Gaius Caesar Augustus

Gaius Caesar Augustus

Male 0012 - 0041  (28 years)    Has 131 ancestors and one descendant in this family tree.

Personal Information    |    Media    |    Notes    |    All

  • Name Gaius Caesar Augustus 
    Relationshipwith Adam
    Born 31 Aug 0012  Antium Find all individuals with events at this location 
    Gender Male 
    Died 24 Jan 0041  Rom Find all individuals with events at this location 
    Person ID I135699  Geneagraphie
    Last Modified 6 Nov 2009 

    Father Nero Claudius Germanicus,   b. 0015 V.C.,   d. 0019, Antiochia Find all individuals with events at this location 
    Mother Agrippina maior,   b. 0014 V.C.,   d. 18 Oct 0033 
    Siblings 8 siblings 
    Family ID F5465  Group Sheet  |  Family Chart

    Family Milonia Caesonia,   d. Yes, date unknown 
    Children 
     1. Julia Drusilla,   d. Yes, date unknown
    Last Modified 22 Oct 2009 
    Family ID F54904  Group Sheet  |  Family Chart

  • Photos
    Caligula
    Caligula

  • Notes 
    • Der Name Caligula (lateinisch : ‚ÄěSoldatenstiefelchen", Diminutiv zu caliga ) ist von den genagelten Soldatenstiefeln der Legion√§re abgeleitet, den caligae, welche die Rheinlegionen f√ľr den mitreisenden Sohn ihres Oberbefehlshabers Germanicus anfertigen lie√üen, und war zu Lebzeiten ungebr√§uchlich. Sein vollst√§ndiger Titel zum Zeitpunkt seines Todes war Gaius Caesar Germanicus Augustus, Pontifex maximus, Tribunicia potestate IV, Consul IV, Imperator, Pater patriae .

      Caligulas Kindheit verlief nicht gl√ľcklich: Als er sieben Jahre alt war, im Jahr 19, verstarb sein Vater Germanicus w√§hrend einer Orientreise, wobei dessen Konkurrent Gnaeus Calpurnius Piso angeklagt wurde, ihn vergiftet zu haben. Der Hof des Tiberius war in der Folgezeit von der intriganten Politik des m√§chtigen Pr√§torianerpr√§fekten Seianus gepr√§gt, der den Plan fasste, durch systematische Ausschaltung der nat√ľrlichen Erben des Tiberius seine eigene Nachfolge durchzusetzen. Diesem Plan kam der Tod des Drusus im Jahre 23, den Seianus' Frau sp√§ter als geplanten Giftmord ihres Gatten darstellte, sehr gelegen. Seianus denunzierte Caligulas Mutter, Agrippina die √Ąltere, bei Tiberius mit Verschw√∂rungsvorw√ľrfen, woraufhin Agrippina und Caligulas √§ltester Bruder Nero im Jahre 29 in die Verbannung gehen mussten, w√§hrend derer beide in den Tod gedr√§ngt wurden. Nur ein Jahr sp√§ter wurde unter √§hnlichen Umst√§nden der zweit√§lteste Bruder, Drusus Caesar , in den Kerker geworfen, wo er durch Nahrungsentzug get√∂tet wurde. Damit war Caligula der einzige √ľberlebende Thronfolger.

      Das Sorgerecht f√ľr den jungen Caligula war bereits im Jahr 27 an die Mutter des Tiberius und Witwe des Augustus, Livia , √ľbergegangen. Nach ihrem Tod wurde Caligula schlie√ülich der Obhut seiner Gro√ümutter Antonia √ľbergeben. Wohl um ihn als einzig verbliebenen m√§nnlichen Erben des Tiberius vor Mordversuchen zu sch√ľtzen, wuchs der jugendliche Caligula isoliert im Umfeld seiner drei Schwestern auf, unter denen er eine besondere Zuneigung zu Drusilla entwickelte. Dass Tiberius an seiner Regierungsf√§higkeit zweifelte und ihn deshalb vom politischen Leben ausschloss, ist vermutlich eine sp√§tere Konstruktion, da die Quellen sonst von der allgemeinen Beliebtheit des jungen Caligula berichten: Vorsicht und Intelligenz h√§tten den sp√§teren Kaiser die Zeit bis zur Hinrichtung des Seianus im Jahre 31 √ľberleben lassen, allerdings in sp√§teren Jahren eine st√§ndige Angst vor vermeintlichen oder realen Verschw√∂rungen mitverursacht. Vermutlich von dem engen Umgang Caligulas mit seinen Schwestern motiviert, der sp√§ter zur propagandistischen Erh√∂hung der Frauen f√ľhrte, wird vom Inzest der Geschwister berichtet. Aus dynastischen Gr√ľnden - Kindszeugungen in engen Verwandtenverh√§ltnissen waren in der Kaiserfamilie nicht ungew√∂hnlich - kann ein Inzest allerdings nicht ausgeschlossen werden.
      Tiberius berief den jungen Caligula noch im Jahr 31 zu seinem Alterssitz auf Capri . Dort gelang es dem Tiberius-Enkel, das Vertrauen des amtierenden Kaisers zu gewinnen. Sueton berichtet, dass dieses Vertrauensverh√§ltnis auf dem gemeinsamen Interesse an Folterungen und sexuellen Ausschweifungen beruhte. Es d√ľrfte sich hierbei jedoch um einen zumindest tendenzi√∂sen Passus des anekdotenreichen Biographen handeln, der √§hnliche Berichte auch anderen Kaisern zuschreibt, ebenso bei dem √ľberlieferten Ger√ľcht, Caligula habe den kranken Tiberius mit einem Kissen erstickt: Besonders bei Todesf√§llen von Herrschern kamen h√§ufig unbest√§tigte Ger√ľchte auf.

