Tiberius Claudius Nero

Tiberius Claudius Nero

Male 16 Nov 0042 V.C. - 16 Mar 0037 V.C.    Has 55 ancestors and 9 descendants in this family tree.

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  • Name Tiberius Claudius Nero  
    Relationshipwith Adam
    Born 16 Nov 0042 V.C. 
    Gender Male 
    Died 16 Mar 0037 V.C.  Kap Misenum Find all individuals with events at this location 
    Person ID I15730  Geneagraphie
    Last Modified 6 Nov 2009 

    Father Tiberius Claudius Nero,   b. Abt 0085 B.C.,   d. 0033 V.C. 
    Mother Livia Drusilla,   b. 0058 V.C.,   d. 0029 
    Married Cir 0043 B.C. 
    Divorced 0039 V.C. 
    Siblings 1 sibling 
    Family ID F5440  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 1 Vipsania Agrippina,   b. 0033 V.C.,   d. Abt 0020 
    Married 0016 V.C. 
    Divorced 0012 V.C. 
    Children 
     1. Drusus Caesar,   b. 0015 V.C.,   d. Yes, date unknown
    Last Modified 4 Nov 2009 
    Family ID F54906  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 2 Iulia Augusta,   b. Abt 0039 B.C.,   d. 0014 
    Married 0012 V.C. 
    Children 
     1. NN
    Last Modified 23 Oct 2009 
    Family ID F293146  Group Sheet  |  Family Chart

  • Photos
    Tiberius Claudius Nero
    Tiberius Claudius Nero

  • Notes 
    • r√∂mischer Kaiser von 14 bis 37 n. Chr. Nach seinem Stiefvater Augustus war Tiberius der zweite Kaiser des R√∂mischen Reiches und geh√∂rt wie dieser der julisch-claudischen Dynastie an. Seine Regierungszeit war eine der l√§ngsten Alleinherrschaften eines r√∂mischen Kaisers.
      Tiberius konnte besonders vor seinem Herrschaftsantritt bedeutende milit√§rische Erfolge erzielen. Seine milit√§rischen Aktivit√§ten in Pannonien , Illyricum , Raetien und Germanien legten die n√∂rdliche Grenze des r√∂mischen Imperiums fest. In der Verwaltung der Provinzen sowie der Finanzen war der Kaiser erfolgreich. Palastintrigen, die Verschw√∂rung des ehrgeizigen Seianus , Hinrichtungen dissidenter r√∂mischer Aristokraten und Tiberius' R√ľckzug aus der Hauptstadt verursachten das negative Werturteil der sp√§teren antiken Historiographen . Gegen Ende seines Lebens wurde der Interessenkonflikt zwischen dem in seiner politischen Funktion reduzierten Senat und dem nun institutionalisierten Amt des Kaisers erstmals deutlich.
      Tiberius entstammte dem patrizischen Geschlecht der Claudier. Seine Eltern waren Tiberius Claudius Nero, Pr√§tor 42 v. Chr., und Livia Drusilla, deren claudischer Familienzweig durch Adoption in das plebejische Geschlecht der Livier √ľbergegangen war. Im Jahre 41 v. Chr. flohen seine Eltern mit ihm nach Sizilien und Griechenland, um den Proskriptionen zu entgehen, da sein Vater als √ľberzeugter Republikaner und Anh√§nger der Caesarm√∂rder den Lucius Antonius unterst√ľtzte und sich somit gegen Octavian gestellt hatte. Octavian, der sp√§tere Kaiser Augustus, erzwang nach ihrer R√ľckkehr im Jahr 38 v. Chr. Livias Scheidung vom √§lteren Tiberius Claudius Nero, um sie selbst heiraten zu k√∂nnen. Aufgrund der Heirat am 17. Januar 38 v. Chr. wurde der dreij√§hrige Tiberius sein Stiefsohn und von nun an im Haus Octavians erzogen, wo er eine standesgem√§√üe Bildung in r√∂mischer und griechischer Kultur erhielt. Drei Monate nach der Heirat brachte Livia Tiberius' Bruder Drusus zur Welt, dessen leiblicher Vater allerdings Tiberius Claudius Nero war. Drusus wurde von Octavian gegen√ľber seinem √§lteren Bruder bevorzugt.

      Bereits in jungen Jahren wurde Tiberius in das politische Leben eingef√ľhrt. Im Jahre 33 v. Chr. hielt er als Neunj√§hriger die Leichenrede bei der Bestattung seines Vaters, was ihn im √∂ffentlichen Leben der r√∂mischen Aristokratie positionierte. Vom 13. bis 15. August 29 v. Chr. wurde er in den Triumphzug Octavians f√ľr den Sieg bei Actium einbezogen. Bereits 23 v. Chr. wurde ihm als Qu√§stor mit dem Zust√§ndigkeitsbereich der Getreideversorgung das erste politische Amt und damit der Senatorenstatus √ľbertragen, weit vor dem hierf√ľr vorgeschriebenen Mindestalter von 25 Jahren.

      Erste militärische Erfahrungen [Bearbeiten]
      Tiberius unternahm unter der Herrschaft des Augustus mehrere erfolgreiche Feldz√ľge. Bereits in den Jahren 26-24 v. Chr. nahm er als Milit√§rtribun an K√§mpfen des Augustus in Spanien teil. Im Jahre 20 v. Chr. f√ľhrte er einen Feldzug gegen das armenische K√∂nigreich an, durch den er Tigranes III. auf den armenischen Thron brachte. Er gewann im selben Jahr durch Diplomatie die r√∂mischen Feldzeichen zur√ľck, die Marcus Licinius Crassus, Lucius Decidius Saxa und Marcus Antonius in teils verheerenden Niederlagen an die Parther verloren hatten. Im Jahr 16 v. Chr. war er Pr√§tor und bereitete gemeinsam mit Augustus in Gallien die Neuordnung der Provinz vor.

      Gemeinsam mit seinem j√ľngeren Bruder Drusus brachte Tiberius in den Jahren 15-13 v. Chr. Raetien und das im Norden befindliche Vindelicien unter r√∂mische Herrschaft. Von 12 bis 9 v. Chr. leitete er die Eroberung Pannoniens. Er √ľberf√ľhrte 9 v. Chr. den Leichnam seines Bruders Drusus, der infolge eines Reitunfalls verstorben war, von Germanien nach Rom und erhielt als dessen Nachfolger f√ľr die folgenden beiden Jahre den Oberbefehl in Germanien. Um den germanischen Druck auf den Mittelrhein zu vermindern, wurden unter seiner Befehlsgewalt etwa 40.000 Sugambrer und Sueben in linksrheinisches Gebiet umgesiedelt.

      Nachfolgeproblematik [Bearbeiten]
      Tiberius war von 16 bis 12 v. Chr. mit Vipsania Agrippina verheiratet[2], der Tochter von Octavians engem Vertrauten und Feldherrn Marcus Vipsanius Agrippa. Aus dieser Ehe stammte sein um 15 v. Chr. geborener Sohn Tiberius Drusus Iulius Caesar (auch ‚Äěder j√ľngere Drusus"). Im Jahr 12 v. Chr. musste sich Tiberius auf Anordnung seines Stiefvaters von Vipsania Agrippina scheiden lassen und seine Stiefschwester Iulia heiraten, die Tochter des Augustus. Diese Verbindung sollte die Einheit des regierenden Hauses st√§rken. Iulia d√ľrfte allerdings eher ihren Kindern die Nachfolge gew√ľnscht haben. Auch f√ľhlte sie sich nach drei ihr von Augustus aufgeb√ľrdeten Zwangsehen zu einem ausschweifenden Leben hingezogen, so dass die Ehe f√ľr den als menschenscheu geltenden Tiberius im Unterschied zu dessen erster Ehe nicht gl√ľcklich war. Nachdem Tiberius bereits im Jahr 13 v. Chr. Konsul geworden war, erhielt er 6 v. Chr. die tribunicia potestas auf f√ľnf Jahre; somit konnte er als Nachfolger des Princeps gelten, da er au√üerdem der Schwiegersohn des Augustus war.

