Frhr. Ernst Heinrich von Weizsäcker

Frhr. Ernst Heinrich von Weizsäcker[1]

Male 1882 - 1951  (69 years)    Has more than 250 ancestors and 7 descendants in this family tree.

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  • Name Ernst Heinrich von Weizsäcker 
    Prefix Frhr. 
    Relationshipwith Adam
    Born 25 May 1882  Stuttgart, Baden-Württemberg, D Find all individuals with events at this location 
    Gender Male 
    Died 4 Aug 1951  Lindau Find all individuals with events at this location 
    Buried Solitude b. Stuttgart Find all individuals with events at this location 
    Person ID I174795  Geneagraphie
    Last Modified 31 Jul 2007 

    Father Frhr. Karl Hugo von Weizsaecker,   b. 25 Feb 1853, Stuttgart, Baden-Württemberg, D Find all individuals with events at this location,   d. 2 Feb 1926, Stuttgart, Baden-Württemberg, D Find all individuals with events at this location  (Age 72 years) 
    Mother Victoria Wilhelmine Sophie Paula von Meibom,   b. 29 Nov 1857, Marburg a.d. Lahn, Hessen, D Find all individuals with events at this location,   d. 5 Feb 1947, Linda-Reutin Find all individuals with events at this location  (Age 89 years) 
    Married 8 Jul 1879  Leipzig, Sachsen, D Find all individuals with events at this location 
    Family ID F70791  Group Sheet  |  Family Chart

    Family Marianne von Graevenitz,   b. 8 Aug 1889, Stuttgart, Baden-Württemberg, D Find all individuals with events at this location,   d. 9 Jan 1983, Stuttgart, Baden-Württemberg, D Find all individuals with events at this location  (Age 93 years) 
    Married 25 Sep 1911  Charlottenburg, Berlin, Preussen Find all individuals with events at this location 
    Children 
     1. Living
     2. Living
     3. Frhr. Heinrich Viktor von Weizsäcker,   b. 2 Aug 1917, Solitude b. Stuttgart Find all individuals with events at this location,   d. 2 Sep 1939  (Age 22 years)
     4. Freiherr Richard von Weizsäcker,   b. 15 Apr 1920, Stuttgart, Baden-Württemberg, D Find all individuals with events at this location,   d. 31 Jan 2015, Berlin, DE Find all individuals with events at this location  (Age 94 years)
    Last Modified 11 Apr 2003 
    Family ID F70792  Group Sheet  |  Family Chart

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  • Photos
    Ernst von Weizsäcker
    Ernst von Weizsäcker

  • Notes 
    • Staatssekretär

      geschrieben von Martin Wein, 1988, ISBN 3-426-02417-9, Knaur Sachbuch

      Die Herkunft der Familie Weizsaecker
      von der Muehle auf die Kanzel

      Im Hohenloher Land zwischen Neckar und Tauber ist deutsche Geschichte allgegenwaertig. Burgen, Herrensitze und Schloesser deuten auf einstige politische Bedeutung hin. In den Staedten, an wichtigen europaeischen Routen, bezeugen imposante Kirchen, Rathaeuser und Fachwerkbauten, dass sich hier fruehzeitig eine buergerliche Kultur entwickelt hat, die auf Glaube, Ordnung und Haeuslichkeit gruendete. Vergilbte Dokumente in den Archiven aber machen deutlich, wie kraftvoll im Hohenlohischen die unteren Volksschichten schon waehrend des Bauernkrieges soziale Gerechtigkeit forderten. Das Nebeneinander von Adel, Geistlichkeit und Buergertum, die Symbiose von Franken und Schwabeen, der Wechsel von wuerdigem Ernst und heiterer Ruhe wird besonders deutlich in Oehringen, der ehemaligen Residenzstadt, die seit dem 11. Jahrhundert aus einem Chorherrenstift entstand und in der sich unter denen von Hohenlohe ein gebildetes Patrizier- und Beamtentum entwickelte. Durch diese Landschaft, diese Stadt und diese Umstaende wurde eine Familie gepraegt, aus der, nach bescheidenen Anfaengen, seit fuenf Generationen immer wieder Menschen hervorgehen, die im geistigen oder im oeffentlichen Leben Deutschlands eine herausragende Rolle spielten: die Weizsaeckers.

      Dieser Herkunft wegen halten sie nun alle fuenf Jahre in Oehringen ein Familientreffen ab. Und
      auch die Beruehmten unter ihnen sind dann, gleich den vielen Unbekannten, nur Verwandte.
      Unter den 120 Weizsaeckers und Weitzsaeckers, die am 23. Und 24. Mai 1987 zu ihrem
      Familientag zusammen kamen, befanden sich in Oehringen ganz privat Richard vopn
      Weizsaecker, der sechste deutsche Bundespraesident, und der Meimsheimer Mueller Ernst
      Weitzsaecker, im festlich dunklen Anzug der weltbekannte Physiker und Philosoph Professor
      Carl Friedrich von Weizsaecker und der Hals/Nasen/Ohren-Arzt Dr.Wolfgang Weitzsaecker,
      der wegen seiner legeren Kleidung bei den Sicherheitsbeamten des Staatsoberhaupts
      Argwohn erregte, da waren zahlreiche Kinder von ueberall aus der Bundesrepublik und der
      77jaehrige Frederick Weitzsacker aus Buffalo in den USA. Unter der Regie von Ingrid
      Hubing-Weizsaecker lieft 1987 in Oehringen waehrend der beiden Tage ein dichtgedraengtes
      Programm ab, mit Empfang im Rathaus und Gottesdienst in der spaetgotischen Stiftskirche am
      Marktplatz, in der vor 260 Jahren ein Vorfahr gepredigt hatte, mit einer Ausstellung von
      Stammbaum, Dokumenten sowie alten Portraets, drei Referaten ueber Ahnen und einem
      Abstecher in das 6km entfernte Schloss Neuenstein. Im dortigen Kaisersaal begruesste der
      54jaehrige Kraft Hans Konrad Fuerst zu Hohenlohe-Oehringen die Nachkommen eines
      Muellers, der 330 Jahre zuvor ganz in der Naehe Untertan gewesen war. Bei Ochsenruecken,
      Beinschinken und Wein kam in der historischen Kueche des Schlosses zwischen den
      Weizsaeckers und den Weitzsaeckers am Abend dieses 23. Mai bald eine angeregte
      Unterhaltung auf. Und hie und da auch wieder die alte Frage: Was bedeutet eigentlich der
      Familienname?