      Mit dem Tod des Tiberius am 16. M√§rz 37 war die Nachfolge Caligulas weit sicherer als noch bei den mehrfach wechselnden Nachfolgekandidaten unter Augustus. Zwar hatte Tiberius in seinem Testament Caligulas Cousin, Tiberius Gemellus , zum Miterben eingesetzt, der Senat erkl√§rte es aber auf Initiative des Pr√§torianerpr√§fekten und Nachfolgers des Seianus, Macro , f√ľr ung√ľltig. Die von Augustus geschaffene Pr√§torianergarde mit ihrem Pr√§fekten hatte traditionell ein enges Verh√§ltnis zum Kaiser und mag daher gehofft haben, den jungen Caligula als Marionette zu gebrauchen. Jedenfalls lie√ü sie ihn am 18. M√§rz zum Kaiser ausrufen. Nach feierlichem Einzug in Rom √ľbertrug der Senat am 28. M√§rz beinahe s√§mtliche Amtsfunktionen und Privilegien, die Augustus und Tiberius √ľber die Zeit auf sich vereinigt hatten, an Caligula. Der √ľbergangene Tiberius Gemellus wurde zun√§chst mit der Adoption durch Caligula entsch√§digt, die ihm Hoffnung auf Teilhabe an der Herrschaft sowie eine sp√§tere Nachfolge machen konnte.
      Nach den unruhigen letzten Regierungsjahren des Tiberius, die durch den Putschversuch des Seianus und die anschließenden Prozesse geprägt waren, wurden mit Caligulas Herrschaftsantritt große Hoffnungen verbunden, unter anderem wegen der Popularität seines Vaters Germanicus, der als Wunschnachfolger des Augustus gegolten hatte.

      In den ersten Monaten seiner Regentschaft machte sich Caligula bei den herrschaftstragenden Gruppen beliebt: Er beschloss Steuersenkungen, setzte die unter Tiberius ausufernden Hochverratsprozesse aus und gew√§hrte den bereits mit der Verbannung bestraften Senatoren die R√ľckkehr. Auch mit der Ausweisung einer Gruppe von Lustknaben distanzierte er sich von Tiberius, der deren Dienste in Anspruch genommen haben soll. Der Pr√§torianergarde lie√ü er erstmalig bei Regierungsantritt ein Geldgeschenk zukommen und erkaufte sich damit die Gunst dieser als kaiserliche Leibgarde dienenden Elitetruppe. Der Tempel des verg√∂ttlichten Augustus wurde symboltr√§chtig zu Beginn seiner Herrschaft eingeweiht, um Abstammung und Verbundenheit zum ersten Kaiser zum Ausdruck zu bringen. Diese Ma√ünahmen brachten Caligula allerdings an den Rand des Ruins. Kostspielig waren auch die von Caligula veranstalteten aufw√§ndigen Wagenrennen , Tierhetzen und Gladiatorenk√§mpfe , die w√§hrend seiner Regierungszeit grausamer wurden und dabei dem Geschmack der Zeit entgegenkamen: Blutige Gladiatorenk√§mpfe wurden in der Antike, soweit bekannt, zumindest nicht nachhaltig kritisiert. Viele Grausamkeiten des Kaisers sind im Zusammenhang mit Spielen oder √∂ffentlichen Spektakeln √ľberliefert.
      M√∂glicherweise aus √úberanstrengung erlitt Caligula nach 6 Monaten Herrschaft einen Nervenzusammenbruch mit anschlie√üender schwerer Krankheit, deren antike Beschreibungen auf eine Enzephalitis (‚ÄěGehirnentz√ľndung") schlie√üen lassen k√∂nnten. Sueton berichtet dar√ľber mit den Worten: Bis hierhin vom Kaiser, jetzt muss √ľber das Scheusal berichtet werden. Dieser Periodisierung liegt ein g√§ngiges Erz√§hlmuster der antiken Biographie zugrunde, die das Leben eines Menschen m√∂glichst in Kategorien aufzuteilen bestrebt war. Tats√§chlich begannen in der Zeit nach Caligulas Genesung die ersten Hochverratsprozesse: Der Kaiser lie√ü seinen ehemaligen Miterben und Adoptivsohn Tiberius Gemellus, seinen Schwiegervater Silanus , den Vater seiner ersten, bereits 36 oder 37 im Kindbett verstorbenen Frau Junia Claudilla, und den einflussreichen Pr√§torianerpr√§fekten Macro unter dem Vorwurf einer Verschw√∂rung verhaften und zum Selbstmord zwingen. Caligula hatte damit seine Herrschaft abgesichert und gegen Einflussnahme gesch√ľtzt.
      Ein Schicksalsschlag traf den Kaiser am 10. Juni 38 mit dem Tod seiner Lieblingsschwester Drusilla, f√ľr die er Ehrungen beschloss, die in Rom nur bei m√§nnlichen Herrscherpers√∂nlichkeiten √ľblich waren. Bald nach dem Todesfall heiratete Caligula die vornehme R√∂merin Lollia Paulina , von der er sich nach kurzer Zeit zugunsten einer gewissen Caesonia trennte, die in einem moralisch fragw√ľrdigen Ruf stand. Bereits vorher hatte er Livia Orestilla am Tag ihrer sofort wieder annullierten Hochzeit mit Gaius Calpurnius Piso geheiratet und sich nach wenigen Tagen wieder scheiden lassen. Sp√§ter schickte er Livia ins Exil, weil er sie verd√§chtigte, die Beziehung zu Piso wieder aufgenommen zu haben.