      Die schnell zerr√ľttete Ehe und die auff√§llige F√∂rderung der von Augustus adoptierten S√∂hne Iulias, Gaius und Lucius Caesar, brachten Tiberius jedoch dazu, seine Laufbahn zu unterbrechen und sich f√ľr sieben Jahre in ein zuerst freiwilliges Exil nach Rhodos zur√ľckzuziehen. Tiberius selbst soll sp√§ter erkl√§rt haben, er habe sich zur√ľckgezogen, um den Caesares nicht im Wege zu stehen.[3] Tiberius f√ľhlte sich wohl wegen der Beliebtheit des Gaius Caesar und dessen Bevorzugung in seiner eigenen dignitas zur√ľckgesetzt.[4]

      Da die Insel Rhodos auf der r√∂mischen Haupthandelslinie lag, d√ľrfte Tiberius jedoch keineswegs vom politischen Leben ausgeschlossen gewesen sein.[5] W√§hrend seines Aufenthaltes auf Rhodos schickte Augustus 2 v. Chr. seine Tochter Iulia wegen ihres Lebenswandels und politischer Intrigen in die Verbannung. Tiberius setzte sich zwar in mehreren Briefen vergeblich f√ľr seine Gattin ein, lie√ü sich jedoch auf Betreiben von Augustus schlie√ülich von ihr scheiden. Noch im selben Jahr bewilligte Augustus die R√ľckkehr des Tiberius nach Rom, gestand ihm aber zun√§chst keine politische Funktion zu.

      Erst der kurz aufeinander folgende Tod der designierten Nachfolger des Augustus, seiner Enkelkinder und Adoptivsöhne Gaius und Lucius Caesar (4 bzw. 2 n. Chr.), brachte Tiberius in die Position des einzigen möglichen Nachfolgers. Mit der Adoption durch Augustus am 26. Juni 4 n. Chr. wurde Tiberius (mit dem Namen Tiberius Iulius Caesar) in das Geschlecht der Julier aufgenommen. Die nachfolgenden Kaiser bis hin zu Nero gehörten in unterschiedlichen Graden beiden Familien an und waren so Mitglieder einer Doppeldynastie. Neben Tiberius adoptierte Augustus Agrippa Postumus, der allerdings später in die Verbannung geschickt wurde. Tiberius selbst musste Germanicus adoptieren, den Sohn seines Bruders Drusus. Außerdem erhielt er die beiden zur Nachfolge in der Herrschaft berechtigenden Amtsgewalten, das imperium proconsulare maius und die tribunicia potestas.

      Heerf√ľhrer in Germanien und auf dem Balkan [Bearbeiten]
      Tiberius √ľbernahm 4 n. Chr. erneut den Oberbefehl in Germanien und zog im folgenden Jahr von Gallien aus bis ins M√ľndungsgebiet des Rheins. In seinem Gefolge befand sich der Historiker Velleius Paterculus, der die Position eines praefectus equitum innehatte. Tiberius drang bis zur Weser vor, wo er an den Quellen der Lippe ein Winterlager errichtete; dies war das erste Mal, dass eine gro√üe r√∂mische Armee in Germanien √ľberwinterte. Im Fr√ľhjahr des Jahres 5 n. Chr. besiegte er zusammen mit der r√∂mischen Flotte die Langobarden an der Unterelbe. Er zog daraufhin weiter elbaufw√§rts und gelangte an der mittleren Elbe zu den Semnonen und schlie√ülich zu den Hermunduren, wo er ein Lager aufschlug und germanische Gesandte empfing. Der Feldzugteilnehmer Velleius Paterculus beschrieb die Situation zu diesem Zeitpunkt folgenderma√üen: ‚ÄěNichts blieb mehr in Germanien, das h√§tte besiegt werden k√∂nnen, au√üer dem Stamm der Markomannen".[6]


      Der junge Tiberius, LouvreIm Jahr 6 r√ľstete Tiberius gegen Marbod, den K√∂nig der Markomannen. Es wurden insgesamt zw√∂lf Legionen mit Hilfstruppen aufgestellt, was die H√§lfte des gesamten Milit√§rpotentials der R√∂mer zu der Zeit darstellte.[7] Kurz nach Beginn des Feldzugs im Fr√ľhjahr des Jahres 6 brach Tiberius ihn wieder ab, als er die Nachricht vom Pannonischen Aufstand erhielt. Allerdings schloss Tiberius noch einen Freundschaftsvertrag mit Marbod, um sich vollkommen auf die schwere Aufgabe in Pannonien zu konzentrieren.

      Von 6 bis 9 n. Chr. warf er mit größten Anstrengungen, unter Aufbietung einer Armee von 15 Legionen, den Aufstand in Pannonien und Illyrien nieder. Kurz nach dem Sieg erhielt Augustus die Nachricht, dass Varus in Germanien mit drei Legionen und ebenso vielen Reiterabteilungen sowie sechs Kohorten gefallen war.[8] Dieser Verlust war eine der größten Niederlagen, die das Römische Reich je erlitten hatte; ernsthafte Expansionsbestrebungen nach Germanien wurden in den kommenden Jahrhunderten nicht mehr unternommen. In Rom herrschte drei Tage Staatstrauer, und Tiberius, der eben erst siegreich heimgekehrt war, verzichtete auf einen Triumph.[9]

      Nach der schmachvollen Niederlage des Varus wurde Tiberius aufgrund seiner gro√üen milit√§rischen Erfahrung in Germanien wieder mit dem imperium proconsulare ausgestattet. Im ersten Jahr seines milit√§rischen Kommandos 10 n. Chr. sah er davon ab, den Rhein zu √ľberqueren.[10] Laut Sueton handelte Tiberius mit √§u√üerster Vorsicht und Zur√ľckhaltung und nur in Absprache mit seinem Beraterkreis,[11] wodurch angedeutet sein mag, dass Tiberius bereits anf√§nglich nicht eine R√ľckeroberung des Raumes zwischen Elbe und Rhein plante, sondern sich auf Strafexpeditionen beschr√§nken wollte.[12] Bez√ľglich anschlie√üender milit√§rischer Erfolge sind die Quellendarstellungen widerspr√ľchlich. Velleius Paterculus, der allgemein die Leistungen des Tiberius verherrlicht, berichtet, dass Tiberius den Rhein √ľberschritt und erfolgreich bis tief in das Landesinnere vordrang, um germanische Siedlungen zu brandschatzen und Felder zu verw√ľsten.[13] Nach Cassius Dio, der sein Geschichtswerk Anfang des 3. Jahrhunderts abfasste, kam es zu keinen nennenswerten milit√§rischen Auseinandersetzungen.[14] Arch√§ologische Untersuchungen haben bislang keine Spuren von Milit√§rwegen oder Anzeichen von Holzkohleschichten nachweisen k√∂nnen, die man bei einem gro√üfl√§chigen Abbrennen von Siedlungen erwarten w√ľrde.[15]

      Anfang 13 n. Chr. kehrte Tiberius nach Rom zur√ľck und hielt den verschobenen Triumph f√ľr die Niederschlagung des Pannonischen Aufstands ab. Seine Amtsgewalten, die tribunicia potestas und das imperium proconsulare maius, wurden auf weitere zehn Jahre verl√§ngert. Als Augustus am 19. August 14 starb, hatte Tiberius somit alle Rechte inne, auf denen der Prinzipat beruhte.

