Johannes Maccovius

Johannes Maccovius

Male 1588 - 1644  (56 years)    Has 2 ancestors but no descendants in this family tree.

Personal Information    |    Notes    |    All

  • Name Johannes Maccovius 
    Relationshipwith Francis Fox
    Born 1588  Lobzenic, Polen Find all individuals with events at this location 
    Gender Male 
    Died 24 Jun 1644  Franeker Find all individuals with events at this location 
    Person ID I439624  Geneagraphie
    Last Modified 14 Mar 2003 

    Father Samuel Makowsky,   d. Yes, date unknown 
    Mother Margarethe Seklewska,   d. Yes, date unknown 
    Family ID F173792  Group Sheet  |  Family Chart

    Family Antje Uylenburg,   d. Nov 1633, Friesland Find all individuals with events at this location 
    Last Modified 14 Mar 2003 
    Family ID F173774  Group Sheet  |  Family Chart

  • Notes 
    • Hauptbegründer der schulphilosophischen (scholastischen) Gestaltung der reformierten Orthodoxie der Niederlande im frühen 17. Jahrhundert. - Über die Jugend des Sohnes von Samuel Makowsky und Margarethe Seklewska ist nur bekannt, was hauptsächlich M. selbst Cocceius mitteilte. Danach war seine Familie reformierter Konfession. Er »erhielt«, vielleicht wegen der ungünstigen Lage seiner Vaterstadt, erst »ziemlich spät eine Ausbildung«, als ihn seine Eltern (vielleicht erst etwa 1607?) auf das Gymnasium in Danzig schickten, das bis 1609 unter dem Rektorat von Keckermann, einem der bedeutendsten und einflußreichsten reformierten Theologen und Philosophen dieser Zeit, stand, und dem M. zweifellos bereits seine enorme neu-aristotelische Schulung verdankt. Danach (unbekannt wann) war er Erzieher von Söhnen der Familie Sienienski, mit denen er nach Prag reiste. Nach der Rückkehr nach Polen und einem Aufenthalt vor allem in Lublin wandte er sich nach Heidelberg und dann nach Marburg (wo er sich an Johannes Combach [1585-1651] anschloß), Leipzig, Wittenberg (wo er vor allem Balthasar Meisner und Jakob Martini [1570-1649] kennenlernte) und Jena. Da er, je nach den örtlichen Verhältnissen, mit römischen, sozinianischen, reformierten und lutherischen Gelehrten Gelegenheit zur Disputation suchte und fand, erwarb er sich, ohne eigentlich ein Studium zu absolvieren, eine ausgedehnte Bildung und vollendete Streitkultur. Am 21.10. 1613 ließ er sich, zusammen mit den seiner Erziehung anvertrauten Polen Johannes Demetrius und Christinus a Gorai Goraisky in Franeker immatrikulieren. Hier wurde er bereits am 8.3. 1614 von Sibrand Lubbertus (1556-1625) zum (seit Gründung der Universität 1585 ersten) Dr. theol. promoviert, begann seit dem 15.7. 1614 sein »Kurzes System der Theologie« zu lehren (nur in Nachschriften erhalten), wurde am 28.1. 1615 zum außerordentlichen und bereits am 16.6. 1615 zum ordentlichen Theologieprofessor und Professor der Physik (als Teilgebiet der Philosophie) ernannt - ein kometenhafter Aufstieg »in wenigen Jahren vom Klippschüler zum Lehrer der Theologie« (Cocceius). - Ausgeprägte Exzentrik setzte sich auch in seinem weiteren privaten und öffentlichen Leben verbunden mit seiner theologischen Wirksamkeit fort. - M., der wohl nur mäßig niederländisch sprach und Latein mit einem fremdartigen Akzent, galt, zuletzt noch 1626, als »ein Mensch von ganz barbarischen Sitten«, woran aber höchstens wahr ist, daß der erst 27jährige offensichtlich Schwierigkeiten hatte, von der Ungebundenheit eines wahrhaft `weltläufigen' Studenten unmittelbar in die schon damals `puritanisch' ausgeprägte Sittenstrenge eines Fakultätsmitgliedes überzugehen. Über seine drei Ehen - durch die erste mit Antje (Anna) Uylenburgh, Tochter des friesischen Staatsmannes und Mitbegründers der Universität Franeker Rombert Uylenburgh und Schwester der bekannten Saskia, die M. 1633 nach dem Tode Annas zeitweise den Haushalt führte,