      Caligulas kurze Regierungszeit sah nur vergleichsweise kleine milit√§rische Unternehmungen, deren Chronologie weitgehend unklar ist. Im Herbst 39 √ľberschritt er mit einem Heer die Alpen , um in der Tradition seiner Vorfahren die als noch nicht abgeschlossen angesehene Expansion in Germanien und Britannien fortzuf√ľhren. Seine Ambitionen in Germanien waren indes nicht von Erfolg gekr√∂nt: Weder konnte der Kaiser nach Abzug der Truppen signifikante territoriale Gewinne verzeichnen noch erhielten die provisorischen Milit√§rterritorien des ober- und niedergermanischen Heeres vor 85 n. Chr. den Status einer Provinz mit der hierzu notwendigen Infrastruktur. Im Zusammenhang mit dem Britannienfeldzug berichten die Quellen ausschlie√ülich von gro√üenteils grotesk anmutenden Aktionen des Kaisers. So lie√ü er Seemuscheln an den Str√§nden des √Ąrmelkanals sammeln, die als exotische Beutest√ľcke den Erfolg der Operation suggerieren sollten. Pl√§ne zu einem aufwendigen Triumph, bei dem eigens angeworbene gallische Gladiatoren mit rot gef√§rbten Haaren als germanische Kriegsgefangene aufgef√ľhrt werden sollten, wurden in diesem Umfang nicht verwirklicht. Die M√ľnzpr√§gung des Caligula betont indes die milit√§rische Gr√∂√üe des Kaisers und steht damit im Widerspruch zur literarischen √úberlieferung.
      Au√üerhalb milit√§rischer F√ľhrungsstellen war Caligulas Politik erfolgreicher. Es gelang ihm 37, den im Umkreis der kaiserlichen Familie aufgewachsenen, romfreundlichen Herodes Agrippa I. als K√∂nig von Jud√§a einzusetzen und sein Herrschaftsgebiet zwei Jahre sp√§ter zu erweitern. Au√üerdem lie√ü Caligula unter unbekannten Umst√§nden im Jahre 40 Ptolemaios , den K√∂nig von Mauretania , zun√§chst nach Rom einladen, anschlie√üend ermorden und sein Gebiet annektieren. Die Quellen berichten von Neidgef√ľhlen des Caligula, welche der eindrucksvolle Auftritt des K√∂nigs im Amphitheater ausl√∂ste. Politische Motive f√ľr die Ermordung, die ja zur Expansion des Reiches beitrug, sind jedoch anzunehmen.

      Caligula ist auch als Liebhaber und R√§uber nichtitalischer Kunstsch√§tze, bevorzugt aus dem opulenten Bestand griechischer Tempel , in die Geschichte eingegangen. So wollte er die Zeus-Statue des Phidias , ein Weltwunder der Antike, nach Rom bringen lassen. Seit Fortschreiten der Expansion und administrativer Einteilung des Reiches in Provinzen war Kunstraub durch Statthalter und Verwaltungsbeamte keine Seltenheit, was sich in den zahlreichen Belegen diesbez√ľglicher Anklagen spiegelt, die vermutlich bei weitem nicht das tats√§chliche Ausma√ü zum Ausdruck bringen. Da Caligula sich nur kurzfristig im Osten des Reiches aufhielt, mag die Initiative zum Kunstraub im Einzelfall eher beim verantwortlichen Statthalter als beim Kaiser gelegen haben. Caligula wird diese Missst√§nde zumindest nicht unterbunden haben, da es gerade in seinem Interesse lag, seine Herrschaft mit hellenistischen Symbolen auszuschm√ľcken. Als Augenzeuge berichtet Philon von Alexandria √ľber die luxuri√∂se Ausstattung der Privatgem√§cher des Kaisers mit Kunstwerken aus aller Welt.

      Caligulas freiz√ľgiger Umgang mit Geld schlug sich in bisweilen spektakul√§ren Bauvorhaben nieder: Arch√§ologisch nachweisbar sind ein Leuchtturm bei Boulogne in Nordfrankreich, der Wiederaufbau des Palastes des Polykrates in Samos , der Baubeginn zweier stadtr√∂mischer Aqu√§dukte , Reparaturen an der Stadtmauer und von Tempeln in Syrakus sowie eines Bades in Bologna . Literarische Belege existieren f√ľr ehrgeizige Projekte zum Bau eines Kanals √ľber den Isthmus von Korinth , von Stra√üenverbindungen √ľber die Alpen, den Ausbau des Hafens von Rhegium sowie der zwei sogenannten Nemi-Schiffe , zweier riesiger Schiffe, die sowohl kultischen Zwecken als auch zum Privatgebrauch des Kaisers dienten. Die Schiffe waren mit zwei im Lago di Nemi bereits 1446 entdeckten und 1929-31 von Arch√§ologen geborgenen Schiffwracks aufgrund eindeutiger Inschriften identifiziert worden. 1944 wurden sie allerdings bei einem Brand im eigens f√ľr sie gebauten Museum zerst√∂rt.
      In Rom wurde an den Abh√§ngen des Vatikanh√ľgels ein Circus errichtet, das Theater des Pompeius renoviert, ein aufwendiges Amphitheater aus Holzbalken aufgestellt, das Staatsgef√§ngnis (Carcer Tullianus ), das der Hinrichtung politischer Gegner diente, ausgebaut, sowie die Privatgem√§cher und Lustg√§rten des Kaisers luxuri√∂s ausgestaltet (die sogenannten G√§rten der Kaisermutter). Als besonders spektakul√§r und Zeichen der Eitelkeit des Kaisers wird eine mehr als f√ľnf Kilometer lange Schiffsbr√ľcke √ľber die Bucht von Neapel zwischen Puteoli und Baiae beschrieben. Arch√§ologische √úberreste von Bauten an der Residenz des Caligula wurden 2003 auf dem Gel√§nde des Forum Romanum gefunden.