      Der Prinzipat des Tiberius [Bearbeiten]
      Regierungsantritt [Bearbeiten]

      Tiberius-B√ľste, EremitageMit dem Tod des Augustus war der 55 Jahre alte Tiberius praktisch zum Nachfolger designiert. Auch seine milit√§rischen Erfahrungen lie√üen ihn konkurrenzlos erscheinen. Am 18. September 14 lie√ü er den Senat einberufen, um die Leichenfeier und die Divinisierung f√ľr Augustus beschlie√üen zu lassen. In dieser Senatssitzung wurde das private Testament des Augustus er√∂ffnet. Tiberius und Livia waren als Haupterben eingesetzt, wobei Tiberius zwei Drittel und Livia ein Drittel der Erbschaft erhielten.[16] Durch das Testament wurde Livia adoptiert und zur Iulia Augusta erhoben.[17] Livia, die bereits unter Augustus √∂ffentlich als Teilhaberin am Prinzipat aufgetreten war und in der offiziellen Propaganda - etwa auf M√ľnzen - als solche dargestellt wurde, konnte somit in ihrer neuen Stellung als Kaisermutter h√∂chsten Einfluss aus√ľben. Bis zu ihrem Tod im Jahr 29 gelang es ihr in dieser Rolle, die zunehmenden Anfeindungen innerhalb der Kaiserfamilie, besonders angesichts der Nachfolgefrage, zu kontrollieren. Allerdings bestand ein Konkurrenzverh√§ltnis zwischen der herrschs√ľchtigen Mutter und dem Sohn.

      Trotz des eindeutigen Testaments des Augustus wartete Tiberius demonstrativ das ausdr√ľckliche Ersuchen des Senats ab, die Kaiserw√ľrde anzunehmen. Diese z√∂gernde Haltung (recusatio imperii) kann damit erkl√§rt werden, dass Tiberius allgemein als zur√ľckhaltender Mensch galt; wahrscheinlicher ist jedoch, dass er bewusst den R√ľckhalt und die verbindliche Festlegung des Senats auf seine Person suchte, um als ehemals umstrittener Nachfolgekandidat seine Position zu st√§rken. Eine solche eher taktisch motivierte Zur√ľckhaltung spiegelt sich auch darin, dass Tiberius in sp√§teren Jahren h√§ufig R√ľcktrittsgedanken √§u√üerte.[18] Au√üerdem akzeptierte Tiberius zwar den Ehrenbeinamen Augustus, den an Augustus verliehenen Titel pater patriae lehnte er jedoch ab. Erst ab dem 10. M√§rz 15 bekleidete er das Amt des pontifex maximus. Da es sich um die historisch erste √úbertragung der an Augustus pers√∂nlich verliehenen Amtsgewalten handelte, war es noch nicht endg√ľltig entschieden, dass die Institution des Prinzipats eine dauerhafte werden sollte. Der Senat akzeptierte jedoch widerspruchslos die Amtsstellung des Kaisers und f√ľgte sich zunehmend in dessen Autorit√§t.

      Unmittelbar zu Beginn der Kaiserherrschaft des Tiberius wurde Agrippa Postumus ermordet. Bereits in der Antike wurde spekuliert, ob Tiberius f√ľr die Ermordung verantwortlich war, ob Augustus angeordnet hatte, Agrippa Postumus nach seinem Tod beseitigen zu lassen, oder ob Livia die Herrschaft f√ľr ihren Sohn sichern wollte.[19] Tacitus legt eine Mitschuld des Tiberius nahe.[20] Tiberius bestritt jedoch die Verantwortung f√ľr den Mord. Noch 14 n. Chr. machte Tiberius dem kappadokischen K√∂nig Archelaos, von dem er sich w√§hrend der schwierigen Zeit in Rhodos nicht genug beachtet f√ľhlte, den Prozess.

      Meuterei der Legionen und Marserfeldzug [Bearbeiten]
      Unmittelbar nach Tiberius' Herrschaftsantritt kam es zu einer Meuterei der in Pannonien und Germanien stationierten Legionen. Gr√ľnde f√ľr den Aufstand waren die H√§rte des Dienstes, die L√§nge der Dienstzeit und der geringe Sold.[21] Diese Missst√§nde gingen zur√ľck auf die Politik des verstorbenen Augustus und dessen strenge Reaktionen auf den Pannonischen Aufstand und die Varusniederlage. W√§hrend Tiberius' Sohn Drusus die Lage in Pannonien ohne gr√∂√üere Komplikationen beruhigen konnte, hatte Germanicus zun√§chst gro√üe M√ľhe, die ihm in Germanien unterstellten Legionen wieder unter Kontrolle zu bringen, die ihn statt Tiberius zum neuen Princeps ausrufen wollten.[22] Die Legio XIV Gemina verweigerte den Treueeid, und in einem Sommerlager schlossen sich die zusammengezogenen vier Legionen des niedergermanischen Heeres dem Beispiel an. Germanicus blieb Tiberius gegen√ľber loyal und weigerte sich, den auf einen Staatsstreich gerichteten Forderungen nachzukommen. Schlie√ülich beendete er die Meuterei mit zahlreichen Zugest√§ndnissen im Namen des Princeps, ohne sich jedoch zuvor bei Tiberius r√ľckversichert zu haben. So sagte er beschleunigte Dienstentlassungen und Geldgeschenke an die Soldaten zu. Um ein m√∂gliches Wiederaufleben der Meuterei zu verhindern und zugleich eine Strafexpedition f√ľr die Varusniederlage durchzuf√ľhren, initiierte er im Herbst des Jahres 14 einen Feldzug gegen die Marser. In diesem Feldzug erlitten seine Legionen nur geringe Verluste.

      Tiberius reagierte ambivalent.[23] Denn einerseits betrachtete er den Sieg √ľber die Marser als Erfolg, und es war Germanicus gelungen, das Heer zu disziplinieren. Andererseits lehnte er das eigenm√§chtige Vorgehen des Germanicus ab, zumal dessen neu gewonnener Ruhm die Position des Tiberius im Heer schw√§chte.

      Abbruch der Expansion an Rhein und Donau [Bearbeiten]
      Unter Augustus und zu Beginn der Herrschaft des Tiberius wollte Rom die clades Variana korrigieren, zumindest aber die aufr√ľhrerischen Germanenst√§mme formell unterwerfen und die Deserteure bestrafen, allein schon zur Abschreckung k√ľnftiger Aufr√ľhrer. Diese Ziele wurden jedoch nicht erreicht. Die R√∂mer hatten Gl√ľck, dass die anderen Fronten w√§hrend dieser Zeit ruhig blieben, denn das r√∂mische Heer war nicht gro√ü genug, um auf Dauer acht Legionen an der Germanenfront bereit zu halten. Die Katastrophe des Varus, der im Jahr 13 v. Chr. zusammen mit Tiberius das Konsulat innegehabt hatte, und das von Germanicus im Jahre 14 vorgefundene Problem der Milit√§rrevolten lie√üen Tiberius von der Grenzverschiebung in Richtung Weser und Elbe endg√ľltig Abstand nehmen. Der illusionslose Germanienkenner Tiberius ging im Gegensatz zu Germanicus zu einer defensiven Grenzpolitik √ľber, die die Germanen ihrem inneren Streit √ľberlie√ü und sich auf die Behauptung eines der Grenze vorgelagerten Gebietes beschr√§nkte. Tiberius erkannte, dass Rom die germanische Arminius-Koalition allein schon aufgrund der logistischen und topographischen Gegebenheiten nicht ohne betr√§chtliche Mittelaufstockung besiegen konnte. Die r√∂mischen Truppen konnten sich bei einem Vormarsch nicht aus dem Lande ern√§hren, und der Landkriegsf√ľhrung standen durch die weiten Wege und Transporte bei den kurzen Feldzugszeiten nahezu un√ľberwindbare Schwierigkeiten und Risiken entgegen.

      Tiberius gebot den zum Teil verlustreichen Unternehmungen des Germanicus in den Jahren 15 und 16 Einhalt und rief ihn nach Rom zur√ľck. Er berief sich dabei angeblich auf den Rat des Augustus, das Reich in seinen gegenw√§rtigen Grenzen zu belassen (consilium coercendi intra terminos imperii).[24] Die Historizit√§t des consilium coercendi wird allerdings in der modernen Forschung angezweifelt,[25] unter anderem, weil die offizielle Darstellung des Augustus gegen√ľber dem Senat in den Res Gestae Divi Augusti einen derart weiten Entscheidungsspielraum des Kaisers auszuschlie√üen scheint. Auch ist unsicher, ob mit intra terminos die West- oder die Ostgrenze des Reichs gemeint sei, und ob es sich im ersteren Fall um die Elbgrenze oder die Rheingrenze handele.

