Imperator Gaius Octaviua Iulius Caesar Augustus

Imperator Gaius Octaviua Iulius Caesar Augustus

Male 22 Sep 0063 V.C. - 0014    Has 31 ancestors and more than 250 descendants in this family tree.

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  • Name Gaius Octaviua Iulius Caesar Augustus  
    Prefix Imperator 
    Relationshipwith Adam
    Born 22 Sep 0063 V.C. 
    Gender Male 
    Died 19 Aug 0014 
    Person ID I135680  Geneagraphie | Voorouders HW
    Last Modified 19 Mar 2010 

    Father Gaius Octavius,   b. 101 V.C.,   d. 0020 V.C., Campania Find all individuals with events at this location 
    Mother Atia major,   b. Abt 0088 B.C.,   d. 0043 V.C. 
    Siblings 1 sibling 
    Family ID F54896  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 1 Clodia,   d. Yes, date unknown 
    Last Modified 24 Oct 2009 
    Family ID F268539  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 2 Scribonia,   b. Abt 0070 V.C.,   d. Aft 0016 V.C. 
    Married 0038 V.C. 
    Divorced 0039 V.C. 
    Children 
     1. Iulia Augusta,   b. Abt 0039 B.C.,   d. 0014
    Last Modified 19 Mar 2010 
    Family ID F54900  Group Sheet  |  Family Chart

    Family 3 Livia Drusilla,   b. 0058 V.C.,   d. 0029 
    Married 0039 V.C. 
    Last Modified 24 Oct 2009 
    Family ID F54905  Group Sheet  |  Family Chart

  • Photos
    Gaius Octaviua Iulius Caesar Augustus
    Gaius Octaviua Iulius Caesar Augustus

  • Notes 
    • gewann die Machtk├Ąmpfe, die auf dessen Ermordung im Jahr 44 v. Chr. folgten, und war von 31 v. Chr. an Alleinherrscher des R├Âmischen Reiches . Er setzte dem Jahrhundert der R├Âmischen B├╝rgerkriege ein Ende und begr├╝ndete die julisch-claudische Kaiserdynastie . Unter der Devise der Wiederherstellung der Republik (restitutio rei publicae) betrieb er in Wirklichkeit deren dauerhafte Umwandlung in eine Monarchie in Form des Prinzipats . Seine Herrschaft m├╝ndete in eine lang anhaltende Zeit inneren Friedens, die als Pax Augusta verkl├Ąrt wurde.
      Der Geburtsname des sp├Ąteren Augustus lautete Gaius Octavius. Laut Sueton trug er urspr├╝nglich das Cognomen Thurinus. Cassius Dio nennt den Namen Kaipias als weiteres, jedoch wenig beachtetes Cognomen des Augustus. Nach der testamentarischen Adoption durch Caesar nahm er im Jahr 44 v. Chr. dessen Namen offiziell an (C. Iulius Caesar bzw. in vollst├Ąndiger Form mit Filiation Gaius Iulius C. f. Caesar). Den Namenszusatz Octavianus, wie er nach einer Adoption eigentlich ├╝blich gewesen w├Ąre, hat er wohl nie gef├╝hrt. Dennoch verwendet die moderne geschichtswissenschaftliche Literatur f├╝r die Zeit seines Aufstiegs meist die Namen Octavian oder Oktavian, um ihn von Gaius Iulius Caesar zu unterscheiden. Sp├Ątestens nach der offiziellen Apotheose Iulius Caesars im Jahr 42 v. Chr. lautete der neue Name seines Stiefsohns Gaius Iulius Divi filius Caesar. Nach der Annahme des Titels Imperator als Vorname - vielleicht 38 v. Chr., sp├Ątestens 31 v. Chr. - verwendete er Caesar an Stelle des Gentilnamens Iulius (Imperator Caesar Divi filius).

      Am 16. Januar 27 v. Chr. verlieh ihm der Senat den Ehrennamen Augustus (dt.: ÔÇ×der Erhabene"), so dass sich als vollst├Ąndige Form Imperator Caesar Divi filius Augustus ergab. Der Name Augustus wurde wie der Name Caesar mit Beginn der Regierungszeit seines Nachfolgers Tiberius zum Bestandteil der r├Âmischen Kaisertitulatur. Zum Zeitpunkt seines Todes lautete sein vollst├Ąndiger Name und Titel Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex Maximus, Co(n)s(ul) XIII, Imp(erator) XXI, Trib(uniciae) pot(estatis) XXXVII, P(ater) p(atriae) (zu deutsch etwa: ÔÇ×Imperator Caesar, Sohn des Verg├Âttlichten, der Erhabene, H├Âchster Oberpriester, 13 Mal Konsul, 21 Mal Imperator, 37 Mal Inhaber der tribunizischen Gewalt, Vater des Vaterlandes"). Nach seiner Konsekration im Jahr 14 n. Chr. wurde sein offizieller Name als Divus Augustus Divi filius weitergef├╝hrt.

      Die Lebensgeschichte des Kaisers Augustus handelt von zwei vollkommen gegens├Ątzlichen Pers├Ânlichkeiten: einerseits von einem jungen, ehrgeizigen, mitunter grausamen Politiker, der im Kampf um die h├Âchste Macht weder Gesetz noch Skrupel kannte, andererseits von dem Kaiser, der - einmal im Besitz dieser Macht - ├Ąu├čerst klugen Gebrauch von ihr machte und mit dem Prinzipat eine neue, dauerhafte Staatsordnung an die Stelle der in 100 Jahren B├╝rgerkrieg g├Ąnzlich zerr├╝tteten Republik setzte.

      Augustus und seine Schwester Octavia waren die Kinder des Gaius Octavius und seiner Frau Atia, einer Nichte Gaius Iulius Caesars. Die Familie seines Vaters geh├Ârte den Equites, dem r├Âmischen Ritterstand an, also dem niederen, plebejischen Landadel. Sie war wohlhabend, aber wenig bedeutend. Gaius Octavius soll Geldverleiher gewesen sein, stieg aber in den Senat auf und gelangte bis zur Praetur. Nach dem Tod des Vaters 58 v. Chr. wuchs der junge Gaius zun├Ąchst auf dem Landgut seiner Gro├čmutter Iulia, der Schwester Caesars, in Velitrae auf, sp├Ąter im Haus seines Stiefvaters Lucius Marcius Philippus in Rom. Nach Sueton hielt er im Jahr 51 v. Chr. die Leichenrede f├╝r seine Gro├čmutter und legte 49 v. Chr. die M├Ąnnertoga (toga virilis) an.

      Da Caesar keinen gesetzlich anerkannten Sohn hatte, nahm er sich seines Gro├čneffen an. So wurde er dank Caesars F├╝rsprache 48 v. Chr. in das Kollegium der Pontifices aufgenommen; 47 v. Chr. war Octavius Praefectus urbi, da sich die Konsuln w├Ąhrend des Latinerfestes nicht in Rom aufhielten. 46 v. Chr. lie├č Caesar ihn an seinem Triumphzug anl├Ąsslich des Sieges im B├╝rgerkrieg teilnehmen. Im Jahr darauf begleitete der junge Gaius Octavius seinen Gro├čonkel auf dessen Kriegszug gegen die S├Âhne des Pompeius nach Spanien, wo er Caesar offenbar durch seine Tapferkeit beeindruckte. Er sollte auch als Reiterf├╝hrer (magister equitum) an dem geplanten Feldzug gegen die Parther teilnehmen und war mit seinen Freunden Marcus Vipsanius Agrippa und Salvidienus Rufus bereits nach Apollonia im heutigen Albanien vorausgeschickt worden. Dort erreichte ihn im Fr├╝hjahr 44 v. Chr. die Nachricht von Caesars Ermordung. W├Ąhrend seiner R├╝ckreise nach Rom erfuhr er, dass der Diktator ihn durch Testamentsverf├╝gung adoptiert und zum Haupterben seines Privatverm├Âgens eingesetzt hatte.