      Nach nur vier Jahren der Herrschaft fand Caligula den Tod durch die Hand der Pr√§torianergarde. Initiator war ihr Offizier Cassius Chaerea , wobei die Verschw√∂rung von einem Teil des Senatorenstandes und anderen einflussreichen Pers√∂nlichkeiten am Kaiserhof mitorganisiert wurde. Antike Todesdarstellungen sind √ľblicherweise stark stilisiert: Laut den antiken Berichten erfolgte das Attentat im unterirdischen Korridor eines Theaters, wobei Caligula nach der Art einer rituellen Opferung abgeschlachtet wurde, um so den Personenkult des Caligula in einer symbolischen Rollenumkehrung zu vergelten.
      Caligulas Ermordung erfolgte, nachdem er den Senat durch demonstrative Aussch√∂pfung der verfassungsrechtlichen M√∂glichkeiten des Prinzipats br√ľskiert hatte. √úber die Gr√ľnde und den genauen Ablauf der Verschw√∂rung gibt Flavius Josephus den ausf√ľhrlichsten Bericht, √ľber die Chronologie der vorausgegangenen Vorg√§nge l√§sst sich allerdings wenig Sicheres sagen, da die Darstellung des Sueton f√ľr diese Zeit ungeordnet, diejenige des Cassius Dio teilweise verloren und in den erhaltenen Teilen nicht widerspruchslos ist. Laut dessen Zeugnis begann Caligulas radikaler Regierungswechsel mit einer im Laufe des Jahres 39 vor dem Senat gehaltenen Rede. Die w√∂rtliche Wiedergabe dieser Rede ist h√∂chstwahrscheinlich eine unhistorische Ausgestaltung des Geschichtsschreibers, doch liegt ein in diesem Jahr erfolgter Umbruch auch durch andere Quellenaussagen nahe .

      Hauptgrund der Verschw√∂rung war Caligulas ausufernde Anwendung von Gewalt, vor allem gegen Senatoren : Der Kaiser lie√ü die Hochverratsprozesse, die nach dem Tod des Tiberius vor√ľbergehend ausgesetzt wurden, etwa gegen Mitte der Regierungszeit in gro√üem Umfang wieder aufnehmen. Mindestens 36 F√§lle teils grausamer Hinrichtungen oder anderer schwerer Bestrafungen wie der Verbannung sind literarisch unter Angabe des Namens belegt, wobei es sich bei diesen Opfern in der Regel um Angeh√∂rige der Oberschicht, teilweise auch um Soldaten oder B√ľhnendarsteller handelte. In einigen F√§llen lie√ü Caligula Senatoren foltern, die rechtlich grunds√§tzlich vor der Folter immun waren. Hierzu boten allerdings die Hochverratsgesetze einen gewissen rechtlichen Spielraum. Sueton erw√§hnt die Ermordung von Verbannten , ohne allerdings konkrete F√§lle anzuf√ľhren. Caligula mag durch seine Jugenderfahrungen ein √ľbertriebenes Bedrohungspotenzial wahrgenommen haben. Durch die anf√§nglichen Prozesse wuchs auch die tats√§chliche Gefahr eines Mordanschlages.
      Dem Kaiser wird daher das Motto oderint, dum metuant zugeschrieben, das auf ein Zitat einer Trag√∂die des Lucius Accius zur√ľckgeht. Hierin spiegelt sich der politische Stil der autokratischen Herrschaft, die Widerstand durch Gewalt bek√§mpft, anstatt durch Konsensbildung oder zumindest deren demonstrative Zurschaustellung ein derartiges Risiko zu verringern sucht. In √§hnlicher Weise soll Caligula ge√§u√üert haben: ‚ÄěH√§tte das Volk von Rom doch nur einen einzigen Nacken! [‚Ķ damit ich es mit einem Mal erw√ľrgen kann]". W√∂rtliche Zitate in der antiken Literatur sind allerdings in ihrer Historizit√§t fragw√ľrdig; sie dienten dazu, den Charakter einer Person pointiert zum Ausdruck zu bringen.
      Hinrichtungen von Senatoren werden beinahe ausnahmslos als Willk√ľrakte des Kaisers beschrieben, der entweder aus sadistischer Mordlust oder in Reaktion auf geringf√ľgige Vergehen (wie Kritik an der Kleidung des Kaisers) handelte. Das gleiche gilt f√ľr grausame T√∂tungen, besonders im Umfeld des nichtaristokratischen Kaiserhofs, bei denen der Kaiser seinen Anspruch auf totale Ermessensfreiheit zynisch zum Ausdruck brachte. Abweichend davon l√§sst sich aus der allgemeinen Regierungsrichtung vermuten, dass es Caligula letztlich mehr oder weniger um eine systematische Entmachtung des Senats ging, indem er einige Senatoren beseitigen lie√ü und die √ľbrigen einsch√ľchterte. F√ľr diese Annahme sprechen Auff√§lligkeiten seiner Regierung, die im Folgenden diskutiert werden.
      Es finden sich au√üerdem √ľberlieferte Berichte von Zwangsprostitution und Vergewaltigungen seitens des Kaisers, denen Angeh√∂rige der Oberschicht zum Opfer fielen. In der Forschung werden jedoch einige Berichte √ľber Caligula (und andere Kaiser) in ihrer Historizit√§t angezweifelt und dem Bereich der Tyrannentopik zugewiesen, da sich auch bei anderen negativ bewerteten Herrschern der r√∂mischen und vorr√∂mischen Antike vergleichbare Berichte in auff√§lliger Weise wiederholen. Unbest√§tigte Ger√ľchte sowie literarische Bearbeitungen, z. B. im Rahmen von Trag√∂dien, oder Bezugnahmen auf typologisch vergleichbare Herrscherpers√∂nlichkeiten finden oft als historische Berichte Eingang in die Literatur. So geben einige Geschichtsschreiber in methodischen Abschnitten dar√ľber Auskunft, dass fiktionale Elemente zur nachdr√ľcklichen Charakterisierung einer Person legitim seien. Nur selten l√§sst sich allerdings mit letzter Sicherheit entscheiden, was zu diesem Bereich zu z√§hlen ist, so dass sich gerade im Falle Caligulas eine Reihe historischer Probleme ergeben.