      Tiberius bewilligte dem Germanicus einen aufw√§ndigen Triumph √ľber die Germanen, den dieser am 26. Mai 17 in Rom abhielt. Tiberius wollte damit einerseits Germanicus eine feierliche Anerkennung seiner Gesamtleistungen zuteil werden lassen, andererseits den faktischen Abbruch der Offensive als au√üenpolitischen Erfolg darstellen. Paradoxerweise erwies gerade die Katastrophe der Varusschlacht die Best√§ndigkeit der r√∂mischen Grenze am Rhein, um derentwillen die Eroberung Germaniens begonnen worden war. Durch die Abberufung des Germanicus (16 n. Chr.) setzte sich die neue au√üenpolitische Linie des Tiberius durch, die in der Tabula Siarensis (19 n. Chr.) ihren Niederschlag finden sollte: Befriedung Galliens, Vergeltung f√ľr die Varusniederlage, R√ľckgewinnung der Feldzeichen, jedoch nicht mehr die Eroberung des rechtsrheinischen Germanien. Diese Politik fand mit dem Tod des Tiberius (37 n. Chr.) ihr Ende, sein Nachfolger Caligula unternahm wieder (erfolglose) Expeditionen in das germanische Kerngebiet.

      Orientreise und Tod des Germanicus [Bearbeiten]
      Nach seinem Triumph reiste Germanicus im Auftrag des Tiberius in den Osten des Reiches, um die politischen Verh√§ltnisse aus r√∂mischer Sicht zu ordnen. Kappadokien wurde zur r√∂mischen Provinz. Germanicus erhielt ein spezielles imperium, das zwar √ľber dem aller anderen Prokonsuln stand, aber unter dem des Tiberius. √úber Griechenland und Kleinasien gelangte er nach Syrien, von dort nach √Ągypten, zum gro√üen Missfallen des Tiberius, da es keinem Senator erlaubt war, die f√ľr die Getreideversorgung Roms wichtige Provinz Aegyptus zu betreten, die als pers√∂nliches Eigentum des Kaisers betrachtet wurde. Nach der R√ľckkehr nach Syrien erkrankte Germanicus in Antiochia und starb dort im Jahr 19. Schnell kamen zahlreiche Ger√ľchte auf, wie es zum Tod des Germanicus gekommen sei.


      Der thronende Tiberius empf√§ngt den siegreichen Germanicus, sogenannte Grand Cam√©e de France, BnF, ParisAufgrund eines Konkurrenzverh√§ltnisses zu Germanicus wurde insbesondere der Statthalter der Provinz Syria, Gnaeus Calpurnius Piso, beschuldigt, Germanicus vergiftet zu haben. Giftmordanklagen waren im kaiserzeitlichen Rom h√§ufig und wegen der eingeschr√§nkten Untersuchungsmethoden letztlich nicht nachweisbar. Sentius Saturninus beschuldigte Martina, eine Freundin der Gattin des Piso, des Giftmordes an Germanicus. Aufgrund der Entsendung des Germanicus und der Ernennung Pisos vermutete man in Rom ein Komplott, da vor allem Tiberius und Livia daran interessiert gewesen seien, den popul√§ren Germanicus zu beseitigen, um Tiberius' Sohn Drusus die Nachfolge zu sichern. Tiberius verhielt sich zuerst zur√ľckhaltend, worauf seine Kritiker Ger√ľchte verbreiteten, er habe die Nachricht √ľber den Tod des Germanicus innerlich mit Freude und Genugtuung aufgenommen. Deshalb lie√ü Tiberius eine Erkl√§rung ver√∂ffentlichen, in der er erl√§uterte, dass viele erlauchte R√∂mer f√ľr den Staat gestorben seien; diese seien sterblich, ewig sei nur das Gemeinwesen (principes mortales - rem publicam aeternam). Jedoch lie√üen die Ger√ľchte und Forderungen nach Bestrafung des Schuldigen nicht nach, vor allem, weil die als ‚ÄěGiftmischerin" beschuldigte Martina auf ihrem Weg von Syrien nach Rom in Brundisium selbst an Gift gestorben war und in ihrem Haar verstecktes Gift gefunden wurde.

      Angesichts dieser Indizien, auch mit Blick auf die Ger√ľchte um sein eigenes mutma√üliches Motiv (sein Sohn Drusus war mit Germanicus' Tod unangefochtener Nachfolger geworden), sah sich Tiberius schlie√ülich veranlasst, Anklage gegen Piso zu erheben. Tiberius forderte in diesem Prozess die Senatoren auf, unparteiisch zu sein. Piso fand jedoch weder vor dem Senat noch bei seinen engsten Freunden R√ľckhalt und wurde noch vor Prozessende tot aufgefunden. Die Umst√§nde sind unklar. Die fr√ľher nur literarisch bekannten Einzelheiten des Prozesses sind seit einigen Jahren durch einen Inschriftenfund erg√§nzt worden.[26] Die in Spanien gefundene Inschriftentafel enth√§lt einen Senatsbeschluss im Anschluss an den Piso-Prozess. Der Giftmordvorwurf ist im Senatsbeschluss angedeutet; der offizielle Vorwurf gegen Piso war allerdings bewaffneter Aufruhr. Die Berufung des Tiberius auf sein Gerechtigkeitsempfinden (aequitas) ist deutlich hervorgehoben. Kopien des Senatsbeschlusses wurden in allen Legionslagern und Provinzhauptst√§dten des Reiches aufgestellt.

      Rom und Italien [Bearbeiten]
      Tiberius bem√ľhte sich zu Beginn seiner Regierung um Legitimation und ein gutes Verh√§ltnis zu Senat und Ritterstand, dessen Priviliegien (Tragen des Goldringes, bevorzugte Sitze bei Spielen) bewahrt blieben. Er √ľbertrug dem Senat das Wahlrecht von Amtstr√§gern, das bis dahin nominell von der stadtr√∂mischen B√ľrgerschaft ausge√ľbt worden, unter Augustus aber faktisch ein Privileg des Kaisers geworden war.[27] Auch vermied es Tiberius, lediglich den Senatsausschuss zu befassen, mit dem Augustus vorher anstelle des gesamten Gremiums verhandelt hatte. Der Versuch, stattdessen dem Senatsplenum gr√∂√üere Entscheidungsm√∂glichkeiten einzur√§umen, scheiterte jedoch am Ungleichgewicht der Macht und am Kampf der verschiedenen Gruppen um Einfluss, vor allem in der Frage der Nachfolge. Es bildeten sich Parteiungen gegen√ľber einzelnen Mitgliedern der Kaiserfamilie oder anderen einflussreichen Pers√∂nlichkeiten, wie Seianus, heraus, die zu gegenseitigen Unterstellungen und Anfeindungen f√ľhrten. Bereits im Jahr 16 wurde Libo Drusus, ein Urenkel des Pompeius, einer Verschw√∂rung gegen die Kaiserfamilie verd√§chtigt und zum Selbstmord gezwungen.

      Tiberius setzte den konservativen Kurs des Augustus in der Religionspolitik fort. Magier und Astrologen lie√ü er im Jahr 16 aus Italien ausweisen, obwohl er selbst als deren Anh√§nger galt und bei Entscheidungen h√§ufig den Rat des Astrologen Thrasyllos einholte, der ihm seine R√ľckkehr von Rhodos ‚Äěvorausgesagt" hatte. Des Weiteren ging Tiberius im Jahr 19 scharf gegen den Isiskult und das Judentum vor, nachdem es zu angeblich religionsbedingten Unruhen und St√∂rungen der √∂ffentlichen Ordnung gekommen war. 4.000 j√ľdische Freigelassene wurden nach Sardinien gebracht, um dort gegen sardische R√§uber milit√§risch eingesetzt zu werden. Die restlichen Juden wurden gezwungen, ihrem Glauben abzuschw√∂ren oder Italien zu verlassen.[28] Jedoch gelang es Tiberius nicht, den j√ľdischen Glauben in Rom und Italien langfristig zu unterbinden.