      *Wenn's um den Namen geht*, bekannte Carl Friedrich von Weizsaecker, *dann sage ich
      immer: Denken Sie an einem Mueller mit Weizen und Sack!* Eine Auslegung, die schon im
      18. Jahrhundert in die buergerlichen Familiensiegel und 1916 in das Freiherrnwappen Eingang
      gefunden hatte: Darin figurieren stets drei goldene Weizenaehren. Auch der schwaebische
      Schriftsteller und Familienforscher Ludwig Finckh neigte dieser Ansicht zu, denn so schrieb er
      1928, *der erste Weizaecker, der auftaucht, ist ein Mueller.* Sprachforscher wie Professor
      Rudolf Kapff aus Urach stimmten zu. Andere wiesen dagegen darauf hin, dass die Berufe im
      vorliegenden Fall erst seit etwa 1600 feststuenden, dass aber die Zunamen bereits mehr als
      300 Jahre frueher entstanden seien. Ein Teil dieser Gelehrten fuehrte die Sippenbezeichnung
      Weizsaecker, beispielsweise parallel zu Gerstaecker, auf einen unbekannten Stammvater
      zurueck, der *an einem Weizenacker gewohnt oder ihn bebaut* hatte. Auch als
      urspruengliche Lagebezeichnung wurde der Name interpretiert, als Adresse eines
      Bauernhofes, der, von einem mutmasslichen Landwirt namens Weiss einst am aeussersten
      Rande eines neuerschlossenen Gebietes erbaut, *der Weissen Eck* genannt worden war,
      was freilich sogleich die Philologen zurueckwiesen, weil im Deutschen eine Abschleifung von
      *ssen* in *z* nirgendwo vorgkeommen ist. Spekulationen und Widersprueche in Fuelle also.

      Der 1984 verstorbene Ahnenforscher Dr. Joachim Weitzsaecker, ein Arzt aus Brackenheim,
      der 1939 den ersten Familientag in Stuttgart-Bad Cannstatt organisierte, hielt diejenige
      Erklaerung seines Nachnamens fuer die plausibelste, die der Geistliche und Genealoge
      Andreas Schmidtner schon 1872 in Weilheim/Oberbayern veroeffentlicht hatte. Diese
      Deutung war nicht von fiktiven Vorfahren, Berufen oder Adressen, sondern von der
      mittelhochdeutschen Wortbedeutung ausgegangen. Bis weit in das 17. Jahrhundert hinein
      hatten Schriftkundige den Namen zwar nach Gehoer, Gutduenken und Mode unterschiedlich,
      wie z.B. Watsacher, Wazach, Wadsackherer, Waadsack oder Wattsacker, zu Papier
      gebracht. Stets war dabei jedoch - unveraendert oder durch ein eingefuegtes a,e,i respektive
      y gedehnt oder in abgeschliffener Form - die Silbe *wat* aufgetreten, die im 12. Bis 14.
      Jahrhundert, z.Zt. der Entstehung der Familiennamen, soviel wie *Kleidung* oder *Tuch*
      bedeutet hatte. Ein Watsack, den uebrigens der mittelalterliche Dichter Hans Sachs bei seiner
      Beschreibung des Handwerks erwaehnte, wa also ein Behaeltnis, ein Beutel, Sack oder
      Ranzen, in dem ein Kleidungsstueck -wie auch anderes- verstaut werden konnte. Diesen
      Vorgaenger des Koffers stellte der Watsacker her, der mithin eine Taetigkeit ausuebte, der
      derjenigen des heutigen Sattlers aehnelte. Der Name Wei(t)zsaecker bedeutet demnach soviel
      wie Sattler. Ausser der Wortgeschichte spricht fuer diese These auch die Tatsache, dass sich
      unter den Vorfahren der Weizsaeckers Schuhmacher befinden, Angehoerige eines Berufes,
      der dem des Sattlers nahe verwandt ist.

      Ein Lautwandel im Familiennaen, so der Forscher aus Brackenheim, erfolgte, als sich 1648
      ein Niclaus Wadsacker im Hohenlohischen niederliess. Dem dortigen fraenkischen Dialekt
      gemaess, der *breit* in *braat* und *Weide* in *Waad* verwandelte, wurde die
      Namenssilbe *Wad* vermutlich als mundartliche Sprechweise aufgefasst und in der
      Schriftsprache in *Waid* oder *Weid* umgekehrt, wobei sich gleichzeitig nach dem Gehoer
      die anschliessende Lautkombination *ds* in *tz* oder einfach *z* veraenderte. Diese
      Annahme wird auch dadurch gestuetzt, dass sich in anderen Teilen Deutschlands, in
      Niedersachsen zum Beispiel, die alte Namensform Wadsack erhalten hat. Im Hohenloher
      Land und seinen Nachbargebieten aber setzen sich die Schreibweisen Weizsaecker und
      Weitzsaecker bis zum Ende des 18. Jahrhunderts durch. Eine einleuchtend klingende
      Interpretations des heutigen Familiennamens. Indes, auch sie ist, wie so vieles in der
      Sprachgeschichte, umstritten. Um aber die Entwicklung deutlich zu machen, wird in diesem
      Kapitel der Name Weizsaecker stets so geschrieben, wie das zur jeweiligen Zeit vorwiegend
      der Fall war.

      Klarer als die Deutung des Namens erscheint die Herkunft der Wei(t)zsaeckers, wenn man
      akzeptiert, dass sie Nachkommen einer mittelalterlichen Familie namens Watsacher sind. Am
      17. Mai 1282, so steht es in zeitgenoessischen Urkundbuechern, leistete ein Ulrich
      Watsacher, Buerger von Weilheim, beim Verkauf seines Gutshofes, des *Niwehaus bei
      Watacher*, einen Eid hinsichtlich der Rechtsverhaeltnisse. 1482 erhielt ein Kainz Waytsecker
      das Buergerrecht dieser Stadt im Pfaffenwinkel, das in den folgenden 100 Jahren noch sechs
      anderen Personen gleichen Namens gewaehrt wurde. Mitglieder dieser Familie sind in den
      Weilheimer Ratsprotokollen, aber auch in den dortigen Strafregistern verewigt worden. Wolf
      Wattsackherer beispielsweise erhielt 1598,1603 und 1606 Strafen wegenHolzdiebstahls, sein
      Verwandter Thmas Wadsackherer 1607 wegen Ungehorsams sowie 1622 wegenWilderns
      und im selben Jahr der Bierbrauer Manng Wattsacxkherer wegen der Weigerung, seinen
      Gerstensaft preiswert im Ort auszuschenken. Ueber die Jahrhunderte hinweg und trotz
      mehrerer Besitzerwechsel aber hat sich bis heute der Name jenes 1282 bei Weilheim
      veraeusserten Gutshofes erhalten: Waitzacker.