      Durch demonstrative Gesten der Dem√ľtigung, die oft an Hofzeremonielle orientalischer Despoten erinnern, zielte Caligula auf eine politische Ausschaltung des hohen Standes. Bei der √Ąmtervergabe √ľberging der Kaiser gezielt unerw√ľnschte Bewerber und machte sich auch dadurch unbeliebt. Die Quellen berichten unter den zahllosen Extravaganzen des Kaisers, dass er sein Lieblingspferd Incitatus mit dem Konsulat bestallen wollte. Sollte Caligula sich tats√§chlich in dieser Richtung ge√§u√üert haben, so wohl mit der Absicht, dem Senat seine alleinige Entscheidungsgewalt und seine Allmacht, auch √ľber die Senatsaristokratie, zu demonstrieren.

      Caligula stand einem orientalischen Herrschaftsverst√§ndnis nahe, was eine demonstrativ extravagante Lebensweise sowie die Verehrung im Staatskult schon zu Lebzeiten, nicht erst nach dem Ableben, mit einschloss (obwohl sich im Westen des Reiches heute keine Belege in Form von Tempelanlagen, Inschriften oder M√ľnzen finden, die Caligula eindeutig in Zusammenhang mit einer pers√∂nlichen Verehrung bringen; siehe auch C√§saropapismus ). Die √∂ffentliche Darstellung seiner Verbundenheit zu seinen Schwestern und besonders zu Drusilla k√∂nnte von √§gyptischen Geschwisterherrschaften inspiriert sein. Ein solcher Herrschaftsstil, dem sich etwa auch Gaius Iulius Caesar und besonders Marcus Antonius verbunden f√ľhlten, war der r√∂mischen Oberschicht von jeher suspekt. Der Kaiser brachte dieses Herrschaftsverst√§ndnis durch Ersetzung von G√∂tterbildern mit dem eigenen Portr√§t oder dem von Verwandten zum Ausdruck sowie durch hellenistischen Kleidungsstil. Soweit Gr√ľnde f√ľr Hinrichtungen genannt sind, stehen diese zumeist mit einer Kritik an dieser Herrschaftsauffassung in Zusammenhang. Auch sind Tendenzen einer Alexander-Imitatio erkennbar.
      Wie im Falle des Antonius berichten die Quellen von den Pl√§nen des Kaisers, die Hauptstadt des Reiches von Rom nach Alexandria zu verlegen, was einer endg√ľltigen Entmachtung des Senats gleichgekommen w√§re. Darin m√∂gen sich √úberlegungen zu einer radikalen Reichsreform spiegeln, basierend auf der Erkenntnis, dass sich ein Imperium von der Gr√∂√üe des r√∂mischen Reiches nicht mehr mit dem Personalbestand einer mittelitalienischen Stadt verwalten lie√ü, sondern nur mit Hilfe einer entwickelten B√ľrokratie und Hierarchie wie im hellenistisch-ptolem√§ischen √Ągypten. Caligula mag gehofft haben, unter √úbergehung des Senatorenstandes seine Regierung zunehmend auf Teile des Ritterstandes zu st√ľtzen, der einerseits durch Degradierungen, andererseits durch die F√∂rderung loyaler Mitglieder personell umstrukturiert und dem Kaiser botm√§√üig gemacht werden sollte.

      Die Gewaltherrschaft des Caligula erstreckte sich in erster Linie auf den Senat, der ihn deshalb hasste. Da nach Caligulas Tod Reaktionen gegen die Attent√§ter weitgehend ausblieben, scheint der Kaiser allerdings auch bei anderen herrschaftslegitimierenden Gruppen, wie dem Heer oder der stadtr√∂mischen B√ľrgerschaft , trotz der Freigiebigkeit seiner ersten Regierungsmonate teilweise unbeliebt geworden zu sein. Mitunter drastische Steuererh√∂hungen infolge der erh√∂hten Ausgaben k√∂nnten hierf√ľr ein Grund gewesen sein. Caligula hat dabei auch ungew√∂hnliche Ma√ünahmen getroffen, wie die √∂ffentliche F√∂rderung und Besteuerung der Prostitution . Pro Bordellbesuch musste als Abgabe der Mindestpreis entrichtet werden, der f√ľr eine Umarmung verlangt wurde. Diese Steuer blieb als eine der wenigen Ma√ünahmen nach dem Tod des Kaisers bestehen und wurde erst in christlicher Zeit abgeschafft.
      Es gibt Berichte √ľber Willk√ľrakte und Gewalttaten gegen√ľber der stadtr√∂mischen Bev√∂lkerung bei Spielen, die gew√∂hnlich als √∂ffentliche Plattform f√ľr Forderungen z. B. nach Getreidespenden dienten und insofern als Ausgangspunkte f√ľr Volksaufst√§nde Gefahrenpotential besa√üen. Flavius Josephus spricht allerdings auch davon, dass Caligula bei Teilen der Bev√∂lkerung, die an aufwendigen Spielen interessiert war, bis zu seinem Tod beliebt geblieben war, ebenso bei dem Teil des Heeres, der seine Soldzahlungen p√ľnktlich erhalten hatte. Auch andere Quellen lassen auf relative Beliebtheit des Kaisers beim Volk in Rom bzw. Italien schlie√üen, vermutlich jedoch nicht in den Provinzen des griechischen Ostens, wo Caligula sich durch Kunstraub und Tempelpl√ľnderungen unbeliebt gemacht hatte: Tilgungen des Kaisernamens in Inschriften, die vermutlich auf lokal begrenzte Reaktionen nach Caligulas Tod zur√ľckgehen, sind ausschlie√ülich im Osten des Reiches belegt

      W√§hrend von Caligulas Politik und seiner Einsch√§tzung in den Provinzen kaum systematische Informationen √ľberliefert sind, gibt es haupts√§chlich aufgrund der Darstellungen des Flavius Josephus sowie des Philon von Alexandria Berichte √ľber Caligulas Interventionen in Zentren des j√ľdischen Glaubens. Diese lassen jedoch nur sehr bedingt R√ľckschl√ľsse auf die Bewertungen des Kaisers in anderen Bev√∂lkerungsgruppen zu, da der j√ľdische Monotheismus unvereinbar mit der von Caligula forcierten hellenistischen Herrscherverehrung der griechischen Bev√∂lkerung war, die mit den Juden auf engstem Raum zusammenlebte. Insofern trug Caligula neben anderen Ursachen zur sp√§teren dramatischen Entwicklung, der Zerst√∂rung des Tempels durch Titus sowie der endg√ľltigen Diaspora unter Hadrian , bei.