      Provinzen und Klientelstaaten [Bearbeiten]
      Tiberius war in der Verwaltung des Reiches erfolgreich.[29] Er setzte den von Augustus am Ende seiner Herrschaft eingeschlagenen konservativen, auf die Bewahrung des Bestehenden ausgerichteten Kurs fort. Tiberius berief sich ebenso wie Augustus auf die Herrschertugenden virtus, clementia, iustitia und pietas (‚ÄěExzellenz", ‚ÄěMilde", ‚ÄěGerechtigkeit" und ‚ÄěEhrerbietung"). Jedoch war die Propaganda in Inschriften und auf M√ľnzen zus√§tzlich durch Schlagw√∂rter wie salus und moderatio (‚ÄěWohlergehen" und ‚ÄěZur√ľckhaltung") gekennzeichnet, die als Leitbilder seiner Regierung moderne Verwaltungsziele widerspiegeln, etwa eine ausgewogene, dezentrale Wirtschaftspolitik.

      Statthalter wurden weit √ľber die √ľbliche einj√§hrige Amtszeit hinaus auf ihren jeweiligen Posten belassen, wodurch eine gr√∂√üere Kontinuit√§t in der Provinzverwaltung erreicht wurde. So war beispielsweise Lucius Aelius Lamia neun Jahre lang Statthalter von Syrien. Er verwaltete dabei die Provinz von Rom aus.

      Neben dem im Jahr 17 annektierten Kappadokien wurde Kommagene vor√ľbergehend zur r√∂mischen Provinz, bis sie unter Vespasian endg√ľltig in das Imperium eingegliedert wurde. Au√üerdem sorgte seit demselben Jahr der Numider Tacfarinas, der aus einer r√∂mischen Hilfstruppe desertiert war, f√ľr Aufruhr im afrikanischen Teil des r√∂mischen Reichs. Er wurde zwar von r√∂mischen Truppen im offenen Kampf geschlagen, jedoch erholten sich die Aufst√§ndischen wieder und f√ľhrten fortan verheerende Kleinkriege gegen die r√∂mische Besatzungsmacht. Forderungen und Verhandlungen unter der F√ľhrung des Tacfarinas nach Land f√ľr sich und sein Heer lehnte Tiberius ab. Stattdessen schickte er eine weitere Legion, die Legio IX Hispana, mit dem Befehl nach Afrika, Tacfarinas zu vernichten. Erst sieben Jahre nach ihrem Beginn konnten die von Tacfarinas angef√ľhrten Revolten unter Publius Cornelius Dolabella endg√ľltig niedergeschlagen werden. Tacfarinas fiel im Kampf, sein Sohn geriet in Gefangenschaft.

      Die Lebensmittelversorgung, die Steuerbelastungen sowie die Arroganz und Grausamkeit der r√∂mischen Statthalter sorgten in Gallien f√ľr Unruhen, die zum Aufstand des H√§duers Iulius Sacrovir und des Treverers Iulius Florus im Jahre 21 f√ľhrten. Dieser Aufstand wurde jedoch in k√ľrzester Zeit niedergeschlagen. In den Jahren 22 bis 25 wurden rebellische thrakische St√§mme mit Erfolg bek√§mpft. Bemerkenswert ist die milit√§rstrategische Zur√ľckhaltung des Tiberius, denn mit Ausnahme der Feldz√ľge gegen Aufst√§ndische gab es keinerlei gro√üe Milit√§raktionen w√§hrend seiner Herrschaft.

      In Armenien, wo sich r√∂mische und parthische Interessen kreuzten, wurde mit Artaxias III. um das Jahr 18 ein neuer K√∂nig eingesetzt. Rom wollte die Parther in einer st√§ndigen Bedrohungssituation belassen, um ihnen den Anreiz eines Einfalles in Kleinasien, Syrien oder Pal√§stina zu nehmen, was bis zum Tod des Artaxias im Jahre 34 oder 35 gelang. Erst in der sich anschlie√üenden Nachfolgefrage sollte der Partherk√∂nig Artabanos II. seinen Sohn Arsaces auf den armenischen Thron setzen und Gebietsabtretungen der R√∂mer in Kleinasien fordern. Durch das diplomatische Eingreifen des Lucius Vitellius, Statthalter von Syrien, konnte ein Gebietsverlust jedoch abgewendet werden. Lucius Vitellius griff in den Jahren 35/36 auch in die parthischen Thronwirren ein und konnte Tiridates III. vor√ľbergehend als K√∂nig der Parther einsetzen.

      Haushalts- und Finanzpolitik [Bearbeiten]

      Aureus des TiberiusDie Haushaltspolitik des Tiberius war durch ein rigoroses Sparprogramm gepr√§gt, in dem keine gr√∂√üeren Bauprojekte vorgesehen waren. Einige wenige Ausnahmen waren Tempel, die zur Demonstration der pietas dienten, sowie der Bau von Stra√üen f√ľr milit√§rische Zwecke in Nordafrika, Spanien, Gallien, Dalmatien und Moesien.

      Tiberius' Sparsamkeit und seine Abkehr vom Luxus hatten sich bereits in dem gegen Kleidungsluxus gerichteten Senatsbeschluss des Jahres 16 gezeigt, der das Tragen von durchsichtigen Seidengew√§ndern verbot, sowie in einem Gesetz aus dem Jahre 22, das sich gegen den Tafelluxus richtete. Tiberius sah davon ab, seine Popularit√§t durch aufw√§ndige Spiele zu erh√∂hen, und zeigte sich allgemein bei Spielen gegen√ľber der stadtr√∂mischen B√ľrgerschaft desinteressiert.

      Allerdings war er bei gro√üen Notlagen so spendabel wie kaum ein Politiker vor ihm. Bei den Gro√übr√§nden in der Stadt Rom in den Jahren 27 und 36 und bei einer Tiber√ľberschwemmung, die ebenfalls im Jahre 36 eintrat, sowie bei Getreideteuerungen spendete Tiberius Millionen von Sesterzen. Seine Gro√üz√ľgigkeit in Notsituationen bekamen auch die Provinzen zu sp√ľren: Als ein Erdbeben 17 n. Chr. zw√∂lf asiatische St√§dte vernichtete, darunter Sardes, spendete er zehn Millionen Sesterzen und gew√§hrte einen f√ľnfj√§hrigen Steuererlass.[30] Diese F√ľrsorge des Tiberius wurde in der M√ľnzpr√§gung civitatibus Asiae restitutis (‚Äěf√ľr den Wiederaufbau der St√§dte Asiens") proklamiert.

      Von seinem Alterssitz auf Capri aus griff Tiberius im Jahr 33 in eine Finanzkrise in Rom ein, die vor dem Hintergrund seiner restriktiven Geldpolitik durch illegale Zinserh√∂hung der Geldverleiher ausgel√∂st worden war, die zugleich immer weniger Kredite gew√§hrten. Da der Senat die Finanzkrise nicht mit eigenen Mitteln bew√§ltigen konnte, stellte Tiberius Kreditvermittlern 100 Millionen Sesterzen zur Vergabe von zinslosen Krediten auf drei Jahre zur Verf√ľgung, mit der Bedingung, dass ihre Schuldner dem r√∂mischen Staat Grundst√ľcke von doppeltem Wert als Sicherheiten √ľberschreiben mussten.[31] Die Finanzkrise konnte so behoben werden.

      Aufgrund des rigorosen Sparkurses von Tiberius fand sein Nachfolger Caligula 2,7 Milliarden Sesterzen in der Staatskasse vor, die dieser allerdings schnell verschwendete.[32] Tiberius konnte auch daraus finanziellen Gewinn ziehen, dass wegen Majestätsverbrechen verurteilte Senatoren ihr Erbe an den Kaiser abtreten mussten.

      Majestätsprozesse [Bearbeiten]
      Die unter Augustus noch seltenen Anklagen wegen Majest√§tsbeleidigung nahmen merklich zu. Auf Grundlage der noch von Augustus eingef√ľhrten lex Iulia de maiestate konnten nicht nur Lebensbedrohungen, sondern auch Schm√§hungen der Person des Princeps bestraft werden. In den Jahren 14-20 hatte Tiberius sich zun√§chst noch entschieden gegen die Verfolgung solcher Schm√§hungen gewandt.