      Der Ursprung der Weizsaeckers lag somit wahrscheinlich in Oberbayern, in dem reichen
      Landstrich zwischen Starnberger See, Staffelsee und Ammersee. Von hier aus breiteten sie
      sich ueber Mitteleuropa aus. In Lahnstein am Rhein, im Kurfuerstentum Trier, lebte schon
      1282 en Henricus Waitsack. 1341 erwaehnten Baseler Urkunden Burchardus Watsack. Der
      Schuhmacher Hans Watsack gehoerte 200 Jahre spaeter in Zureich dem Grossen Rat, dem
      Kantonsparlament an. Und 1639 gab es in Wolfenbuettel einen Zinngiesser namens Heinrich
      Waetsack.

      Ein geschaeftstuechtiger Ritter

      Von ganz besonderem Belang fuer die Familiengeschichte der Weizsaeckers waren die
      Vorfahren, die sich im 13. Jahrhundert in der Grafschaft Zweibruecken ansiedelten. Zwischen
      Oberbayern und der Pfalz bestanden enge Beziehungen, seit beide Territorien im Jahr 1255
      bei einer Teilung des Wittelsbacher Besitzes unter die Herrschaft des ehrgeizigen Grafen
      Ludwig II. Gekommen waren, der, mit der Kurwuerde ausgestattet, seine Habe beiderseits
      des Theins zu einem neuen politischen Kraftfeld ausbaute. Es ist deshalb durchaus
      wahrscheinlich, dass sich damals nicht wenige Bewohner des Voralpenlandes hoffnungsvoll
      gen Westen in das aufbluehende Gebiet ihres Regenten, aufmachten und dass sich darunter
      auch Angehoerige der Familie Watsacher aus Weilheim befanden.

      Jedenfalls wurde am 11. April 1294 in einer Urkunde des Grafen Walram I. Von
      Zweibruecken ein gewisser Peter Wazach als Ritter erwaehnt, der 46 Jahre danach unter dem
      Namen Peter Wadtsacker in Dokumenten des Zisterzienserklosters Woerschweiler, unweit
      des heutigen Homburg/Saar, auftauchte. Er war offenbar sehr geschaeftstuechtig und
      beguetert, erwarb nicht als graeflicher Vasall, sondern persoenlichin den Ortschaften Ober-
      und Niederbexbach grosse Grundstuecke sowie Privilegien und verteilte schliesslich sein Erbe,
      da er anscheinend kinderlos blieb, auf nicht weniger als 25 Angehoerige des pfaelzischen
      Kleinadels. Sie oder ihre Nachkommen uebereigneten dann diese Laendereien und Rechte
      dem Kloster. An jenen Peter Wadtsacker aus Zweibruecken erinnern noch heute die
      Flurnamen Wadsackers Wiese sowie Im Wadsacker Woog bei Homburg und -die einstige
      Woogsacker Muehle in der Gemarkung Niederbexbach, die urspruenglich, der pfaelzischen
      Mundart gemaess, *Woodsacker Miehl* hiess, bis der Name 1843 von Amts wegen auf
      einer Flurkarte irrtuemlich *berichtigt* wurde. Mit dem reichen Ritter begannen, zumindest in
      einer Seitenlinie, die Vorfahren der Familie Weizsaecker, die etwas mit *Weizen und Sack*,
      mit dem Muellerhandwerk, zu tun hatten.

      Wer die *Woodsacker Miehl* erbaut hat, ob Peter Wadtsacker selbst, einer seiner Erben
      oder die Abtei Woerschweiler, ist unbekannt. Dass sie auf dem Grund und Boden des Ritters
      errrichtet wurde, steht dagegen fest. Seit 1526 gehoerte sie unmittelbar dem Moenchsstift. Im
      Zuge der Reformation schloss jedoch Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibruecken das Kloster
      und eignete sich u.a. auch die idyllisch gelegene Wassermuehle in Niederbexbach an. Als
      Paechter folgte hier um 1610 ein Hans Wazacker seinem Schiegervater Thomas Martin
      Hansen als Mueller. Der neue Besitzer war zwar kein direkter Nachfahr jenes wohlhabenden
      Ritters, dem 300 Jahre zuvor das Muehlengrundstueck in Niederbexbach gehoert hatte -der
      war ja kinderlos verstorben. Zweifellos muessen aber die beiden zu derselben Sippe
      gerechnet werden. Der Mueller Hans Wazacker starb waehrend des Dreissigjaehrigen
      Krieges, wodurch seine Kinder, wie die Tochter Elisabeth schrieb, *ins Elend undt in die
      Frembte gerathen, worinnen wir uns auch verschiedene viel Jahre ufgehalten*. Als sie
      schliesslich heimkehrten, war die Woodsacker Muehle, wie das benachbarte Dorf und
      Schloss Hansweiler, eingeaeschert. Ein Versuch der Wazacker Nachkommen, das Gewerbe
      des Vaters wieder aufzunehmen, scheiterte 1664, zumal sich auch der zwoelf Hektar grosse
      Muehlenweiler als Wasserspeicher in verrottetem Zustand befand. Damit endete die Rolle der
      Weizsaecker-Vorfahren in Niederbexbach. Erst 26 Jahre spaeeter baute ein fremder Mueller
      namens Nickel Lock den Betrieb wieder auf, der dann unter verschiedenen Eigentuemern bis
      1941, bis zur Umwandlung in einen Bauernhof, bestand.