      Alexandria war seit dem Hellenismus multikulturell gepr√§gt und besa√ü neben hellenisierten √Ągyptern und Griechen eine starke j√ľdische Minderheit. Religi√∂se Auseinandersetzungen kamen wiederholt vor. W√§hrend der Anwesenheit des Herodes Agrippa I. versch√§rften sich Hassgef√ľhle der griechischen Bev√∂lkerung, die zu einem lokalen Pogrom f√ľhrten. Der r√∂mische Statthalter Aulus Avillius Flaccus hatte bereits im Vorfeld Sanktionen einseitig nur gegen die j√ľdische Bev√∂lkerung angeordnet und gab dieser nun die Hauptschuld an den Vorf√§llen, mit der Folge, dass die Juden in getrennte Wohnorte innerhalb der Stadt zwangsumgesiedelt wurden. Es handelt sich dabei um das erste historisch belegte j√ľdische Ghetto . Diese Zust√§nde gaben Anlass zu einer Gesandtschaftsreise, an der Philon teilnahm und die er ausf√ľhrlich beschreibt. Noch vor der Audienz mit Caligula, der die aus Griechen und Juden bestehende Gesandtschaft versetzt hatte, trafen im Jahre 40 aus Jerusalem schockierende Nachrichten ein, der Kaiser habe die Umwandlung des j√ľdischen Tempels in ein Zentrum des Kaiserkults in Auftrag gegeben. Die Gespr√§che endeten ergebnislos.
      Caligulas Versuch, den Kaiserkult gewaltsam durchzusetzen, erfolgte als Vergeltungsma√ünahme auf √úbergriffe von Juden gegen den Kaiserkult praktizierende Griechen in Jud√§a . Sie verursachte weitere Unruhen in Antiochia , dem Verwaltungssitz von Syria , deren Statthalter Publius Petronius mit Anfertigung und Aufstellung einer Kaiserstatue im Tempel von Jerusalem beauftragt wurde, diese aber mit R√ľcksicht auf die mobilisierte j√ľdische Bev√∂lkerung hinausz√∂gerte. Die folgenden Ereignisse lassen sich alternativ so rekonstruieren, dass Caligula entweder auf F√ľrsprache des Herodes Agrippa von seinem urspr√ľnglichen Befehl absah oder auf seinem Entschluss beharrte und Petronius die Aufforderung zum Selbstmord √ľbersandte, die allerdings erst nach dessen Tod √ľberbracht wurde. Aufgrund der Ereignisse wurde die Nachricht vom Tode des Caligula bei der j√ľdischen Reichsbev√∂lkerung mit Freude aufgenommen, daraus resultierende Versch√§rfungen der Anspannungen mussten von Claudius beschwichtigt werden.

      Der kurze Prinzipat des Caligula zeigte die Gefahren auf, die sich aus der unscharfen Stellung des Kaisers innerhalb der grunds√§tzlich fortbestehenden Verfassung der r√∂mischen Republik ergaben. Es wird heute vielfach davon ausgegangen, dass Caligula bei Amtsantritt ein √§hnliches B√ľndel an Vollmachten erhalten hatte, wie dies f√ľr Vespasian inschriftlich √ľberliefert ist (Lex de imperio Vespasiani ). Einige Forscher erkennen darin die praktische √úbertragung der v√∂lligen Ermessensfreiheit. Zumindest bei Wahlen brauchte der Kaiser auf den Senat formal keine R√ľcksicht zu nehmen; die republikanische Verfassung sah allerdings das Prinzip der Kollegialit√§t vor, das unter Augustus und in der Anfangszeit des Tiberius zumindest propagandistisch aufrecht erhalten wurde. Das aus republikanischer Zeit stammende Hochverratsgesetz (Lex maiestatis ) war unscharf und lie√ü willk√ľrliche Prozesse und Verurteilungen sowie Folter und Hinrichtungen, unabh√§ngig von Statusgrenzen, zu. Da Caligula in seinen letzten beiden Regierungsjahren hiervon r√ľcksichtslos Gebrauch machte, konnte die so ausge√ľbte Autokratie nur durch Tod und Damnatio memoriae beendet werden. Das Beispiel des Caligula wies daher auf sp√§tere Kaiserherrschaften voraus: Performative Ritualisierung eines Konsenses mit der Senatsaristokratie durch den Kaiser war Bedingung f√ľr dessen W√ľrdigung in der senatorisch gepr√§gten r√∂mischen Historiographie (und der zu gro√üen Teilen auf dieser basierenden Rezeption sp√§terer Jahrhunderte). Trotzdem blieb Caligula kein Einzelfall in der r√∂mischen Kaiserzeit .