      war er seit 1634 mit Rembrandt verschwägert - gibt es nur die lobendsten Zeugnisse. - Bereits 1616 klagte Lubbertus, zweifellos auch wegen Eifersucht eines `Veteranen' auf den jungen und bei den Studenten erfolgreichen Kollegen, M. bei der Kirche wegen mangelnder Lehr-Orthodoxie an. Die Verurteilung durch die Classis von Franeker nahm jedoch M. nicht hin. Da weder die friesische Synode noch die Staatskuratoren der Universität den weitergehenden Streit schlichten konnten, wurde er 1618 an die gerade eröffnete Synode von Dordrecht überwiesen. In den 1620 gedruckten »Acta Synodi ... Dordrechti habitae ...«, Sessio 139, 141 und 142 vom 25. und 26.4. 1619, kommt er nur so als »particularis causa ... ex Frisia ... transmissa ...« sowie schließlich in der Sessio 152 vom 4.5. 1619 »... examinata, et amice transacta ...« vor. Verhandlungen, die am 27.4. in eine von der Synode bestellte Kommission aus je drei niederländischen und ausländischen Theologen verlegt wurden und die sich bis zur 145. Session am 30.4. hinzogen, kamen zu dem Ergebnis, M. sei von jeder »Häresie« freizusprechen; aber u.a. »habe er gesündigt (peccasse), indem er manche zweideutigen und dunklen scholastischen Redewendungen gebraucht habe, indem er die scholastische Lehrweise an den niederländischen Universitäten einzuführen versuche ...« Die tiefe Befremdung, die inhaltlich und formal also von M.' Theologie zu jener Zeit noch ausging, tritt in dieser Beurteilung kraß zutage. Die Synode selbst erhielt jedoch in der 152. Session vom 4.5. 1619 den Vorwurf einer `Versündigung' nicht aufrecht, sondern mahnte M. nur, anstößige und unerbauliche Formulierungen zu vermeiden und sich an die biblische sowie in der reformierten Theologie überlieferte Ausdrucksweise anzuschließen. Seinen Gegnern wurde der Vorwurf von Irrlehren ausdrücklich untersagt. Dies bezog sich unter 50, wohl von Lubbertus selbst, der als Ankläger und Richter zugleich auftrat, verfaßten Punkten vor allem auf die zu dieser Zeit am häufigsten und heftigsten behandelte Prädestinationslehre. M. verstand nicht die Sünde als Ursache der Verwerfung (Non ... Reprobationis causa est peccatum), denn das hieße für Gott selbst eine Ursache außer Gott suchen (quaerere causam ipsius Dei extra Deum), was mit dem Gottesbegriff der Werde-Ursache alles Existierenden (causa futuritionis omnium rerum quae sunt) unvereinbar wäre. M. lehrte also (in damals noch ungebräuchlicher Terminologie) supra-lapsarisch. Lubbertus, für den dagegen (später sagte man: infra-lapsarisch) feststand, daß wir unserer Sünden wegen von der Seligkeit ausgeschlossen werden (constat nos propter peccata a beatitudine excludi), leitete daraus im Umkehrschluß ab: »Aber wenn das so ist, können wir nicht leugnen, daß Gott die Sünde anstrebt (intendat)«, ja »zurecht kann ich die Sünde selbst Gottes Ratschluß nennen« (recte possum dicere peccatum ipse [richtig: ipsum] Dei decretum). Gerüchtweise hieß es gar, von M. werde rundheraus behauptet, Gott sei Urheber und Ursache der Sünde (asseritur rotundis verbis Deum autorem et causam esse
      peccati), obwohl M. dies ausdrücklich als ungeheuerliche Aussage (monstrosa esset loquutio) und »Blasphemie« ablehnte. Tatsächlich lehrte M.: »Dasjenige, ohne das Gott nicht seine ... Gerechtigkeit und Barmherzigkeit kundmachen konnte, eben das beschloß er und wollte es, nämlich mit dem Willen der Zulassung (voluntate permissiva). ... Aber ohne die Sünde konnte er nicht die ... Gerechtigkeit und Barmherzigkeit kundmachen. ... Also wollte er und beschloß die Sünde ..., aber, wie wir gesagt haben, mit dem Willen der Zulassung, nicht der Bewirkung (non efficiente) ... `Zulassen' heißt nicht `tun', sondern `nicht hindern, daß nicht geschieht' (permittere non est facere, sed non impedire ut non fiant). ... Nicht nur nun beschloß Gott, die Sünde zuzulassen, sondern er beschloß auch mit einem bestimmten Ziel, d.h. ... die Sünden ... auch auf ein gutes Ziel hinzuordnen (et in bonum finem ordinare)«. Das innerhalb dieser Gesamtheit des Ratschlusses (Dekretes) Gottes bestehende Verhältnis von »Bedingung« (antecedens) und »Folge« (consequens) braucht, wie in vielen Fällen, »nicht als Ursache-Wirkungs-Verhältnis interpretiert zu werden (nec ... haec se invicem arguunt ut causa et effectus). ... Daß bei Entzug ... der göttlichen Gnade nur die Sünde folgen kann (non potest non sequi peccatum), ... diese Notwendigkeit ist daher nicht in absolutem Sinn, sondern unter Voraussetzung des Willens Gottes zu verstehen (hinc haec necessitas non absoluta, sed ex hypothesi voluntatis divinae, appellatur). ... Denn durch diese konnte geschehen, was