      Die ersten von Tiberius gebilligten Prozesse wurden vermutlich ma√ügeblich vom Senat initiiert, dem ein Teil des Gerichtswesens institutionell unterlag. Seit dem Jahr 24 wurden Majest√§tsprozesse h√§ufiger eingeleitet, obwohl Tiberius das Majest√§tsgesetz nicht versch√§rfte. Insgesamt gab es unter seiner Herrschaft etwa 60 Majest√§tsprozesse.[33] Ihre Anzahl hatte deshalb so sprunghaft zugenommen, weil der unbestimmte Rechtsbegriff der laesa maiestas so weit ausgelegt wurde, dass schon das Mitsichf√ľhren einer Kaiserm√ľnze auf dem sanit√§ren Abtritt oder im Bordell Gegenstand einer Anklage werden konnte. Wahrscheinlich handelte es sich dabei eher um einen von vielen Anklagepunkten in einer Reihe von jeweils zur Last gelegten Vergehen. Besonders dissidente literarische Anspielungen konnten strengstens bestraft werden. So war der Historiker Cremutius Cordus gezwungen, sich durch Nahrungsverweigerung das Leben zu nehmen, da man ihm vorwarf, in seinem Geschichtswerk vorteilhaft auf die Caesarm√∂rder Brutus und Cassius eingegangen zu sein. Brutus hatte er gelobt, Cassius soll er den ‚Äěletzten R√∂mer" genannt haben. Die meisten Exemplare des Werks wurde auf Senatsbeschluss verbrannt, sp√§ter wurde es aber wieder herausgegeben. Nachdem sich Gaius Asinius Gallus, der Ehemann von Tiberius' erster Frau Vipsania Agrippina, nach dem Sturz von Agrippina der √Ąlteren dem Sejan zugewandt hatte, wurde er im Jahr 30 inhaftiert und nach drei Jahren ebenfalls durch Nahrungsentzug get√∂tet.

      Tacitus beschreibt die Majest√§tsprozesse als willk√ľrliches Handeln eines Tyrannen, und diese Deutung ist vor allem in der √§lteren Forschung weitgehend √ľbernommen worden.[34] Die neuere Forschung dagegen hat sie zunehmend relativiert, da die Darstellung des Tacitus einseitig die institutionelle Verantwortung des Princeps betone und mit R√ľcksicht auf sein senatorisches Publikum das interne R√§nkespiel senatorischer Familien herunterspiele. Es bildete sich erstmals das Ph√§nomen senatorischen Denunziantentums heraus, das die Beziehung von Kaiser und Senat bis zum Ende des 1. Jahrhunderts erheblich belasten sollte. Die kurz zuvor von Augustus geschaffene Stellung des Princeps war institutionell noch nicht so weit gefestigt, dass Tiberius eine repressive Politik g√§nzlich ohne Unterst√ľtzung zumindest eines Teils des Senates h√§tte durchsetzen k√∂nnen. Erst die sp√§tere Unterw√ľrfigkeit des Senats erm√∂glichte die autokratische Gewaltherrschaft eines Caligula, Nero oder Domitian.[35]

      Aufstieg und Fall des Seianus [Bearbeiten]
      Anl√§sslich des fr√ľhen Todes von Germanicus, des designierten Nachfolgers von Tiberius, im Jahr 19 stellte sich erneut die Nachfolgefrage. Das Verh√§ltnis zwischen Tiberius und Germanicus' Witwe Agrippina der √Ąlteren war gespannt, da sie als Enkelin des Augustus ihre S√∂hne als potenzielle Nachfolger des Tiberius sah.

      In dieser Zeit begann der Einfluss des Pr√§torianerpr√§fekten Lucius Aelius Seianus zu wachsen. Er baute die von ihm kommandierte Pr√§torianergarde zu einem pers√∂nlichen Machtfaktor aus, indem er sie in einem einzigen Lager, den Castra praetoria, auf dem Viminal vor der Stadtmauer stationierte. Tacitus zufolge vertraute Tiberius Seianus blind, seitdem dieser sich beim Einsturz einer H√∂hle sch√ľtzend √ľber Tiberius geworfen hatte.[36] Das Seianus-Bild bei Tacitus ist allerdings, wie bei Sueton, √§u√üerst negativ und steht damit im Gegensatz zu der positiven Charakterisierung des Seianus durch seinen Zeitgenossen Velleius Paterculus, der 30 n. Chr. schrieb.[37]

      Seianus plante vermutlich, durch systematische Ausschaltung der nat√ľrlichen Erben des Tiberius und Einheirat in dessen Familie selbst Nachfolger des Princeps Tiberius zu werden. Angeblich verleitete er Livilla, die Frau von Tiberius' Sohn Drusus, zum Ehebruch. Im Jahr 23 starb der Thronfolger Drusus an einer Krankheit, wie man allgemein annahm. Im Jahr 31 sagte Apicata, die versto√üene Ehefrau des Seianus, aus, dass dieser Drusus habe vergiften lassen, indem er sich den Lieblingseunuchen des Drusus, Eudamus, h√∂rig machte und mit der Verabreichung des Giftes beauftragte, wie auch einige zeitgen√∂ssische Autoren berichteten.[38] Apicata wurde allerdings bei dieser Aussage stark unter Druck gesetzt, da sie nicht nur um ihr eigenes Leben, sondern auch um das ihrer Kinder f√ľrchten musste. In der Forschung wird die Beteiligung des Seianus am Tod des Drusus sowie gelegentlich auch das Verh√§ltnis zu Livilla bezweifelt.[39]

      Seianus versuchte im Jahr 25, Livilla zu heiraten, wodurch er Mitglied der kaiserlichen Familie geworden w√§re. Tiberius lehnte die Heirat jedoch mit R√ľcksicht auf Vorbehalte in der Kaiserfamilie ab, die eine Verschw√§gerung mit dem aus dem Ritterstand stammenden Seianus als unstandesgem√§√ü empfand.


      Marmor-Statue des Tiberius, gefunden auf Capri, heute im LouvreNachdem seine Heiratspl√§ne vereitelt worden waren, stellte Seianus Tiberius in √∂ffentlichen Reden die Vorteile des l√§ndlichen Lebens au√üerhalb der Hauptstadt vor Augen. Dem Princeps war die Anwesenheit in Rom mit ihren Intrigen und Streitereien zwischen seinen Familienangeh√∂rigen zuwider, vor allem die problematischen Beziehungen zu seiner Mutter Livia und zu Agrippina, der Witwe des Germanicus. Hinzu kamen Angst um seine pers√∂nliche Sicherheit und menschenscheues Verhalten. Bereits seit dem Jahr 22 hatte er sich wiederholt in Kampanien aufgehalten und Drusus die tribunicia potestas verliehen. Seianus hatte ein entschiedenes Interesse am R√ľckzug des Kaisers, da er dadurch - praktisch in Stellvertreterfunktion - die √úbernahme der Macht vorbereiten konnte. Im Jahr 26 zog sich Tiberius tats√§chlich auf die abgelegene Insel Capri zur√ľck. Seianus kontrollierte von nun an den Zugang zu Tiberius, da seine Pr√§torianer verantwortlich f√ľr die √úbermittlung der kaiserlichen Korrespondenz waren.

      Seianus brachte schließlich seinen Anspruch auf die Thronfolge offen zum Ausdruck, indem er seinen Geburtstag zum römischen Feiertag erklären und sich öffentlich durch Aufstellen von Statuen mit seinem Konterfei ehren ließ. Dadurch stellte er den Kult um seine Person dem des Kaisers gleich.

