte statt.

      Theodor Mommsen war fasziniert von Sulla, der konsequent f√ľr die Sache seines Standes handelte und dabei nicht dem individuellen Machtgenuss verfiel. Mommsens Urteil √ľber Sulla war dementsprechend in seiner R√∂mischen Geschichte Mitte des 19. Jahrhunderts schon zu Beginn positiv. Er r√ľhmte Sulla als ‚Äěadligsten und tapfersten Offizier". Mommsen unterschied seine Diktatur konsequent von der bisherigen Form der Diktatur und urteilte abschlie√üend:

      ‚ÄěIn der Tat ist Sulla eine von den wunderbarsten, man darf vielleicht sagen eine einzige Erscheinung in der Geschichte."

      Leopold von Ranke hingegen w√ľrdigte in seiner Weltgeschichte Marius im h√∂heren Ma√üe als Sulla und sah letzteren als ersten Monarchen im republikanischen Rom an.

      In den Jahren 1931 und 1932 erschienen Publikationen in besonderer H√§ufigkeit und mit sehr unterschiedlichen Wertungen. J√©r√īme Carcopino vertrat 1931 in seinem Werk Sylla ou la monarchie manqu√©e die Auffassung, dass Sulla von Anfang an eine Milit√§rmonarchie angestrebt habe. Die Niederlegung der Diktatur sei in einer neuen innenpolitischen Krise, besonders unter dem Druck der Konsuln Appius Claudius Pulcher und Publius Servilius Vatia, aber auch des Pompeius und einer Senatorengruppe erzwungen worden. Helmut Berve versuchte 1931, Sullas Wesen und Bedeutung der Kaste stadtr√∂mischer Aristokraten aufzuzeigen. Er entwarf sein Sulla-Bild in bewusster Auseinandersetzung mit Theodor Mommsen und zog ein negatives Fazit:

      ‚ÄěIn der kalten Unpers√∂nlichkeit und starren Monumentalit√§t seines Wirkens, in seiner standesgem√§√üen und politischen Befangenheit erscheint er als der letzte Altr√∂mer."

      Dagegen gab Hugh Last 1932 in der Handbuch-Reihe Cambridge Ancient History eine Schilderung der Ereignisgeschichte in enger Anlehnung an die Darstellungen Appians und Plutarchs. Last r√ľhmte einerseits die gesellschaftliche Brillanz des Lebemannes, verschwieg andererseits jedoch auch dessen Verachtung aller menschlichen Werte nicht.

      W√§hrend des Nationalsozialismus wurde Sulla von Wilhelm Weber in der Neuen Propyl√§en-Weltgeschichte mit W√∂rtern wie ‚ÄěRasse", ‚ÄěBlut", und ‚ÄěLebensraum" in die nationalsozialistische Ideologie eingeordnet.

      Alfred Heu√ü stellte in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts n√ľchterne verfassungsrechtliche Aspekte in den Mittelpunkt seiner Darstellungen. Seinem Sch√ľler Jochen Bleicken zufolge unterzog Sulla die Verfassung der R√∂mischen Republik einer gr√ľndlichen Analyse und schuf schlie√ülich ‚Äěeine v√∂llig neue Form von Diktatur". Im Geschichtsbild der Deutschen Demokratischen Republik kam der Person Sullas nur geringes Interesse zu, da der Spartacusaufstand die Bedeutung der senatorischen Restauration unter Sulla √ľberschattete.

      Im englischsprachigen Raum trat seit den f√ľnfziger Jahren des 20. Jahrhunderts besonders Ernst Badian mit mehreren Spezialuntersuchungen hervor, in denen er vor allem prosopographische und chronologische Fragen behandelte. Badian wies darauf hin, dass die r√∂mische Innenpolitik ohnehin lediglich in Umrissen bekannt sei. Im franz√∂sischsprachigen Raum wurden die wichtigsten Arbeiten von Fran√ßois Hinard vorgelegt, der die Eigenart von Sullas Diktatur durch Vergleiche auch mit modernen Diktaturen beschrieb.

      Der Althistoriker Karl Christ, der die j√ľngste Biographie vorlegte, sah die Ursachen f√ľr die sp√§rlichen wissenschaftlichen Publikationen in dem Verhalten Sullas selbst begr√ľndet, der durch die Proskriptionen tausende Menschen t√∂tete und w√§hrend seiner Diktatur zun√§chst eine systematische Restauration der Senatsherrschaft anstrebte, dann aber durch seinen R√ľckzug dem politischen Kr√§ftespiel freien Lauf lie√ü. Durch diese Ma√ünahmen wurde der Name Sullas zum Charakteristikum f√ľr Grausamkeit und Inhumanit√§t, so dass sich sowohl die Zeitgenossen als auch die Gegenwart von Sulla abwandten. Die wenigen Biographien haben dem Verfassungswerk Sullas, gemessen an seiner Lebensleistung, einen eher geringen Anteil beigemessen. Die politischen Gesamtziele Sullas sind f√ľr die Nachwelt kaum durchschaubar.

      Die erste aus der literarischen √úberlieferung bekannte bildliche Darstellung Sullas war eine Statue, die K√∂nig Bocchus von Mauretanien 91 v. Chr. auf dem Kapitol in Rom errichten lie√ü. Zahlreiche Statuen erhielt Sulla w√§hrend seiner Zeit im Osten, nach seinem Sieg im B√ľrgerkrieg auch in Italien. Die bekannteste war eine vergoldete Reiterstatue auf dem Forum Romanum. Keine dieser Statuen hat sich erhalten. Das einzige inschriftlich gesicherte Portr√§t befindet sich auf einer M√ľnze, die Sullas Enkel Quintus Pompeius Rufus wohl 55 v. Chr., also mehr als 20 Jahre nach dem Tod des Diktators, pr√§gen lie√ü.

      Zahlreiche Versuche wurden unternommen, durch Vergleich mit dem M√ľnzportr√§t eine anonym √ľberlieferte Darstellung mit Sulla zu identifizieren. Zuletzt hat sich Volker Michael Strocka eingehend mit der Frage besch√§ftigt und schl√§gt, wie schon Klaus Fittschen, vor, einen Portr√§tkopf in der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen als Portr√§t Sullas anzusehen, das aus dem √∂stlichen Mittelmeerraum stammen d√ľrfte. Repliken sieht Strocka in einer Statue im Vatikan, einem Bronzekopf aus Verona und mehreren sp√§trepublikanischen Gemmen.

      Weitere von einzelnen Wissenschaftlern mit Sulla identifizierte Portr√§ts befinden sich wiederum in der Ny Carlsberg Glyptotek (‚ÄěSulla Barberini" und ein weiterer Kopf), der Glyptothek M√ľnchen (siehe Artikelanfang; Identifizierung vertreten zuletzt vor allem von G√∂tz Lahusen), wiederum im Vatikan (zwei verschiedene K√∂pfe), Venedig und Malibu


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