      Die testamentarische Adoption eines Erwachsenen war zwar ungew├Âhnlich, entsprach aber geltendem Recht. Daher nahm Gaius Octavius, sobald er zur├╝ck in Rom war, das Testament sowie alle damit verbundenen Verpflichtungen an und nannte sich fortan nach seinem Adoptivvater Gaius Iulius Caesar. In dem Konflikt zwischen dessen Anh├Ąngern - die sich um Marcus Antonius scharten - und den republikanisch gesinnten Caesarm├Ârdern um Gaius Cassius Longinus sowie Marcus und Decimus Iunius Brutus spielte er anfangs keine Rolle.

      Marcus Antonius beanspruchte als Unterfeldherr Caesars und dessen Mitkonsul f├╝r das Jahr 44 v. Chr. die F├╝hrung der caesarianischen Partei f├╝r sich. So weigerte er sich zun├Ąchst, das Verm├Âgen des Diktators an Octavian herauszugeben. Dieser zahlte dennoch die in Caesars Testament vorgesehenen Legate an dessen Veteranen und die Bev├Âlkerung Roms aus. Daf├╝r nutzte er die in Apollonia beschlagnahmte, f├╝r den Partherkrieg vorgesehene Kriegskasse, versteigerte aber auch eigene G├╝ter. Dieses Vorgehen brachte ihm rasch eine gro├če Zahl von Anh├Ąngern und damit auch politisches Gewicht ein. Der einflussreiche Senator und Konsular Marcus Tullius Cicero, der nicht zu den Verschw├Ârern geh├Ârt hatte, aber mit der republikanischen Sache sympathisierte, unterst├╝tzte den scheinbar unerfahrenen jungen Mann, in der Hoffnung, ihn als politisches Gegengewicht zu Marcus Antonius aufbauen zu k├Ânnen. Octavian ging vordergr├╝ndig darauf ein, verfolgte aber seine eigenen Pl├Ąne und st├╝tzte sich dabei auf eigene, erfahrene Ratgeber.

      Dazu geh├Ârten pers├Ânliche Freunde wie der wohlhabende Gaius Maecenas, Agrippa und Salvidienus Rufus sowie Octavians Stiefvater Lucius Marcius Philippus. Als Lehrer und philosophische Berater zog Octavian Athenodoros von Tarsos und Areios von Alexandria zu Rate. Von besonderer Bedeutung war, dass Octavian sofort zwei der engsten Berater Caesars ├╝bernahm: Gaius Oppius und Lucius Cornelius Balbus. Oppius hatte zuvor Caesars Korrespondenz verwaltet und seinem Nachrichtendienst vorgestanden; Balbus war Caesars Privatsekret├Ąr gewesen, hatte als ÔÇ×graue Eminenz" hinter dem Diktator gegolten und w├Ąhrend dessen h├Ąufiger Abwesenheit von Rom inoffiziell die Amtsgesch├Ąfte gef├╝hrt. Oppius und Balbus wurden zu wichtigen Vertrauensm├Ąnnern Octavians, die starken Einfluss auf seine ersten Schritte als Caesars Erbe nahmen. So stand dem vermeintlich unerfahrenen Octavian vom Beginn seiner politischen Laufbahn an ein umfangreicher Beraterstab zur Verf├╝gung, der ihn nachhaltig unterst├╝tzte.

      W├Ąhrend Antonius Ende des Jahres 44 v. Chr. in Gallia cisalpina Decimus Brutus angriff, baute Octavian in Italien ein Heer aus Veteranen Caesars auf. Auf Dr├Ąngen Ciceros, der den Kampf gegen Marcus Antonius forderte und dazu Octavians Truppen ben├Âtigte, best├Ątigte der Senat Anfang 43 v. Chr. dessen angema├čte milit├Ąrische Befehlsgewalt. Dar├╝ber hinaus ernannte er den noch nicht 20-J├Ąhrigen zum Senator, verlieh ihm ein propr├Ątorisches Kommando ├╝ber seine Legionen sowie den Rang eines Konsularen und gestattete ihm die ├ťbernahme aller ├ämter zehn Jahre vor dem gesetzlich festgelegten Mindestalter. Octavian ging jetzt sogar ein B├╝ndnis mit den Republikanern ein. Noch im selben Jahr besiegte er Antonius gemeinsam mit einem Senatsheer unter den Konsuln Aulus Hirtius und Gaius Vibius Pansa Caetronianus in der Schlacht von Mutina.

      Beide Oberh├Ąupter der Republik kamen im Mutinensischen Krieg um, und Octavian verlangte nun eines der freigewordenen Konsulate f├╝r sich. Als der Senat dies verweigerte, marschierte Octavian mit seinen Truppen auf Rom und bem├Ąchtigte sich staatsstreichartig der Stadt. Am 19. August 43 v. Chr. erzwang er seine Wahl zum Konsul sowie die ├ächtung der Caesarm├Ârder. Mittlerweile hatte Antonius wieder mehr Legionen unter seinen Befehl gebracht als vor seiner Niederlage. Daher - und weil Octavian auf der politischen B├╝hne Roms nun als ÔÇ×R├Ącher" seines Adoptivvaters auftrat - wechselte er die Seiten und ging mit den F├╝hrern der caesarianischen Partei ein B├╝ndnis ein. Nach dem Vorbild Caesars, Pompeius' und Crassus' aus dem Jahr 60 v. Chr. bildeten Octavian, Marcus Antonius und der Reiterf├╝hrer Marcus Aemilius Lepidus im Oktober 43 v. Chr. ein zweites Triumvirat. Zu dessen Bekr├Ąftigung heiratete Octavian Antonius' Stieftochter Clodia.

      Die ÔÇ×Dreim├Ąnnerherrschaft zur Ordnung des Staates" (tresviri rei publicae constituendae), wie das B├╝ndnis offiziell hie├č, beruhte allein auf der milit├Ąrischen Macht der Triumvirn, also auf ihrer Verf├╝gungsgewalt ├╝ber die weitaus meisten r├Âmischen Legionen.[18] Sie lie├čen sich von der Volksversammlung am 27. November 43 v. Chr. diktatorische Machtbefugnisse auf f├╝nf Jahre ├╝bertragen. Wie zur Zeit Sullas wurden nun Proskriptionslisten ver├Âffentlicht und alle, die darauf verzeichnet waren, f├╝r vogelfrei erkl├Ąrt. Laut Sueton soll sich Octavian anfangs gegen die Proskriptionen gewehrt, sie dann aber unnachsichtiger durchgef├╝hrt haben als seine beiden Kollegen. Auf Antonius' Betreiben fiel dem Massaker an den politischen Gegnern der Triumvirn auch Cicero zum Opfer.

      Die Proskriptionen erf├╝llten zwar nicht die finanziellen Erwartungen der Triumvirn, doch sie dezimierten die republikanische F├╝hrungsschicht im Senat von Rom, dessen L├╝cken die Machthaber mit loyalen Anh├Ąngern f├╝llten. ├ähnlich verfuhren sie mit den Magistraten anderer St├Ądte. Diese und andere Ma├čnahmen verschoben die Gewichte innerhalb der r├Âmischen F├╝hrungsschicht entscheidend zu Ungunsten der republikanisch gesinnten Kr├Ąfte. Es waren diese Umw├Ąlzungen, die der Augustus-kritische Althistoriker Ronald Syme als ÔÇ×Roman revolution" bezeichnete.

      Im Jahr 42 v. Chr. gingen Antonius und Octavian nach Griechenland, wo die Caesarm├Ârder Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus ihre Streitkr├Ąfte gesammelt hatten. Deren Niederlage in der Schlacht bei Philippi in Makedonien im Herbst bedeutete den endg├╝ltigen Untergang der r├Âmischen Republik. Da der Sieg im Wesentlichen Antonius zu verdanken war, nahm dessen Gewicht innerhalb des Triumvirats weiter zu.

      Als die Triumvirn nach Philippi ihre Einflusssph├Ąren absteckten, erhielt Antonius zus├Ątzlich zu Gallia Comata die Narbonensis und gab daf├╝r die Gallia cisalpina auf, die fortan gemeinsam mit Italien verwaltet wurde. Ferner sollte er die Verh├Ąltnisse in den wohlhabenden Ostprovinzen ordnen. Lepidus wurden, nachdem er urspr├╝nglich ganz ausgeschaltet werden sollte, die beiden nordafrikanischen Provinzen zugesprochen - damals die Kornkammer Roms. Octavian erhielt die beiden spanischen Provinzen und die schwierige Aufgabe, die Veteranen in Italien anzusiedeln, das von den Triumvirn gemeinsam verwaltet wurde. Diese Versorgung der so genannten Heeresclientel wurde seit der marianischen Heeresreform von jedem Feldherrn erwartet, der sich die politische Unterst├╝tzung seiner Veteranen sichern und das Vertrauen k├╝nftiger Legion├Ąre erwerben wollte.