      Durchaus in √úbereinstimmung mit den Interessen des Tiberius war Seianus wahrscheinlich an Intrigen gegen Agrippina und ihre Parteig√§nger entscheidend beteiligt. Angeblich lie√ü er ihren √§ltesten Sohn und Nachfolgekandidaten Nero Caesar bespitzeln und durch Mittelsm√§nner zu unbedachten √Ąu√üerungen gegen Tiberius verleiten. Als Folge wurden Nero und Aggripina im Jahre 29 auf die Insel Pandataria verbannt, wo beide in den Tod gedr√§ngt wurden. Ihr zweiter Sohn Drusus Caesar verhungerte ein Jahr sp√§ter im Kerker. Einige Forscher sehen jedoch die Beteiligung des Seianus an den nicht genau bekannten Vorw√ľrfen gegen die Familie des Germanicus als allenfalls gering an.[40]

      Antonia Minor, die Witwe von Tiberius' Bruder Drusus, denunzierte schlie√ülich Seianus bei Tiberius mit dem Vorwurf, dieser wolle Gaius, den sp√§teren Kaiser Caligula, beseitigen lassen, um sich als einzigen Nachfolger zu positionieren. Als Reaktion lie√ü Tiberius im Jahr 31 von Capri aus einen Brief an den Senat schicken, wobei er Seianus, der unl√§ngst zum Consul ernannt worden war, in den Glauben setzte, dass dieser Brief die √úbertragung der Amtsgewalten an dessen Person enthielt. Der in Anwesenheit des Seianus verlesene Brief begann mit dessen Verdiensten, endete aber mit Vorw√ľrfen und der Verurteilung des Seianus. Seianus wurde verhaftet und zusammen mit seinen Kindern durch Strangulierung hingerichtet. Sein Leichnam wurde auf die Gemonische Treppe geworfen, dort vom Mob zerst√ľckelt und anschlie√üend an einem Haken zum Tiber geschleift, da nach altr√∂mischer Jenseitsvorstellung den im Meer treibenden Toten der Zugang zur Unterwelt verwehrt war. Es ist unklar, ob Seianus tats√§chlich die Ermordung Caligulas plante oder einer Hofintrige bzw. seinen eigenen Machtanspr√ľchen, die ihm Neid und Missgunst einbrachten, zum Opfer fiel.[41] In den Jahren 31 bis 37 wurden zahlreiche Senatoren und Ritter unter dem Verdacht, die Pl√§ne des Seianus unterst√ľtzt zu haben, hingerichtet oder zum Selbstmord gezwungen. Tacitus beschreibt im sechsten Buch der Annalen eine Atmosph√§re voller Terror und Intrigen, bei der es unklar gewesen sei, ‚Äěob es bejammernswerter sei, der Freundschaft wegen angeklagt zu werden oder den Freund selbst anzuklagen".[42]

      Nachfolger des Seianus als Prätorianerpräfekt wurde Naevius Sutorius Macro.

      Die letzten Jahre [Bearbeiten]
      Alterssitz auf Capri [Bearbeiten]

      Ruine der Villa Jovis von Tiberius auf CapriDie antiken Historiographen (Cassius Dio, Sueton und Tacitus) stellten den Kaiser in seinen letzten Lebensjahren als unansehnlichen, durch Hautgeschw√ľre entstellten Lustgreis dar, der sich auf Capri p√§dophilen und sadistischen Neigungen hingebe und die √Ėffentlichkeit scheue. Insbesondere der Kaiserbiograph Sueton charakterisierte Tiberius in dieser Hinsicht sehr ausf√ľhrlich, bediente allerdings damit die Erwartung eines senatorischen Publikums im fr√ľhen 2. Jahrhundert. So soll Tiberius m√§nnliche Minderj√§hrige in den kaiserlichen Thermalbecken zu homosexueller Unterwasser-Fellatio missbraucht und in diesem Zusammenhang seine ‚ÄěFischlein" genannt haben. Angeblich wurde auch der sp√§tere Kaiser Vitellius von Tiberius hierzu sexuell missbraucht.[43]

      Die moderne Forschung l√∂st sich von diesen tendenziell stereotypen √úberlieferungsformen, die sich dadurch begr√ľnden lassen, dass zum Ende der Regierungszeit des Tiberius erstmalig die politische Ohnmacht und der Autorit√§tsverlust des Senats vor Augen traten. Dies √§u√üerte sich in den andauernden Majest√§tsprozessen und in der mangelnden Einflussm√∂glichkeit auf Entscheidungen im fernen Capri. Nach antikem Verst√§ndnis war es √ľblich, in biographischen Abhandlungen die allgemeine politische Richtung eines Kaisers mit dessen charakterlichen Anlagen und Privatinteressen in engen, teils fiktiven Zusammenhang zu bringen.[44] Die Residenz des Tiberius auf Capri, die Villa Jovis, ist als Ruine erhalten. Sie war grunds√§tzlich darauf ausgelegt, Regierungsgesch√§fte zu erledigen, wurde aber von keinem sp√§teren Kaiser mehr bewohnt.[45]

      Tod in Misenum, Beisetzung in Rom [Bearbeiten]

      Der Eingang zum Augustusmausoleum. Hier wurde die Asche des Tiberius beigesetzt.Als Tiberius am 16. M√§rz 37 in Misenum am Golf von Neapel starb, hatte er sich nicht nur beim Senat unbeliebt gemacht, sondern auch bei der stadtr√∂mischen B√ľrgerschaft, die seinen Leichnam wie den eines Verbrechers in den Tiber werfen (Tiberium in Tiberim[46]) oder im Theater von Atella anr√∂sten wollte. Die Anfeindungen in der Bev√∂lkerung resultierten aus den zahlreichen Hinrichtungen der letzten Regierungsjahre, denen j√§hrlich mehrere hundert B√ľrger der Hauptstadt zum Opfer fielen. Ihre Leichname wurden zur Abschreckung auf den Gemonischen Treppen ausgestellt. In der √∂ffentlichen Darstellung wurde diese Politik mit notwendiger Verbrechensbek√§mpfung und erforderlicher Eind√§mmung unsittlichen Verhaltens begr√ľndet.

      Tiberius' Leichnam wurde nach Rom eskortiert und √∂ffentlich verbrannt.[47] Seine Asche wurde im Augustusmausoleum beigesetzt. Eine Divinisierung erfolgte zun√§chst nicht, allerdings wird Tiberius in der Lex de imperio Vespasiani des Jahres 69 zu den verg√∂ttlichten Caesaren gez√§hlt. Der vollst√§ndige Name des Tiberius zum Zeitpunkt seines Todes lautete gew√∂hnlich Tiberius Caesar Divi Augusti filius Augustus, Pontifex maximus, Tribunicia potestate XXXVIII, Imperator VIII, Consul V (‚ÄěTiberius Caesar Augustus, Sohn des verg√∂ttlichten Augustus, h√∂chster Priester, im 38. Jahr Inhaber der tribunizischen Vollmacht, achtmal zum Imperator ausgerufen, f√ľnfmaliger Consul").

      Ger√ľchte um den Nachfolger [Bearbeiten]
      Es ist √ľberliefert, dass Tiberius in der Nachfolgeregelung unschl√ľssig gewesen sei. Einen Nachfolger au√üerhalb seiner Familie zu suchen, wagte Tiberius nicht, um das mit der Autorit√§t des Augustus verbundene dynastische Prinzip nicht zu verletzen.[48] Es blieben daher nur Germanicus' Sohn Gaius, der sp√§tere Kaiser Caligula, oder Tiberius Gemellus, Enkel des Tiberius, als Kandidaten √ľbrig. Im Jahr 31 lie√ü Tiberius Gaius zu sich nach Capri kommen. Dort gelang es Gaius offenbar, das Vertrauen des Kaisers zu gewinnen. Sueton gibt an, dass dieses Vertrauensverh√§ltnis auf dem gemeinsamen Interesse an Folterungen und sexuellen Ausschweifungen beruht habe. Tiberius soll angeblich zu Gaius gesagt haben: ‚ÄěDu wirst diesen [Gemellus] ermorden, dich ein anderer."[49] Tats√§chlich lie√ü Caligula, kurz nachdem er Kaiser geworden war, Tiberius Gemellus Ende des Jahres 37 oder Anfang des Jahres 38 t√∂ten, weil dieser verd√§chtigt wurde, eine schwere Krankheit Caligulas ausgenutzt zu haben, um sich gegen ihn zu verschw√∂ren. M√∂glicherweise wurde Tiberius selbst auch von Gaius umgebracht, wobei die Quellenaussagen nicht eindeutig sind und ungekl√§rte Todesf√§lle von Herrschern oft unbest√§tigte Mordger√ľchte nach sich zogen. Es wurde auch spekuliert, dass der Pr√§torianerpr√§fekten Macro den Tod des Tiberius herbeigef√ľhrt habe.[50]