      Ein aehnliches Schicksal erlitt waehrend des Dreissigjaehrigen Krieges im Herzogtum Pfalz-
      Zweibruecken auch eine andere Familie, die nur 10 Kilometer weit von der Woodsacker
      Muehle entfernt in Waldmohr am Glan lebte und ebenfalls Wazacker, Wadsacker oder
      Waadsecher hiess. Ihre Angehoerigen sind direkte Vorfahren der heutigen Wei(t)zaeckers.
      Aus Kleeburg im Niederelsass, einer Exklave des Herzogtums Pfalz-Zweibruecken
      suedwestlich von Weissenburg, war vor 1610 Friedrich Wadsacker, der Sohn eines
      gleichnamigen Muellers und dessen Ehefrau Aurelia, nach Waldmohr zugewandert. Frankreich
      hatte naemlich im Erbolgestreit um die niederrheinischen Herzogtuemer Juelich und Kleve zum
      grossen Krieg geruestet, wodurch deutsche Aussenposten wie Kleeburg gefaehrdet worden
      waren. In Waldmohr andererseits hatten damals ein Stiefonkel des Friedrich Wadsacker als
      Seelsorger und ein anderer als Schulmeister gelebt; ausserdem war hier offenbar die
      Muellerstelle frei gewesen. So fiel es dem Neuankoemmling wohl nicht schwer, in dieser
      Gemeinde das Buergerrecht zu erwerben und die Muehle zu uebernehmen. Im uebrigen
      heiratete er bald die Pfarrerstochter Maria Brinkmann. Zweifellos gehoerte er nach allem zu
      den einflussreichen Einwohnern von Waldmohr.

      Auch diese Entwicklung endete im Dreissigjaehrigen Krieg. Friedrich Wadsacker starb 1645,
      und seine Witwe sowie vier der Kinder verliessen sofort die verwuestete Pfalz, als 1648
      endlich wieder Friede herrschte. Hans,, der juengere, 1617 geborene Sohn, siedelte sich mit
      der Mutter und zwei Schwestern in Loewenstein bei Heilbronn an, sein fuenf Jahre aelterer
      Bruder Niclaus zog noch 20 km weiter nach Osten - ins Hohenloher Land, eine halbe Stunde
      von Neuenstein entfernt auf die Ziegelmuehle, die auch den Namen Berndts- oder
      Bernhardsmuehle trug. Hier wurde er zum Stammvater aller zwoelf Zweige, die heute die
      Familie Wei(t)zsaecker bilden.

      Neuenstein war in der Heimat des Niclaus Wadsacker vermutlich bekannt gewesen. 1615
      hatte Kraft Graf zu Hohenlohe-Neuenstein die Pfalzgraefin Sophia geheiratet, und auch in den
      unteren Bevoelkerungsschichten hatte es, wie alte Kirchenbuecher beweisen, enge
      persoenliche Beziehungen zwischen den beiden Regionen gegeben. Allerdings war auch das
      Hohenloher Land seit 1618 mehrmals ausgepluendert und durch zwei Pestepidemien
      entvoelkert worden; in Neuenstein war andererseits schon 1609 die Fron fuehlbar erleichtert
      und zum Teil durch eine jaehrliche Geldgabe ersetzt worden. Ausserdem sah in diesem Gebiet
      an der Fernstrasse vom Rhein ueber Nuernberg zur Donau die Zukunft nach Ende des
      Krieges rosiger aus als in der entlegenen Pfalz.

      Unter solchen Umstaenden verdingte sich der 36jaehrige Niclaus Waidsecker auf der
      Ziegelmuehle, ehelichte zwei Jahre spaeter, am 23. Oktober 1650, in der schlichten
      Neuensteiner Stadtkirche die 20jaehrige Elisabeth Firnssler, die Tochter seines Arbeitgebers,
      und liess sich 1660 die Haelfte der Muehle sowie den dazugehoerigen Boden im Wert von
      752 Gulden und 30 Kreuzern ueberschreiben (das Jahresgehalt eines Pfarrers betrug damals
      100 Gulden). Fuer das Erblehen hatte er pro Jahr einen Goldgulden in bar, ein Huhn zur
      Fastnacht und zwei im Herbst sowie anderhalb Pfund Wachs als Zins an seinen Landesherrn,
      den Grafen Wolfgang Julius von Hohenlohe-Neuenstein, zu entrichten. In den zahlreichen
      Rechtsangelegenheiten, die mit der grossen angeheirateten Familie Firnssler zu klaeren waren,
      tauchte sein Name als Niclaus oder Niclas Waadsecher, Waidsacher oder Weidtseckher auf,
      waehrend seine Schwaeger auch Fuernssler oder Foernssler genannt wurden. Die
      Ziegelmuehle florierte, und um sie herum entstand ein Weiler. Da starb am 23. April 1673 der
      erfolgreiche Niclaus Waidsecker im Alter von 61 Jahren. Die Muehle fuehrte sein gerade
      21jaehriger Sohn Hans Kraft weiter, waehrend die Witwe sich nach einiger Zeit in der
      Gegend von Bartenstein erneut vermaehlte - wieder mit einem Mueller. Den Stammbaum zu
      den heutigen Weizsaeckers aber setzte in direkter Linie der juengere Sohn Johann Heinrich
      fort.

      Auf und Ab eines Muellergeschlechts

      Das Dorf Eckartsweiler liegt knapp 3 km westlich von Neuenstein zwischen der Hohenloher
      Ebene und dem klimatisch milderen Gebiet um Oehringen inmitten fruchtbarer Fluren.
      Waehrend des Dreissigjaehrigen Krieges veroedet, gab es hier 1673 bereits wieder zwoelf
      Wohnhaeuser, in denen etwa 110 Menschen lebten. Die Muehle des Ortes, die dem
      Grafenvon Hohenlohe- Neuenstein gehoerte, war aber noch eine ausgebrannte Ruine. Das
      Erblehen, auch fuer zusaetzlichen Grund und Boden, hatte allerdings Niclaus Waidsecker
      einige Monate vor seinem Tod erworben. So ueberrascht es kaum, dass auf der Ziegelmuehle
      sein aeltester Sohn Hans Kraft die Bauerntochter Veronica Halbisch aus Eckartsweiler zur
      Frau nahm und dass sein anderer Sohn Johann Heinrich im Fruehling 1680 begann, die
      eingeaescherte Muehle in Eckartsweiler und damit fuer sich selbst eine Existenz aufzubauen.
      Im folgenden Februar heiratete er in der Neuensteiner Stadtkirche die 23jaehrige Anna
      Magdalena Roth aus Belzhag.