      Bei den Landverteilungen kam es zu brutalen Enteignungen und Vertreibungen nicht nur einzelner Landbesitzer, sondern ganzer Stadtbev├Âlkerungen. Octavian war damals allgemein verhasst. ├ťberdies kam es wegen der Landverteilung zu schweren Differenzen mit Antonius' Bruder Lucius, den Octavian aber im Perusinischen Krieg besiegte. Antonius landete daraufhin mit seinen Truppen in Italien. Die Legionen beider Triumvirn verweigerten aber den Kampf und zwangen sie zu einem erneuten B├╝ndnis. Der Vertrag von Brundisium vom Herbst 40 v. Chr. sah unter anderem die Heirat Antonius' mit Octavians Schwester Octavia vor.

      Octavian hatte im selben Jahr - nach dem Tod seiner ersten Frau Clodia - Scribonia geheiratet, eine Verwandte von Pompeius' Sohn Sextus. Sie schenkte ihm eine Tochter, Iulia, die sein einziges leibliches Kind bleiben sollte. Aber noch vor Iulias Geburt verstie├č er ihre Mutter wieder, um im Jahr 38 v. Chr. Livia Drusilla zu ehelichen. Der Skandal wurde noch dadurch vergr├Â├čert, dass er Livia in sein Haus aufnahm, noch bevor sie sich von ihrem bisherigen Mann, dem ├╝berzeugten Republikaner Tiberius Claudius Nero, hatte scheiden lassen k├Ânnen. Die Frau, die zu seiner engsten Ratgeberin wurde, brachte die beiden S├Âhne Tiberius und Drusus mit in die Ehe. Tiberius sollte schlie├člich der Nachfolger seines Stiefvaters als Kaiser werden.

      Der letzte politische Gegner der Triumvirn, der noch ├╝ber nennenswerte milit├Ąrische Macht verf├╝gte, war Sextus Pompeius mit seiner Flotte. Er kontrollierte Sizilien und gef├Ąhrdete die Kornzufuhr nach Rom, was Octavians Autorit├Ąt dort zus├Ątzlich untergrub. Auf Druck des Senats schloss Octavian 39 v. Chr. mit Sextus Pompeius den Vertrag von Misenum, in dem er ihm Sardinien, Korsika, Sizilien und die Peloponnes ├╝berlassen und ein Konsulat f├╝r das Jahr 35 v. Chr. zusichern musste. Da diese Zugest├Ąndnisse Octavians Macht erheblich einschr├Ąnkten, setzte er bereits im folgenden Jahr alles daran, Pompeius' Einfluss zur├╝ckzudr├Ąngen. Das Triumvirat wurde 38 v. Chr. um weitere f├╝nf Jahre verl├Ąngert. Erst nach mehreren schweren R├╝ckschl├Ągen und Niederlagen gelang es Octavians neuem Flottenf├╝hrer Marcus Vipsanius Agrippa 36 v. Chr., Pompeius in der Seeschlacht von Naulochoi vor der Nordk├╝ste Siziliens zu vernichten. Als es Octavian kurz darauf gelang, auch Lepidus zu entmachten, dessen Truppen in Sizilien zu ihm ├╝berliefen, beherrschte er den gesamten Westen des Reichs. Im Kampf um die Alleinherrschaft stand ihm nur noch Antonius im Wege.

      Von Ende 35 bis Anfang 34 v. Chr. brachte Octavian bei kleineren Feldz├╝gen in Dalmatien ein schlagkr├Ąftiges Heer in Form. Unterdessen f├╝hrte sein Rivale einen erfolglosen Krieg gegen die Parther, die bereits 40 v. Chr. unter dem Befehl des Quintus Labienus, eines Anh├Ąngers der republikanischen Sache, in Syrien eingedrungen waren. Zudem ging Antonius eine dauerhafte Beziehung mit K├Ânigin Kleopatra VII. von ├ägypten ein, deretwegen er im Jahr 32 v. Chr. die in Rom ├Ąu├čerst popul├Ąre Octavia verstie├č. Als er im selben Jahr daran ging, Teile des r├Âmischen Ostens an Kleopatra und ihre gemeinsamen Kinder zu verschenken, verlor er in Rom fast jeden R├╝ckhalt. Octavian nutzte Antonius' Verhalten propagandistisch geschickt aus. Um ihm auch noch seine letzten Anh├Ąnger abspenstig zu machen, schreckte er nicht einmal vor einem Sakrileg zur├╝ck: Er zwang die Vestalinnen zur Herausgabe des bei ihnen hinterlegten Testaments des Antonius und lie├č es in Ausz├╝gen vor dem Senat und der Volksversammlung verlesen. Zuvor hatten zwei Zeugen der Testamentsausfertigung, die Senatoren Lucius Munatius Plancus und Marcus Titius, die im Herbst 32 v. Chr. von Antonius abgefallen waren, Octavian ├╝ber den Inhalt des Dokuments informiert: Danach hatte Antonius Kleopatras Kinder als Erben r├Âmischer Gebiete eingesetzt, Caesarion als leiblichen Sohn Caesars anerkannt und bestimmt, dass er neben Kleopatra in Alexandria bestattet werden wolle. Als dies bekannt wurde, enthob der Senat Antonius aller ├ämter. Da Octavian die ├Ągyptische K├Ânigin als Urheberin von Antonius' ÔÇ×romfeindlichem" Verhalten darstellte, erkl├Ąrte der Senat sie zur Staatsfeindin und ├ägypten den Krieg. Mit diesem Schachzug war es Octavian gelungen, den Kampf gegen einen innenpolitischen Gegner in einen Krieg Roms gegen einen ├Ąu├čeren Feind umzum├╝nzen. Wer Antonius von da an noch unterst├╝tzte, half damit auch diesem ├Ąu├čeren Feind und musste in den Augen traditionell denkender R├Âmer als Verr├Ąter erscheinen.

      Octavians und Antonius' triumvirale Befugnisse waren formell schon am 1. Januar 32 v. Chr. abgelaufen und ihre prokonsularischen Kompetenzen bestanden nur noch provisorisch. Daher ben├Âtigte Octavian zur Kriegf├╝hrung die Verleihung einer neuen Amtsgewalt. Er lie├č sich zum ÔÇ×F├╝hrer Italiens" (dux Italiae) ausrufen, dem der gesamte Westen den Treueid leisten musste. Zudem ├╝bernahm er f├╝r das folgende Jahr erneut das Konsulat. Aus dieser rechtlich abgesicherten Position heraus er├Âffnete Octavian im Jahr 31 v. Chr. den Krieg gegen Antonius. Schon der erste Zusammensto├č der beiden Rivalen brachte die Entscheidung. In der Seeschlacht bei Actium - am Ausgang des Ambrakischen Golfs in Epirus - unterlagen Antonius und Kleopatra am 2. September 31 v. Chr. den Streitkr├Ąften Octavians und Agrippas. Diese nahmen im folgenden Jahr Alexandria ein, woraufhin Antonius und Kleopatra Selbstmord begingen. ├ägypten verlor seine Selbstst├Ąndigkeit und wurde als neue r├Âmische Provinz annektiert. Damit endete der Krieg zweier M├Ąnner um die Macht in Rom und zugleich die 100 Jahre w├Ąhrende Epoche der r├Âmischen B├╝rgerkriege. Als Zeichen daf├╝r, dass im ganzen Reich Frieden herrschte, wurden am 12. Januar 29 v. Chr. die Tore des Janustempels auf dem Forum Romanum geschlossen. Dies geschah laut Titus Livius erst zum dritten Mal seit der sagenhaften Gr├╝ndung Roms 753 v. Chr.