      Wirkung [Bearbeiten]
      Kreuzigungsgeschehen [Bearbeiten]
      W√§hrend Tiberius' Regierungszeit wirkte Jesus Christus. In dessen Predigten und Gleichnissen gibt es mehrfach Bez√ľge zu Caesar (bzw. dem Kaiser in einigen √úbersetzungen), ohne jedoch den Namen Tiberius zu erw√§hnen, wie wahrscheinlich im Falle der Steuerm√ľnze in den Evangelien des Matth√§us (Mt 22,19 EU) und Markus (Mk 12,15 EU). Im Neuen Testament wird Tiberius nur einmal namentlich erw√§hnt, im Lukasevangelium (Lk 3,1-2 EU) im Rahmen des sogenannten lukanischen Datums, das auf das Jahr 28 hinweist und als einziges eine sichere Datierung der evangelischen Ereignisse erlaubt:

      Es war im 15. Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Jud√§a, Herodes Tetrarch von Galil√§a [‚Ķ] Hohepriester waren Hannas und Kajafas. Da erging in der W√ľste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.
      In der √Ąra des Tiberius l√∂ste die Kreuzigung Jesu (wahrscheinlich im Jahr 30) weder besondere Aufmerksamkeit in Rom noch irgendeinen Aufstand aus. Jud√§a galt damals als ruhige Region. Der christliche Historiker Eusebius von Caesarea berichtet, dass der Senat die Anerkennung des Christengottes seitens des r√∂mischen Staates formal abgelehnt, Tiberius selbst allerdings keine Verfolgungen gegen Christen in Erw√§gung gezogen habe, was die Verbreitung des Fr√ľhchristentums beg√ľnstigt habe.[51] Zu Ehren des Kaisers erhielt die Stadt Tiberias an der Westk√ľste des See Genezareth ihren Namen vom Tetrarchen Herodes Antipas.

      Auch Tacitus erw√§hnt in seiner Schilderung von Tiberius' Herrschaft in den ersten sechs, zum gro√üen Teil erhaltenen B√ľchern der Annalen Christus mit keinem Wort. Die Kreuzigung Jesu wird bei Tacitus nur nebenbei erw√§hnt, als er sich zur Hinrichtung von Christen in Rom unter Kaiser Nero √§u√üert:

      Der Namensgeber der Sekte, Christus, war unter Tiberius vom Procurator Pontius Pilatus hingerichtet worden.[52]
      Rezeption [Bearbeiten]
      Tiberius war - verglichen etwa mit den Herrschern Caesar oder Nero - nur relativ selten Gegenstand k√ľnstlerischer Bearbeitung. Gerhart Hauptmann schrieb 1884 in Rom das Drama Das Erbe des Tiberius,[53] Julius Grosse verfasste 1876 ein Drama namens Tiberius. Zahlreiche historische Romane befassen sich seit Franz Horn[54] mit dem zweiten Kaiser, wenn auch in vielen F√§llen nur als Nebenfigur[55] wie im Roman Ich, Claudius, Kaiser und Gott (1934) von Robert von Ranke-Graves, der auch als TV-Serie verfilmt wurde.

      Da das Kreuzigungsgeschehen in seine Regierungszeit f√§llt, wird Tiberius vor allem in belletristischen Werken und Monumentalfilmen mit neutestamentlichen Bez√ľgen wie etwa Das Gewand oder Ben Hur (Triumphszene, Begnadigung von Ben Hur) beil√§ufig dargestellt. In Tinto Brass' ber√ľchtigtem Caligula (1979) nach einem Drehbuch von Gore Vidal wurde Tiberius von Peter O'Toole als grausamer Lustgreis dargestellt. √Ąhnlich zeichnete Anthony Burgess' den Kaiser in seinem Roman The Kingdom of the Wicked, der als Mini-TV-Serie unter dem Titel Anno Domini (1984) verfilmt wurde.

      Unter den literarischen Bearbeitungen nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Romane von Josef Toman (1963) und Hubertus Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg aus dem Jahr 1977 zu nennen. Einen belletristischen Rehabilitierungsversuch unternahm Gerhard Prause (1966).[56]

      Der Psychologe Gregorio Mara√Ī√≥n besch√§ftigte sich 1952 mit der Erforschung der Pers√∂nlichkeit des Tiberius und analysierte eine m√∂gliche Geisteskrankheit, das sogenannte Ressentiment-Syndrom, bei dem die Selbstwahrnehmung und der Eindruck, den die Personen tats√§chlich in ihrer Umgebung hinterlassen, gest√∂rt seien. Eine solche gest√∂rte Eigenwahrnehmung resultiere oft aus Misserfolgen.[57]

      Tiberius in der Forschung [Bearbeiten]
      Die antiken Historiographen Sueton, Cassius Dio und besonders Tacitus stellen Tiberius als lethargisch und tyrannisch dar. Radikale Rehabilitierungsversuche bis hin zu der Vorstellung, in Tiberius eine starke F√ľhrungsperson zu sehen, sind den politischen Projektionen des 19. Jahrhunderts zuzuschreiben.[58] Die 1960 postum ver√∂ffentlichte Tiberius-Biographie von Ernst Kornemann geh√∂rt ebenfalls den energischen Rehabilitierungsversuchen an und stellt den Tod des Kaisers in einen weltgeschichtlichen Zusammenhang zum Kreuzigungsgeschehen.[59]

      Die moderne Forschung bem√ľht sich um ein ausgewogeneres Urteil. Nach Zvi Yavetz sprechen gegen die Deutung des Tiberius als Tyrannen, dass er kein Usurpator war (denn die Legitimit√§t seiner Herrschaft war durch die Adoption des Augustus unbestritten), keine g√∂ttliche Verehrung anstrebte und keine Eroberungskriege f√ľhrte, um von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. Yavetz nannte seine Tiberiusbiographie Der traurige Kaiser und deutete damit Tiberius auch psychologisch, indem er den Tiberius verliehenen inoffiziellen Beinamen tristissimus hominum (‚Äěder Traurigste unter den Menschen") sowie seine d√ľstere und menschenscheue Pers√∂nlichkeit auf die problematischen Ereignisse in der Jugend des Tiberius zur√ľckf√ľhrte.[60] Auch Michael Grant sah Tiberius f√ľr das Erbe des Prinzipats als charakterlich nicht hinreichend geeignet an.[61]

      Barbara Levick begr√ľndet das ung√ľnstige Urteil der antiken Historiographie aus der Institutionalisierung des Prinzipats nach dem Tod des Augustus, den materiellen Interessen der Senatsaristokratie und der damit kontrastierenden Amtsm√ľdigkeit des Kaisers, der darin versagte, den Hofintrigen anders als durch Gewalt Einhalt zu gebieten, jedoch in der Provinzverwaltung eine gl√ľckliche Hand besa√ü.[62] Robin Seager erkl√§rt in √§hnlicher Weise das Geschichtsbild aus einem gemeinsamen Versagen von Kaiser und Senat sowie aufgrund von Erz√§hlmustern der antiken Historiographie, die eine in Phasen verlaufende Wandlung des Kaisers zum Scheusal beschreiben.[63] David C. A. Shotter erkennt Schw√§chen in der Amtsf√ľhrung des Tiberius, vor allem im Umgang mit dem Senat, weist ihm jedoch das Verdienst zu, nach Augustus das Reich dauerhaft in eine dynastische Monarchie umgeformt zu haben.[64] Aufgrund der antiken Stilisierungen ist die historische Person eine der r√§tselhaftesten der Weltgeschichte


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