      Indes, die Zeiten waren unruhig. Im November 1688 brandschatzten franzoesische Truppen
      das Land, und die anschliessende Befreiung durch kaiserliche Kroaten verursachte nicht
      minderen Schrecken; 1692 fielen erneut die Franzosen ein, und im Juni 1707 schaedigte ein
      Reichsheer die Region. Wirtschaftliche Rueckschlaege waren die Folgen. Johann Heinrich
      Weitzaecker konnte deshalb den Wiederaufbau der Eckartsweiler Muehle wahrend seiner
      Zeit als Mueller nich vollenden. Das schaffte erst 1727 sein zweiter Sohn Wolfgang Friedrich,
      wie Inschriften im dortigen Wohnhaus beweisen. Zwei Jahre spaeter verschied der Vater, 75
      Jahre alt, am Tag vor dem Heiligen Abend.

      Wolfgang Friedrich Weidsecker war damals bereits dabei, den Besitz durch Kaeufe von
      Aeckern und Wiesen zu mehren. Auch seine beiden Ehefrauen stammten aus angesehenen,
      wohlhabenden Familien. Am 21. April 1711 fuehrte er in der Stiftskirche zu Oehringen die 20
      Jahre alte Margarethe Barbara Borth, die Tochter eines der bestsituierten Bauern von
      Eckartsweiler, zum Traualtar. Schon fuenfeinhalb Jahre spaeter schloss sie sie Augen fuer
      immer. Nach fuenf Monaten vermaehlte sich der Witwer mit der gerade 21jaehrigen Maria
      Katharina Schloesser, deren Vater in Pfedelbach suedlich von Oehringen, in der Residenz
      eines Nebenastes der Hohenlohe, Hofschuhmacher war. Aus dieser Ehe ging die juengere, die
      hohenlohische Linie der Familie Weizsaecker hervor. 1729 erblickte der Sohn Andreas
      Heinrich das Licht der Welt. Er erbte die Muehle, als sein Vater am 3. Oktober 1747 starb.
      Sein sieben Jahre juengerer Bruder Gottlieb Jacob aber trat als Mundkoch in fuerstliche
      Dienste und eroeffnete den Weidseckers voellig neue Perspektiven.

      Doch wo war etwa 40 Jahre vorher der aeltere Bruder des tuechtigen Wolfgang Friedrich
      Weidsecker geblieben? 1683 geboren, hatte Johann Heinrich -er fuehrte die gleichen
      Vornamen wie sein Vater- daheim das Muellerhandwerk erlernt und war dann in Richtung
      Suedwesten fortgezogen, vom fraenkischen Hohenlohe in das schwaebische Wuerttemberg,
      nach Unterweissach im Iberamt Backnang. Dort pachtete er die oertliche Muehle, hielt
      Hochzeit und begruendete die aeltere, wuerttembergische Linie der Weizsaeckers. Nach
      einem Leben mit mancherlei Erfolgen verstarb er im Alter von 75 Jahren. Seine Soehne aber
      wurden wie auch ihre beiden Vettern in Eckartsweiler zu den Urvaetern der zwoelf Zweige, in
      die sich heute die Stammtafel der Wei(t)zsaeckers gliedert.

      In saemtlichen Zweigen ist nach und nach ein Wechsel von dem urspruenglich fast stets
      ausgeuebten Muellerhandwerk zunaechst zu geistlichen oder paedagogischen Taetigkeiten und
      schliesslich zum Staatsdienst, zum wissenschaftlichen Arbeiten und zu den freien Berufen
      festzustellen. Um die letzte Jahrhundertwende brachten es beispielsweise ein Theodor
      Weizsaecker immerhim zum wuerttembergischen Postpraesidenten nebst Personaladel,
      dessen Sohn, ohne Adeldspraedikat, zum Badearzt in Wildbad im Schwarzwald, Wilhelm von
      Weizsaecker aus Ellwangen, um 1864 ein begeisterter Fuersprecher der deutschen Einheit,
      zum Landgerichtsrat in Oehringen und Heinrich Weizsaecker zum Professor fuer
      Kunstgeschichte in Stuttgart.

      Da gibt es einen Meimsheimer Zweig, zu dem der schon erwaehnte Arzt und Ahnenforscher,
      der jetzt letzte deutsche Mueller in der Familie sowie Verwandte in Buffalo/USA gehoeren.
      Dieser Teil der Sippe leitet sich ebenso von einem Johann Michael Weitzsaecker aus der
      wuerttembergischen Linie her wie der Heslach-Murrhardter, der Oberriexingen-Pforzheimer
      und der Turin-Bukarester Zweig. Sein Bruder Johann Christian wiederum etablierte den
      Brackenheimer Ast, aus dem sich im 19. Jahrhundert, auf der Suche nach dem grossen
      Glueck in der Ferne, ein Chicagoer sowie ein Prager Zweig abspalteten; zu letzterem zaehlte
      der 1886 geborene Professor Wilhelm Weizsaecker, der in den 20er und 30er Jahren in der
      tschechoslowakischen Hauptstadt Bergrecht lehrte. Von Johann Karl Friedrich Weizsecker,
      dem Enkel jenes Unterweissacher Muellers, gingen ein Teinacher und, durch Emigration um
      1800, ein Elsaesser Zweig aus, dessen Angehoerige heute zum Teil auch in Suedfrankreich
      leben. In der hohenlohischen Linie aber gruendete Andreas Heinrich Weidsecker einst den
      Eckartsweiler Ast, waehrend mit seinem juengeren Bruder, dem Mundkoch, ein Bremer und
      der renommierte Oehringer Zweig begannen.

      Bezieht man in diesen Ueberblick noch die angeheirateten und die entfernteren Verwandten
      der Weizsaeckers aus den letzten dreieinhalb Jahrhunderten mit ein, so erscheint in dem
      erweiterten Stammbaum auch eine grosse Anzahl anderer beruhmter Namen. Maria
      Wadsacker, eine der beiden Schwestern, die 1648 mit dem juengeren Bruder Hans und der
      Mutter aus der Pfalz in die Gegend von Heilbronn ausgewandert waren, vermaehlte sich dort
      mit Georg Foell, dem Richter des Amtes Kleinaspach. Das Paar hatte 12 Kinder. Zu seinen
      spaeteren Nachkommen gehoeren der deutsche Theologe und Widerstandskaempfer gegen
      Hitler Dietrich Bonhoeffer mit seiner Familie, der Schweizer Schriftsteller Max Frisch und der
      ungarische Komponist Ernst von Dohnanyi nebst seinen Enkeln, dem sozieldemokratischen
      Politiker sowie dem Dirigenten.