      Am 13. Januar des Jahres 27 v. Chr. begann in Rom ein mehrt├Ągiger Staatsakt, der den Ausnahmezustand des B├╝rgerkriegs auch offiziell beendete. Formal wurde damit die alte Ordnung der Republik wiederhergestellt, tats├Ąchlich aber eine v├Âllig neue, monarchische Ordnung geschaffen: das sp├Ątere r├Âmische Kaisertum in Gestalt des Prinzipats mit republikanischer Fassade. Auf Vorschlag des Lucius Munatius Plancus verlieh der Senat Octavian am 16. Januar den neu geschaffenen Ehrennamen Augustus.

      In den Jahren nach Actium stand der Alleinherrscher vor drei gro├čen Aufgaben: den Staat neu aufzubauen, das Reich nach innen und au├čen zu sichern und die Nachfolge zu regeln, um seinem Werk auch ├╝ber seinen Tod hinaus Dauer zu verleihen. Da Augustus all das gelang, markiert der Staatsakt vom Januar 27 v. Chr. nicht nur den Beginn seiner 40-j├Ąhrigen Regierungszeit als Princeps, sondern auch den einer ganz neuen Epoche der r├Âmischen Geschichte.


      Als Octavian im Sommer 29 v. Chr. aus dem Osten nach Rom zur├╝ckgekehrt war und einen dreifachen Triumphzug abgehalten hatte,[22] stand er vor dem gleichen Problem, an dem Caesar 15 Jahre zuvor gescheitert war: Eine Staatsordnung zu schaffen, die f├╝r das in mehr als 400 Jahren gewachsene, republikanische Rechtsverst├Ąndnis der R├Âmer akzeptabel war und zugleich der Tatsache gerecht wurde, dass sich die tats├Ąchliche Macht seit 70 Jahren mehr und mehr verlagert hatte: weg vom Senat, den Konsuln und den anderen republikanischen Institutionen, hin zu den Befehlshabern der Legionen. Von Marius und Sulla bis zum 1. und 2. Triumvirat hatten immer wieder milit├Ąrische Machthaber eine au├čerordentliche politische Gewalt errungen. Octavian ging es nun darum, diese au├čerordentliche Gewalt der Milit├Ąrdespoten in eine ordnungsgem├Ą├če umzuwandeln, sie also rechtlich in das bisherige Staatsgef├╝ge einzuf├╝gen.

      Die einfache Wiederherstellung der alten Adelsrepublik kam f├╝r ihn aus zwei Gr├╝nden nicht in Frage: Zum einen war die staatstragende Bev├Âlkerungsschicht der Republik, der Senatsadel, durch die B├╝rgerkriege weitgehend vernichtet worden. Zum anderen erforderte die Ausdehnung des Reichs eine gro├če Zahl von Legionen. Dies h├Ątte deren Befehlshaber immer wieder in die Lage versetzt, sich zum Imperator ausrufen zu lassen und die Macht an sich zu rei├čen, wie es in den Jahrzehnten des B├╝rgerkriegs - von Marius ├╝ber Sulla bis zu Caesar - immer wieder geschehen war. Es galt, die Befehlsgewalt, das imperium, ├╝ber das Gros des r├Âmischen Milit├Ąrs in einer Hand zu vereinen: Die Heeresclientel musste monopolisiert werden.

      Nach den Wirren der vorangegangenen Jahrzehnte waren auch die R├Âmer - traditionell eher gegen jede Art von Alleinherrschaft eingestellt - bereit, die milit├Ąrische Macht in die Hand eines Mannes zu legen. Octavian ging dabei aber so klug vor, nicht den K├Ânigstitel anzustreben, sondern die republikanische Ordnung formal wiederherzustellen.

      Wie schon im Kampf gegen Antonius erwies sich Octavian auch bei dieser Aufgabe als Meister der politischen Propaganda. Dies geht aus seinem Tatenbericht (Res Gestae Divi Augusti) hervor, in dem er gegen Ende seines Lebens folgendes Bild von seiner Handlungsweise zeichnete:

      ÔÇ×In meinem 6. und 7. Konsulat (das hei├čt 28 und 27 v. Chr.), nachdem ich den B├╝rgerkriegen ein Ende gesetzt hatte, habe ich, der ich mit Zustimmung der Allgemeinheit zur h├Âchsten Gewalt gelangt war, den Staat (ÔÇ×rem publicam") aus meinem Machtbereich wieder der freien Entscheidung des Senats und des r├Âmischen Volkes ├╝bertragen. F├╝r dieses, mein Verdienst wurde ich auf Senatsbeschluss Augustus genannt. (ÔÇŽ) Seit dieser Zeit ├╝berragte ich zwar alle an Einfluss und Ansehen; an Macht aber besa├č ich hinfort nicht mehr als diejenigen, die auch ich als Kollegen im Amt gehabt habe."
      Die Realit├Ąt hinter diesem Bild sah jedoch anders aus: Augustus legte sich zwar nicht den K├Ânigstitel zu, aber er lie├č sich von den bestehenden republikanischen ├ämtern und Gewalten all jene ├╝bertragen, die ihm in ihrer B├╝ndelung zu einer monarchischen, k├Ânigsgleichen Stellung verhalfen. Gleichzeitig erm├Âglichte ihm dieses Vorgehen, sich als Amtstr├Ąger der Republik darzustellen.

      In der Tat suchte Octavian gleich nach seiner R├╝ckkehr die Unterst├╝tzung der alten Adelsgeschlechter und ging daran, das Ansehen der republikanischen Institutionen zu st├Ąrken. So lie├č er aus dem Senat 190 Mitglieder ausschlie├čen, die als nicht standesgem├Ą├č galten. Gleichzeitig f├╝llte er die gelichteten Reihen des Senatsadels wieder auf, indem er verdiente Personen in den Patrizierstand erhob. Er selbst nannte sich - betont bescheiden - princeps senatus, Erster des Senats, ein Titel, den es fr├╝her schon gegeben hatte und lediglich einen primus inter pares meinte, einen Ersten unter Gleichen. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung Prinzipat f├╝r die augusteische Herrschaftsform, die etwa so viel bedeutet wie ÔÇ×Herrschaft des ersten B├╝rgers". Gro├čen Eindruck bei der Bev├Âlkerung Roms machte der neue Princeps Ende des Jahres 28 v. Chr., als er alle Gesetze aus der Zeit des Triumvirats aufheben lie├č.

      Am 13. Januar 27 v. Chr. schlie├člich, dem ersten Tag des Staatsakts, legte Octavian die gesamte au├čerordentliche Milit├Ąrgewalt ├╝ber die Provinzen zur├╝ck in die H├Ąnde des ÔÇ×gereinigten" Senats. Damit bildete dieser wieder das zentrale Herrschaftsorgan. Die Republik war formal wiederhergestellt. Allgemein war von der res publica restituta die Rede. So weit stimmten die Tatsachen mit Augustus' propagandistischer Version ├╝berein.

      Gleich am n├Ąchsten Tag aber ├╝bertrug der Senat die Herrschaft ├╝ber die H├Ąlfte der Provinzen wieder an Octavian, und zwar die H├Ąlfte derer, die an den R├Ąndern des Imperiums lagen und in denen daher das Gros der Legionen stand. Da Octavian - vertreten durch Legaten - die Befehlsgewalt (imperium proconsulare) ├╝ber sie behielt, blieb er also Milit├Ąrmachthaber und alleiniger Patron der Heeresclientel - dies aber nun im Rahmen der Gesetze. Das Reich gliederte sich fortan in kaiserliche und senatorische Provinzen.