nicht geschieht (poterant fieri, quae non fiunt). ... Sie kann daher mit der Freiheit zusammenbestehen (Libertas potest stare cum necessitate) ... zu einer verbotenen Tat (ad vetitum actum) ... mit einer anderen Zielsetzung als Gott sie zu befolgen vorschreibt (alio fine quam Deus illa fieri praecipit)«. - Diese ausgeprägt wissenschaftlich-begriffliche Darstellungsmethode (modus exquisitus magis) läßt als materiale Prämissen des Glaubens nur Sätze der Schrift zu, nicht der Vernunft (Ratio nostra regula non sit credendorum, sed Scriptura) - die Vernunft erhellt nur formal die Konsequenzen des Geglaubten und präzisiert diese durch Distinktionen (Ratio requiritur ad Theologiam non ut argumentum [ut probet, quare credendum sit], sed ut instrumentum [quo capio consequentiam eius, quod credere debeo ...]). - Darauf bezieht sich (wie Amesius, der M. in Dordrecht verteidigte, sagt), daß M.s Gegner hier
      »eine unpassende Methode, dunkle und unklare Behauptungen, philosophische, metaphysische und scholastische (das sind verschiedene gleichbedeutende Bezeichnungen) Wortbildungen ...« sahen. Voetius, damals Synodenmitglied, erklärte das historisch richtig so, daß »zwar gelehrten und in der Philosophie und scholastischen Theologie bewanderten Männern diese schulmäßige (acroamatica) Disputation gefiel. Manchen anderen aber, die sich an einen lockereren Stil, popularisierende Schriften und gebräuchliche Wendungen gewöhnt hatten, ferner sich schon von Eifer um Orthodoxie, aber unwissenschaftlichem (non secundum scientiam), leiten ließen, ... mißfiel das ...« - Theologische Kontroversen dieser Art setzten sich auch noch im nächsten Jahrzehnt fort, unter denen besonders die mit
      Amesius, 1622 bis 1632 M.s Kollege in Franeker, unter großer öffentlicher Anteilnahme verhandelten Fragen »Über die vorbereitende Gnade« und »Ob Christus als Mittler anzubeten sei«, M. wiederum gerade mittels seines philosophischen Instrumentariums als Tradenten genuin reformierter Theologie ausweisen, während jetzt Amesius' ramistisch geprägte Zurückhaltung gegenüber Logik und Metaphysik zu teilweise wenig klaren und daher mißbrauchbaren Formulierungen führt. - M.' Verdienst liegt somit darin, daß er als erster systematisch und umfassend leistungsfähige philosophisch-wissenschaftliche Instrumente für die reformierte Orthodoxie entwickelte, ohne welche diese in einer Welt von Gegnern nicht zu behaupten war. - Ein Amt in der niederländisch-reformierten Kirche bekleidete er nie. Daraus ist nicht auf mangelnde Kirchlichkeit und Frömmigkeit zu schließen. M. bekämpfte als »die verkehrte Weise Theologie zu lernen« nämlich: »Viele ... beginnen, wo sie aufhören müßten: und stürzen sich unter Vernachlässigung des Katechismus in die Kontroversen; andere beginnen bei häretischen Schriften; andere eignen sich zwar den Katechismus und die Dogmatik an, aber vernachlässigen die Schrift und verlassen so, Rinnsalen folgend, die Quellen.« M. bekämpfte Unselbständigkeit; »er pflegte zu sagen, daß die, welche sich nur auf Ausleger stützen, im Verstand eines andern (in alieno cerebro) wohnen« (Cocceius). Derselbe Theologe, der schrieb: »Der Gebrauch der Vernunft in der Theologie ist notwendig« und »In den Streitfragen, wo es auf ein Urteil des Geistes hinausläuft, bedarf es eines Schiedsrichters, der den Geist derart erleuchtet ...,daß eine bisher umstrittene und zweifelhafte Sache nunmehr klar und deutlich ist ...« - vertrat ohne Widerspruch damit: »Vor allem ... bedarf es des Gebetes, damit Gott unsern Geist mit dem Licht seines Geistes durchstrahlt und uns ins Unbetretbare seines Heiligtums führt, so daß wir den Willen und die Werke des Herrn verstehen«, und lehnte eine nur theoretisch-deduktive Christus-Erkenntnis ab: »Denn nicht so wird uns Christus zu erkennen vorgestellt wie ein Dreieck: daß es drei Winkel gleich zwei rechten habe - sondern als in tiefer Liebe zu erfassend (amplectendus, diligendus, amandus). ... Diese praktische Christus-Erkenntnis (Practica Christi cognitio) erst ist allein für wahre Christus-Erkenntnis zu halten.«


Home Page |  What's New |  Most Wanted |  Surnames |  Photos |  Histories |  Documents |  Cemeteries |  Places |  Dates |  Reports |  Sources