      Die Nachfahren des Niclaus Waidsecker von der Ziegelmuehle in Neuenstein andererseits
      sind genealogisch um etliche Ecken herum mit dem romantischen Dichter Justinus Kerner
      verbunden, dessen Freund Ludwig Uhland sie durch eine Ahnengemeinschaft aus dem fruehen
      17. Jahrhundert ebenso zu ihren entfernten Verwandten zaehlen duerfen wie den Theologen
      Eduard Zeller oder die gemuetvolle Erzaehlerin Ottilie Wildermuth. Ueberhaupt reichen
      mehrere Nebenwurzeln der Familie tief in die schwaebische *Ehrbarkeit*, in das staedtische
      Patriziat, das vor etwa 450 Jahren die politisch entscheidende Schicht des Landes bildete. Zur
      angeheirateten Verwandschaft der Weizsaeckers rechnet ferner seit Mitte des 19.
      Jahrhunderts die Familie Weckherlin, aus der 27 Jahre vorher ein
      koeniglich-wuerttembergischer Finanzminister hervorgegangen war. Durch dieselbe Hochzeit
      entstand in der Ahnentafel auch eine weitlaeufige Verzweigung zu dem damals schon
      versotrbenen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, dem weltberuehmten Begruender
      des dialektischen Systems.

      Naehere Verwandte der Weizsaeckers sind dagegen seit 1875 die Traeger des in Schwaben
      wohlbekannten Namens Bilfinger, unter deren Vorfahren sich neben Offizieren und Kaufleuten
      vor allem Theologen befinden sowie auch der Philosoph und Mathematiker Georg Bernhard
      Bilfinger, den Zar Peter der Grosse 1724 an die Sankt Petersburger Akademie berief. Eine
      ebenso dichte genealogische Beziehung besteht zur Tuebinger Aerzte- und Juristenfamilie
      Bruns, die ihrerseits mit Nachfahren des hochangesehenen, 1929 gestorbenen
      Generaldirektors der staatlichen Kunstsammlung in Berlin, Wilhelm von Bode, verschwaegert
      ist. Nicht weniger eng ist die Verbindung zwischen den Weizsaeckers und dem
      wuerttembergischen Zweig des uradeligen Geschlechtes Graevenitz; der Bildhauer und Maler
      Fritz von Graevenitz war muetterlicherseits ein Onkel des Carl Friedrich und Richard von
      Weizsaeckers. Verwandschaftliche Faeden sind ausserdem seit 1919 zu der Gelehrtensippe
      Holthusen vorhanden, in die eine Tochter des schon erwaehnten Kunsthistorikers Heinrich
      Weizsaecker einheiratete. Aus Ehen, die in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts
      geschlossen wurden, ergaben sich Familienbande zu den Nachkommen des bedeutenden
      deutschen Juristen Ludiwg Raiser und des Physik- Nobelpreistraegers Werner Heisenberg.

      Was ist aber aus den Muehlen bei Neuenstein und in Eckartsweiler geworden? Hans Kraft
      Weitsecker und seine Ehefrau Veronica hatten im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts drei
      Soehne und drei Toechter. Die Nachkommen hielten ihren Anteil an der Ziegelmuehle und
      konnten den Landbesitz sogar verdoppeln. Die Habschaft des Muellers Friedrich Gottfried
      Weidsaecker hatte laut amtlicher Schaetzung im Jahre 1805 einen Wert von insgesamt 1076
      Gulden -eine beachtliche Summe. 30 Jahre darauf uebernahm jedoch der Mueller Georg
      Michael Eslinger diesen Teil der Ziegel- oder Bernhardsmuehle, als *Ehenachfolger* des
      verstorbenen Johann Michael Jacob Weidsaecker, wie alte Akten besagen. 1838 wurde das
      Anwesen nach einem Brand neu aufgebaut. 18 Jahre spaeter verkaufte jedoch Mueller
      Esslinger den gesamten Besitz an seinen Kollegen Peter Hettenbach, dessen Ururenkel den
      Mahlbetrieb 1959 einstellte. An die Weizsaeckers erinnert in der heutigen
      *Bernhardsmuehle*, einem Bauernhof, nur noch in der Scheine ein Sandstein aus einem
      frueheren Ofen mit eingemeisseltem Muehlrad samt Krone.

      Auf der Muehle in Eckartsweiler, deren Wert einschliesslich Aeckern und Wiesen auf knapp
      350 Gulden taxiert wurde, konnte sich zumindest der Erbe des 1795 verstorbenen Andreas
      Heinrich Weidsecker, trotz der turbulenten Napoleonischen Aera, noch achtbar behaupten; er
      war sogar Schultheiss des Ortes. Anno 1839 kam es jedoch zu einer Kette von
      Schicksalsschlaegen, die der 34jaehrige Sohn Christian Friedrich nicht mehr meistern konnte.
      Gleich am zweiten Tag jenes Jahres wurde sein 21 Monate juengerer lediger Bruder Johann
      Christian Heinrich, von Beruf ebenfalls Mueller, bei einem Streit in der Brauerei des
      Nachbarortes Cappel erschlagen. Bald darauf starb der Vater Johann Friedrich Weizsaeker
      und wenig spaeter auch die Mutter. Da fuer jeden einzelnen Nachlass eine betraechtliche
      Abgabe an den Landesherrn entrichtet werden musste, bei der Muellerfamlie in Eckartsweiler
      aber die Erbfaelle sehr rasch aufeinander gefolgt waren, hatte der ueberlebende Sohn auch die
      noch nicht beglichenen Verbindlichkeiten der verstorbenen Vorerben zu tilden, was ihn in
      grosse finanzielle Schwierigkeiten brachte. Und das um so mehr, als er auch noch fast 250
      Gulden *Concessionsgeld und Gefaellschuldigkeit* aus frueher getaetigten
      Grundstuecksverkaeufen und einen jaehrlichen Anteil zur Abgeltung aller Fronleistungen zu
      begleichen hatte.

      Da Christian Friedrich Weizsaecker die Zahlung jener Abgaben verweigerte und auch eine
      gerichtliche Klaerung seiner Verpflichtungen drang, begann ein Kleinkrieg mit den Behoerden,
      der damit endete, dass der Mueller Konkurs anmelden musste. Die Muehle in Eckartsweiler
      erstand 1843 ein gewisser Michael Miller aus Untersoellbach, der sie 1854 seinem
      Schwiegersohn Christian Pfisterer ueberliess. Heute dient sie als Wohnhaus. Inschriften aus
      dem 18. Jahrhundert, ein Wappen, der Muehlstein und alte Geraete haben die einstige
      Bestimmung des Gebaeudes ueberdauert. Und auch diejenigen Weizsaeckers, die hier mehr
      als 160 Jahre lang gearbeitet haben.