      Ein weiteres republikanisches Element der neuen Staatsordnung war die R├╝ckkehr zur j├Ąhrlichen Neubesetzung der Magistrate. Eines der zwei Konsulate nahm der Princeps in den n├Ąchsten Jahren allerdings regelm├Ą├čig f├╝r sich in Anspruch. Dies ├Ąnderte sich mit der Revision der Prinzipatsverfassung am 1. Juli 23 v. Chr. Bis auf zwei Jahre verzichtete Augustus von da an auf das Konsulat. Stattdessen lie├č er sich auf Lebenszeit die tribunizische Gewalt (tribunicia potestas) ├╝bertragen, also nicht das Amt des Volkstribunen, sondern ÔÇ×nur" dessen Amtsbefugnisse. Damit gewann er das Recht, den Senat und die Volksversammlungen einzuberufen, diesen Gesetze vorzuschlagen, sein Veto gegen Senatsbeschl├╝sse einzulegen und sogar den Konsuln Amtshandlungen zu verbieten. Um auch den Magistraten in Rom und Italien Anweisungen geben zu k├Ânnen, wurden der tribunicia potestas des Augustus alle konsularischen Sonderrechte hinzugef├╝gt, die einem Volkstribunen eigentlich nicht zustanden. Damit wurde die tribunizische Gewalt zur Quelle der kaiserlichen Macht in Rom und Italien. Durch die Aufgabe des st├Ąndigen Konsulats verlor Augustus jedoch seine Weisungsbefugnis gegen├╝ber den Prokonsuln des Senats und damit auch gegen├╝ber den senatorischen Provinzen. Um diese wiederherzustellen, lie├č er sich eine ├╝bergeordnete prokonsularische Gewalt (imperium proconsulare maius) ├╝bertragen.

      Mit der Revision der Prinzipatsverfassung legte Augustus zwar formal das Konsulat nieder, behielt aber faktisch alle Befugnisse eines Konsuls. Durch seinen Verzicht auf das Konsulat hatte er jedoch bis auf die Purpurtoga und die Corona Triumphalis alle ├Ąu├čeren Rangabzeichen verloren, die auf seine zentrale Stellung hindeuteten. Um dies auszugleichen, wurden dem Princeps 19 v. Chr. die konsularischen Ehrenrechte zuerkannt: So wurde er wieder st├Ąndig von zw├Âlf Liktoren begleitet und durfte im Senat zwischen den beiden amtierenden Konsuln Platz nehmen. Augustus verzichtete also augenscheinlich auf die absolute Macht, indem er den Senatsadel daran teilhaben lie├č, behielt aber in Wirklichkeit alle wichtigen Funktionen in Staat und Milit├Ąr in seiner Hand.

      Der Ehrenname Augustus, der Erhabene, den der Senat Octavian am letzten Tag des Staatsakts vom Januar 27 v. Chr. verlieh, erinnerte an das augurium, eine Kulthandlung zur Deutung des Willens der G├Âtter, die der Sage nach schon Romulus vorgenommen hatte. Der Name setzte seinen Tr├Ąger also mit dem legend├Ąren Gr├╝nder der Stadt Rom gleich und verlieh der obersten politischen Gewalt im Staat eine sakrale Aura, wie sie die Konsuln zu Zeiten der Republik nie besessen hatten. Mit dem neuen Titel verlieh der Senat dem Princeps auch einen Ehrenschild (clipeus virtutis) auf dem die Tugenden des Augustus gepriesen wurden (Tapferkeit, Milde, Gerechtigkeit, Pflichterf├╝llung gegen├╝ber den G├Âttern und dem Vaterland).

      Die sakrale W├╝rde des Princeps wurde weiter gest├Ąrkt, als im Jahre 13 oder 12 v. Chr. Marcus Aemilius Lepidus starb. Augustus' einstiger Kollege im Triumvirat hatte nach seiner Entmachtung lediglich das Amt des Pontifex Maximus behalten d├╝rfen. Nun ├╝bernahm Augustus auch dieses Amt; als oberster Priester des r├Âmischen Staatskultes konnte er nun auch alle Belange der religio Romana in seinem Sinne regeln.

      Als weitere Ehrung beschloss der Senat 8 v. Chr., den Monat Sextilis in Augustus umzubenennen. Als Grund f├╝r die Wahl dieses Monats anstelle von Augustus' Geburtsmonat September wurde angef├╝hrt, dass er im Sextilis erstmals Konsul geworden sei und drei Triumphe gefeiert habe. Au├čerdem markiere dieser Monat, in dem ├ägypten erobert worden war, das Ende der B├╝rgerkriege. Der eigentliche Grund k├Ânnte aber gewesen sein, dass der Sextilis direkt auf den nach Caesar benannten Juli folgte.

      Am 5. Februar des Jahres 2 v. Chr. verlieh der Senat Augustus schlie├člich den Titel pater patriae (ÔÇ×Vater des Vaterlandes"), auf den er besonders stolz war, denn er war mehr als eine blo├če Ehrenbezeichnung. Vielmehr f├╝hrte er jedermann vor Augen, dass dem Kaiser gegen├╝ber allen Reichsangeh├Ârigen die gleiche Autorit├Ąt zustand wie jedem r├Âmischen Familienoberhaupt, dem pater familias, ├╝ber die Seinen.

      Die Neuordnung des Staatswesens wurde von den R├Âmern nicht widerspruchslos hingenommen. Insbesondere die patrizischen Familien des alten Senatsadels, die Augustus als Empork├Âmmling ansahen, konnten sich mit ihrer Entmachtung nur schwer abfinden. Einige Quellen berichten, dass Augustus sich in der Zeit nach seiner R├╝ckkehr aus dem Osten nur mit einem Brustpanzer unter der Toga in den Senat wagte und Senatoren nur einzeln und nach eingehender Leibesvisitation empfing. Verschw├Ârungen wie die von Maecenas' Schwager A. Terentius Varro Murena und des Fannius Caepio, die im Jahr 23 oder 22 v. Chr. aufgedeckt wurde, zeigen, dass Augustus' Politik noch lange Zeit erheblichen Widerstand hervorrief. Da der Zeitpunkt der Verschw├Ârung nicht genau datiert werden kann, ist bis heute ungekl├Ąrt, ob sie ausl├Âsender Faktor oder Folge der im Jahr 23 erfolgten Neujustierung der Prinzipatsordnung war.

      Dass das neue Herrschaftssystem schlie├člich doch akzeptiert wurde, lag sicher nur zum Teil daran, dass Augustus den republikanischen Institutionen und den althergebrachten Rechten und Sitten, dem mos maiorum, seinen Respekt erwies. Die R├Âmer konnten sich zwar sagen, dass die alte Republik und ihre Institutionen der Form nach weiterhin bestanden, aber die politisch Interessierten d├╝rften Augustus' Propaganda sicher durchschaut haben. Ausschlaggebend war am Ende die schlichte Tatsache, dass der Prinzipat funktionierte - ganz im Gegensatz etwa zu den Ordnungsmodellen Sullas oder Caesars - und dass es zu Augustus keine realistische Alternative gab. Ein weiterer, nicht zu untersch├Ątzender Faktor f├╝r den Erfolg der neuen Herrschaftsordnung war die Zeit: Augustus regierte nach der Erringung der Alleinherrschaft noch mehr als 40 Jahre, l├Ąnger als jeder seiner Nachfolger. Die R├Âmer gew├Âhnten sich in dieser langen Zeit an die Herrschaft des Ersten B├╝rgers. Als der Kaiser starb, waren kaum noch R├Âmer am Leben, die die alte Republik noch bewusst erlebt hatten. So setzte mit der Errichtung des Prinzipats eine lange Periode des inneren Friedens und des Wohlstands ein. Augustus' neue Ordnung sollte 300 Jahre - bis zur Herrschaft Diokletians - Bestand haben.

      Eine ebenso anspruchsvolle Aufgabe wie der Umbau der Staatsverfassung war die innere und ├Ąu├čere Stabilisierung des Reichs, seine wirtschaftliche Erholung, die Wiederherstellung von Recht und Ordnung in Rom und den Provinzen und die Sicherung der Grenzen. Die Voraussetzungen f├╝r einen allgemeinen Wirtschaftsaufschwung waren nach Actium besser denn je in den vorangegangenen Jahrzehnten. Augustus konnte mehr als ein Drittel der rund 70 Legionen entlassen, d. h. etwa 80.000 der 230.000 Mann, die 31 v. Chr. noch unter Waffen gestanden hatten. Ein solches Heer w├Ąre f├╝r Friedenszeiten nicht nur zu gro├č und zu kostspielig gewesen; es h├Ątte immer auch eine potentielle Gefahr dargestellt, so viele Soldaten unter Waffen zu belassen.