      Nachdem ein Kaiser ermordet worden war, wurde h√§ufig auch sein Andenken ausgel√∂scht. Schon nach dem Tod des Tiberius wurden vereinzelt Kaiserstatuen umgeworfen sowie die Sch√§ndung des Leichnams gefordert. Nach Caligulas Tod diskutierte der Senat zeitweise sogar die kollektive Verdammung aller Vorg√§nger sowie die Wiederherstellung der Republik , die allerdings allein durch den Senat nicht durchsetzbar gewesen w√§re. Caligulas Nachfolger Claudius lie√ü schlie√ülich mit R√ľcksicht auf den Senat s√§mtliche Regierungsma√ünahmen seines Vorg√§ngers f√ľr ung√ľltig erkl√§ren, Schriften √ľber seine Regierung vernichten, Statuen zerst√∂ren und M√ľnzen mit dem Bildnis des Caligula aus dem Verkehr ziehen. Einzelne arch√§ologische Zeugnisse f√ľr eine Tilgung von Kaisernamen oder Mutilierung von Statuen, besonders in den Provinzen, k√∂nnten allerdings von spontanen, nicht √∂ffentlich angeordneten Einzelaktionen verursacht sein. Eine damnatio memoriae des Caligula kann somit nicht belegt werden, und Claudius d√ľrfte auch angesichts der Ermordung seines Neffen keinen Pr√§zedenzfall zu schaffen gew√ľnscht haben.
      Diese Vorg√§nge k√∂nnten die literarische Darstellung beeinflusst haben: Da der Bericht des Tacitus f√ľr die Regierungszeit Caligulas verloren ist, ist neben dem viel sp√§teren Cassius Dio sowie Flavius Josephus der Kaiserbiograph Sueton die literarische Hauptquelle. Etwa das erste Drittel der Caligula-Vita des Sueton, das √ľberwiegend Jugend und Regierungsbeginn des Kaisers darstellt, bezieht sich auf positive oder neutrale Bewertungen oder auf au√üerliterarisch √ľberpr√ľfbare Fakten (politische √Ąmter, Bauten). Aus der zweiten H√§lfte der Regierung sind haupts√§chlich nur noch solche Informationen √ľberliefert, die von den Untaten des Kaisers berichten. Sueton vertritt das senatorische Geschichtsbild, seine Darstellung l√§sst daher √ľberwiegend nur R√ľckschl√ľsse auf das Verh√§ltnis zwischen Caligula und dem Senat zu und sagt wenig √ľber die Bewertung Caligulas bei anderen herrschaftstragenden Gruppen aus. Die Biographie tr√§gt deutlich Z√ľge der Ideologie der Adoptivkaiser , die sich von den Kaisern der julisch-claudischen Dynastie mit Ausnahme des Augustus distanzieren wollten. Als kaiserlicher Archivar hatte der Biograph Zugriff auf Dokumente der Regierung Caligulas, gibt aber kaum Informationen √ľber Herkunft, Historizit√§t oder Tendenz einer Quelle. Einige Argumentationen erscheinen aus heutiger Sicht unsachlich. Viele Beschreibungen des Sueton, besonders solche, die willk√ľrliche Gewalthandlungen gegen Senatoren zum Inhalt haben, werden von Josephus best√§tigt, der zur Zeit der Flavier schrieb.

      Die antiken Quellen bezeichnen die Herrschaft des Caligula bzw. die Person selbst h√§ufig und praktisch einhellig als ‚Äěwahnsinnig". Fraglich ist jedoch, ob es sich bei dieser Bezeichnung regelm√§√üig um eine psychopathologische Kategorie im modernen Sinne handelt: Das vielleicht authentischste Zeugnis des Philon √ľber seine Gesandtschaftreise schildert den Kaiser als arrogant und zynisch, jedoch nicht als psychotisch. Trotzdem finden sich bei demselben Autor erste Hinweise auf den Wahnsinn des Kaisers (Leg. 11(76); 13(93)). Seneca √ľberliefert, haupts√§chlich w√§hrend seiner von Caligula mitverschuldeten Verbannung , Bilder grausamer Folterungen und Hinrichtungen des Kaisers, die ihn als Sadisten beschreiben (Sen. ira 3,18-19). Seneca definiert au√üerdem den Begriff des Wahnsinns als Entartung eines Tyrannen , ohne dabei Caligula namentlich zu erw√§hnen (Sen. clem. 1,25). Flavius Josephus gebraucht den Begriff des Wahnsinns zur Charakterisierung des Kaisers mehrere Male, jedoch ist nicht genau zu unterscheiden, ob er damit auf eine tats√§chliche psychische St√∂rung anspielt oder eher die Willk√ľrhandlungen des Kaisers pejorativ bezeichnet. Sueton, der in der Tradition antiker Biographie steht, den Charakter einer Person aus ihrer Herrschaft zu konstruieren, schildert Caligula ein halbes Jahrhundert sp√§ter explizit als geisteskrank, indem er seine Darstellung mit pathologischen Auff√§lligkeiten Caligulas verbindet. Sp√§tere Quellen argumentieren √§hnlich (Cassius Dio; Eutropius , Breviarium ab urbe condita 7,12).
      Die f√ľr k√ľnstlerische Bearbeitungen des Tyrannen-Stoffes wegweisende Theorie des C√§sarenwahnsinns ist erstmalig in einem 1894 erschienenen Essay von Ludwig Quidde dargelegt: Caligula sei im Verlauf seiner Herrschaft gr√∂√üenwahnsinnig und geisteskrank geworden, was ein Resultat der praktisch inzestu√∂sen Familienpolitik der julisch-claudischen Kaiserfamilie sei. Obwohl auch antike Autoren von einer Degenerierung sprechen, ist ihnen eine genetische Ursache v√∂llig unbekannt: Die r√∂mische Gesellschaft berief sich auf das Konzept des mos maiorum (der Sitten der Vorfahren), das die Verdienste einer angesehenen Ahnenreihe automatisch auf Nachgeborene √ľbertrug. Quidde lie√ü sich also vom naturwissenschaftlichen Fortschritt und nicht zuletzt vom darwinistischen Ansatz seiner Zeit inspirieren. Der Essay war au√üerdem als indirekte Kritik an Wilhelm II. gedacht.
      Als Indikation einer psychopathologischen Störung können nach heutigem Verständnis angeblich irrationale Handlungen gelten (z. B. die geplante Beförderung von Incitatus , Maßnahmen während und nach dem Germanien- und Britannienfeldzug), ebenso die Selbstinszenierung Caligulas als lebender Gott. Diese Personenverehrung steht allerdings in Kontinuität zum Kaiserkult des Augustus . Augustus hatte es zwar in der Stadt Rom noch vermieden, zu Lebzeiten persönlich als Gott verehrt zu werden, nicht jedoch im Osten des Reiches, wo es bereits seit dem Hellenismus einen Herrscherkult gab. Verschiedene Abstufungen des Herrscherkultes pflegten ebenfalls die Nachfolger im Kaiseramt oder andere hochrangige Personen am Kaiserhof. Grundsätzlich war in der paganen Antike ein Personenkult akzeptiert. Daher schließen ausschließlich Autoren mit monotheistischem Glauben (Philo, Flavius Josephus) hieraus auf den Wahnsinn des Kaisers. Vor allem in der neueren Forschung wird eine psychopathologische Störung bisweilen bezweifelt oder die Frage gar nicht erst diskutiert, da man sie als historisch nicht relevant oder unzulässig ansieht.