      Im Bannkreis der staatlichen Macht

      Fuer die Entwicklung des prominenten Oehringer Zweiges der Familie hatte das
      Muellergewerbe allerdings schon um 1770 keine Rolle mehr gespielt. Denn gleich der
      Begruender dieses Zweiges, Gottlieb Jacob Weidsaecker, war ja in den illustren Bannkreis
      der Staatsmacht getreten, als Mundkoch des Fuersten Ludwig Friedrich Carl zu
      Hohenlohe-Oehringen. Einer der vornehmsten deutschen Dynastien entstammend, hielt dieser
      Landesherr in Oehringen so praechtig Hof, dass darueber selbst der anspruchsvolle Herzog
      Karl Eugen von Wuerttemberg staunte. Allein fuer das leibliche Wohl sorgten je ein
      Haushofmeister, Furier, Mundkoch und Reisekoch, Konditor, Kuefner und Tafeldecker
      sowie zwei Gehilfen. Fuer diesen Regenten also war der Mundkoch Gottlieb Jacob
      Weidsaecker taetig. Seine Chancen hat er dabei fuer sich und seine Kinder zielstrebig und
      erfolgreich genutzt.

      Am 15. Februar 1736 in der Muehle von Eckartsweiler zur Welt gekommen, hatte er nach
      der Schulzeit zwar zunaechst bei seinem Vater das Muellerhandwerk gelernt. Doch dann war
      er in dem nahegelegenen Oehringer Schloss vom Kuechenchef Georg Ludwig Scheuermann
      ausgebildet und wohl auch protegiert worden. Jedenfalls trat er mit 32 Jahren dessen
      Nachfolge als Mundkoch an. Wenige Monate spaeter heiratete er in der Oehringer
      Stiftskirche die 29jaehrige Elisabetha Christina Margaretha Scheuermann, die Tochter seines
      Lehrherrn und Vorgaengers in der Schlosskueche. Die beiden hatten 4 Kinder, von denen nur
      der 1774 geborene Stammhalter Carl Friedrich Gottlob ueberlebte. Er stieg in Oehringen zum
      Buergermeister und Polizeikommissarius, spaeter zum Stadtschultheiss auf, seine Frau kam
      immerhin aus dere Familie des Geheimen Rates Johann Jakob Bratz aus Schwaebisch Hall,
      und sein Sohn Julius August Franz erwarb im Fruehjahr 1846 mit 28 Jahren die Apotheke in
      Kochendorf, noerdlich von Heilbronn, fuer 6000 (nun abgewertete) Gulden. Das buergerliche
      Familienwappen des Oehringer Zweiges der Weizsaeckers mit drei goldenen Weizenaehren in
      blauem Schild auf gruenem Boden geht auf den Beamten an der Spitze der hohenlohischen
      Residenzstadt zurueck.

      -Ganz gewiss deutliche Symptome des gesellschaftlichen Aufstiegs. Doch zurueck zu dem
      Mundkoch und seiner Frau, die in sehr ertraeglichen Verhaeltnissen lebten. Gottlieb Jacob
      Weidsaecker bekam jaehrlich 60 Goldgulden in bar sowie als Deputat acht Malter (etwa 2
      Tonnen) Korn, sechs Malter Dinkel, vor allem fuer die Zubereitung von Spaetzle, ein Simri
      (fast 70 kg ) Salz, 15 Fass Wein, acht Klafter (rund 26 Raummeter) Brennholz und 100
      Buendel Reisig. Im Sommer 1776 bewarb er sich in Oehringen um das Buergerrecht, da er
      fest damit rechnete, dass ihm dort sein Schwiegervater ein Haus ueberlassen oder vererben
      werde. Zwei Jahre spaeter hatte er mit seinem Gesuch Erfolg. Doch Anfang 1779 starb seine
      Frau. Dadurch zerschlugen sich offenbar die Hoffnungen auf ein Haus.

      Vier Jahre lang blieb der Mundkoch verwitwet. Dann vermaehlte er sich am 18. August 1783
      mit der 25jaehrigen Dorothea Carolina Greiss, der Tochter des Pfarrers von Buchenbach an
      der Jagst, im Norden des Hohenloher Landes. Aus Weidsaeckers zweiter Ehe gingen 5
      Kinder hervor, von denen drei ueberlebten. Im Dasein des fuerstlichen Mundkochs verliefen
      die letzten Jahre allerdings wenig friedlich. Seine zweite Ehe war nicht harmonisch, sondern
      nach der spaeteren Bekundung seiner Frau *bekanntlich uneinig*. Carolina Weidsaecker warf
      ihrem Mann *Abneigung zu einem ordentlichen und eingezogenen Leben und sparsamer
      Haushaltung* vor, ihre Mitgift von 330 Gulden sei deshalb aufgezehrt worden. Aber auch
      Auslaeufer der Franzoesischen Revolution sorgten fuer Unruhe. Das an Erfolgen und
      Aufregungen reiche Leben des fuerstlichen Mundkochs Gottlieb Jacob Weizsaecker endete
      am 25. Oktober 1798 in Oheringen.

      Seine zweite Frau ueberlebte ihn um mindestens 18 Jahre und zog sich in dieser Zeit als
      *verarmte Witwe* noch das Missfallen ihres Landesherrn zu. Nachdem sie zwei Jahre lang in
      zahlreichen Eingaben um Geld fuer die Rueckkehr zu ihrer Verwandschaft nach Buchenbach
      oder zur Bezahlung von Mietschulden gebeten hatte, verfuegte Fuerst Ludwig Friedrich Carl
      im Februar 1801: *Unter der ausdruecklichen Bedingniss, dass die unertraegliche Supplicantin
      einmahl von hier wegkomt und sich hiernimmer sehen laesst, kann ihr das verlangte
      ausgezahlet werden.* Fuer ihren *fleissigen Sohn* sei aber weiterhin zu sorgen.