      Anders als 12 Jahre zuvor musste er f├╝r die Abfindung der Veteranen nicht auf Konfiskationen zur├╝ckgreifen, sondern konnte die ungeheure Beute, die ihm mit dem ├Ągyptischen Staatsschatz in die H├Ąnde gefallen war, f├╝r Landk├Ąufe nutzen. So entstand in Italien und den Provinzen eine breite Schicht ihm ergebener Bauern. Auch seine Anh├Ąnger in Rom - etwa im neuen Senat - wurden mit Geld und Posten bedacht. So schuf Augustus selbst die neuen Gesellschaftsschichten, auf denen die Staatsordnung des Prinzipats ruhen sollte.

      In die Provinzen, die bis dahin immer wieder von Kontributionen, Truppenaushebungen und durchziehenden Heeren heimgesucht worden waren, kehrte allm├Ąhlich ein gewisser Wohlstand zur├╝ck, denn der Prinzipat stellte Rechtssicherheit her und verhinderte vor allem die bis dahin ├╝bliche Auspl├╝nderung durch ehemalige Magistrate der Republik. Diese hatten sich in den Provinzen stets f├╝r die Kosten schadlos gehalten, die ihr politisches Engagement in Rom verursachte. Der Geschichtsschreiber Velleius Paterculus fasste die Wirksamkeit von Augustus' Politik wenige Jahre nach dessen Tod folgenderma├čen zusammen:

      ÔÇ×Die ├äcker fanden wieder Pflege, die Heiligt├╝mer wurden geehrt, die Menschen genossen Ruhe und Frieden und waren sicher im Besitz ihres Eigentums."
      Tacitus, ansonsten einer der sch├Ąrfsten Kritiker der Prinzipatsordnung, erkannte die Stabilisierung der Wirtschafts- und Lebensverh├Ąltnisse als deren gr├Â├čtes Verdienst an. Bis heute gilt Augustus Konsolidierungspolitik als musterg├╝ltig, wie der Begriff der ÔÇ×Augusteischen Schwelle" belegt, der in j├╝ngster Zeit in der Politikwissenschaft verwendet wird.

      Anfangs ├╝bernahm der Kaiser die Neuordnung der Provinzen noch selbst. Bereits im Sommer des Jahres 27 v. Chr. brach er zu einer mehrj├Ąhrigen Inspektionsreise durch den Nordwesten des Reiches auf. Gallien war seit der Eroberung durch Caesar sich selbst ├╝berlassen geblieben. Nach der Ordnung der Verh├Ąltnisse dort eroberte Augustus diejenigen Gebiete im Norden der iberischen Halbinsel, die bis dahin noch nicht zum Reich geh├Ârt hatten, und gliederte sie der Provinz Hispania Tarraconensis ein. In Tarraco trat er sein 8. und 9. Konsulat an.[25] Auf der R├╝ckreise nach Rom im Jahr 23 v. Chr. erkrankte Augustus so schwer, dass seine Umgebung bereits mit seinem Tod rechnete. Er ├╝berlebte schlie├člich, entschloss sich aber, seine Legionen k├╝nftig nicht mehr pers├Ânlich zu f├╝hren.

      Zu einem Kennzeichen der Herrschaft des Augustus wurde auch eine R├╝ckbesinnung auf althergebrachte Sitte und Moral. Im Jahr 19 v. Chr. lie├č sich Augustus vom Senat die cura morum, die Sittenaufsicht ├╝bertragen. Im Jahr darauf lie├č er in den Leges Iuliae etwa die Strafvorschriften f├╝r Ehebruch versch├Ąrfen und eine allgemeine Pflicht zur Ehe einf├╝hren. Er selbst hatte in den Jahren seines Aufstiegs nicht eben ein Muster altr├Âmischer Tugenden abgegeben - die erzwungene Scheidung seiner Frau Livia von ihrem fr├╝heren Mann war daf├╝r nur das hervorstechendste Beispiel. Nun aber sah er in der Betonung traditioneller Werte ein Mittel, die geistigen Verheerungen aus der Zeit der B├╝rgerkriege zu heilen.

      W├╝rde und Autorit├Ąt des Princeps erforderten nat├╝rlich, dass Augustus und seine Familie mit gutem Beispiel vorangingen. Dies f├╝hrte schlie├člich zum Zerw├╝rfnis mit seiner Tochter Iulia, die sich der v├Ąterlichen Moral nicht unterwerfen wollte. Im Jahr 2 v. Chr. lie├č Augustus selbst sie vor dem Senat des Ehebruchs anklagen und auf die kleine Insel Pandateria verbannen. Neun Jahre sp├Ąter, 8 n. Chr., ereilte den Dichter Ovid, den Autor der Ars amatoria (ÔÇ×Liebeskunst"), das gleiche Schicksal: Er wurde nach Tomis am Schwarzen Meer verbannt.

      Das propagandistische Bild vom Princeps als treusorgendem altr├Âmischem Patron, der ├╝ber das Wohl der Seinen wacht, fand sichtbaren Ausdruck in einem umfangreichen Bauprogramm in Rom (publica magnificentia). Dazu geh├Ârten Zweckbauten wie Aqu├Ądukte und eine riesige Sonnenuhr, vor allem aber Repr├Ąsentationsbauten wie das Augustusforum, das Marcellustheater und zahlreiche Tempel, die dazu dienten, den R├Âmern Macht und Autorit├Ąt des Augustus vor Augen zu f├╝hren. Der Kaiser spricht in seinem Tatenbericht von 82 Tempeln, die er in einem Jahr habe instandsetzen, Vergil in der Aeneis von 300 Tempeln, die er insgesamt habe bauen lassen.

      Augustus Au├čenpolitik wurde lange als defensiv beurteilt. Historiker des 19. Jahrhunderts sahen in ihr nur eine Arrondierung und Sicherung der Reichsgrenzen. Zu dieser Sicht trug unter anderem die Tatsache bei, dass Augustus den Plan Caesars zu einem Feldzug gegen das Partherreich nicht wieder aufnahm. Eine milit├Ąrische Machtdemonstration gegen├╝ber dem Nachbarn im S├╝dosten gen├╝gte, um den Partherk├Ânig Phraates IV. im Jahr 20 v. Chr. zu einer vertraglichen Grenzregelung und zur Herausgabe der in der Schlacht bei Carrhae 53 v. Chr. erbeuteten, symboltr├Ąchtigen Legionsadler zu veranlassen. In Rom wurde als gro├čer milit├Ąrischer Sieg propagiert, was in Wirklichkeit eine friedliche L├Âsung darstellte.

      Die Eingliederung ├ägyptens verlief weitgehend problemlos. Im Jahr 25 v. Chr. gewann Rom die neue Provinz Galatia in Kleinasien aufgrund einer testamentarischen Verf├╝gung des letzten Galater-K├Ânigs Amyntas. Zudem geriet eine Reihe neuer Klientelstaaten wie Armenien, Kappadokien und Mauretanien in Abh├Ąngigkeit von Rom.

      Dennoch lie├č sich die These von der prinzipiell friedlichen, defensiven Au├čenpolitik nicht aufrecht erhalten. Kein republikanischer Feldherr und kein Kaiser hat dem R├Âmischen Reich so gro├če Territorien einverleibt wie Augustus - und dies vor allem durch kriegerische Eroberungen. Nachdem 17 v. Chr. bei den S├Ąkularfeiern in Rom noch die Friedensordnung des Prinzipats gefeiert worden war, ging das Reich im darauffolgenden Jahr wieder zur Offensive ├╝ber. Der Grund daf├╝r ist bis heute ungekl├Ąrt. Wom├Âglich fing als kleinere Grenzstreitigkeit mit germanischen St├Ąmmen an, was mit ausgedehnten milit├Ąrischen Operationen an den nord├Âstlichen Grenzen und der Eingliederung von nicht weniger als f├╝nf neuen Provinzen endete.

      Von der Ostgrenze Galliens, den Alpen und dem dalmatinischen K├╝stengebirge wurde die Reichsgrenze bis zu Donau und Rhein, zeitweise sogar bis zur Elbe vorgeschoben. S├╝dlich der Donau entstanden die neuen Provinzen Raetia, Noricum, Pannonia, Illyricum und Moesia. In diese Zeit, ins Jahr 15 v. Chr, f├Ąllt beispielsweise die Gr├╝ndung der Stadt Augusta Vindelicorum, des heutigen Augsburg, dessen Name auf den Princeps zur├╝ckgeht. An der strategisch wichtigen Via Claudia Augusta gelegen, wurde der Ort sp├Ąter zur Hauptstadt der Provinz Raetien.