      Vor allem Aloys Winterling (2003) stellt Caligulas Geisteskrankheit vehement in Frage: Der Kaiser sei ein zynischer Machtmensch gewesen, der mit ‚Äědoppelb√∂diger Kommunikation" gegen√ľber dem Senat aufgetreten sei, um diesen zu dem√ľtigen. Diese √Ąu√üerungen, die in ihrer Bedeutungsbreite heute nur noch schwer nachzuvollziehen seien, h√§tten vor allem in der modernen Rezeption zum Bild des irrational handelnden Kaisers beigetragen. Entscheidend f√ľr die Legendenbildung in der Antike seien Selbstschutzgr√ľnde des Senats, der den Vorwurf der Geisteskrankheit erfunden habe, um erlittene, letztlich aber akzeptierte Dem√ľtigungen des autokratischen Kaisers historisch zu rechtfertigen. Es sei schlie√ülich der Senat gewesen, der eine zu diesem Zeitpunkt noch pr√§zedenzlose Gewalten√ľbertragung zumindest formal auf freiwilliger Basis bewilligt habe und daher nach der einvernehmlichen erfolgten Ermordung in Erkl√§rungsnot geraten sei. Dies spiegele sich in der Entwicklung der literarischen √úberlieferung wider, bei der sich der Verdikt des Wahnsinns im Sinne eine psychischen St√∂rung graduell entwickelt finde.
      Eine Legendenbildung des ‚Äěwahnsinnigen" Kaisers aus der Kommunikation zwischen Kaiser und Senat zu erkl√§ren, ist einerseits auch deshalb schl√ľssig, da f√ľr Caligula schon als Kind die Nachfolgefrage erstmalig weitgehend sicher war. Er brauchte daher den Prinzipat nicht mit den gleichen Konsensritualen zu legitimieren, wie es der Senat unter Augustus und in der Anfangszeit des Tiberius gewohnt war. Die Aristokratie ben√∂tigte dar√ľber hinaus eine Erkl√§rung f√ľr die Degenerierung des Nachkommen des popul√§ren Germanicus, ohne dabei das sie legitimierende Konzept der Vererbung von Verdiensten in Frage zu stellen. Ob Caligula andererseits gerade durch diese ungeheure Machtf√ľlle pathologische Z√ľge von Gr√∂√üenwahn entwickelte, ist letztlich eine spekulative Frage. Es kann nicht zuverl√§ssig entschieden werden, inwieweit Beschreibungen von Caligulas Krankheit des Jahres 37/38 sowie weitere Schilderungen gesundheitlicher Auff√§lligkeiten (z. B. Schlafst√∂rungen) Produkt der antiken Polemik sind oder, sollten diese historisch akkurat sein, eine psychotische St√∂rung indizieren.

      Die Verurteilung zumindest der zweiten Regierungsh√§lfte des Caligulas als grausame Tyrannenherrschaft ist in den antiken Quellen, auch solchen aus sp√§terer Zeit, einhellig. Es ist keine Gegendarstellung √ľberliefert, und es gibt keine Gr√ľnde anzunehmen, dass Tacitus in dem verlorenen Textabschnitt eine alternative Ansicht zu Caligula vertreten haben sollte (vgl. Tac. ann. 6,54).
      In der modernen Forschung wurden aufgrund der problematischen √úberlieferungslage bis in die 80er-Jahre hinein vergleichsweise wenige monographische Untersuchungen zu Caligula geschrieben. Trotz der m√∂glicherweise einseitigen √úberlieferung gilt Caligula als politisch konzeptionsloser, willk√ľrlicher Gewaltherrscher, dessen Regierung nur aufgrund der inneren Stabilit√§t des Reiches ohne negative Folgen blieb. Die letzten drei gr√∂√üeren Caligula-Biographien spiegeln die Bandbreite der heutigen Lehrmeinung wider: Arther Ferrill (1991) beschreibt das in den Quellen dargestellte Bild des wahnsinnigen und irrational grausamen Tyrannen als historisch, Anthony A. Barrett (1989) diskutiert umfangreich Alternativen zur √ľberlieferten Darstellung, Aloys Winterling (2003) rehabilitiert den Kaiser insofern, als er seine Regierung aus den zeitgen√∂ssischen Rahmenbedingungen verst√§ndlich macht. Die beiden letztgenannten Arbeiten sind in der Forschung breit rezipiert und aufgrund der vorbildlichen Darstellungsweise √ľberwiegend positiv aufgenommen worden. Damit hat sich jedoch keine Revision des traditionellen Geschichtsbildes vollzogen, in dem Sinne, dass die Herrschaft des Caligula als in irgendeiner Hinsicht erfolgreich oder f√ľr sp√§tere Entwicklungen wegweisend gedeutet werden k√∂nnte.


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