      Damit meinte der Regent den damals 16jaehrigen Christian Ludwig Friedrich Weizsaecker,
      der das Gymnasium in Oehringen als Primus absolvierte. Der Schueler schrieb seinen Namen
      stets in dieser Form, und die wurde von da an im Oehringer Zweig und darueber hinaus
      beibehalten. Anfang Mai 1803 immatrikulierte sich Weizsaecker auf Kosten des Fuersten als
      Theologiestudent an der Universitaet Goettingen und hoerte bei dem Kirchenhistoriker
      Gottlieb Jacob Planck, dem Bibelkritiker Johann Gottfried Eichhorn und dem Moraltheologen
      Karl Friedrich Staeudlin Vorlesungen, bei drei Professoren, die aus seiner weiteren Heimat
      stammten. Ueberhaupt herrschte damals in Goettingen eine regelrechte Schwemme von
      Gelehrten und Studenten aus Schwaben und Franken. Kein Wunder, denn die politische
      Zukunft wurde gerade in den sueddeutschen Kleinstaaten nach der territorialen Neuordnung
      durch den Reichsdeputationshauptschluss und im Schatten Napoleons immer ungewisser. Am
      30. Dezember 1805 nahm Kurfuerst Friedrich von Wuerttemberg mit franzoesischer Hilfe die
      Koenigswuerde an und okkupierte, unter Ausschaltung der bisherigen Regenten, die
      Hohenloher Gebiete. Von seinem LandsmannAugust Ludwig von Schloezer, dem Erforscher
      der altrussischen Geschichte, unterstuetzt, wartete Christian Weizsaecker nach dem Examen
      in Goettingen das weitere Schicksal seiner Heimat ab, gab am Gymnasium Unterricht in alten
      Sprachen und bewarb sich erst am 30. Mai 1807 um eien Posten *im vaterlaendischen
      Dienst*, um *nicht ganz unnuetz und unbrauchbar zu seyn.*

      Schon einen Monat spaeter wurde er von der fuerstlichen Justizkanzlei in Oehringen -aufgrund
      einer der letzten Befugnisse derer von Hohenlohe- zum Kaplan, zum dritten Geistlichen in
      Ingelfingen ernannt, rueckte aber Ende Februar 1808, noch vor Dienstantritt, infolge des
      ploetzlichen Todes seines dortigen Vorgesetzten in die Position des zweiten Seelsorgers, des
      Diakons, auf. In Ingelfingen blieb Weizsaecker 5 Jahre, hielt genau nach Plan Predigten,
      Katechismusunterweisungen und Betstunden, verlas regelmaessig die Epistel und lehrte
      waehrend der Woche in der oertlichen Lateinschule. Anfang Maerz 1813, waehrend sich
      anderwaerts die Befreiungskriege gegen Napoleon I. ankuendigten, bewarb er sich mit Erfolg
      nach Oehringen. Hier musste Christian Weizsaecker, fuer etwas mehr Geld, dieselben
      Pflichten wie in Ingelfingen erfuellen, fand aber noch Zeit, eine revidierte Neuausgabe des
      "Hohenlohischen Gesangbuches* zu schaffen -eine Arbeit, die die vom aufklaererischen
      Spekulieren bedrohte Einheit der Kirchenliturgie absichern sollte. Im uebrigen verliebte er sich
      damals in Sophie Roessle, die Tochter eines fuerstlich-hohenlohischen Hofrats, und heiratete
      die 20jaehrige am 19. November 1816 in der Stiftskirche Sankt Peter und Paul. Eine
      glaenzende Partie. Denn durch sie erhielt der Geistliche nicht nur eine liebevolle, sondern auch
      energische Frau. Christian Weizsaecker wurde ausserdem mit massgebenden Beamten in
      Oehringen und durch seine Schwiegermutter, mit Adligen verwandt, mit dem angesehenen
      Geschlecht Olnhausen etwa, das mehreren Dynastien Offiziere und Kammerherren,
      Prinzenerzieher und Leibaerzte gestellt hatte. Anfangf Maerz 1820 kam der Stammhalter zur
      Welt und erhielt den Rufnamen Hugo. Ihm folgten 1822 und 1828 zwei Brueder, Carl und
      Julius, von denen in den folgenden Kapiteln die Rede ist.

      In Oehringen gab es seinerzeit in der protestantischen Kirche drei Spitzenpositionen: den
      Dekan, den Stadtpfarrer und den schlechter besoldeten Stiftsprediger, der jedoch seit dem
      Mittelalter geistlicher Beistand des Fuersten und somit dem Hofe nahe war. Letzteres Amt
      wurde Christian Weizsaecker Im Mai 1829 uebertragen, nachdem der Vorgaenger Karl
      Friedrich Eichhorn, ein Bruder des Goettinger Professors, gestorben war und Stadtpfarrer
      Karl Friedrich Dietzsch aus gesundheitlichen wie finanziellen Gruenden verzichtet hatte. In der
      neuen Stellung zeigte sich, dass Weizsaecker *eine kritische Ader* besass. Er machte sich als
      Theologe seine eigenen Gedanken. Mehr und mehr wurde jedoch gleichzeitig klar, dass er an
      schwerer Tuberkulose litt. Die schlechte Gesundheit war vermutlich ein Erbteil seiner Mutter,
      die sofort nach ihrer Geburt die Nottaufe erhalten hatte -wegen bedrohlicher Schwaeche.
      Schon bald nach seiner Ernennung musste der kraenkelnde Weizsaecker, ueberwiegend auf
      eigene Kosten, einen Vikar zu seiner Entlastung einstellen, obwohl er das Gehalt als
      Stiftprediger erst ab 7. Oktober 1829 bekam. Stadtpfarrer Dietzsch, der inzwischen auch
      Dekan war, leistete ebenfalls *viele amtliche Aushuelfen, die (ihm) bisweilen sauer wurden*.
      Doch seinem Kollegen konnte nicht mehr geholfen werden. Am 21. Januar 1831 starb
      Christian Ludwig Friedrich Weizsaecker nach einem 36 Stunden langen Todeskampf im Alter
      von 46 Jahren. Karl Friedrich Dietzsch, als Dekan inzwischen gut gestellt, wurde nun auch
      zusaetzlich Stiftsprediger und sein Sohn Diakonatsverweser.

      Sophie Weizsaecker aber, die 34jaehrige Witwe, nahm fuer ihre drei Soehne den Kampf
      gegen das Schicksal und gegen den sozialen Abstieg auf
    • Wikipedia

  • Sources 
    1. [S5872] Ahnentafel von Weizsäcker - v. Graevenitz, Euler, Friedrich Wilhelm, (Herold-Studien, Bd. 1, Verlag des Herold zu Berlin, 1992), 6 (Reliability: 3).


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