      In einer milit├Ąrischen Katastrophe endete allerdings die Eroberung des rechtsrheinischen Germania Magna. Diese Eroberung war schon unter Augustus' Stiefsohn Drusus weit gediehen und wurde nach dessen Tod im Jahr 9 v. Chr. von Tiberius erfolgreich weitergef├╝hrt. Im Jahr 9 n. Chr. aber vernichtete ein von dem Cheruskerf├╝rsten Arminius initiiertes B├╝ndnis germanischer St├Ąmme drei r├Âmische Legionen unter dem Befehl des Publius Quinctilius Varus. Die Varusschlacht wurde m├Âglicherweise am Nordrand des Wiehengebirges geschlagen, das in den r├Âmischen Quellen als saltus Teutoburgiensis bezeichnet wird. Die schwere Niederlage hatte zun├Ąchst einen verlustreichen Kleinkrieg und schlie├člich den R├╝ckzug der R├Âmer auf die Rhein-Donau-Linie und die Errichtung des Limes als befestigte Grenze gegen Germanien zur Folge.

      Obwohl Augustus in fast allen Quellen zu seinem Leben als gut aussehender Mann geschildert wird, war er seit seiner Kindheit von schwacher Konstitution. Er ├╝berlebte mehrere schwere Krankheiten wie die im Jahre 23 v. Chr. nur knapp und konnte nicht damit rechnen, das f├╝r die damalige Zeit sehr hohe Alter von fast 76 Jahren zu erreichen. F├╝r sein Bestreben, der neu geschaffenen Herrschaftsordnung Dauer zu verleihen, stellte die Erbfolgeregelung daher eine zentrale Aufgabe dar. W├Ąhrend seine Frau Livia einen ihrer S├Âhne von Tiberius Claudius Nero auf dem Thron sehen wollte, verfolgte Augustus den Plan, die Nachfolge in der eigenen, julischen Familie zu sichern. Da der Kaiser keine S├Âhne hatte, zwang er seine Tochter Iulia, nacheinander mehrere Nachfolgekandidaten zu heiraten.

      Dies war im Jahr 25 v. Chr. zun├Ąchst Marcellus, der Sohn seiner Schwester Octavia und ihres ersten Mannes. Die Bevorzugung seines Neffen f├╝hrte offenbar zu zeitweisen Spannungen zwischen Augustus und seinem Feldherrn Agrippa, der sich selbst begr├╝ndete Hoffnungen auf die Nachfolge machte. Doch Marcellus starb kaum 20-j├Ąhrig Ende des Jahres 23 v. Chr. und Agrippa galt nun als aussichtsreicher Nachfolgekandidat. Augustus dr├Ąngte den alten Freund im Jahr 21 v. Chr., sich von seiner Frau scheiden zu lassen und die 25 Jahre j├╝ngere Iulia zu heiraten. Die beiden hatten zwei T├Âchter und drei S├Âhne, Gaius Caesar, Lucius Caesar und den nachgeborenen Agrippa Postumus. Sp├Ątestens seit Agrippas Tod 12 v. Chr. betrachtete Augustus die beiden ├Ąlteren Enkel als seine bevorzugten Nachfolger. Aus diesem Grund hatte er sie schon zu Agrippas Lebzeiten als S├Âhne adoptiert.

      Beide Enkel waren aber 12 v. Chr. noch so jung, dass sie nach einem vorzeitigen Tod des Augustus nicht sofort die Nachfolge h├Ątten antreten k├Ânnen. Bis sie als Nachfolgekandidaten alt genug sein w├╝rden und der r├Âmischen ├ľffentlichkeit vorgestellt werden konnten, ben├Âtigte der Princeps einen Stellvertreter. Dieser sollte Augustus bei den Regierungsgesch├Ąften unterst├╝tzen und anstatt der zu jungen Enkel beerben. Diese Rolle, die einst Agrippa innegehabt hatte, sollte nun Tiberius ausf├╝llen. Augustus zwang ihn, sich von seiner Frau Vipsania, einer Tochter Agrippas, zu trennen, Iulia zu heiraten und sich zum Schutz der beiden jungen Prinzen zu verpflichten. Augustus scheint sich damals aber weder Tiberius noch dessen j├╝ngeren Bruder Drusus, zu dem er ein besseres Verh├Ąltnis hatte, als Nachfolger gew├╝nscht zu haben. Er machte deutlich, dass Tiberius nur ein ÔÇ×Platzhalter" f├╝r die beiden Enkel war und nur f├╝r eine ├ťbergangszeit als Nachfolgekandidat dienen sollte.[27] Dies f├╝hrte zum Zerw├╝rfnis mit Tiberius, der die erzwungene Ehe mit Iulia zudem als Qual empfand. Der Stiefsohn legte daher 5 v. Chr. alle ├ämter nieder und ging nach Rhodos ins Exil. Zu einer Auss├Âhnung kam es erst, nachdem Lucius und Gaius Caesar kurz hintereinander, 2 und 4 n. Chr., gestorben und Iulia wegen ihres Lebenswandels aus Rom verbannt worden war. Da Drusus bereits 9 v. Chr. bei einem Kriegszug in Germanien umgekommen war, blieb nur noch Tiberius als Nachfolger ├╝brig.

      Augustus adoptierte ihn am 26. Juni des Jahres 4 gemeinsam mit seinem letzten noch lebenden Enkel Agrippa Postumus. Letzteren lie├č er jedoch drei Jahre sp├Ąter aus nie ganz gekl├Ąrten Gr├╝nden auf die Insel Planasia bei Elba verbannen, wo er unmittelbar nach Augustus' Tod ermordet wurde. Tiberius wiederum musste den Sohn seines verstorbenen Bruders Drusus adoptieren: Germanicus. Der Gro├čneffe des Augustus entstammte als Enkel der Octavia zugleich dem julischen und dem claudischen Familienzweig. Da Germanicus 4 n. Chr. noch zu jung war, um Augustus direkt im Amt nachzufolgen, wies der Princeps ihm die Rolle des Nachfolgers von Tiberius zu. Nach dieser familienpolitischen Weichenstellung bis in die dritte Generation ├╝bertrug Augustus seinem Adoptivsohn Tiberius im Jahr 4 n. Chr. die tribunizische Amtsgewalt (tribunicia potestas). Aber erst im Jahr 13 n. Chr., im Jahr vor seinem Tod, verlieh Augustus ihm auch die prokonsularischen Befugnisse (imperium proconsulare maius) und designierte Tiberius damit ├Âffentlich als einzig m├Âglichen Nachfolger.

      Im Sommer des folgenden Jahres unternahm der Kaiser eine Reise, die ihn ├╝ber Capri nach Benevent f├╝hren sollte. Er erkrankte bereits auf Capri an Diarrhoe, reiste aber noch weiter aufs Festland bei Neapel und lie├č sich nach Nola bringen - angeblich in dasselbe Haus, in dem 71 Jahre zuvor sein Vater Gaius Octavius gestorben war. Dort verstarb der Kaiser in Gegenwart seiner Frau Livia und einer Reihe herbeigeeilter W├╝rdentr├Ąger am 19. August des Jahres 14, am gleichen Tag, an dem er ├╝ber 50 Jahre zuvor sein erstes Konsulat angetreten hatte. Laut Sueton verabschiedete sich der Mann, der in seinem Leben so viele Masken getragen hatte, mit einer Formel, die Kom├Âdianten am Ende eines St├╝ckes sprachen: Wenn nun das Ganze Euch wohl gefallen hat, so klatscht Beifall, und entlasst uns alle mit Dank nach Hause.

      Augustus' Leiche wurde auf dem Marsfeld in Rom verbrannt und die Asche in dem prachtvollen Augustusmausoleum beigesetzt, das der Kaiser dort f├╝r sich und seine Familie hatte errichten lassen. Zudem wurde der Kaiser - wie die meisten r├Âmischen Caesaren nach ihrem Tod - zum Staatsgott (divus) erkl├Ąrt. Dem Kult des Divus Augustus wurde ein Tempel zwischen Kapitol und Palatin geweiht. Er oblag einem Kollegium von 21 Priestern, den Augustales, in das nur die h├Âchsten Mitglieder des Senats und des Kaiserhauses berufen wurden.

      Schon Zeitgenossen des Augustus betrachteten ihre Gegenwart als ÔÇ×apollinische ├ära", gepr├Ągt von Apoll, dem Gott des Lichts, der K├╝nste und der Musik, der Weisheit und der Weissagung, dem der Kaiser Heiligt├╝mer bei Actium und bei seinem eigenen Wohnhaus auf dem palatinischen H├╝gel in Rom errichtete.

      Ein Beispiel daf├╝r, welche Verehrung dem Princeps schon zu Lebzeiten zuteil wurde, ist ein Kultlied des Horaz (carm. IV 5,17 ff.):

      Nunmehr zieht seines Wegs sicher der Stier dahin,
      Ceres segnet die Flur wieder mit reicher Saat,
      Friedlich schaukelt das Schiff durch die vers├Âhnte Flut
      Treu und Glauben sind neu erwacht (ÔÇŽ)
      Wen erf├╝llt noch mit Angst Parther und Skythe jetzt?
      Wen Germaniens Brut, S├Âhne der rauen Luft
      Wen, da Caesar uns lebt, k├╝mmert des Krieges Dr├Ąun
      Fern im wilden Iberien?(ÔÇŽ)
      Vollends verkl├Ąrt wurde die Regierungszeit des ersten Kaisers nach seinem Tod unter dem Begriff der Pax Augusta, des augusteischen Friedens. Im Vergleich zum vorangegangenen Jahrhundert und zur Herrschaft vieler Nachfolger des ersten Kaisers brachte die augusteische ├ära - das Saeculum Augustum - Rom, Italien und den meisten Provinzen in der Tat eine lange w├Ąhrende Zeit von innerem Frieden, Stabilit├Ąt, Sicherheit und Wohlstand. Nach den Verheerungen der B├╝rgerkriege bl├╝hte die Wirtschaft nun ebenso auf wie Kunst und Kultur.

      Die Zeit brachte Dichter wie Vergil, Horaz, Ovid und Properz, Historiker wie Titus Livius oder Architekten wie Vitruv hervor. Der Kaiser selbst versuchte sich als Trag├Âdienautor, vernichtete aber sein Drama Ajax, dessen Unzul├Ąnglichkeit ihm bewusst war, mit dem Kommentar: Mein Ajax ist in den Schwamm gefallen.

      Rom wandelte sich, wie Augustus meinte, von einer Stadt aus Ziegeln zu einer Stadt aus Marmor. Beeindruckende architektonische Zeugnisse dieser Zeit haben sich bis heute erhalten, etwa das Marcellus-Theater, das von Agrippa erbaute und unter Kaiser Hadrian erneuerte Pantheon und nicht zuletzt Augustus' Mausoleum und die Ara Pacis, der Friedensaltar aus dem Jahre 9 v. Chr., der auf einem Relief eine Prozession der kaiserlichen Familie zeigt.

      Das Bild, das der Kaiser mit solchen Bauten den R├Âmern vermitteln wollte, kontrastierte aber sp├Ątestens seit dem Jahr 16 v. Chr. wieder mit den unabl├Ąssigen Kriegen, die an den Grenzen gef├╝hrt wurden. Das Reich expandierte unter Augustus in einem Ma├č wie nie zuvor und nie wieder danach. Neben dem reichen ├ägypten und Galatia wurden ihm Provinzen an Rhein und Donau hinzugef├╝gt, deren Eroberung nur mit der Galliens durch Caesar vergleichbar war.

      Von Krieg aber war im Inneren des Reichs und der Provinzen nach dem Jahr 31 v. Chr. nur noch wenig zu sp├╝ren. Frieden und Wohlstand nahmen deshalb auch schon die Zeitgenossen als pr├Ągendes Kennzeichen der Epoche wahr. Dies war der Grund, warum sie sich letztlich mit der Einf├╝hrung der Monarchie und dem Ende der Republik abfanden, zumal der Versuch einer R├╝ckkehr zur republikanischen Ordnung wohl zu einem neuen B├╝rgerkrieg gef├╝hrt h├Ątte. Und es ist vielleicht kein Zufall, dass ein Religionsstifter, der zur Zeit des verg├Âttlichten, als Retter und Friedensf├╝rst gefeierten Augustus zur Welt kam, von seinen Anh├Ąngern sp├Ąter als Gottessohn, Heiland und Verk├╝nder eines Reichs des Friedens verehrt werden sollte

      Das Augustusbild war ├╝ber die Jahrtausende steten Wandlungen und Einfl├╝ssen ausgesetzt, die mit der Person und der Politik des Princeps selbst wenig oder nichts zu tun hatten. Seit Sp├Ątantike und Mittelalter haben Christen immer wieder versucht, die pax Augusta mit der pax Christiana gleichzusetzen, da Jesus von Nazaret im augusteischen Zeitalter geboren worden war. Auch in der Neuzeit wollten Politiker aus jeweils unterschiedlichen Motiven heraus immer wieder Parallelen zwischen der eigenen und der Zeit des Augustus konstruieren. W├Ąhrend der Franz├Âsischen Revolution wurde z. B. die Errichtung des Direktoriums nach der Schreckensherrschaft der Jakobiner im Jahr 1794 mit der Errichtung des Prinzipats verglichen. Im 20. Jahrhundert wiederum entfachten die italienischen Faschisten ein regelrechtes Augustusfieber. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus versuchten zahlreiche Althistoriker, darunter Wilhelm Weber , die Herrschaftsweise des Augustus als Vorbild f├╝r die so genannte nationale Erneuerung Deutschlands durch das ÔÇ× F├╝hrerprinzip " darzustellen.
      Der Althistoriker Theodor Mommsen hat Augustus' Prinzipatsordnung nicht als Allein-, sondern als Doppelherrschaft gedeutet, die sich Senat und Princeps geteilt h├Ątten. [29] Gegen dieses Bild wandte sich Ronald Syme , dessen 1939 erschienenes Werk The Roman Revolution vor allem aufgrund seines reichhaltigen Materials als Ausgangspunkt der modernen Augustus-Forschung gilt. Symes Darstellung war von der Ausbreitung faschistischer Bewegungen im Europa seiner Zeit gepr├Ągt. F├╝r ihn war Augustus ein Diktator. ├ähnlich wie Mussolini - nur mit entgegengesetzter, negativer Bewertung - sah Syme in seinem Aufstieg Parallelen zum aufkommenden Faschismus . Augustus' Regime sei aus einer Revolution hervorgegangen, er selbst ein Parteimann, der gest├╝tzt auf Geld und Waffen die alte F├╝hrungsschicht beseitigt und durch eine neue ersetzt habe. Als kalkulierender Machtmensch habe er die alte, zerfallende Republik zu Grabe getragen, um unter einer scheinbar republikanischen Fassade eine Alleinherrschaft zu begr├╝nden.
      Der Historiker Jochen Bleicken urteilt zwar kritisch, aber nicht abwertend ├╝ber den Princeps: In der antiken Geschichte gebe es nur Alexander und Caesar , deren Leistungen sich mit denen des Augustus vergleichen lie├čen. Dennoch k├Ânne man ihn nicht mit diesen ÔÇ×Gro├čen" gleichsetzen, die im Grunde nur zerst├Ârend gewirkt h├Ątten. Augustus hingegen sei vor allem der wegweisende ÔÇ×Baumeister des R├Âmischen Kaiserreichs" und ÔÇ×Erzieher" der neuen Eliten des Prinzipats gewesen.Von einer Heuchelei des Augustus oder von einem Fassadencharakter seines Regimes k├Ânne keine Rede sein. Dietmar Kienast sah in Augustus gar den selbstlosesten Machthaber der gesamten Geschichte. Auch Klaus Bringmann zieht in seiner aktuellen Augustus-Biographie eine insgesamt positive Bilanz der Regierungszeit des ersten r├Âmischen Kaisers: Anders als Ronald Syme sieht er in dessen Leistungen den Beleg daf├╝r, dass der Besitz der Macht f├╝r Augustus kein blo├čer Selbstzweck war


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